Welchen Sinn hat das Leid?

Das Leid Hiobs gibt eine göttliche Antwort auf das individuelle Leid der Menschen. Warum muss der gerechte Hiob so viel leiden? Von einer Straussenhenne und Gottes Nicht-Antwort …

1. Satan ist der Urheber des Leides. 

2. Gott lässt Leid aus verschiedenen Gründen zu: zur Züchtigung und zur Verherrlichung Seines Namens oder als Demonstration (Schauspiel) für die Engelwelt. Er lässt es auch als Beweis für Satan zu, dass es noch gottergebene Menschen gibt, und Er lässt es zum Zeugnis für andere Menschen zu. Was immer auch der Grund sein mag, am Schluss ergibt das Ganze immer einen Sinn.

3. Die Freunde Hiobs zeigen uns, dass der Mensch keine Antwort auf das Leid findet.

4. Der vierte Mann, Elihu, deutet in seiner Weisheit darauf hin, dass Gott in Bezug auf Sein Tun keine Antwort gibt, dass Er uns keine Rechenschaft schuldig ist: «Warum hast du gegen ihn gehadert? Denn über all sein Tun gibt er keine Antwort» (Hiob 33,13).

  • Gott ist Gott und nicht ein Mensch. 
  • Er ist der Schöpfer, wir sind die Geschöpfe.
  • Wir können nicht über Ihn bestimmen, Er jedoch über uns.
  • Er hat uns und alle Geschehnisse in Seiner Hand.
  • Wir haben Ihn niemals in unserer Hand.
  • Er muss uns keine Antwort geben, wir jedoch Ihm.
  • Er ist uns keine Rechenschaft schuldig, wir Ihm aber sehr wohl.
  • Was Er festlegt, ist immer göttlich, gerecht und gut. 
  • Alles dient einem von Ihm festgelegten Zweck.

5. Hiob wollte mit Gott streiten und sich rechtfertigen. Gott antwortete ihm: «Will der Tadler mit dem Allmächtigen hadern? Wer Gott zurechtweisen will, der antworte nun!» (Hiob 40,2). Hiob bekennt später: «So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte» (Hiob 42,3).

6. Gott selbst antwortet Hiob nur indirekt, indem Er auf die Natur verweist: Wo warst du, als ich die Erde gründete? Hast du, seitdem du lebst, einem Morgen geboten? Bist du auch bis zur Quelle des Meeres gekommen? Wer macht den Regen, den Schnee, das Eis, den Reif? Welches ist der Weg zu den Wohnungen des Lichtes? Knüpfst du das Gebinde des Siebengestirns? Kannst du die Fesseln des Orion lösen? Kannst du die Bilder des Tierkreises hervortreten lassen? (vgl. Hiob 38,4.12.16.26.22.29.19.31). Mit anderen Worten: Wenn du all das verneinen musst, wie willst du dann eine Antwort auf das Leid finden?

Dann verweist der Herr auf die Schöpfung der Tiere (Hiob 39). Statt auch nur eine Silbe über Hiobs Leid zu verlieren, erzählt Er von Steinböcken, Hirschkühen, Wildeseln und Ochsen, von Pferden und Geiern und dem Straussenvogel. Stellen wir uns das einmal vor: Weder Hiob noch seine Freunde, noch irgendein anderer Mensch kann das Leid erklären. Sie sind verzweifelt auf der Suche nach einer Antwort. Hiob streitet mit Gott und endlich antwortet Er. Und wie antwortet Er? Er spricht von einer Straussenhenne! Die Straussenhenne flattert mit den Flügeln, kann scheinbar nicht fliegen; sie überlässt ihre Eier schutzlos der Erde, sie behandelt ihre Kinder hart, sie hat nur einen kleinen Verstand, aber wenn sie sich dann in die Höhe peitscht, lacht sie über das Pferd und seinen Reiter. Warum? Weil sie gleich schnell ist wie ein muskulöses Pferd, nämlich 70 Stundenkilometer. Dieser komische Vogel ist echt ein Rätsel (vgl. Hiob 39,13-18). 

Und das soll nun eine Antwort auf Leid sein? Das lenkt doch höchstens ein bisschen ab, indem man sich die Frage stellt, warum dieser Vogel wohl so ist. Doch auf einmal entdeckt man: Es stecken Dimensionen dahinter, die tiefgründiger sind als die Geheimnisse der Schöpfung, und nicht der Mensch, sondern einzig und allein Gott hat die vollkommene Einsicht. Für uns ist alles unergründlich und wir suchen eine Antwort – und plötzlich haben wir ein ganzes Buch als Antwort! 

Dann spricht der Herr von einem Leviatan (Saurier? Drache?) und dessen unheimlicher Kraft. Und darauf bezogen sagt Er: «Niemand ist so kühn, dass er ihn aufreize. – Und wer ist es, der sich vor mein Angesicht stellen dürfte?» (Hiob 41,2). Auch das ist eine Antwort: Gott muss uns in Seiner Grösse keine Rechenschaft geben über Dinge, die Er zulässt, die uns zu hoch sind, die wir nicht verstehen. 

7. Die Engel – im Buch Hiob «Söhne Gottes» genannt – nehmen Anteil am Ergehen der Menschen. Die Engel haben Einblick in unsere Welt; wir sind ihnen ein Zeugnis, ein Schauspiel (1.Kor 4,9; 11,10; Eph 3,10; 1.Tim 5,21). Schon allein dies kann ein Grund für zugelassenes Leid sein, denn das gesamte Geschehen in unserer Weltzeit und im Blick auf Israel dient den Engeln zur Anbetung Gottes. Das war bereits bei der Schöpfung so (Hiob 38,7) und wird am Ende dieser Weltzeit wieder so sein (Offb 4,9; 16,5; 19,1.3.4.6).

8. Das Ende Hiobs zeigt uns, dass Gottes Zulassungen nie willkürlich oder tyrannisch sind. Sie dienen immer einem bestimmten Zweck und zeigen uns, dass Gott nicht hart und teilnahmslos ist, sondern im Gegenteil, voller Mitleid und Erbarmen: «Siehe, wir preisen die glückselig, welche standhaft ausharren! Von Hiobs standhaftem Ausharren habt ihr gehört, und ihr habt das Ende gesehen, das der Herr [für ihn] bereitet hat; denn der Herr ist voll Mitleid und Erbarmen» (Jak 5,11).

Hiob bekam am Ende das Doppelte von all seinen Gütern erstattet und lebte danach noch 140 Jahre. Das ergibt einen seelsorgerlichen Sinn: Die Rechnung wird am Schluss gemacht, und jeder, der standhaft ausgeharrt und überwunden hat, wird Lohn empfangen. Und es zeigt auch, dass das Leid, so schwer es auch sein mag und so lange es auch dauern mag, immer endlich ist. Es kommt der Tag, an dem es ein Ende haben wird.

Norbert Lieth absolvierte seine theologische Ausbildung an der Bibelschule des Mitternachtsruf in Südamerika und war dort auf verschiedenen Missionsbasen tätig. Ein zentraler Punkt seines weltweiten Verkündigungsdienstes ist das prophetische Wort Gottes.
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