Die Entrückung: Fakten und Mythen Teil 2 Fr. 25. September 2020

Fr. 25. September 2020

«Die Prophetie hat aus mehreren Gründen einen schlechten Ruf … wegen vieler falscher Voraussagen von wohlmeinenden, aber fehlgeleiteten Seelen» (Erwin W. Lutzer). Eine Richtigstellung.

Von Ed Hindson, Mark Hitchcock

Die Erwartung, dass sich die Entrückung in jedem Augenblick ereignen könnte, ist den Gläubigen seit den Tagen der Apostel eine grosse Quelle der Hoffnung und des Trostes gewesen. Jede scheinbare Verzögerung ist nicht auf Gottes Unentschlossenheit zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass Er uns nicht in das Datum eingeweiht hat! In der Zwischenzeit werden wir aufgefordert: «Steht fest» und bewahrt die Lehre der Apostel (2Thes 2,15), damit wir «in jedem guten Wort und Werk» gestärkt werden (V. 17). Somit ist die Belehrung des Paulus dieselbe wie die von Jesus, der uns aufforderte zu wachen, bereit zu sein und bis zu Seiner Rückkehr zu dienen (Mt 24,42-46).

Denken Sie stets an das folgende Grundprinzip: Unterscheiden Sie zwischen den Fakten der Prophetie und den interpretativen Annahmen und Vermutungen, die Sie daraus ziehen. Obwohl wir alle gerne glauben würden, dass unser Herr noch in unserer Lebenszeit zurückkommt, ist es anmassend, davon auszugehen, dass wir die letzte Generation sind – auch wenn alle Zeichen darauf hinzudeuten scheinen. Jesus könnte heute noch kommen, aber noch einmal: Möglicherweise dauert es noch Jahre oder sogar Jahrzehnte, bis Er kommt. Der Zeitpunkt Seiner Rückkehr liegt bei Gott dem Vater.

Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Auslegung des Wortes Gottes ist es, zu bestimmen, wie wir die Prophezeiungen über die Endzeit zu verstehen haben. Alan Bandy und Benjamin Merkle weisen darauf hin: Wenn Ausleger der Prophetie zeitgenössische Anwendungen überbetonen, lassen sie oft ausser Acht, was der prophetische Text zunächst bedeutete. Erstens müssen wir uns daran erinnern, dass die Menschen zur Zeit Jesu viele Prophezeiungen über Sein erstes Kommen falsch verstanden hatten. Deshalb dürfen wir nicht annehmen, dass wir alle Details über Sein zweites Kommen herausgefunden haben. Zweitens müssen wir uns vor der Versuchung hüten, zukünftige Prophezeiungen mit den Augen der Gegenwart zu lesen.

Leider gibt es auch weiterhin unüberlegte Spekulationen. Einige der wildesten denkbaren Szenarien haben eine erstaunlich grosse Verbreitung gefunden. Prophetische Spekulationen sind oft eine starke Reaktion auf offensichtliche äussere Bedrohungen. Das gilt heute insbesondere für den islamischen Extremismus. Seit 9/11 kursieren zahlreiche neue Theorien über die letzten Tage, und dazu gehört auch, dass der Antichrist muslimische Wurzeln haben könnte.

Es gibt eine grosse Vielzahl an Spekulationen über das Datum der Entrückung, die Identität des Antichristen und den Beginn der Schlacht von Harmageddon. In unserem Bemühen, einen Sinn in das alles zu bringen, schlagen wir folgende Punkte vor: Fakten. Es existieren klare prophetische Aussagen. Christus wird für die Seinen zurückkommen (Joh 14,13-17); die Gläubigen werden entrückt (1Thes 4,13-17); am Ende des Zeitalters wird es eine grosse Drangsalszeit auf der Erde geben (Mt 24,21-22); Christus wird den letzten Konflikt gewinnen (Offb 19,11-21); Er wird die Verlorenen richten (Offb 20,11-15); Er wird sowohl auf der Erde als auch im Himmel herrschen (Offb 20–22). Diese Fakten werden von der Bibel eindeutig genannt.

Auslegungen. Die Fakten der Prophetie sagen uns nur so viel und nicht mehr. Ausserdem werden wir gewarnt, den von Gott geoffenbarten Aussagen in Seinem prophetischen Wort nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen (Offb 22,18-19). Das heisst, wir sollten die Bibel nicht mehr oder weniger sagen lassen, als sie tut. Vor dieser Herausforderung steht jeder Bibelausleger. Unsere interpretativen Annahmen müssen auf einer fundierten Exegese der Bibel beruhen. Sind unsere interpretativen Annahmen richtig, führen sie zu berechtigten Schlussfolgerungen, wenn nicht, zu lächerlichen Spekulationen. Dinge wie die körperliche Auferstehung, die Dauer der irdischen Herrschaft Christi oder das tatsächliche Wesen des Himmels hängen allesamt von unseren interpretativen Annahmen ab.

Spekulationen. Das sind Vermutungen, die auf unseren interpretativen Annahmen beruhen. In vielen Fällen gibt es keine sachliche Grundlage für sie. Es sind bloss begründete (oder auch weniger begründete) Vermutungen. Diese Spekulationen befassen sich mit Amerikas Rolle in der biblischen Prophetie, der Identität des Antichristen, den Teilnehmern an den Kriegen der Endzeit, dem Malzeichen des Tieres, und ob Autos und Flugzeuge verunglücken, wenn christliche Fahrer und Piloten entrückt werden. Die allergrösste Gefahr beim Umgang mit der biblischen Prophetie ist, anzunehmen, dass unsere Spekulationen richtig sind, und sie als Fakten auszugeben.

Die Zeit ist gekommen, wo ernsthafte Studenten der biblischen Prophetie sicher sein müssen, was Fakten, Annahmen und Spekulationen sind. Nur weil im Nahen Osten ein Krieg ausbricht, heisst das noch lange nicht, dass er zu Harmageddon führen wird. Genauer gesagt, schauen Sie sich die Prophezeiung über die zwei Zeugen in Offenbarung 11,3-13 an. Die biblischen Fakten sagen, dass sie 1260 Tage lang in Jerusalem prophezeien werden («wo auch unser Herr gekreuzigt worden ist»). Anschliessend werden sie getötet, auferweckt und in den Himmel entrückt. Interpretative Annahmen befassen sich mit dem Zeitpunkt dieser Ereignisse, der Identität der beiden Zeugen, der Art der anschliessenden Feierlichkeiten über ihren Tod und damit, ob ihre Auferstehung und Entrückung wörtlich oder bildlich zu nehmen sind. Darüber hinaus gehört es in den Bereich der Spekulation, ob Fernsehübertragungen per Satellit es den Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen, die Leichname der beiden Zeugen dreieinhalb Tage in den Strassen liegen zu sehen, während die Menschen überall ihr Ableben feiern und einander Geschenke überreichen.

Entscheidend ist nicht, ob unser Argument besser ist, sondern ob wir die biblische Prophetie richtig auslegen. Bei diesem Versuch müssen wir klar unterscheiden zwischen biblischen Fakten, unseren interpretativen Annahmen und unseren persönlichen Spekulationen – die es bei allen prophetischen Standpunkten gibt. Die allergrösste Tatsache ist, dass wir in Christus die Hoffnung auf das ewige Leben besitzen. Wie der Apostel Petrus sagte: Gott, «der uns aufgrund seiner grossen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung … zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns … das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit» (1Petr 1,3-5).

Welche spezielle eschatologische Präferenz ein Gläubiger auch haben mag, als Ganzes nehmen evangelikale Christen die biblischen Prophezeiungen über die Endzeit und die Rückkehr Christi ernst. Viele von uns glauben, dass wir in der Endzeit leben – wenn die Welt in eine Reihe von verheerenden Kriegen gestürzt wird, die den Planeten erschüttern werden. Nur weil wir daran glauben, dass diese Ereignisse stattfinden werden, heisst das nicht, dass wir sie beschleunigen wollen. Aber wir nehmen die unheilvolle Ankündigung der Schrift ernst. Wenn Christen in vergangenen Jahrhunderten über das Ende der Welt redeten, wurden sie oft ausgelacht, weil die Zerstörung des ganzen Planeten unvorstellbar schien. Aber heute sind sich Christen ebenso bewusst wie Nichtchristen, dass eine Katastrophe solchen Ausmasses durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

In den letzten Jahren ist sogar die Welt zu der Erkenntnis gekommen, dass wir auf eine potenzielle Katastrophe von «biblischen Ausmassen» zusteuern. Sorgen über die globale Erwärmung, Luft- und Wasserverschmutzung, die Zerstörung der schützenden Ozonschicht, Bevölkerungsexplosion und die allgemeine Instabilität der Erdkruste wurden allesamt als ernste Probleme angeführt, die sich auf das zukünftige Leben auf diesem Planeten auswirken können.