Wenn Beten Sünde ist Fr. 5. Juli 2019

Fr. 5. Juli 2019

Das Gebet zu Gott, insbesondere zu Christus, wird im öffentlichen Raum nicht gerne gesehen und oft verboten. Gedanken zu unserer Gesellschaft und zum Gebet.

Von Norbert Lieth

Da will man seinem Nächsten nur das Beste wünschen und betet für ihn. Doch das Ganze passt nicht mehr in das heutige Weltbild (im Gegensatz zu vielen Perversionen, die toleriert werden!), und den Betern droht man mit der Kündigung (wie bereits in Krankenhäusern geschehen). Die Nervenkrankheiten nehmen zu, die Verzweiflungstaten häufen sich und die psychiatrischen Kliniken füllen sich. Viele wollen nicht beten, manche können es vielleicht nicht. Aber wenn es denen verboten wird, die es wollen, haben wir einen kaum mehr zu überbietenden Grad der Gottesferne erreicht. Dabei heisst es doch so einladend: «Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch» (Jak 4,8), und «Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen» (Jak 5,13). Jemand schrieb über das Gebet:

«Gebet ist die grösste Möglichkeit der Menschen, aber es nimmt den kleinsten Raum in ihrem Tun ein. Gebet ist die schönste Pflicht der Glaubenden, aber sie wird am schlechtesten erfüllt. Gebet ist die einfachste Form der Liebe und Hingabe, aber es wird das schwierigste Problem daraus. Allen Menschen steht im Gebet die Tür zu Gott weit auf, aber nur die wenigsten gehen wirklich hindurch. Gebet ist die nächstliegende Form, über sich selbst hinauszuwachsen, aber die Menschen greifen lieber nach den allerfernsten Praktiken. Es ist viel leichter in der Arbeit treu zu sein, als im Gebet. Wir glauben, dass das Gebet am meisten bewirkt, aber wir leben, als ob unser Wirken am meisten ergibt. Gebet ist die sicherste Möglichkeit, an all den Gaben Gottes teilzuhaben, aber nirgends sind wir so unsicher wie im Leben des Gebetes. Gott weiss, was wir brauchen, ehe wir Ihn darum bitten, aber Er möchte es uns geben, wenn wir darum bitten» (aus «365 Impulse zum Leben», A. Kühner).

«Herr, lehre uns beten!» (Lk 11,1).

Die prophetischen Stellen der Bibel lassen uns nicht im Unklaren darüber, dass sich unsere Welt immer mehr von Gott entfremden und in einer totalen Anarchie und Verwirrung enden wird. Die Menschheit wird durch ihre Gottlosigkeit und Gebetslosigkeit schliesslich doch wieder beten, aber zu einem Falschen. Sie wird einem Götzendienst beispielloser Art verfallen. Diejenigen, die Gott nicht die Ehre geben und Ihn nicht anbeten wollen, werden dahin kommen, Satan anzubeten. Darüber lesen wir in Offenbarung 13,4.15: «… sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kämpfen? … Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden.»

Der Prophet Daniel war ein Beter sondergleichen. Seine Gebetsgemeinschaft mit drei jüdischen Freunden bewirkte nicht nur die Aufhebung bereits ausgesprochener Todesurteile, sondern vermochte den Arm Gottes so stark zu bewegen, dass tief Verborgenes ans Licht kam. Vier zum Teil noch in der Zukunft liegende Weltreiche wurden offenbart und die Geschichte der Völker bis zur Wiederkunft Jesu und dem anbrechenden Reich Gottes auf Erden prophetisch dargelegt. Es heisst: «Und Daniel ging heim und teilte es seinen Gefährten Hananja, Mischaël und Asarja mit, damit sie den Gott des Himmels um Gnade bäten wegen dieses Geheimnisses und Daniel und seine Gefährten nicht samt den andern Weisen von Babel umkämen. Da wurde Daniel dies Geheimnis durch ein Gesicht in der Nacht offenbart. Und Daniel lobte den Gott des Himmels, fing an und sprach … er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiss, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist lauter Licht. Ich danke dir und lobe dich, Gott meiner Väter, dass du mir Weisheit und Stärke verliehen und jetzt offenbart hast, was wir von dir erbeten haben; denn du hast uns des Königs Sache offenbart» (Dan 2,17-20.22-23).

Es lohnt sich, dieses ganze Kapitel nachzulesen. Durch die intensive Gemeinschaft, die Daniel mit seinem Gott hatte, wurde mehr verändert als durch alle menschlichen Kraftanstrengungen. Kraft und Weisheit Gottes offenbarte sich zum Heil der Menschheit.

In Daniel 6 wird berichtet, dass in ihm ein aussergewöhnlicher Geist wohnte und Daniel alle anderen bei weitem überragte. Dreimal am Tag betete er regelmässig zu seinem Gott. Das aber störte die Feinde und Neider Daniels so sehr, dass sie beim König ein Gesetz durchbrachten, das jegliches Gebet zu irgendeinem Gott verbot (ausser den Bitten zum König). Hier wurde Menschlichkeit über Göttlichkeit gesetzt. Doch Daniel liess sich nicht davon beeindrucken, sondern betete weiter wie bisher: «Als nun Daniel erfuhr, dass ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem, und er fiel dreimal am Tag auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte. Da kamen jene Männer eilends gelaufen und fanden Daniel, wie er betete und flehte vor seinem Gott» (Dan 6,11-12). Daniel sollte daraufhin zum Tode verurteilt werden, und man stürzte ihn in die Löwengrube.

Doch der Herr bewahrte ihn auf wunderbare Weise, so dass er zum König sagen konnte: «Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, so dass sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig, und auch gegen dich, mein König, habe ich nichts Böses getan. Da wurde der König sehr froh und liess Daniel aus der Grube herausziehen. Und sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut» (V.23-24). Würden wir mehr dem allmächtigen Gott vertrauen und in Jesu Namen zu Ihm beten, dann würden wir auch dementsprechend mehr seine grosse und heilbringende Gnade erfahren.

In Daniel 9 beklagt der Prophet die Gottlosigkeit seines Volkes und dass sie dadurch in die babylonische Gefangenschaft geraten sind. Er sagt in seinem Gebet zu Gott unter anderem: «Wie es geschrieben steht im Gesetz des Mose, so ist all dies grosse Unglück über uns gekommen. Aber wir beteten auch nicht vor dem Herrn, unserm Gott, so dass wir uns von unsern Sünden bekehrt und auf deine Wahrheit geachtet hätten. Darum ist der Herr auch bedacht gewesen auf dies Unglück und hat’s über uns kommen lassen. Denn der Herr, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er tut; aber wir gehorchten seiner Stimme nicht» (V.13-14). Jemand kommentierte den Gebetsgeist Daniels einmal folgendermassen: «Daniel hätte lieber eine Nacht mit den Löwen zugebracht, als einen Tag des Gebetes versäumt.»

Der Herr Jesus Christus selbst lädt uns zum Gebet ein mit den Worten: «Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun» (Joh 14,13-14).

In «365 Impulse zum Leben» von A. Kühner wird das Gebet mit einer Königin verglichen:

«Das Gebet ist die Königin aller guten Taten. Sie kann alle anderen Taten nicht ersetzen, aber sie ist die wichtigste Tat, die durch keine andere zu ersetzen ist. Aus dem Gebet fliesst das Tun wie von selbst in die richtige Bahn. Und das beste Tun mündet wie von selbst in seine höchste Form, das Gebet, ein.

Dem Betenden geht die Arbeit leicht von der Hand. Und dem Arbeitenden fliesst das Gebet leicht aus dem Herzen. So bilden Beten und Arbeiten ein Ganzes, bilden einen wunderbaren Lebenszusammenhang.

Unsere Zeit ist eine gebetsarme Zeit. In den Tagen der Hast und Hetze, der Eile und Erregung, der Unruhe und Unrast, der Automaten und Atome will das Beten nicht so recht gelingen. Die Königin des Lebens ist abgesetzt. Die Gier nach dem Mehr und die Angst vor dem Weniger treiben uns als grausame Tyrannen in die Besinnungslosigkeit. Wer setzt das Gebet, die Königin alles Tuns, wieder auf den Thron?»

«Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen» (Eph 6,18).