Warum sollen wir uns mit biblischer Prophetie beschäftigen?

Viele sehen die gründliche Beschäftigung mit dem prophetischen Wort der Heiligen Schrift kritisch. Doch der Seher Daniel wurde seinerzeit von Gott dazu angehalten, auf die Prophetie zu achten und sie zu verstehen. Eine Stellungnahme.

Daniel wurde zu Beginn der Offenbarung der 70 Jahrwochen gesagt: «Als du anfingst zu beten, erging ein Wort, und ich bin gekommen, es dir zu verkünden; denn du bist ein vielgeliebter Mann. So achte nun auf das Wort und verstehe das Gesicht! … So wisse und verstehe» (9,23.25). Aufgrund seines ernsten Gebets bekommt Daniel eine Antwort. Gleichzeitig wird er aufgefordert zu achten, zu verstehen und zu wissen.

Manche meinen irrtümlicherweise, wir müssten blind glauben. Nein! Was für Daniel galt, gilt auch für uns: Wir sollen beten, wachen, verstehen und wissen. Für das Verstehen und Wissen hat Gott uns einen Kopf gegeben! Wir sollen die Schrift lesen, darüber nachdenken, darin forschen. Und wir sollen das Wort auch «recht teilen» (richtig verkündigen und anwenden), wie es 2. Timotheus 2,15 sagt. Wenn wir das nicht tun, sind wir anfällig für Irrlehren aller Art. Wir müssen lernen, mit unserer Bibel zu arbeiten: Bibelstellen vergleichen, den Zusammenhang beachten, forschen, wachen beziehungsweise wachsam sein und auf die Zeichen der Zeit achten!

Zu diesem Beten, Wachen, Beachten und Erkennen fordert auch Jesus auf, und zwar ebenfalls im Blick auf die Endzeit. Als Er Seinen Jüngern das Programm der Endzeit offenbart, spricht Er: «Habt Acht, dass euch niemand verführt!» (Mt 24,4). «… wer es liest, der achte darauf!» (Mt 24,15). «Bittet aber …» (Mt 24,20). «… so erkennt (wisst) ihr, dass der Sommer nahe ist» (Mt 24,32). «So wacht nun … Das aber erkennt: Wenn der Hausherr wüsste, in welcher Nachtstunde der Dieb käme, so würde er wohl wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen» (Mt 24,42-43). Und weiter sagt der Herr: «Glückselig ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird» (Mt 24,46).

Eugen Schmid schreibt in Bezug auf das Wachsamsein in der Endzeit: «Wachsam sein heisst, genau wahrzunehmen, was um uns herum geschieht. Die Bibel bietet uns Deutungen für die Geschichte, die aktuelle politische Lage und ihre zukünftige Entwicklung an. Diese finden wir sowohl in den alt- wie den neutestamentlichen Büchern. Wenn wir sie berücksichtigen und beobachten, dann bemerken wir, wie faszinierend genau diese Deutungen für die heutigen Ereignisse zutreffen. Doch wir brauchen Kriterien, um die Wirklichkeit zu interpretieren und zu beurteilen. Deshalb ist die Prophetie notwendig, um Unterscheidungen treffen zu können.»

Da heute so viele Zeichen geschehen, die die kommende Apokalypse ankündigen, ist es umso wichtiger, zu wachen und bereit zu sein. Der englische Autor Bullinger bemerkt im Blick auf die Endzeit: «… die ganze Atmosphäre ist geschwängert mit den Elementen eines zukünftigen Unwetters und Verderbens.» Und Dr. Fritz Laubach ist überzeugt: «Nur wenn wir das Geschehen in der Welt aufmerksam verfolgen und im Licht biblischer Prophetie beurteilen, werden wir der Gefahr entgehen, selber in den Sog endzeitlicher Verführung zu geraten.» Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass das Evangelium zu kurz kommen könnte, wenn man zu sehr Wert auf die biblische Prophetie lege. Das Gegenteil ist richtig: Ohne Prophetie kommt das Evangelium zu kurz.

Dr. Fritz Laubach schreibt aufgrund von 2. Petrus 1,19 («So halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu  achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen») etwas provokativ: «… es ist also keine Ermessensfrage, ob wir uns im persönlichen Bibelstudium mit dem prophetischen Wort beschäftigen oder es als schwer verständlich umgehen. Ebenso ist es ein schwerwiegendes Versäumnis, wenn Verkündiger in ihren Gemeinden die biblische Lehre von den ‹letzten Dingen›, die Eschatologie, ausklammern und das Evangelium auf den Ruf zur Umkehr und eine Handlungsweisung zur praktischen Lebensbewältigung einschränken.»

Norbert Lieth absolvierte seine theologische Ausbildung an der Bibelschule des Mitternachtsruf in Südamerika und war dort auf verschiedenen Missionsbasen tätig. Ein zentraler Punkt seines weltweiten Verkündigungsdienstes ist das prophetische Wort Gottes.
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