Ein schlechter Vergleich Fr. 1. Mai 2020

Fr. 1. Mai 2020

Säkulare Kritiker vergleichen die Landeinnahme der Israeliten unter Josua mit dem Vorgehen der Extremisten heutiger Zeit. Trifft das zu?

Von Norbert Lieth

Kritische Bibelforscher weisen auf 5. Moe 7,1ff. hin, wo unter anderem geschrieben steht: «Wenn der Herr (…) dir viele Völker aus dem Weg räumt – Hethiter, Girgaschiter und Amoriter, Kanaaniter und Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die zahlreicher und mächtiger sind als du –, wenn der Herr, dein Gott, sie dir ausliefert und du sie schlägst, dann sollst du sie der Vernichtung weihen. (…) Ihr sollt ihre Altäre niederreissen, ihre Steinmale zerschlagen, ihre Kultpfähle umhauen und ihre Götterbilder im Feuer verbrennen.»
Kann man diese Eroberung im Auftrag Gottes zur Zeit Josuas tatsächlich mit den Gewalttaten der Extremisten und den Umständen der heutigen Zeit vergleichen?

Gott schloss mit Abraham einen Bund und verhiess ihm das Land, in das Josua Jahrhunderte später das Volk führte. Dabei lässt uns der Allmächtige nicht im Unklaren darüber, warum Er die Nationen, die in diesem Land wohnten, vertilgen musste: «Da sprach Er zu Abram: Du sollst mit Gewissheit wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Land, das ihm nicht gehört; und man wird sie dort zu Knechten machen und demütigen 400 Jahre lang. Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten; und danach sollen sie mit grosser Habe ausziehen. Und du sollst in Frieden zu deinen Vätern eingehen und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen in der vierten Generation wieder hierher kommen; denn das Mass der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll. Und es geschah, als die Sonne untergegangen und es finster geworden war – siehe, da war ein rauchender Glutofen, und eine Feuerfackel, die zwischen den Stücken hindurchfuhr. An jenem Tag machte der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens bis an den grossen Strom, den Euphrat: die Keniter, die Kenisiter, die Kadmoniter, die Hetiter, die Pheresiter, die Rephaiter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgasiter und die Jebusiter» (1.Mo 15,13-21).
Gott sprach zunächst über den Aufenthalt Israels in Ägypten, die dortige Knechtschaft und anschliessende Befreiung. Die Definition «Amoriter» ist ein Überbegriff für die Gesamtheit der kanaanitischen Völker. Die Hinauszögerung des Gerichtes über diese Völker war der Grund dafür, dass der verheissene Bund erst nach 400 Jahren erfüllt wurde. Das Mass der Sünden jener Nationen war bis dahin noch nicht voll. Sie praktizierten bereits grauenhafte Taten, aber Gott wartete in Seiner Langmut, um Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Doch dem allmächtigen Gott war bereits bekannt, dass sie sich nicht von ihren Sünden abkehren, sondern das Mass vollmachen würden. Darum konnte Er diese Verheissung bereits im Voraus aussprechen. Die Sünden der Kanaaniter waren so furchtbar, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab, als diese Völker zu vertilgen. Das Gerichtswerkzeug hierfür sollten die Israeliten sein.

In 3. Mose 18 wird uns erklärt, in welchen Sünden diese Völker lebten, die schliesslich das Mass vollmachten. Dabei ermahnte der Herr Sein Volk eindringlich, sich nach dem Einzug in das Land nicht mit den gleichen Sünden zu beflecken: «Ihr sollt nicht so handeln, wie man es im Land Ägypten tut, wo ihr gewohnt habt, und sollt auch nicht so handeln, wie man es im Land Kanaan tut, wohin ich euch führen will, und ihr sollt nicht nach ihren Satzungen wandeln» (3.Mo 18,3).
Sünde hat das Gericht Gottes zur Folge; man darf nicht mit ihr spielen und keinen Umgang haben. In den weiteren Ausführungen von 3. Mose 18 wird geschildert, welche Sünden Gottes Gericht verursacht hatten und von Israel gemieden werden sollten.

1. Inzucht (3.Mo 18,6). Offensichtlich wurde in Kanaan Inzucht betrieben und Gott warnte Sein Volk, nicht in die gleiche Sünde zu fallen. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, was über kurz oder lang aus diesen Nationen geworden wäre, wenn Gott diese Völker einfach so hätte weiter gewähren lassen. Das Gericht war notwendig. Die Verse 7–19 sprechen sehr offen von diesen Taten und wie weit es schon gekommen war, andernfalls hätte Gott Sein Volk nicht so eindringlich davor gewarnt.

2. Ehebruch (3.Mose 18,20). Wir wissen, welch bitteres Leid Ehebruch in die Familien hineinbringen kann. Unter den Nationen in Kanaan herrschte offenbar nicht mehr die Liebe zum eigenen Partner vor, sondern nur noch die reine Lust, ohne Rücksicht auf den Nächsten.

3. Mord an Kindern (3.Mo 18,21; vgl. 5.Mo 12,31). Zum Götzendienst der Kanaaniter gehörte das Verbrennen von Kindern. Diese wurden bei lebendigem Leib ins Feuer geworfen und so dem Abgott Moloch geopfert. Was muss das für ein herzzerreissendes Wimmern und Schreien gewesen sein, was bedeutete das für eine Mutter, wenn ihr das Kind entrissen und in dieser Weise geopfert wurde?

4. Entweihung des Namens Gottes (3.Mose 18,21). Der wahre Gott, der das Leben, die Natur und den Menschen als Krönung der Schöpfung gemacht hatte, der anfänglich über Seine Schöpfung sprach «… siehe, es war sehr gut» (1.Mo 1,31), wurde aufs Hässlichste entehrt. Kanaan hatte sich vom Schöpfer zu den Götzen und dem Geschaffenen gewandt und betete diese an (vgl. Röm 1,25).

5. Homosexualität (3.Mo 18,22). Nicht nur Inzucht und Ehebruch waren an der Tagesordnung, auch die Homosexualität hatte die Gesellschaft geprägt und war zu einem Normalzustand geworden (vgl. Röm 1,27).

6. Sodomie (3.Mo 18,23). Es kam sogar zur sexuellen Perversion höchsten Grades: die Sodomie, die das Mass der Sünde voll und das Gericht unabwendbar machte.

Gott stellt nach Aufzählung der erwähnten Sünden fest: «Ihr sollt euch durch all diese Dinge nicht verunreinigen. Denn durch das alles haben sich die Heiden verunreinigt, die ich vor euch her austreibe, und dadurch ist das Land verunreinigt worden, und ich suchte ihre Schuld an ihm heim, sodass das Land seine Einwohner ausspeit» (3.Mo 18,24-25). Die Heiden waren nicht zur Umkehr bereit und hatten sich dermassen verunreinigt, dass sie nur noch gerichtet werden konnten. Aber nicht nur die Menschen, sogar das Land war deswegen verunreinigt. Darum mussten diese Völker vernichtet werden und sollten die Israeliten ihr Land in Besitz nehmen. Gott hielt den Juden sogar vor, dass sie nicht um ihretwillen in das verheissene Land kommen sollten, sondern weil Er die kanaanitischen Völker um deren Sünde willen vertreiben würde: «Und wandelt nicht nach den Satzungen der Heiden, die ich vor euch her ausstossen werde. Denn alle jene Dinge haben sie getan, und deshalb habe ich sie verabscheut» (3.Mo 20,23).

«Wenn sie nun der HERR, dein Gott, vor dir her ausgestossen hat, so sprich nicht in deinem Herzen: Um meiner Gerechtigkeit willen hat der HERR mich hereingebracht, dass ich dieses Land in Besitz nehme!, da doch der HERR diese Heidenvölker wegen ihrer Gottlosigkeit vor dir her aus ihrem Besitz vertreibt. Denn nicht um deiner Gerechtigkeit und um deines aufrichtigen Herzens willen kommst du hinein, um ihr Land in Besitz zu nehmen, sondern wegen ihrer Gottlosigkeit vertreibt der HERR, dein Gott, diese Heidenvölker aus ihrem Besitz, und damit er das Wort aufrechterhalte, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat. So sollst du nun erkennen, dass der HERR, dein Gott, dir dieses gute Land nicht um deiner Gerechtigkeit willen gibt, damit du es in Besitz nimmst; denn du bist ein halsstarriges Volk!» (5. Mo 9,4-6). «Denn wer so etwas tut, ist dem HERRN ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz. Du aber sollst dich ganz an den HERRN, deinen Gott, halten» (5.Mo 18,12-13).

Das damalige Handeln Gottes ist in keiner Weise mit dem zu vergleichen, was fanatische Extremisten im Nahen Osten und in anderen Teilen der Welt fabrizieren. Im Gegenteil, das Wirken dieser Gruppierungen entspricht zum Teil den Sünden, die die Kanaaniter praktizierten. Gott richtete Schuldige. Statt uns darüber aufzuregen, wie radikal der Herr diese Völker aburteilte, sollten wir Ihn vielmehr fürchten. Diese Vorgehensweise Gottes darf auch seelsorgerlich verstanden werden. Sie zeigt uns, wie schlimm die Sünde in Gottes Augen ist und wie Er richten muss, wenn keine Umkehr stattfindet.

Heute nähern wir uns mit immer schneller werdenden Schritten dem Vollmass der Sünde. Offenbarung 14,14-16 besagt: «Und ich sah, und siehe, eine weisse Wolke, und auf der Wolke sass einer, der glich einem Sohn des Menschen; er hatte auf seinem Haupt eine goldene Krone und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Und ein weiterer Engel kam aus dem Tempel hervor, der rief mit lauter Stimme dem zu, der auf der Wolke sass: Sende deine Sichel und ernte; denn die Stunde des Erntens ist für dich gekommen, weil die Ernte der Erde überreif geworden ist! Und der auf der Wolke sass, warf seine Sichel auf die Erde, und die Erde wurde abgeerntet» (vgl. Joel 4,13). Die Parallelen der damaligen Sünden zu den heutigen sind erschreckend. Schlimmsten sexuellen Perversionen wird öffentlich Raum geboten, unzählige Embryonen werden geopfert und der Name Gottes immer wieder entweiht. Die Bibel sagt uns, dass um dieser Dinge willen eines Tages wieder das Gericht Gottes über die Erde kommen wird: «Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist; um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams» (Kol 3,5-6).

Dass Gott den Tod des Sünders nicht will, beweist Er uns durch Jesus Christus. Dieser hat alle Sünden auf sich genommen, starb am Kreuz für uns und stand aus den Toten auf, um für uns Vergebung und ewiges Leben zu erwirken. Jeder ist Täter und Träger seiner eigenen Sünden. «Da ist keiner, der Gutes tut» (Röm 3,12). Gott sei Dank, dass Er uns die Möglichkeit eröffnet hat, unsere Schuld bei Jesus abzuladen. Wer das tut, wird von Gott mit offenen Armen empfangen und muss kein Gericht fürchten. «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen» (Joh 5,24).