Warum wir Heilsgewissheit haben können Teil 2

Fr. 28. Mai 2021

Die Heilsgewissheit des Gläubigen ist eine umstrittene biblische Lehre. Warum sie jedoch als Ermutigung für Wiedergeborene berechtigt ist, zeigt sich unter anderem in drei Aspekten.

Durch den Aufbau des Römerbriefs wird deutlich, dass es nur durch die Erkenntnis unserer eigenen Verlorenheit zur Heilsgewissheit kommen kann. Professor Kähler formulierte es deshalb einmal so: «Heilsgewissheit kann nur da aufblühen, wo zuvor Unheilsgewissheit ist.»

Drittens: Die Heilsgewissheit ist allein in Christus und Seinem Werk begründet. Wie wir gesehen haben, gibt es nach der Heiligen Schrift für die Heilsgewissheit keinen Anknüpfungspunkt in uns selbst. Die Gewissheit der Errettung und Sündenvergebung ist allein in Christus und Seinem vollkommenen Werk verankert. Der Grund meiner Heilsgewissheit liegt damit ausserhalb von mir selbst. So wie es Johann Andreas Rothe (1688–1758) in einem Lied gedichtet hat:

«Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält: wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht; wenn Erd und Himmel untergeht.

Er ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt; es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein. Deswegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deswegen klopft Er für und für so stark an unseres Herzens Tür.

Oh Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heisst die Wunden recht verbinden; da findet kein Verdammen statt, weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!

Wird alles andre weggerissen, was Seele und Leib erquicken kann; darf ich von keinem Troste wissen und scheine völlig ausgetan, ist die Errettung noch so weit, mir bleibet die Barmherzigkeit.

Muss ich an meinen besten Werken, darinnen ich gewandelt bin, viel Unvollkommenheit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin; doch ist auch dieser Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit.

Bei diesem Grunde will ich bleiben, solange mich die Erde trägt; das will ich denken tun und treiben, solange sich ein Glied bewegt. So sing ich einstens hocherfreut: O Abgrund der Barmherzigkeit.»

Der Hebräerbrief zeigt uns in einzigartiger Weise die Bedeutung des Herrn Jesus und Seines vollkommenen Werkes für unsere Errettung auf. In Kapitel 6,19 wird ebenfalls deutlich, dass der Anker unserer Hoffnung und Errettung ausserhalb von uns liegt. Er ist in Christus begründet und in Seiner Sühnung, die Er im himmlischen Heiligtum vollbracht hat: «Diese [Hoffnung] haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht.»

Weil der Anker meiner Errettung ausserhalb von mir selbst liegt, bleibt er völlig unabhängig von allen subjektiven Empfindungen bestehen. Aus diesem Grund beginnt der Apostel Paulus den Epheserbrief mit einem Lobpreis Gottes:

«Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehen nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich gegeben hat in aller Weisheit und Einsicht!» (Eph 1,3-8).

Petrus war als ein Jünger Jesu noch drei Jahre lang von der eigenen Nachfolge und Hingabe überzeugt. Deshalb war er auch immer schnell dabei, seinem Herrn Vorschläge zu machen oder ins Wort zu fallen. Er war sich sicher, den Herr ein klein bisschen mehr zu lieben wie die anderen Jünger, Ihm vielleicht doch nur einen Wimpernschlag treuer zu sein (Joh 13,37). Von all dem blieb in der Verleugnung nur ein Trümmerhaufen übrig. Und Petrus musste lernen, dass sein Herr nicht auf die Liebe und Treue Seines Jüngers, sondern dass er, Petrus, einzig und allein auf die Treue und Liebe seines Herrn angewiesen war. Der Apostel erkannte, dass der Grund seiner Errettung nicht in ihm selbst, sondern einzig und allein in Christus begründet ist. Diese Erkenntnis hat sich in wunderbarer Weise am Anfang des ersten Petrusbriefes niedergeschlagen:

«Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner grossen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten zu einem unvergänglichen und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch» (1Petr 1,3-4).

Vorhin erwähnte ich die Bedeutung des Hebräerbriefes. Auch an anderer Stelle des Briefes schlägt sich diese Gewissheit nieder, die einzig und allein in dem vollkommenen Werk des Herrn Jesus begründet ist:

«Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum, den er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang – das ist durch sein Fleisch – und einen grossen Priester über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten, denn treu ist er, der die Verheissung gegeben hat» (Hebr 10,19-23).

Christus hat für mich makellos die Gerechtigkeit gelebt und erfüllt, die Gott von mir verlangt. Er hat am Kreuz mit seinem Blut für alle meine Sünden, als das vollkommene Opferlamm, bezahlt. Darum gründet sich der biblische Glaube ausschliesslich auf das, was Christus getan hat. Der Glaubende wird allein um Christi willen gerettet!

Spurgeon soll einmal gesagt haben: «Wenn es zum Sterben geht, reduziert sich meine ganze Theologie auf vier Worte: Jesus starb für mich.»

Martin Luther hat sein Vertrauen, das sich einzig und allein auf das vollkommene Werk des Herrn Jesus stützte, in folgende Worte gefasst:

«Mir ist’s wegen angeborener Bosheit und Schwachheit bisher unmöglich gewesen, den Anforderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen das täglich beweinte Zurückbleiben vergeben hat, so ist’s aus mit mir, ich muss verzweifeln. Aber das lass ich bleiben. Wie Judas an den Baum sich hängen, das tu’ ich nicht. Ich häng mich an den Hals Christi wie die Sünderin, ob ich auch noch schlechter bin wie diese, ich halt meinen Herrn fest. Dann spricht Er zum Vater: ‹Vater, dies Anhängsel da, das muss auch durch. Er hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten. Aber er hat sich an mich gehangen. Vater, ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlüpfen!› Das soll mein Glaube sein!»

Johannes Pflaum erhielt eine fünfjährige Ausbildung am theologischen Seminar der Liebenzeller Mission. Er gehört zur «Christlichen Gemeinde Sennwald» und ist seit 2000 als Verkündiger und Bibellehrer im Rahmen des «Bibel-Lehr-Dienst» im In- und Ausland tätig.
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