Israel im Kreuzfeuer von Gog und Magog Teil 3

Fr. 15. Januar 2021

Hesekiel 38 und 39 prophezeit den Einfall von Gog und Magog und Verbündeten in das Land Israel und Gottes Rettung auf diesen Angriff hin. Wer ist Gog und Magog und was hat diese Weissagung aus alter Zeit heute zu bedeuten?

«Du wirst sagen: ‹Ich will hinaufziehen in das offene Land; ich will über die kommen, die ruhig und sicher wohnen; sie wohnen ja alle ohne Mauern; sie haben weder Riegel noch Tore!› Um Beute zu machen und Raub zu raffen, wirst du deine Hand an die wieder bewohnten Ruinen zu legen suchen, und an das Volk, das aus den Heidenvölkern gesammelt worden ist, das Vieh und Güter bekommen hat und das den Mittelpunkt der Erde bewohnt. Dann werden Saba und Dedan und die Kaufleute von Tarsis und alle ihre jungen Löwen zu dir sagen: Bist du gekommen, um Beute zu machen? Hast du deine Menge gesammelt, um zu plündern, um Silber und Gold zu nehmen, um Vieh und Güter wegzuführen und grossen Raub an dich zu reissen?» (Hes 38,11-13).

Der Grund für den Angriff ist wirtschaftlich. Die Nordkoalition greift Israel an, weil sie sich neue Reichtümer verspricht. Es ist demnach ein Krieg aus wirtschaftlichen Gründen. Doch die Frage, die wir uns ehrlich stellen müssen: Welche Schätze hat Israel überhaupt? – Eigentlich gar keine.

Ausleger der Prophetie weisen oft darauf hin, dass es Israel ja sehr gut gehe. Aber dieser Reichtum wird durch eine funktionierende Wirtschaft generiert, nicht durch Bodenschätze. Im Kriegsfall würde Israels Wohlstand in sich zusammenbrechen – und dann gäbe es für den Eroberer nichts mehr zu holen. Auch die grossen Gasfunde Israels sind ein Klacks gegenüber dem, was Russland und der Iran selbst haben.

Wahrscheinlich geht es bei dem «grossen Raub», den die Nordkoalition machen will, nicht nur um Israel. Gog und Magog und Verbündete suchen nach einer Legitimation für einen regionalen Krieg, um die Bodenschätze des ganzen Nahen Ostens an sich zu reissen. Genau das wird ihnen ja von der Südkoalition auch vorgeworfen: «Bist du gekommen, um Beute zu machen? Hast du deine Menge gesammelt, um zu plündern, um Silber und Gold zu nehmen, um Vieh und Güter wegzuführen und grossen Raub an dich zu reissen?» (V. 13).

Wir sollten nicht ausser Acht lassen, dass die meisten Kriege im Nahen Osten heute aus genau diesem Grund geführt werden. Zwar werden oft humanitäre (vonseiten des Westens) oder religiöse Gründe (aus islamischer Sicht) in den Vordergrund gestellt, aber in Wahrheit stürzen sich die Grossmächte in die Konflikte des Nahen Ostens, weil sie genau wissen, dass derjenige, der diese Gebiete beherrscht, die Bodenschätze kontrolliert. Deshalb haben sich so viele in die Kriege im Irak, in Syrien, in Libyen etc. eingemischt.

So ein Krieg aus wirtschaftlichen Gründen bekommt nur eine Legitimation, wenn der Angreifer einen plausiblen Grund vorbringt. Welcher Vorwand würde in der islamischen Welt rund um Israel akzeptiert werden? Der eines Glaubenskrieges: die Befreiung «Palästinas» von den Ungläubigen. Deshalb erscheint es so naheliegend, dass der Islam eine entscheidende Rolle in der Endzeit spielt, weil der Angriff der Nordkoalition auf Israel islamisch geprägt sein würde. Die Südkoalition um Saudi-Arabien könnte dagegen wenig sagen, da der muslimische Glaube für einen solchen Angriff eine Rechtfertigung gibt. Slogans, die genau in diese religiöse Richtung gehen, benutzen heute die Iraner sowie die Türkei unter Erdogan.

Sollte Russland beteiligt sein, kann es zwar nicht unbedingt den Glauben als Kriegsgrund anführen, aber interessant ist doch, dass im Kalten Krieg gerade Russland (damals die Sowjetunion) einen wichtigen Part als Verbündeter und Unterstützer der Feinde Israels gespielt hat. Russland war es, der von den 1960er-Jahren an die Angreifer aktiv und bewusst mit Waffen und Knowhow ausgerüstet hatte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion rückte diese Rolle in den Hintergrund, aber Putins Machtansprüche und die Entwicklungen in Syrien haben die Situation massiv verändert.

In diesem Zusammenhang ist es auch bemerkenswert, dass sich die Armeen in der Region derzeit wie nie zuvor aufrüsten. Und davon profitieren wiederum alle führenden Nationen der Erde – durch Kauf und Verkauf.

Weil sich nun in der Prophetie von Hesekiel Koalitionen aus dem Norden und dem Süden gegenüberstehen und es um mehr als nur um Israel allein zu gehen scheint, betrachten einige Ausleger Daniel 11,40-45 als Parallelstelle, wo von den Königen des Südens und des Nordens die Rede ist: «Zur Zeit des Endes aber wird der König des Südens mit ihm zusammenstossen. Da wird dann der König des Nordens mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen auf ihn losstürmen und in die Länder eindringen und sie überschwemmen und überfluten. Er wird auch in das herrliche Land kommen, und viele werden unterliegen. Diese aber werden seiner Hand entfliehen: Edom, Moab und die Vornehmsten der Ammoniter. Er wird auch seine Hand nach den Ländern ausstrecken, und das Land Ägypten wird nicht entfliehen; sondern er wird sich der Gold- und Silberschätze und aller Kostbarkeiten Ägyptens bemächtigen; auch werden Lubier und Kuschiten zu seinem Gefolge gehören. Aber Gerüchte aus Osten und Norden werden ihn erschrecken; daher wird er in grosser Wut aufbrechen, um viele zu verderben und zu vertilgen. Und er wird sein Prachtzelt zwischen dem Meer und dem herrlichen Berg des Heiligtums aufschlagen; da wird er sein Ende finden, und niemand wird ihm helfen» (Dan 11,40-45).

Gott wird nicht teilnahmslos zusehen: «Es soll aber zu jener Zeit geschehen, zu der Zeit, wenn Gog gegen das Land Israel heranzieht, spricht Gott, der Herr, dass mir das Zornesfeuer in mein Angesicht steigen wird» (Hes 38,18). Einerseits wird Gott, als Zeichen Seines Gerichts, diese Invasion in die Wege leiten, andererseits wird Er dafür die machtgierigen Angreifer, die ja keineswegs als Seine willenlosen Roboter handeln, zur Verantwortung ziehen. Das Ergebnis wird sein: «Die Fische im Meer werden vor mir erbeben, die Vögel des Himmels, die Tiere des Feldes, auch alles Gewürm, das auf dem Erdboden kriecht, und alle Menschen, die auf Erden sind. Auch die Berge sollen einstürzen, die Felswände fallen und alle Mauern zu Boden sinken. Ich will auch auf allen meinen Bergen das Schwert gegen ihn aufbieten, spricht Gott, der Herr, sodass das Schwert eines jeden sich gegen den anderen richten wird. Und ich will ihn richten mit Pest und Blut; einen überschwemmenden Regen und Hagelsteine, Feuer und Schwefel will ich regnen lassen auf ihn und auf seine Kriegsscharen, auf die vielen Völker, die bei ihm sind» (V. 20-22).

Manche Bibellehrer erkennen in diesen Aussagen die Folgen eines Atomkrieges. Meines Wissens kann das nicht möglich sein, da der Atomstaub die ganze Region verseuchen und unbewohnbar machen würde. Und dies ist gemäss Hesekiel 39 nicht der Fall. Nach dem Krieg soll das Gebiet wieder bewohnt werden.

Gott selbst wird die Angreifer dazu führen, dass sie sich gegenseitig umbringen (Hes 38,22). Die Art und Weise, wie sie umkommen, ist übernatürlich und deshalb deutlich als Gottes Reden und Handeln erkennbar. Wir lesen denn auch nirgendwo etwas von einem Gegenangriff oder von Verteidigungsmassnahmen, sondern nur vom Eingreifen Gottes selbst (vgl. Hes 39,4-5).

Politisch und militärisch gesehen könnte der Ausgang dieses Krieges dazu führen, dass der militante Islam seine Macht und Stärke in der Welt verliert. Für Israel dagegen wird das Ergebnis eine grosse materielle Beute sein (Hes 39,9-11). – Diese «irdisch-politischen» Folgen sprechen auch gegen die Meinung, dass es eine Schlacht am Ende des Tausendjährigen Reiches sein wird; denn danach erscheint ja die ewige Herrlichkeit eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Zur These, dass dieser Angriff ohnehin vor der Trübsal stattfinden wird, passt ausserdem die Tatsache, dass die Toten über sieben Monate lang begraben werden und in dieser Region später eine Stadt namens Hamona gebaut werden wird. Könnte dies etwa wirklich auf irgendeine Zeit während oder nach der Trübsalszeit zutreffen?

«So will ich mich gross und heilig erweisen und mich zu erkennen geben vor den Augen vieler Völker; und sie sollen erkennen, dass ich der Herr bin!» (Hes 38,23).

Gott wird sich den Völkern offenbaren. Wenn Gott mit Israel handelt, ist es immer ein Reden zu den Nationen: «So spricht Gott, der Herr: Nicht um euretwillen tue ich dies, Haus Israel, sondern wegen meines heiligen Namens, den ihr entweiht habt unter den Heidenvölkern, zu denen ihr gekommen seid. Darum will ich meinen grossen Namen wieder heilig machen, der vor den Heidenvölkern entheiligt worden ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt! Und die Heidenvölker sollen erkennen, dass ich der Herr bin, spricht Gott, der Herr, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilig erweisen werde» (Hes 36,22-23).

Genau dies geschieht auch hier; die Völker werden erkennen, dass etwas Übernatürliches geschehen ist. Das Ergebnis: «Und ich werde meinen heiligen Namen offenbar machen unter meinem Volk Israel, und ich werde meinen heiligen Namen künftig nicht mehr entweihen lassen; sondern die Heidenvölker sollen erkennen, dass ich, der Herr, der Heilige in Israel bin!» (Hes 39,7).

Gott offenbart Seinen heiligen Namen gegenüber das Volk Israel. Sollte dieser Angriff vor der Tür stehen und vor der siebenjährigen Trübsalszeit stattfinden, könnte sich die Schlacht von Gog und Magog als eine letzte Gnadenbotschaft an die Nationen und Israel erweisen. Noch einmal wird deutlich gezeigt, wer der wahre Gott ist. – Kann es sein, dass es noch einmal zu einer Erweckung kommt?

«Und ich will meine Herrlichkeit unter den Heidenvölkern erweisen, und alle Heidenvölker sollen mein Gericht sehen, das ich gehalten habe, und meine Hand, die ich an sie gelegt habe. Und das Haus Israel soll erkennen, dass ich, der Herr, ihr Gott bin, von diesem Tag an und künftig» (Hes 39,21-22).

De Heidenvölker werden erkennen, dass das Gericht von Gott kam. Erkennen heisst aber nicht immer bekehren. Das sehen wir auch in der Offenbarung, wo die Völker Gottes Gerichtshandeln erfahren, aber nicht Busse tun (Offb 16,9-11). So kann wohl eine Erweckung stattfinden, aber nicht in der Weise, dass sich tatsächlich alle Nationen bekehren werden.

Genauso wird es auch in Israel sein; alle werden es erkennen, aber nicht jeder wird sich bekehren. Die endzeitliche Erweckung in Israel wird so zwei Fronten entstehen lassen: die eine, die den kommenden Antichristen annehmen wird, und die andere, die den verheissenen gläubigen Überrest des Volkes bildet. Wenn also Gott in diesem Zusammenhang Seinen heiligen Namen offenbar macht und sich vornimmt, Seinen heiligen Namen künftig nicht mehr entweihen zu lassen, dann bedeutet das, dass dieser Krieg das Ende der 2000-jährigen Gnadenzeit einläutet und den Einbruch der Gerichtszeit der grossen Trübsal beschleunigt.

In Vers 6 von Kapitel 39 heisst es: «Und ich werde Feuer senden gegen Magog und gegen die, welche auf den Inseln sicher wohnen; und sie sollen erkennen, dass ich der Herr bin.» Das bedeutet, dass Gott nicht nur die Streitmächte direkt umbringt, sondern sich auch als heilig gegenüber der Bevölkerung in den Nationen der Angreifer-Koalitionen erweist.

Die letztendliche Bekehrung des Volkes Israel, die in Hesekiel 39,25-29 beschrieben wird, kommt allerdings erst später – nach meinem Verständnis nämlich dann, wenn Jesus Christus in grosser Macht und Herrlichkeit wiederkommt (vgl. Sach 12,10).

Der Apostel Paulus betont: «Denn ihr wisst ja genau, dass der Tag des Herrn so kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie nämlich sagen werden: ‹Friede und Sicherheit›, dann wird sie das Verderben plötzlich überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen» (1.Thess 5,2-3).

Der Angriff von Gog und Magog und Verbündeten kann genau diesen Zustand auslösen. Der vermeintlich letzte Feind, nämlich der militante Islam, ist vernichtet und die Menschheit glaubt und spricht davon, dass die Welt jetzt Frieden und Sicherheit erreicht hat. Vielleicht wird dieser Angriff «zur letzten Zeit» sogar den Antichristen selbst auf den Plan rufen, der als starker Mann wirklich Frieden und Sicherheit auf Erden bringen wird.

Und so glaube ich, dass wir diesen Angriff, vor dem Beginn der Trübsal, miterleben könnten. Was aber auch immer geschehen mag, Gott ist der, der handelt und in allem zu Seinem wunderbaren Ziel kommt.

«O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass es ihm wieder vergolten werde? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen» (Röm 11,33-36).

Nathanael Winkler absolvierte seine theologische Ausbildung in Deutschland. Er spricht fliessend Hebräisch. Sein Aufgabenschwerpunkt ist die breitgefächerte Israelarbeit des Missionswerkes und die grosse Jugend- und Kinderarbeit der Gemeinde Mitternachtsruf.
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