Die Zuverlässigkeit der biblischen Prophetie – Teil 1 Fr. 13. September 2019

Fr. 13. September 2019

Nach Aussagen von Bibelgelehrten gibt es in der Heiligen Schrift über 6000 Verse mit prophetischem Inhalt. Davon haben sich über 3000, also etwa die Hälfte, buchstäblich erfüllt. – Von der Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift. Teil 1

Von Norbert Lieth

Im Alten Testament stehen über 300 deutliche Voraussagen, die sich auf die erste Ankunft Jesu beziehen und die sich nachweislich vor 2000 Jahren erfüllt haben. Allein im Buch des Propheten Daniel (Kap 11,2-35) finden sich über 150 Prophezeiungen für die Zeit zwischen Altem und Neuem Testament, und zwar von Cyrus bis zu Alexander dem Grossen, von Kleopatra bis Antiochus Epiphanes und bis zur Makkabäerzeit. Roger Liebi hat diese Prophezeiungen nachgeprüft und in seinem Buch über Daniel veröffentlicht. Wenn wir über diese Tatsachen staunen, können wir dann nicht auch erwarten, dass sich die noch ausstehenden Prophezeiungen der Bibel ebenfalls buchstäblich erfüllen, zum Beispiel die Voraussagen über die Wiederkunft Jesu, die Endzeit, die Wiederherstellung Israels und das kommende Reich Christi auf Erden?

Alle Prophezeiungen und Verheissungen der Bibel sollen uns in die offenen Arme Jesu treiben und unseren Glauben an Ihn stärken. So sagte Jesus einmal zu Seinen Jüngern: «Jetzt sage ich’s euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin» (Joh 13,19).

Wir wollen aus den vielen Voraussagen des Wortes Gottes einmal ein Beispiel herausgreifen, und zwar den Fall des alten Babylon. In den nachfolgend aufgeführten Bibelstellen werden sieben Aussagen über die Zukunft Babylons gemacht: «So wird es Babel, der Zierde der Königreiche, der stolzen Pracht der Chaldäer, ergehen (1) wie nach der Umkehrung von Sodom und Gomorra durch Gott. (2) Nie mehr wird es bewohnt sein, und es bleibt unbesiedelt von Generation zu Generation. Und der (3) Araber wird dort nicht zelten, und Hirten werden ihre Herden dort nicht lagern lassen. Aber (4) Wüstentiere werden dort lagern, und voller Eulen werden ihre Häuser sein. Strausse werden dort wohnen und Bocks-Dämonen dort tanzen. Wilde Hunde werden heulen in seinen Palästen und Schakale in den Lustschlössern. Und seine Zeit steht nahe bevor, und seine Tage werden nicht verlängert werden» (Jes 13,19-22).

«Ich werde es zum Besitz der Igel machen und (5) zu Wassersümpfen. Und ich werde es ausfegen mit dem Besen der Vertilgung, spricht der Herr der Heerscharen» (Jes 14,23).«… so dass man (6) von dir weder Eckstein noch Grundstein nehmen kann. Denn eine ewige Trümmerstätte sollst du sein, spricht der Herr» (Jer 51,26). «Seine Städte sind zur Wüste geworden, ein dürres Land und eine Steppe, ein Land, worin niemand wohnt und (7) durch das kein Menschenkind zieht» (Jer 51,43).

In diesen Texten finden wir sieben Prophezeiungen, die wir nochmals kurz zusammenfassen:
1) Babylon soll wie Sodom und Gomorra werden (Jes 13,19).
2) Es soll nie wieder bewohnt sein (Jes 13,20; Jer 51,26).
3) Araber werden dort keine Zelte aufschlagen und ihre Herden dort nicht lagern lassen (Jes 13,20).
4) Wüstentiere werden in den Ruinen hausen (Jes 13,21-22).
5) Das Gebiet soll von Wassersümpfen bedeckt werden (Jes 14,23).
6) Die Eck-und Gundsteine Babylons sollen nicht mehr für andere Bauarbeiten benutzt werden (Jer 51,26).
7) Die Stadt wird nicht mehr von Menschen durchzogen werden (Jer 51,43).

Bedenken wir, dass die Propheten diese Aussagen in der Blütezeit des Babylonischen Reiches machten, als sein Niedergang noch weit entfernt war. Babylon war zu jener Zeit sowohl auf wirtschaftlichem Gebiet, als auch auf militärischer und politischer Ebene führend – es war in jener Epoche ein mächtiges Weltreich. Doch davon liess sich Gott nicht beeindrucken. Es kam, wie es kommen musste: Seine Prophezeiungen erfüllten sich. Im Oktober 539 v.Chr. wurde Babylon vom Perserkönig Cyrus eingenommen. 66 Jahre zuvor, im Jahr 605 v.Chr., fand die erste Deportation der Einwohner Judas statt; zu ihnen gehörte auch Daniel (Dan 1,1ff.). Rund vier Jahre nach der Einnahme Babylons durch die Perser durften die verbannten Juden 535 v.Chr. durch einen Erlass von König Cyrus wieder in ihr Land zurückkehren. Das war genau 70 Jahre nach der ersten Deportation, wie es von Gott prophezeit war (Jer 25,11-13; 29,10).

Bis dahin war es praktisch unmöglich, die Mauern Babylons zu durchbrechen oder zu überwinden, denn: Die Stadt war umgeben von einem 9 Meter breiten Wallgraben und einer doppelten Mauer. Die äussere Mauer war 95 Meter hoch (30 Stockwerke) und 27 Meter dick (Platz für 8 nebeneinander fahrende Streitwagen oder 14 Autos). Und die Mauer hatte 250 Wachtürme, die nochmals 30 Meter höher waren als die äussere Mauer und 100 bronzebeschlagene Tore.

Auch die Perser wussten zunächst nicht, wie sie die Mauer erstürmen sollten. Deshalb wurden sie von den Babyloniern verspottet. Wenn wir jedoch in Daniel 5 nachlesen, ist es umso verwunderlicher, wie Babylon von den Persern urplötzlich eingenommen wurde. Der babylonische Regent Belsazar war von diesem Ereignis überrumpelt und verängstigt. Er machte sich anscheinend so wenig Sorgen über einen bevorstehenden Sturz seines Reiches, dass er noch am selben Abend ein grosses Fest feierte (V 1). Doch plötzlich erschien eine Schrift an der Wand des Festsaales, und er erschrak zutiefst: «Mene, mene, tekel upharsin …» Niemand konnte diese Schrift lesen oder auslegen (V 8), bis der Jude Daniel gerufen wurde. Er las und deutete die Schrift: «… dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern gegeben» (V 28). Und schliesslich heisst es: «In derselben Nacht wurde Belsazar, der chaldäische König, getötet» (V 30).