Der Gehorsam mit der Zunge – Teil 2 Fr. 4. Oktober 2019

Fr. 4. Oktober 2019

Unsere Zunge wird in der Bibel als eine «Welt der Ungerechtigkeit» beschrieben, «die den ganzen Leib befleckt … Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind» (Jak 3,6.9). Teil 2

Von Norbert Lieth

Als der Prophet Jesaja die Herrlichkeit Gottes sah, wurde er sich sofort seiner unreinen Lippen bewusst: «Im Todesjahr des Königs Usija, da sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel. … Da sprach ich: Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den Herrn der Heerscharen, gesehen» (Jes 6,1.5).

Auch König David wusste, dass durch unbedacht ausgesprochene Worte unendlich viel Leid entstehen kann. Deshalb betete er: «Bestelle, Herr, eine Wache für meinen Mund! Wache über die Tür meiner Lippen! Lass mein Herz sich nicht neigen zur bösen Sache …» (Ps 141,3-4). Etwas freier übersetzt: «Herr, wache über meine Zunge, stell einen Posten ans Tor meiner Lippen! Hindere mich, meinen Neigungen nachzugeben, damit ich nichts Übles rede und keine Schandtat begehe …»

Warum lügt ein Mensch? Weil in seinem Herzen Falschheit ist: «Ein Taugenichts, ein nichtswürdiger Mensch ist, wer falsche Reden führt …Verkehrtheit ist in seinem Herzen …» (Spr 6,12.14). Anders übersetzt: «Nichtsnutzige, heimtückische Menschen laufen umher und verbreiten Lügen. … Ihr Herz ist falsch …»

Worüber sollten wir mit der Zunge wachen?

Es sind insbesondere drei Gebiete, vor denen wir uns hüten und unsere Zunge bewahren sollten:

1. Die Lüge. Schon im zweiten Buch Mose wird gesagt: «Halte dich ferne von einer Sache, bei der Lüge im Spiel ist» (2.Mo 23,7). Und im Neuen Testament werden wir aufgefordert: «Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind» (Eph 4,25). Mit anderen Worten: Niemand kann stillschweigend über die Lüge hinweggehen, sondern sie muss ans Licht gebracht werden. Auch eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.

In der Offenbarung Jesu Christi wird unmissverständlich erwähnt, dass Lügner nicht ins Himmelreich kommen und dass ihr Teil im Feuersee ist (vgl. Offb 21,8.27).

2. Verleumdung und üble Nachrede. Wie schnell können wir doch einen anderen Menschen mit Worten in ein schlechtes Licht stellen! Deshalb sind Verleumdungen und üble Nachrede keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen – im Gegenteil, sie gehören zum Gemeinsten und Schlimmsten, was es gibt. Diesbezüglich heisst es in Psalm 15,1-4: «Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? Wer in Unschuld wandelt und Gerechtigkeit übt und die Wahrheit redet von Herzen; wer keine Verleumdungen herumträgt auf seiner Zunge, seinem Nächsten nichts Böses tut und seinen Nachbarn nicht schmäht; wer den Verwerflichen verachtet, aber die ehrt, welche den Herrn fürchten; wer, auch wenn er sich selbst zum Schaden geschworen hat, es dennoch hält.»

3. Über- oder Untertreibungen. Wie leicht übertreiben wir, wenn es um unsere guten Taten geht; erzählen wir aber etwas Gutes von einem anderen, neigen wir eher dazu, weniger als mehr zu sagen. Deshalb betete der Psalmist: «Herr, wache über meine Zunge, stell einen Posten ans Tor meiner Lippen! Hindere mich, meinen Neigungen nachzugeben, dass ich nichts Übles rede …» (Ps 141,3-4).

Ein kleiner Junge sagte einmal zu seinem Vater: «Papi, Papi, ich habe einen Hund gesehen, der war so gross wie ein Elefant!» Darauf der Vater: «Gleich setzt es was, du Bengel, ich habe dir schon hunderttausendmal gesagt, dass du nicht immer so masslos übertreiben sollst.»

Bei Über- oder Untertreibungen sollte man sich an die folgende Lebensweisheit halten: «Lass deine Zunge gleich der Zunge sein der Waage: Kind, wo sie still steht, ist ihre beste Lage.»

Vergebung durch Bekennen der Schuld

Als Achan sich nach der Einnahme der Stadt Jericho am Verbannten vergriffen hatte und ganz Israel ins Unglück stürzte, wurde diese Sünde später aufgedeckt. Doch obwohl der Schuldige schon gefunden war, sagte Josua zu Achan: «Mein Sohn, gib doch dem Herrn, dem Gott Israels, die Ehre und gib ihm das Lob und teile mir mit, was du getan hast! Verschweige nichts vor mir!» (Jos 7,19). Achan antwortete: «Es ist wahr, ich habe gegen den Herrn, den Gott Israels, gesündigt, das und das habe ich getan …» (V 20). Nach dem Gesetz musste Achan für sein Vergehen sterben.

Heute muss wegen Lügen, Verleumdungen, übler Nachrede, Unter- oder Übertreibungen niemand mehr sterben. Die Gnade Jesu steht über dem Gesetz. Aber jede Sünde kann erst dann vergeben werden, wenn sie bekannt wird: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit» (1.Joh 1,9).