Der grösste «Fehler» der Juden Fr. 3. April 2020

Fr. 3. April 2020

Was ist der grösste «Fehler» der Juden? Ist es ihre intelligente Art Geschäfte zu machen? Ihre Hartnäckigkeit bei Verhandlungen? Ihre ultraorthodoxe auf der einen oder die atheistische Art ihrer Lebensführung auf der anderen Seite? Ist es ihr hartes Auftreten gegenüber Terroristen? Ist es der Sperrzaun? Oder sind es die besetzten Gebiete? – Nein, der grösste «Fehler» der Juden ist es, Jude zu sein.

Von Norbert Lieth

Antisemitismus ist ein unbegründbarer Hass gegen die jüdische Rasse als solche, nicht gegenüber ihrer Handlungs- oder Denkweise. Der Jude wird gehasst, weil er Jude ist und sein «Verbrechen» ist es, Jude zu sein – und das schon lange vor der Zeit als Israel seinen Staat wieder zurückbekam.
Vor Jahren kursierte ein Witz, der den Ernst dieser Tatsache sarkastisch auf den Punkt bringt: Bin Laden kommt zu Arafat und sagt: «Lieber Jassir, du bist Terrorist und ich bin Terrorist, du bist ein Massenmörder und ich auch, du bist der Anführer einer Terrorgruppe und ich ebenfalls. Aber sag mir mal, warum ich von der ganzen Welt gesucht, einstimmig verurteilt und gejagt werde, während man dir den Friedens-Nobelpreis aushändigt?» «Ja», sagt Arafat, «du machst etwas Wesentliches falsch. Ich bringe nur Juden um, du aber auch Menschen aus anderen Nationen, das ist der Unterschied.»

Antisemitismus als pauschale Ablehnung
Der Antisemitismus ist ein Vorurteil gegen die Juden, der von einer einfachen Abneigung bis zu ungezügeltem Hass alle Formen annehmen kann. Antisemitismus ist eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums. So war der Judenfeind Haman, der im biblischen Buch Esther vorkommt, ein Antisemit. Er war von einem unbändigen und unbegründbaren Rassenhass gegen die Juden erfüllt: «Doch es war ihm zu wenig, an Mordechai allein Hand zu legen; sondern weil man ihm das Volk Mordechais genannt hatte, trachtete Haman danach, alle Juden im ganzen Königreich des Ahasveros, das Volk Mordechais, zu vertilgen» (Est 3,6).
Auch Hitler war wie Haman von einem tiefen Vorurteil gegen die jüdische Rasse besessen. Obwohl die Führung des sogenannten Dritten Reiches in fälschlicher Weise Begründungen der Judenfeindschaft vorschob (wie auch Haman), so war doch ihr Handeln schlicht und ergreifend Antisemitismus pur. Derzeit ist es der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad, der ohne effektive Begründung die Rasse der Juden um ihrer selbst willen hasst und vernichtet sehen möchte. Gemäss seinen Aussagen steht die gesamte Existenz des zionistischen Gebildes in Frage und sieht seiner Zerstörung entgegen.

Gott ist nicht antisemitisch
Dass Gott nicht antisemitisch ist, macht unter anderem auch das letzte Buch der Bibel deutlich: «Ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion, und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die trugen den Namen seines Vaters auf ihren Stirnen geschrieben» (Offb 14,1). Der Herr Jesus wird als der jüdische Messias auf den Berg Zion in Jerusalem zurückkehren und den Überrest der Juden erretten. Die 144 000 aus den 12 Stämmen Israels (Offb 7) werden in Offenbarung 14,4 als die «Erstlinge» beschrieben. Das bedeutet, dass sie nach der Entrückung der Gemeinde die erste Gruppe jüdischer Erlösten sind, denen noch wesentlich mehr folgen werden.
Wir werden nicht müde, immer wieder auf Römer 11 hinzuweisen: «Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden» (Röm 11,26).

Wenn Gott nicht antisemitisch ist, wird damit klar, dass alle antisemitischen Bewegungen antigöttlich sind, weil sie niemals von Gott kommen können. Alle Judenfeindschaft ist zwangsläufig Gottesfeindschaft und alle antisemitischen Äusserungen sind Feindschaft gegen das Wort Gottes. Wer sagt oder meint, dass die Juden vertrieben oder gar vernichtet werden sollten, richtet sich in seinem blinden Hass gegen Den, der zu Israel sagt: «Du sollst leben!» (Hes 16,6). Gerade deshalb, weil Gott nicht antisemitisch ist, ist die Judenfeindlichkeit zum Scheitern verurteilt.
Die Ehefrau Hamans scheint eine kluge Frau gewesen zu sein, die richtig reagierte. Denn als Haman vor dem Juden Mordokai gedemütigt wurde und darüber bekümmert war, sagten seine Frau Seresch und seine Weisen zu ihm: «Wenn Mordokai, vor dem du zu fallen angefangen hast, vom Geschlecht der Juden ist, so wirst du nichts gegen ihn vermögen, sondern du wirst ganz und gar vor ihm fallen» (Est 6,13).

Auch diese Wahrheit mag durch ein Beispiel erläutert werden. Bei einem Aufenthalt in Turin beeindruckte mich das höchste aus Stein gemauerte Gebäude Europas, das «Mole Antonelliana». Aber die Geschichte zu diesem Bauwerk beeindruckte mich noch mehr. Mein italienischer Begleiter (ein Turiner) erzählte mir, dass dieses Haus ursprünglich eine Synagoge werden sollte. Ein Davidstern sollte dessen Spitze zieren. Doch aus finanziellen Gründen konnte es nicht weitergebaut werden. Eine andere Gesellschaft übernahm den Bau und setzte einen schwarzen Engel auf den First. Doch es dauerte nicht lange, da kam ein Sturm und riss den schwarzen Engel herunter.
Eines Tages wird ein letzter göttlicher «Sturm» den Antisemitismus wegreissen: «Ich will dich nicht mehr die Schmähung der Nationen hören lassen, und das Höhnen der Völker sollst du nicht mehr ertragen müssen; und du sollst deine Nation nicht mehr kinderlos machen, spricht der Herr, HERR» (Hes 36,15).

Gott ist Semit
Es ist nicht bloss so, dass Gott nicht antisemitisch ist, vielmehr ist Er ein Semit, denn Jesus Christus ist der menschgewordene Sohn Gottes: «Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. … Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit» (Joh 1,1-3.14).
Sem war einer der drei Söhne Noahs. Und Gott erklärte sich ausdrücklich als der Gott Sems: «Gepriesen sei der HERR, der Gott Sems …» (1.Mo 9,26). Aus dieser Geschlechterlinie Sems kamen Abraham, Isaak und Jakob und letztlich das Volk Israel (1.Mo 11,10-26). Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Allmächtige sich später auch der Gott Israels nennt (vgl. 2.Mo 3,6.18; 5,1).
Der menschgewordene Gott, Jesus Christus, stammte aus der Geschlechterfolge Sems (Lk 3,23-36). So verstehen wir, dass Gott sagt: «Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems», denn Gott wollte sich über Sem der Welt offenbaren und ihr Erlöser werden.
Sem bedeutet ganz einfach nur «Name». Doch gerade diese Namensdeutung beinhaltet eine tiefer liegende Aussage. Jesu Name ist der Name über alle Namen, Er ist Der, über den Petrus sagt: «Es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!» (Apg 4,12). Gott ist in dem Messias Israels Semit geworden, daher kommen wir zur Schlussfolgerung: Wer antisemitisch ist, ist im Grunde auch antichristlich.

Judenfeindschaft oder Israelkritik?
Judenfeindschaft (Antisemitismus) ist nicht mit nüchterner Israelkritik zu vergleichen. Letztere ist sicherlich notwendig. Die Bibel selbst kritisiert das jüdische Volk, Jesus hat es getan und auch die Apostel taten es. Der Staat Israel macht Fehler, die Ablehnung der Juden gegenüber dem Evangelium kann nicht gutgeheissen werden. Der Terror orthodoxer Juden gegen die an den Messias Gläubigen ist Feindschaft gegen Gott. Die Sünden Israels sind genauso Sünden, wie sie in einem anderen Land und Volk Sünden sind. Dennoch sollten wir als Christen zu Israel stehen, denn wenn Gott Seinen Bund mit den Vätern aufrechterhält, wer sind wir, dass wir meinen, ihn verwerfen zu können? Um des grössten jüdischen Semiten willen – Jesus Christus – stellen wir uns auf die Seite Israels. «Um des Hauses des HERRN, unsres Gottes, willen will ich dein Bestes suchen!» (Ps 122,9).
Carsten Peter Thiede sagte: «Jesus und die Ursprünge des Christentums sind jüdisch – wollen wir diese historische Tatsache wirklich leugnen?»