Der Tag des Herrn wird kommen – Teil 2 Mi. 15. August 2018

Mi. 15. August 2018

Der Tag des Herrn wird kommen! Den genauen Zeitpunkt wissen wir zwar nicht, aber es scheinen vorher noch gewisse Ereignisse in Erfüllung gehen zu müssen, bevor er kommen kann. Die folgenden Ausführungen sollen dazu dienen, erkennen zu können, wo wir heute in etwa angelangt sind.

«Da erschien ihm der HERR und sprach: Reise nicht nach Ägypten hinab, sondern bleibe in dem Land, das ich dir nennen werde! Sei ein Fremdling in diesem Land, und ich will mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinem Samen will ich alle diese Länder geben und will den Eid bestätigen, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe. Und ich will deinen Samen mehren wie die Sterne des Himmels, und ich will deinem Samen das ganze Land geben; und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Völker der Erde, weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und meine Rechte, meine Gebote, meine Satzungen und meine Gesetze gehalten hat! So wohnte Isaak in Gerar» (1.Mo 26,2-6).

Kaum im Philisterland angekommen, hielt sich Isaak in Gerar (Gerar = «Aufenthalt» – «niederlassen») auf. Da erschien ihm der Herr und sagte ihm, dass er in diesem Land bleiben soll. Dann gab Er ihm die Verheissung, dass zu einem späteren Zeitpunkt all diese Gebiete ihm gehören werden, aber noch sollte er sich als Fremder dort aufhalten. Er ist im eigenen, verheissenen Land ein Fremder. Das lässt uns an die aktuelle Situation Israels denken:

– Gott ist Israel insofern erschienen (wenn auch noch nicht sichtbar als sein Gott), als Er Sein Volk seit 1948 wieder zurück ins Land «Palästina» geführt hat. Aus der Not des Holocaust heraus führte der Ewige Sein Bundesvolk wieder ins Land Israel. Die Zeit der Zerstreuung Israels ist die Zeit seiner geistlichen Hungersnot, in der ihnen das Brot des Lebens, Jesus Christus, abhanden gekommen war. Heute werden die Juden zurückgeführt, um neu dem Brot des Lebens (ihrem Messias Jesus) entgegengeführt zu werden.

– Nun sind die Juden wieder dort. Aber man könnte meinen, dass sie Fremde im eigenen, von Gott zugesagten Land wären und dass die Palästinenser-Fürsten immer noch das Sagen haben. Wenn ein palästinensischer Staat ausgerufen werden sollte, dann sind die Israeliten tatsächlich Fremde im eigenen Land.

– Und es scheint, dass die wirkliche Inbesitznahme des Landes zum vollständigen und friedvollen Eigentum Israels, in welchem sie Ruhe finden werden, auf einen späteren Zeitpunkt verlegt worden sei. Auch dazu finden wir meines Erachtens eine Parallele im Leben Isaaks: Der Herr erschien ihm später noch einmal (1.Mo 26,24), aber in ganz anderer Art und Weise als das erste Mal (V 2), und das ist von ausschlaggebender Bedeutung.

Das erste Mal sagte Gott der Herr dem Isaak etwas ganz Wichtiges: «Zieh nicht hinab nach Ägypten …» (1.Mo 26,2). Ägypten steht in der Bibel immer für die Welt, die Sünde, die Lust dieser Welt, Verführung, Fleischeslust und Knechtschaft – im Gegensatz zu Gottes Reich der Befreiung und Heiligung.

Israel wurde durch das Blut des Passahlammes aus der Knechtschaft Ägyptens befreit. Die Israeliten sollten nie wieder dorthin zurückkehren und sich niemals mehr ihrer Sünden teilhaftig machen. Doch immer dann, wenn sie es tun wollten und Sehnsucht danach hatten, wurde es ihnen zum Fluch. Es führte zum Niedergang und Verlust, ja oft zum Gericht.

Von Mose heisst es: «Durch Glauben verliess er Ägypten …» (Hebr 11,27). So sind auch wir (soweit wir wiedergeborene Christen sind) durch den Glauben an Jesus Christus aus dem «Ägypten» dieser Welt befreit und herausgezogen worden. Wir gehören nicht mehr dem Reich dieser Welt, sondern Gottes Reich an. Und auch wir werden gewarnt, nicht in die Sünde dieser Welt, in ihre Lust, Verführung und in ihre Knechtschaft zurückzukehren, weil damit gleichsam der geistliche Niedergang verbunden ist.

Wer als Kind Gottes trotzdem wieder beginnt, mit der Welt und ihrem sündigen Treiben zu liebäugeln und gar mitzumachen, verliert unweigerlich die Lust am Gebet, die Freude am Bibellesen und damit einhergehend den Drang, in die Versammlungen der Gemeinde, in die Jugendstunden oder Jungscharstunden zu gehen. Es ist dann auch kein Sieg mehr über Sünde vorhanden, und schliesslich hängt man wieder ganz in der Welt. Und weil die Sünde dann sogar wieder über uns triumphiert, wird der wunderbare Name Jesu Christi verunehrt.

Abraham machte einst einen grossen Fehler, als er nach Ägypten zog. Denn kaum war er dort angelangt, fiel er sogleich in eine schwere Sünde: Er gab Seine Frau als seine Schwester aus, weil er Angst hatte, umgebracht zu werden. So ging er das Risiko ein, seine sehr schöne Frau – die er liebte – an die ägyptischen Männer zu verlieren (1.Mo 12,10-20).

Dieser Fehltritt Abrahams hatte verheerende Konsequenzen. So lesen wir später: «Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Jordanaue; denn sie war überall bewässert, wie der Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hinab, bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstörte» (1.Mo 13,10).

Abraham hatte seinen Neffen Lot vor die Wahl gestellt, er solle sich ein Gebiet aussuchen und dort mit seiner Familie und mit seinen Herden wohnen. Hierauf wählte sich Lot die Gegend bei Sodom und Gomorra aus, Städte, in denen die schrecklichsten Sünden herrschten. Das war eine grosse Fehlentscheidung im Leben Lots, denn als Sodom und Gomorra ihrer Sünde wegen von Gott vernichtet wurden, verlor auch Lot alles, was er hatte: seine ganzen Besitztümer, die Fruchtbarkeit des Landes, seine Schwiegersöhne, seine Stellung und sogar seine Frau. Weil er gerecht war, aber doch in Sodom lebte, wurde gerade mal er selbst mit seinen zwei Töchtern gerettet, «so doch wie durchs Feuer». Lot verkörpert hier das Bild eines Christen, der wohl durch Jesus gerecht geworden ist, aber die Welt lieb hat und am Ende – ausser seiner Seligkeit – alles verliert (1.Kor 3, 11-15).

Was mich aber so tief bewegt, ist das Kriterium, warum sich Lot Sodom als Wohnort aussuchte? Er verglich es offensichtlich mit Ägypten: «… gleichwie Ägyptenland.» Die Bibel wirft hier Licht auf die Gedankenwelt Lots.

Woher aber wusste er, wie es in Ägypten aussah? Die Antwort findet sich im Fehltritt Abrahams, der ihn wegen der Hungersnot nach Ägypten mitgenommen hatte: «Und Abram zog mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, auch mit Lot, von Ägypten hinauf in den Negev» (1.Mo 13,1). So lernte Lot eine Welt, ein «Gott fernes Land» kennen, wo er eigentlich gar nicht hin gehörte. Das führte dazu, dass Lot nachhaltig dermassen von Ägypten angetan war, dass dieser Aufenthalt seine späteren Lebensentscheidungen beeinflusste und mit prägte. Nicht nur Abraham war in Ägypten in Sünde gefallen, sondern er zog auch noch andere mit hinein.

Auf welchem Weg befinden wir uns? Auf dem Weg nach Ägypten oder auf dem Weg Jesu Christi? Bedenken wir, dass auch wir in der Regel nicht alleine unterwegs sind. Es sind uns Menschen anvertraut, ein Ehepartner, Kinder und Glaubensgeschwister. Leiten wir sie zum Guten oder zum Schlechten? Leiten wir sie, ohne dass wir es vielleicht merken, durch unser Verhalten nach Ägypten, in die Welt hinein? Oder weisen wir ihnen die Richtung ins verheissene Land, ins Reich Gottes?

Abraham fiel später noch einmal in die gleiche Sünde und gab seine Frau wiederum als Schwester aus (1.Mo 20,1-18). Das war dann übrigens auch in Gerar (wie später bei Isaak) bei dem Philisterkönig Abimelech. Hier sehen wir zwei wichtige Dinge:

1. Wie Gott Sünde sieht. Es heisst in 1.Mose 20,3: «Aber Gott kam nachts im Traum zu Abimelech und sprach zu ihm: Siehe, du bist des Todes wegen der Frau, die du genommen hast; denn sie ist die Ehefrau eines Mannes!»

2. Wie Gott in Seiner Treue doch zu Abraham steht und ihn hier sogar zum ersten Mal Seinen «Propheten» nennt (V.7) und später sein Gebet erhört (V.17). Gott steht zu Seinem Bundesschluss mit Abraham und nennt ihn sogar «Freund» (Jak 2,23).

Aber wundert es uns da, dass auch sein Sohn Isaak in dieselbe Sünde fiel wie sein Vater? Auch dieser verleugnete seine Ehefrau Rebekka, und zwar ebenfalls in Gerar beim Philisterkönig (1.Mo 26,7-11). Hier erfüllten sich die geflügelten Worte: «Wie der Vater, so der Sohn», und: «Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.»

Norbert Lieth