Die unbesungenen Helden des Evangeliums Fr. 8. Mai 2020

Fr. 8. Mai 2020

«Wer sich für wichtiger hält als die anderen, betrügt sich selbst. Jeder achte genau auf sein eigenes Leben und Handeln, ohne sich mit anderen zu vergleichen» (Gal 6,3-4, «Neues-Leben-Übersetzung»).

Von Norbert Lieth

Die Gemeinde wird als Leib Christi bezeichnet. Dieser Leib besteht aus vielen Gliedern. Jedes Glied hat seine Funktion. Darum ist auch jedes Glied wichtig. Nur im Miteinander sind wir funktionstüchtig. Fällt ein Glied aus, so ist der ganze Leib behindert. Der Leib Christi funktioniert nur dann optimal, wenn alle Glieder zusammenarbeiten.
Die Apostelgeschichte ist die Geschichte der grossen Taten der Apostel. Doch neben ihnen gab es auch noch andere «unbesungene Helden». Männer und Frauen, die hinter den Kulissen arbeiteten und kaum in Erscheinung traten.

Die fünf unbekannten Diakone: Arbeit im Hintergrund
«Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, die ein gutes Zeugnis haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind; die wollen wir für diesen Dienst einsetzen, wir aber wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben! Und das Wort gefiel der ganzen Menge, und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia» (Apg 6,3-5).
Wir alle kennen Stephanus und Philippus. Aber es gab noch fünf andere, die einen ebenso wichtigen Dienst für die frühe Gemeinde taten. Ihre hingegebene, praktische und diakonische Arbeit verschaffte den Aposteln den nötigen Freiraum, ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Arbeit dieser Männer wurde kaum wahrgenommen, aber sie war zur Funktion des Leibes Christi sehr wichtig. Ebenso verhält es sich mit den Aposteln, die im späteren Verlauf der Evangeliumsverbreitung nicht mehr erwähnt werden (z.B. Thomas, Andreas, Philippus, Simon der Zelot, Judas der Sohn des Jakobus, Bartholomäus, Jakobus der Sohn des Alphäus usw.). Denn über alle Seine Jünger sagte unser Herr Jesus: «Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, weil sie dein sind. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. Und ich bin nicht mehr in der Welt; diese aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleichwie wir!» (Joh 17,9-11).
Liebe Leserin, lieber Leser, Ihre Hintergrundarbeit ist wichtig, wenn sie dazu beiträgt, das Evangelium zu fördern, das andere verkündigen!

Ananias: Gehorsam im Kleinen
«Es war aber in Damaskus ein Jünger namens Ananias. Zu diesem sprach der Herr in einem Gesicht: Ananias! Er sprach: Hier bin ich, Herr! Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Gasse, die man ‹die Gerade› nennt, und frage im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet; und er hat in einem Gesicht einen Mann namens Ananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hand auflegte, damit er wieder sehend werde» (Apg 9,10-12).
Ananias selbst wurde keine berühmte Persönlichkeit wie Paulus, Petrus oder Jakobus. Doch er war durch seinen Gehorsam der Schlüssel, den der Herr gebrauchte, um Saulus (Paulus) in das Werk des Herrn einzuführen.
Gerade der Gehorsam im Kleinen kann dazu führen, dass das Werk des Herrn umso grösser wird.

Lydia: Wert der Gastfreiheit
«Als sie aber getauft worden war und auch ihr Haus, bat sie und sprach: Wenn ihr davon überzeugt seid, dass ich an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort! Und sie nötigte uns. … Da verliessen sie das Gefängnis und begaben sich zu Lydia; und als sie die Brüder sahen, trösteten sie sie und zogen fort» (Apg 16,15.40).
Lydia bekehrte sich und öffnete fortan Paulus und seinen Mitarbeitern ihr Haus. Hier kamen sie zur Ruhe und fanden Erholung. Von dort aus wurden viele Menschen gläubig und in Philippi wurde eine Gemeinde gegründet. Gastfreiheit ist von unschätzbarem Wert, ebenso wie die Ermutigung. Dadurch wird anderen Erleichterung verschafft.

Jason: selbstloser Einsatz
«Aber die Juden, die sich weigerten zu glauben, wurden voll Neid und gewannen etliche boshafte Leute vom Strassenpöbel, erregten einen Auflauf und brachten die Stadt in Aufruhr; und sie drangen auf das Haus Jasons ein und suchten sie, um sie vor die Volksmenge zu führen. Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt und schrien: Diese Leute, die die ganze Welt in Aufruhr versetzen, sind jetzt auch hier; Jason hat sie aufgenommen! Und doch handeln sie alle gegen die Verordnungen des Kaisers, indem sie sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus! Sie brachten aber die Menge und die Stadtobersten, welche dies hörten, in Aufregung, sodass sie Jason und die Übrigen nur gegen Bürgschaft freiliessen» (Apg 17,5-9).
«Jason hat sie aufgenommen» ist eine gute Anschuldigung. Er setzte sein Leben für das Evangelium aufs Spiel, nicht indem er grosse Reden schwang, sondern einfach, weil er sein Haus den gläubig gewordenen Juden zur Verfügung stellte. Was setzen wir für Jesus ein?

Paulus’ Neffe: beispielhafter Mut
«Aber in der folgenden Nacht trat der Herr zu ihm und sprach: Sei getrost, Paulus! Denn wie du in Jerusalem von mir Zeugnis abgelegt hast, so sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen. Als es aber Tag geworden war, rotteten sich etliche Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen noch zu trinken, bis sie Paulus umgebracht hätten. … Als aber der Sohn der Schwester des Paulus von diesem Anschlag hörte, kam er, ging in die Kaserne hinein und berichtete es dem Paulus» (Apg 23,11-12.16).
Der Name dieses Neffen ist uns nicht bekannt. Man nimmt an, dass Paulus nach seiner Bekehrung von seiner Familie ausgestossen wurde (vgl. Phil 3,8). Doch dieser Neffe war auf irgend eine Weise dem Paulus zugetan. Verwandte durften ihre Familienmitglieder, die römische Staatsbürger waren, im Gefängnis besuchen (Apg 24,23). Gott hätte Paulus einfach entrücken können, wie einst Philippus (Apg 8,39). Aber Er tat es nicht, um uns zu zeigen, wie wichtig unser Dienst ist. Gott hätte einen Engel schicken können. Aber Er brauchte Paulus’ Neffen, um dem Apostel das Leben zu retten. Dieser junge Mann hatte den Mut, einen Mordplan aufzudecken. Der Herr kann jeden Menschen, unabhängig vom Alter, gebrauchen; Gläubige – ob jung oder alt –, die Ihm gehorsam und in gewisser Weise mutig sind. Mutig war in diesem Fall der Junge, weil er nicht mit der Masse lief und sich nicht der Meinung anderer anpasste.

Julius: beherzter Einsatz
«Als es aber beschlossen worden war, dass wir nach Italien abfahren sollten, übergaben sie Paulus und einige andere Gefangene einem Hauptmann namens Julius von der Kaiserlichen Schar. … Die Soldaten aber fassten den Plan, man solle die Gefangenen töten, damit keiner schwimmend entfliehe. Doch der Hauptmann, der den Paulus retten wollte, verhinderte ihr Vorhaben und befahl, wer schwimmen könne, solle sich zuerst ins Meer werfen, um ans Land zu kommen» (Apg 27,1.42-43).
Hauptmann Julius rettete Paulus das Leben, als andere Soldaten ihn töten wollten. Dadurch gelangte das Evangelium zu seinem Bestimmungsort, nach Rom. Auch durch Ihren beherzten Einsatz wird das Evangelium weitergetragen, ob dieser Einsatz nun im Grossen und Sichtbaren geschieht oder eher im Unsichtbaren. Seien Sie ein Mensch, der nicht allem zustimmt, was Ihnen die Umgebung einflüstert, sondern tun Sie, was der Heilige Geist Ihnen sagt!

Sie sind wichtig!
«Gott konnte einen Verfolger wie Paulus gebrauchen, einen Playboy wie Augustinus, einen Spieler wie Dostojewskij. Er gebrauchte einen Hitzkopf wie Martin Luther und einen Trauerkloss wie John Wesley; einen stummen Ochsen wie Thomas von Aquin und eine querschnittsgelähmte Joni Eareckson Tada.»1
In den Anmerkungen der «Neues-Leben-Übersetzung» heisst es: «Der menschliche Körper hat viele Organe, doch nur gemeinsam machen die vielen Teile den einen Körper aus. So ist es auch mit dem Leib Christi. Christen müssen zwei verbreitete Fehler vermeiden: 1) stolz auf ihre Fähigkeiten zu sein oder 2) zu meinen, sie hätten der Gemeinschaft der Christen nichts zu geben. Statt uns miteinander zu vergleichen, sollten wir unsere verschiedenen Gaben gemeinsam nutzen, um die gute Botschaft der Erlösung zu verbreiten. … Indem Paulus den Körper als Analogie benutzt, benutzt er die Wichtigkeit jedes einzelnen Gemeindemitglieds. Wenn ein scheinbar unbedeutender Teil ausfällt, wird der ganze Leib weniger effektiv. Die eigene Gabe für wichtiger zu halten als die Gabe eines anderen, ist ein Zeichen von geistlichem Stolz. Wir dürfen nicht auf diejenigen herabsehen, die unwichtig zu sein scheinen, und wir sollen nicht neidisch auf andere sein, die mehr sichtbare Gaben haben. Stattdessen sollten wir die Gaben gebrauchen, die uns geschenkt wurden, und andere Christen ermutigen, ihre Gaben einzusetzen. Wenn wir das nicht tun, ist die Gemeinschaft der Gläubigen weniger effektiv.»
Egal ob jung oder alt, sehr oder weniger begabt, öffentlich oder im Hintergrund: Sie sind wichtig!
1 Aus «50 Bibelworte die die Welt veränderten», Brockhaus, S. 156