Der Gehorsam mit der Zunge – Teil 1 Fr. 27. September 2019

Fr. 27. September 2019

Unsere Zunge wird in der Bibel als eine «Welt der Ungerechtigkeit» beschrieben, «die den ganzen Leib befleckt … Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind» (Jak 3,6.9). Teil 1

Von Norbert Lieth

Für den richtigen Umgang mit der Zunge finden wir im Wort Gottes zahlreiche Anweisungen und Mahnungen, wie zum Beispiel: «Enthalte dich falscher Worte, und verdrehte Reden seien fern von dir!» (Spr 4,24). Etwas freier übersetzt: «Lass deinen Mund keine Unwahrheit aussprechen; über deine Lippen soll keine Verleumdung oder Täuschung kommen.» Alles, was unwahr ist, alles, was die Wahrheit verdreht und alles, was täuscht, ist Lüge.

Fällt es uns nicht am schwersten, mit der Zunge Gehorsam zu üben? Nach einer Umfrage unter Deutschen ab einem Alter von 14 Jahren brütet der Mensch etwa alle acht Minuten eine Lüge aus: «Das sind etwa 200 gezielt eingesetzte Unwahrheiten am Tag» (Topic, Nr. 4/2002).
Die Bibel sagt über unsere Zunge sehr treffend: «… die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: sie ist ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind. Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein!» (Jak 3,8-10).

Dazu eine wahre Begebenheit: «Ein reicher Mann hatte viele Gäste eingeladen. Er beauftragte seinen Küchenchef, für den Festschmaus das Beste zu kaufen. Dieser ging auf den Markt und kaufte Zungen ein – nur Zungen und nichts weiter. Er liess sie als ersten, zweiten und dritten Gang zubereiten. Die Gäste lobten die feine Zusammenstellung des Mahles und die originelle Idee. Aber sie hatten es natürlich langsam über, nur Zungen vorgesetzt zu bekommen. Das ärgerte den Gastgeber; er liess den Küchenchef zu sich kommen und fuhr ihn an: ‹Habe ich dir nicht gesagt, du sollst das Beste kaufen?› Der antwortete: ‹Was gibt es besseres als Zunge? Sie ist das Band im bürgerlichen Leben, der Schlüssel zu allen Wissenschaften, das Organ, das Wahrheit und Vernunft verkündet. Der Zunge ist es zu verdanken, wenn Städte gebaut, wenn die Menschen gelehrt und gebildet werden.› – ‹Das ist wohl wahr›, gab der Gastgeber zu. Und er beauftragte den Küchenchef, für den nächsten Tag das einzukaufen, was am schlechtesten sei. Dieser kaufte wieder Zungen ein – nur Zungen. Und wieder liess er sie für das Festmahl zubereiten und auf verschiedene Weise servieren. Da dieselben Gäste geladen waren, verloren sie sehr schnell den Appetit. Der Gastgeber fühlte sich blamiert und verhöhnt. Sehr zornig liess er den Küchenchef rufen: ‹Was hast du dir denn nun gedacht?› Und der antwortete: ‹Die Zunge ist auch das Schlechteste, was es auf Erden gibt, die Mutter allen Zanks und Streites, die Quelle aller Prozesse, aller Meinungsverschiedenheiten, das Instrument, das zum Krieg hetzt und zur Vernichtung führt. Sie ist das Organ, das Irrtum verbreitet und üble Nachrede. Städte werden durch sie zerstört, Menschenleben vernichtet und Menschen zu bösen Dingen angestiftet.›»

Vom Ernst einer ungezügelten Zunge

Eine Zunge, die nicht unter der Herrschaft des Heiligen Geistes steht, macht jeden geistlichen Dienst zunichte: «Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist vergeblich» (Jak 1,26). Auch dazu wieder eine wahre Begebenheit:

«Ein älterer Herr wurde einmal gebeten, mit einem jungen Mann aus seiner Gemeinde zu sprechen, der seinen Chef bestohlen hatte und deshalb im Gefängnis sass. ‹Es scheint mir, ich habe Sie irgendwo schon gesehen›, sagte der alte Mann zu dem jungen, ‹Sie kommen mir nicht unbekannt vor.› – ‹Gewiss›, antwortete der Gefangene, ‹es sind seitdem zwar schon fast zehn Jahre vergangen, aber mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, so gut erinnere ich mich noch an die Begegnung mit Ihnen. Sie sind nämlich mit verantwortlich, dass ich hier sitze.› – ‹Wieso denn das?›, fragte der Angeredete überrascht. ‹Ich habe Ihnen doch in meinem ganzen Leben nicht das geringste Unrecht getan.› – ‹Nicht mit Absicht; aber ich ging einst mit meinem Vater von einer Evangelisationsversammlung nach Hause, und da trafen wir mit Ihnen zusammen. Ich war stark berührt von der Predigt und wollte zum Prediger gehen, um ihm mein Herz auszuschütten. Da hörte ich aber, wie Sie den Prediger lächerlich machten, als wäre er ungebildet und verstehe nicht recht zu predigen. Diese Worte weckten in mir eine Abneigung gegen die gehörte Predigt. Von jener Zeit an suchte ich nicht mehr das Heil meiner Seele. Ich geriet in schlechte Gesellschaft, und jetzt sitze ich im Gefängnis.»

Der Herr Jesus sagte einmal, dass der Mensch Rechenschaft ablegen muss über jedes unnütze Wort, das er geredet hat (Mt 12,36). Es ist also im Himmel alles registriert.