Geisterschiffe und die Endzeit Teil 4

Fr. 26. Februar 2021

Was haben Geisterschiffe, die Gesellschaft, in der wir leben, Glaubensabfall und Endzeit miteinander zu tun? Eine Darlegung auf der Grundlage des festen prophetischen Wortes der Bibel.

Auf der ganzen Welt rosten verlassene Schiffe an den Küsten und Stränden vor sich hin. Einige sind schon halb versunken, andere liegen bereits am Grund von Ozeanen und Seen. Sie haben Schiffbruch erlitten, weil sie vernachlässigt, aufgegeben oder abgeschossen wurden. Manche wurden den Gezeiten überlassen und treiben ziellos unter der Willkür von Wind und Wellen dahin. Viele gerieten in die Hände von Piraten. Gewaltsam verschafften sich diese Meeresterroristen Zugang zu ahnungslosen Schiffen, erbeuteten die Fracht und töteten Passagiere und Besatzung, bevor sie das Schiff entweder versenkten oder es dem Meer überliessen. Andere Schiffe treiben über das Wasser oder ruhen auf dem Meeresgrund, weil sie Kriegen, Stürmen, Feuer, einem beschädigten Steuerruder oder einem Mangel an Treibstoff oder Nahrung für die Besatzung zum Opfer fielen. Zuweilen trugen auch ungünstige Winde oder Flauten zum Untergang von einst stolzen Schiffen bei. Der gemeinsame Nenner dieser Geisterschiffe ist jedoch, dass sie alle verloren sind, treibend auf den Weiten des Ozeans, ohne Hilfe oder Hoffnung und ohne Steuermann, der sie in den sicheren Hafen führt.

Was für Schiffe gilt, kann leider auch auf Menschen zutreffen. Dieselbe Gefahr, die Schiffe auf See bedroht, betrifft auch jene, die sich Christen nennen. Deshalb ermahnte der Apostel Paulus die Korinther: «Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr unecht wärt!» (2.Kor 13,5; siehe auch 1.Kor 10,12).

Eindringlich schrieb Petrus den zerstreuten Gläubigen in einer dekadenten Gesellschaft unter der Herrscha einer heidnischen Regierung: «Darum, Brüder, seid umso eifriger bestrebt, eure Berufung und Auserwählung festzumachen; denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals zu Fall kommen; denn auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich gewährt werden» (2.Petr 1,10–11).

In einer Welt, die auf die Offenbarung zurast, segelt die Gemeinde Jesu heute durch unruhige Gewässer. Sie läuft voll Wasser, während einige ihrer Passagiere absolut zufrieden mit ihrem wöchentlichen Sonntagsbuffett zu sein scheinen. Wie die von Christus in Offenbarung 2–3 gescholtenen Gemeinden steht die Christenheit als Ganzes heute vor einer weitaus tödlicheren Bedrohung als einem Terroranschlag. Wie wir noch feststellen werden, befindet sich die Braut Christi nicht in tadellosem Zustand. An manchen Stellen hat sie einen Riss im Schiffsrumpf, ihr Ruder verloren, nicht genug Wind in den Segeln und ist vom Kurs abgekommen, den Gott für sie festgelegt hat.

Vor ihr liegt das verborgene Riff des Glaubensabfalls, und niemand verstand dies besser als Paulus, denn der viel gereiste Apostel erlitt drei Mal einen echten Schiffbruch (s. Apg 27,27–44; 2.Kor 11,25–26)! Diese Erfahrung nutzte er als ausdrucksstarke Metapher für Beispiele eines geistlichen Schiffbruchs, wobei er Einzelne sogar mit Namen nennt:

«Dieses Gebot vertraue ich dir an, mein Sohn Timotheus, gemäss den früher über dich ergangenen Weissagungen, damit du durch sie gestärkt den guten Kampf kämpfst, indem du den Glauben und ein gutes Gewissen bewahrst. Dieses haben einige von sich gestossen und darum im Glauben Schiffbruch erlitten. Zu ihnen gehören Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie gezüchtigt werden und nicht mehr lästern» (1.Tim 1,18–20).

Den Worten des Paulus können wir mehrere wichtige Beobachtungen und Prinzipien entnehmen:

1. Den Glauben zu verlieren oder aufzugeben, ist gleichzusetzen mit Abfall vom Glauben oder «Schiffbruch» erleiden.
2. Die beiden von Paulus erwähnten Männer waren nicht die Einzigen, die den Glauben aufgaben.
3. Der Abfall vom Glauben zieht spürbare und schmerzliche Folgen nach sich.

Zugegeben, alle Nachfolger Christi erleben Stürme und gehen gelegentlich durch Zeiten der Sünde. Das gehört zum Spannungsfeld zwischen Versuchung und Heiligung. Es ist aber ein riesiger Unterschied, ob Wasser in ihr Boot gelangt oder ob es sinkt. Ebenso gross ist der Unterschied, ob sie vorübergehend vom Kurs abweichen oder totalen Schiffbruch erleiden. Die gute Nachricht ist: Gott hat verheissen, Seine Kinder zu züchtigen, wenn sie, ob aktiv oder passiv, vom Kurs abkommen und in die Sünde abrutschen (s. Hebr 12,4–11). Gelegentlich irren wir ab, segeln zu nahe an der felsigen Küste entlang und hängen an jenen verborgenen Riffen fest, ohne jedoch zu kentern und unterzugehen.

Für andere gibt es hingegen keine Rettung vor dem tobenden Meer, keine Bergung aus der Tiefe. Diese einst bekennenden Gläubigen mögen sich mit guten Absichten und edlen Motiven auf den christlichen Pilgerpfad begeben haben. Sie waren vielleicht sogar auf dem richtigen Kurs, bekamen die gesunde Lehre gepredigt oder gehörten einer gesunden Glaubensgemeinschaft an. Doch so wichtig wie diese Dinge auch sind, für sich genommen sind sie nicht genug. So wurden diese selbst ernannten Nachfolger Gottes schliesslich zu geistlichen «Geisterschiffen». Es geht nicht darum, dass sie ihre Errettung verloren haben, vielmehr zeigen sie, was sie wirklich sind. An irgendeinem Punkt in ihrem Leben haben sie mit dem Gedanken gespielt, ein Jünger Jesu zu sein, aber ihr letztendlicher Abfall vom Glauben offenbarte sie als falsche Christen. Wie Jesus offen warnte, Ihn zu bekennen, ganz gleich wie selbstbewusst, bedeutet nicht zwangsläufig, Ihn auch zu besitzen (s. Mt 7,21–27). Aus diesem Grund inspirierte der Heilige Geist Johannes zu den Worten: «Wer sagt: ‹Ich habe ihn erkannt›, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht» (1.Joh 2,4).

Fakt ist: Menschen irren ab, straucheln und sinken. Ebenso wie Gemeinden und ganze Denominationen. Wer nur so tut, als würde er an Jesus glauben, kommt leicht vom Kurs ab. Einige erliegen falschen Lehren oder lassen sich wie die Gemeinde in Ephesus den Wind aus den Segeln nehmen, was sich darin bemerkbar machte, dass es ihnen an brennender Liebe zu Jesus Christus fehlte (s. Offb 2,4).

Das «Abfallen vom Glauben» (bekannt als Apostasie) kann ein nebulöses Konzept sein, möglicherweise weil es selten studiert, gepredigt oder verstanden wird von einer Generation von Gemeindebesuchern, die ihre geistliche Temperatur daran misst, wie sehr sie den Gottesdienst «genossen» hat, und ihren geistlichen Fortschritt nach der Übereinstimmung mit Regeln und Religiosität beurteilt. Aber unser christlicher Glaube geht viel tiefer als das. Als Gläubige zu reifen, bedeutet unter anderem, sich mit den gewichtigeren Themen im Wort Gottes zu beschäftigen. Während wir wachsen, entdecken wir neben all den Segnungen Gottes (Seine Gegenwart, Frieden, Fürsorge und Seine treue und bedingungslose Liebe), dass Er sich auch um Seine Gemeinde sorgt, insbesondere um ihre Tendenz, lehrmässig und persönlich abzuirren. Diese Gefahren existieren, weil die Welt böse ist, der Feind uns vernichten will und unser Herz zum Abirren neigt (s. Eph 2,1–3). Je näher wir aber dem Herz Gottes kommen, umso empfindsamer werden unsere Herzen und öffnen sich den tieferen Themen des Wortes Gottes. Wir fangen an, uns das zu wünschen, was Er will, was bedeutet, «zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit» zu trachten (Mt 6,33; s. auch Ps 37,4; Spr 3,5–6). Manchmal denken wir vielleicht, die wirklich wichtigen Wahrheiten und Fragen über die Gemeinde wären nur etwas für Pastoren und Älteste. Aber auch einzelne Christen haben eine Verantwortung, die Einheit und Reinheit der Gemeinde zu bewahren (s. 2.Kor 11,1–3; Eph 4,3). Wir alle sollen die Wahrheit kennen und verstehen. Wenn nicht, wäre ein Grossteil der paulinischen Briefe für den durchschnittlichen Gläubigen irrelevant. Dies ist aber nicht der Fall, denn «alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich» für uns (2.Tim 3,16).

Mark Hitchcock ist der Autor von nahezu 30 Büchern über biblische Prophetie und als ausserordentlicher Professor am Dallas Theological Seminary tätig. Der Faith Bible Church dient er als Senior Pastor. Jeff Kinley ist Bestsellerautor und hat schon über fünfundzwanzig Bücher geschrieben. Er ist Absolvent des Dallas Theological Seminary und spricht häufig in Gemeinden in ganz Amerika.
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