Wie in den Tagen Noahs? Fr. 13. November 2020

Fr. 13. November 2020

Der Wohlstand ist gross. Doch der sittliche Verfall auch. Wie sollen wir das Zeitgeschehen beurteilen? Und welche Rolle spielt dabei der Klimawandel? Einige Gedanken.

Von Samuel Rindlisbacher

Im Mai 2019 lobte ein Leser im Anzeiger von Uster die globale und epochale Zeitenwende, in der wir leben: «Es scheint, dass sich in den aufgeklärten und säkularen Gesellschaften die Denk- und Handlungsweise grundlegend und tief greifend wandelt. Auch der Glaube an Gott, wie schon der Glaube an Geister, Götzen und Götter, hat seinen Zenit überschritten und ist ein Auslaufmodell. Immer mehr Menschen erkennen, dass Religion ein wirkungsmächtiges Placebo und der anthropomorphe, maskuline, allmächtige, allwissende und allgütige Gott ein zeitlich befristetes Konstrukt von uns Menschen ist, was den zunehmenden Atheismus erklärt.» Er hält fest: «Je mehr gottfreie Atheisten in einer Gesellschaft, desto höher das geistig-kulturelle Niveau.»

Ich frage mich, welches geistig-kulturelle Niveau er meint. Jährlich finden 50 Millionen Abtreibungen statt – teilweise bis in den neunten Schwangerschaftsmonat. Zurückbleiben oft zutiefst traumatisierte Mütter. Und wo ist das geistig-kulturelle Niveau in der Verbreitung der Genderideologie, die die Unterschiede zwischen Frau und Mann einfach wegwischt und viele junge Menschen völlig verunsichert? Sie erhalten keine Antwort auf Fragen, die so manches Mal ein Leben lang gestellt werden: «Wer oder was bin ich?» Ist etwa die Frühsexualisierung unserer Kinder, teilweise unter Beibringung abartiger sexueller Praktiken, Ausdruck des höher werdenden geistig-kulturellen Niveaus? Ihre Folge sind verstörte, aufgewühlte und geschädigte Kinderseelen.
Und wenn wir schon von unserem hohen geistig-kulturellen Niveau sprechen, was ist mit der Drogenlegalisierung? Diese zieht immer mehr junge Menschen mit Psychosen und Arbeitsunfähigkeit nach sich. Das Internetportal «Neurologen und Psychiater im Netz» schreibt über den Canabiskonsum: «Charakteristisch für die Wirkung von Cannabis ist das breite Spektrum psychischer Effekte. So werden das Fühlen, das Denken, das Gedächtnis und die Wahrnehmung beeinflusst. Der intensive Konsum von Cannabis in jungen Jahren kann möglicherweise das Auftreten von Psychosen fördern.»

Wie Recht hat doch die Bibel, wenn sie sagt: «Wehe denen, die Böses gut nennen und Gutes böse, die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis, die bitter zu süss machen und süss zu bitter» (Jes 5,20). Wir haben es weit gebracht, mit unserem gottfreien Atheismus! ideaSpektrum berichtete von der Empfehlung des Bundesfamilienministeriums an Schulen und Lehrern, «sexuelle Vielfalt in der Schule anzuerkennen und zu unterstützen». Sie sollten über «Themen aus dem Bereich der gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlichen Vielfalt» informieren. Mit dem Aufhängen von Postern könnten Schulen «die Vielfalt sichtbar machen». Sie könnten «Bücher mit lesbischen, schwulen und bisexuellen Charakteren» für die Schulbibliothek anschaffen und in Gesprächen wie selbstverständlich den gleichgeschlechtlichen Partner eines Freundes erwähnen: «Zudem wirkt es unterstützend, wenn es Erwachsene an der Schule gibt, die offen über die eigene gleichgeschlechtliche Lebensweise sprechen.»

So leben wir heute. Die Folgen davon sind tragisch! Im Mai ging die Meldung durch die Medien von einem Mann, der sich mit starken, regelmässig wiederkehrenden Unterleibsschmerzen in einem Krankenhaus in den USA meldete. Die Tragik: Der Krankenschwester sagte er noch, dass er als Frau geboren worden sei. Der Mann war «transsexuell», ursprünglich eine Frau. Dennoch machte anfänglich keiner der Ärzte einen Schwangerschaftstest. Als sie dann endlich herausfanden, dass es tatsächlich um eine Schwangerschaft ging, war es für das Baby zu spät. Treffend drückt es das alte christliche Lied aus: «Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit Ihm geht’s ins Licht.»

Gott redet zu uns durch die Zeichen der Zeit. Die Menschen haben Angst. Das sehen wir in ihrem Umgang mit dem Klimawandel. Was auch immer wir darüber denken mögen, Tatsache ist, dass die Menschen zu Tausenden auf die Strasse gehen, um gegen die Klimaerwärmung zu demonstrieren, in der Furcht vor dem, was noch kommen soll. Erstaunlich sind die Lösungsvorschläge, die einem unterbreitet werden: Es heisst, wir sollen den Fleischkonsum reduzieren, keine Kinder mehr in die Welt setzen, weil sie angeblich eine Umweltbelastung bedeuten, und keine Dieselfahrzeuge mehr fahren.

Ja, auch ich glaube, dass mit unserem Klima etwas nicht mehr stimmt. Dennoch frage ich mich, ob es nicht eine andere Ursache dafür geben könnte. Petrus meint: «Durch dasselbe Wort Gottes werden nun auch die jetzigen Himmel und die jetzige Erde für das Feuer aufgespart. Sie werden bewahrt bis zum Tag des Gerichts, an dem die Gottlosen zugrunde gehen» (2Petr 3,7). Er bezieht sich dabei auf die «erste Welt» in den Tagen Noahs (V. 1-6), die durch Wasser zugrunde ging. Die Ursache war: Weil die Menschen mit Gott nichts mehr zu tun haben wollten. Heute gehen wir der Wiederkunft Jesu entgegen und die Menschen wollen in zunehmendem Masse nichts mehr mit Gott zu tun haben.

Die Zeit, die der Sintflut voranging, wird wie folgt beschrieben: «Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit gross war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe» (1Mo 6,5-7).

Die Bosheit der Menschheit damals war sehr gross (V. 5), die Gedanken ihres Herzens nur böse (V. 6). Die ganze Erde war verderbt (V. 11), völlig mit Frevel erfüllt (V. 12). Die Menschen vor der Sintflut taten, was wir heute tun: Sie haben Gott den Rücken gekehrt, Ihn aus ihrem Denken, Herzen und Leben, aus ihren Familien, Schulen und Gemeinden ausgeklammert. Und wenn man Gott auslädt, dann geht Er! Und wenn Er geht, dann nimmt Er auch Seine bewahrende, segnende und schützende Hand mit. Vielleicht sollten wir diesen Aspekt auch berücksichtigen, wenn wir von der Klimaveränderung sprechen.

Uns zum Vorbild hatte Gott Israel Segen und Fluch vorgelegt: «Es wird aber geschehen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, nicht gehorchst, sodass du alle seine Gebote und Satzungen nicht bewahrst und tust, die ich dir heute gebiete, so werden all diese Flüche über dich kommen und dich treffen […] Der Herr wird dich mit Schwindsucht schlagen, mit Fieberhitze, Brand, Entzündung, Dürre, mit Getreidebrand und Vergilben; die werden dich verfolgen, bis du umgekommen bist. Der Himmel über deinem Haupt wird für dich zu Erz werden und die Erde unter dir zu Eisen. Der Herr wird den Regen für dein Land in Sand und Staub verwandeln; der wird vom Himmel auf dich herabfallen, bis du vertilgt bist» (5Mo 28,15.21-24).

Gott hört uns und lässt uns unseren Willen. Er lässt uns das tun, was wir wollen. Ist deshalb der fehlende Segen Gottes mit eine Ursache für den Klimawandel? Ist es Sein mahnendes Reden? Gott spricht zu uns, denn Er «will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe!» (Hes 33,11). Noch gilt: «Es soll geschehen, dass jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, errettet werden wird» (Apg 2,21). Und wir, die wir Jesus lieben, Seine Wiederkunft erwarten und in einer zunehmend dunkler werdenden Welt leben müssen, wir dürfen das tun, was damals Noah tat. Er blieb bis zum Schluss ein Prediger der Gerechtigkeit (2Petr 2,5). Er liess nicht ab von seinem Auftrag, auf die Rettung in der Arche (Jesus Christus) hinzuweisen und er wandelte weiterhin mit Gott – allem Widerstand zum Trotz. So wollen auch wir es tun.