Die Anker dieser Welt und Gottes Anker
«Und da sie fürchteten, wir könnten auf felsige Stellen verschlagen werden, warfen sie vom Hinterschiff vier Anker aus und wünschten, dass es Tag würde» (Apg 27,29).
Auch heute sehnt sich der Mensch nach einer anderen, besseren Zeit. Danach, dass es in dieser Welt und im persönlichen Leben wieder Licht wird. Doch aus eigener Kraft schafft es kein Mensch. – Vier Anker werden ins Meer geworfen. Ein Bild für die vier Enden der Erde. Die Menschen suchen Halt im grossen Weltenmeer. Man versucht, sich selbst zu helfen. Doch die Ratlosigkeit nimmt zu. «Yes, we can» oder «Wir schaffen das» verpuffen und erweisen sich als wirkungslos.
Organisationen, politische Programme, Kirchengebäude gehen unter. Die vier Anker nützen nichts. Das Schiff zerbirst (V. 41). Daraufhin sollen die Gefangenen getötet werden (V. 42). Doch Gott hat Paulus versprochen, dass alle gerettet werden, die bei ihm sind, und so geschieht es auch. Alle 276 Personen, die sich auf dem Schiff befinden, erreichen das rettende Ufer (Vv. 37.44).
Paulus besass einen anderen Anker, den Glaubensanker. Er sagte: «Deshalb seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue Gott, dass es so sein wird, wie zu mir geredet worden ist» (Apg 27,25).
In diesen schweren Zeiten ist es so wichtig, Gottes Zusagen zu vertrauen. Deshalb steht das Festhalten an Gottes Wort auch mit einer Schifffahrt in Verbindung. «Deswegen sollen wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten» (Hebr 2,1). Der Mensch braucht einen Anker, der im Himmel befestigt ist, direkt bei Gott selbst, und den gibt es: «Damit wir durch zwei unwandelbare Dinge – wobei es unmöglich war, dass Gott lügen würde – einen starken Trost hätten, die wir Zuflucht genommen haben zum Ergreifen der vor uns liegenden Hoffnung, die wir als einen sicheren und festen Anker der Seele haben, der auch in das Innere des Vorhangs hineingeht, wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist, der Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks» (Hebr 6,18-20).
Die «zwei unwandelbaren Dinge» sind Gottes Verheissung an Abraham, ihn reichlich zu segnen, und die zusätzliche Bekräftigung des Eides, den Gott bei sich selbst schwor. Für uns bedeutet das, dass Gott nicht lügen kann und dass somit jeder, der an Jesus glaubt und mit Ihm verankert ist, das Ziel erreichen wird.
So erhielt Paulus die Zusage, dass er nach Rom müsse und nichts ihn daran hindern könne, dorthin zu gelangen. Sein Vertrauen war felsenfest. Nicht die verantwortlichen Richter in Cäsarea, nicht die frommen Juden aus Jerusalem, die ihn töten wollten, nicht die Willkür der Soldaten, die die Gefangenen umbringen wollten, nicht der Sturmwind und die Wellen, nicht der Schiffbruch vor Melite und auch nicht die anschliessende Giftschlange – nichts konnte ihn aufhalten. Die ganze Reise führte zur Erfüllung der Wege Gottes. Denn: «So spricht der Herr, der einen Weg gibt im Meer und einen Pfad in mächtigen Wassern …» (Jes 43,16).
Neuland
«Und als wir gerettet waren, da erfuhren wir, dass die Insel Melite heisse [vielleicht Malta oder die westgriechische Insel Kephallenia]» (Apg 28,1).
Vers 2 berichtet, wie die Schiffbrüchigen von den Inselbewohnern freundlich aufgenommen wurden. «Als aber Paulus eine Menge Reiser zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Schlange heraus und biss sich an seiner Hand fest» (V. 3). – Es handelte sich wahrscheinlich um die bis zu 90 cm lange Sandviper oder Sandotter, die giftigste Schlange Europas. – «Er nun schüttelte das Tier in das Feuer ab und erlitt nichts Schlimmes» (V. 5). Und: «Es geschah aber, dass der Vater des Publius, von Fieber und Ruhr befallen, daniederlag. Zu dem ging Paulus hinein, und als er gebetet hatte, legte er ihm die Hände auf und heilte ihn. Als dies aber geschehen war, kamen auch die Übrigen auf der Insel, die Krankheiten hatten, herzu und wurden geheilt» (Vv. 8-9).
Diese Zusammenhänge erinnern prophetisch-heilsgeschichtlich an die kommende Zeit und weisen auf die grosse Notwendigkeit der Wiederkunft Jesu hin. Mit Seiner Ankunft kommt es zu einem neuen Tag. Mehrere Details in Apostelgeschichte 28,1ff. lassen einen an das messianische Reich denken:
So war um Mitternacht Neuland in Sicht. Und nach der langen Nacht auf dem Meer und nach dem Schiffbruch kamen der neue Tag und das neue Land, das Melite genannt wird, was so viel bedeutet wie: «Honigfluss». 276 Personen waren an Bord und wurden gerettet. Betrachten wir diese Zahl bildhaft, dann stellen wir fest, dass ja 276 Tage neun Monate entsprechen. Das ist die normale Dauer einer Schwangerschaft, bis es zu den Geburtswehen und der Ausstossung zur Neugeburt kommt. So können wir sagen, dass diese 276 Personen durch den Sturm hindurch zu etwas Neuem ausgestossen wurden. Genauso geht es schliesslich durch eine Wehenszeit in die Wiedergeburt dieser Welt (Mt 19,28). Dabei symbolisiert die Schlange, die ins Feuer geworfen wird und Paulus nichts anhaben kann (vgl. Mk 16,17-18), den Satan, der die Gemeinde nichts anhaben kann. Er mag sie wohl beissen, aber er kann ihr nicht wirklich schaden. Sein Ende wird der Feuersee sein. Die Freundlichkeit der Inselbewohner weist auf den Frieden auf Erden. Und die Wundertätigkeiten (Zeichen und Wunder) zeigen die «Kräfte des zukünftigen Zeitalters» (Hebr 6,5). Schliesslich verkündet Paulus in Rom denn auch die messianische Hoffnung Israels (V. 20).
Ausserdem sehen wir in der Berichterstattung von Apostelgeschichte 28 keine Unterscheidung mehr zwischen den drei Gruppen des Militärs, der Besatzung und der Gefangenen. Es wird nichts darüber gesagt, was aus den Gefangenen wurde, die auf dem Weg nach Rom waren, um dort zu sterben. Auch als Paulus in Rom ankam, erfahren wir nichts über sie. Daraus lässt sich womöglich schliessen, dass diese Todgeweihten tatsächlich das Leben gefunden haben. Es betraf nur sie, die sich auf dem Schiff befanden, und es ist schwer vorstellbar, dass sie aus dem Meer gerettet wurden, um schliesslich doch in Rom den Löwen vorgeworfen zu werden. – In dieser Hinsicht ist das Gemeindeschiff voll von Todgeweihten, ehemals Gebundenen, voll von Sündern, die zum Glauben an das Evangelium kamen, und sie alle sind gerettet.
Heute erkennen wir immer deutlicher, dass wir auf die Nacht zusteuern. Das Gemeindezeitalter geht seinem Ziel entgegen und der Herr Jesus kommt für Seine Gemeinde bald wieder. Das Geheimnis der Entrückung wird in der Apostelgeschichte noch nicht verkündet. Aber Paulus sagt später, dass wir nicht zur Nacht gehören (1Thess 5,5). Unser Weg führt uns durch alle Strapazen hindurch dem Reich Gottes entgegen. Darum wollen auch wir den Mut nicht sinken lassen.
Ergreifen wir also den Anker Gottes! – Und wenn du es noch nicht bist, komm auf Sein Schiff, setze dein Vertrauen auf Ihn und du wirst nicht enttäuscht werden.