Islamische Glaubensüberzeugungen verstehen – Teil 1

In diesem und im nächsten Teil möchte ich die islamische Weltanschauung einmal aus muslimischer Perspektive betrachten. Je besser wir die islamische Sicht verstehen, umso besser können wir den Nahostkonflikt begreifen. Und dadurch können wir klarer erkennen, warum Israel heute permanent in höchster Alarmbereitschaft ist.

Zunächst werden wir uns mit den fünf Hauptlehren des traditionellen Islam sowie den fünf religiösen Pflichten der Muslime befassen. Wie wir sehen werden, legen islamische Extremisten bestimmte Lehren und Pflichten so aus, dass sie ihre radikalen Neigungen stützen. Im nächsten Teil werden wir unsere Aufmerksamkeit dann noch gezielter auf spezielle Glaubensüberzeugungen von islamischen Fundamentalisten richten.

Die fünf Hauptlehren des traditionellen Islam

Es gibt fünf wichtige Lehren, denen Muslime zustimmen: Gott, Engel, heilige Bücher, Propheten und ein zukünftiges Gericht. Lassen Sie uns einmal anschauen, was die Mehrheit der Muslime über diese Punkte glaubt.

1. Gott

Es gibt nur einen wahren Gott, und sein Name ist Allah. Der Begriff Allah stammt wahrscheinlich von al illah ab, was «der Gott» bedeutet. Allah werden sieben Hauptmerkmale zugeschrieben: 1) Er ist eine absolute Einheit, 2) sieht alles, 3) hört alles, 4) spricht alle Sprachen, 5) weiss alles, 6) ist absoluter Wille und 7) allmächtig.

Muslime betonen, dass Allah eins ist. Da er eins ist, hat er keine Partner oder Gefährten. Diese absolute Einheit Allahs ist der Hauptgrund, weshalb Muslime die christliche Lehre von der Dreieinheit und Jesus als «den Sohn Gottes» ablehnen. Sie nehmen diesen Ausdruck wörtlich und glauben, er würde bedeuten, dass Allah einen Sexualpartner hatte, mit dem er Christus zeugte. Deshalb weisen Muslime auch die Vorstellung zurück, dass Allah ein «Vater» ist. Nach muslimischem Denken kann der Begriff Vater nicht vom physischen Bereich getrennt werden. Allah als «Vater» oder «himmlischen Vater» zu bezeichnen, ist somit Gotteslästerung, da man genauso gut sagen könnte, dass Allah sexuelle Beziehungen hatte, um einen «Sohn» zu zeugen (s. Suren 6:101; 19:35).

Von Allah wird gesagt, dass er von der ganzen Schöpfung völlig getrennt ist und sich in keiner Weise manifestiert hat. Allahs Wille ist manifestiert (auf den Seiten des Korans), Allah selbst aber nicht. Er ist absolut transzendent. Er ist so sehr mit sich selbst vereint, dass er nicht mit der Schöpfung in Kontakt treten kann. Wenn er etwas über sich selbst sagen würde, würde das seiner Transzendenz widersprechen.

Einer der umstrittensten Aspekte der muslimischen Sicht über Allah hat mit seiner absoluten Souveränität zu tun. Der Koran sagt: «Allah hat Macht über alle Dinge» (Sure 3:165). Muslimen zufolge verursacht Gott sowohl das Gute als auch das Böse (Sure 32:13; 113:1-2). Er kann Menschen in der Gerechtigkeit leiten, und er kann sie zum Bösen führen. In etwa 20 Stellen im Koran wird gesagt, dass Allah Menschen in die Irre führt. Alles, was im Universum geschieht, ob Gutes oder Schlechtes, wurde von den unabänderlichen Dekreten Allahs vorherbestimmt, heisst es. Muslime glauben, alle Gedanken, Worte und Taten (gut oder böse) wären von Ewigkeit her vorausgesehen, vorherbestimmt und beschlossen. Alles ist unwiderruflich und schicksalhaft aufgeschrieben (Hadith 8:611). Der muslimische Theologe Risalehi-Barkhawi geht so weit zu sagen:

«Er (Gott) kann nicht nur alles tun, er ist sogar der Einzige, der etwas tut. Wenn ein Mensch schreibt, hat Allah in seinem Kopf den Willen zum Schreiben geschaffen. Allah gibt gleichzeitig die Kraft zum Schreiben und bewegt Hand und Stift und lässt die Worte auf dem Papier entstehen. Alle anderen Dinge sind passiv, nur Allah ist aktiv.»

Das ist ein sehr starker fatalistischer Zug im Islam. Er kann bei Muslimen ein deutlich vermindertes moralisches Verantwortungsgefühl hervorrufen. Eine unter Muslimen häufig anzutreffende Aussage ist Inschallah – «so Allah will». Wenn etwas Gutes passiert, wird davon ausgegangen, dass es Allahs Wille war. Passiert etwas Schlechtes (z. B. ein Kind fällt vom Balkon), nimmt man ebenfalls an, dass es Allahs Wille war. Ohne Allahs Willen geschieht nichts.

Angesichts der Lehre des Korans, dass Allah sowohl am Guten als auch am Bösen beteiligt ist, überrascht es nicht, dass der Koran Allah nicht als heilig bezeichnet. Der Koran scheint mehr Allahs Macht hervorzuheben als seine Reinheit, mehr seine Allmacht als seine Heiligkeit.

2. Engel

Es wird an eine Hierarchie von Engeln geglaubt, die zwischen Allah und der Menschheit stehen. Ihr oberster Engel ist Gabriel – ein Erzengel, der Mohammed angeblich die Offenbarung des Korans gab (Sure 2:97). Engel werden als Geister angesehen, die «feine Körper» besitzen.

Jeder Mensch hat angeblich zwei Engel, die alle seine Taten, gute oder schlechte, aufzeichnen (Sure 50:17). Beim kommenden Gericht wird dann dieser Taten gedacht.

Engel spielen auch eine Rolle, wenn ein Mensch stirbt. Wir lesen: «Jede Seele wird den Tod kosten» (Sure 3:185). Beim Tod «strecken die Engel ihre Hände aus [und sagen]: ‹Liefert eure Seelen aus!›» (Sure 6:93). Danach kommt für Muslime ein zukünftiger Auferstehungs- und Gerichtstag, und da sich Muslime ihres Heils nicht sicher sein können, kann das eine beängstigende Aussicht sein. Der Tod von Ungläubigen ist besonders schrecklich, denn die Engel «schlagen ihnen Gesicht und Rücken und (sprechen): ‹Kostet die Strafe des Verbrennens!›» (Sure 8:50).

3. Heilige Bücher

Muslime glauben, dass es vier inspirierte Bücher gibt: die Thora Moses, die Psalmen Davids, das Evangelium Jesu Christi und den Koran (der die Lehren Mohammeds enthält). Muslime glauben, Allahs Offenbarung ist ewig, und daher sind alle heiligen Bücher, die von ihm stammen, im Wesentlichen gleich. Woher kommen dann die Unterschiede zwischen dem Koran und der Bibel der Christen? Die am häufigsten gegebene Antwort ist, dass die Bibel von Juden und Christen verfälscht wurde. Was heute als Bibel durchgeht, ist nicht dasselbe wie das, was dem Menschen ursprünglich gegeben wurde. Andere Muslime weisen darauf hin, dass Allahs Offenbarung an die Menschen einen fortschreitenden Charakter hat, da der Mensch nicht immer bereit war für die ganze Fülle seiner Botschaft. Daher wurde dem Menschen nur so viel gegeben, wie er zu einem bestimmten Zeitpunkt verarbeiten konnte. Diese fortschreitenden und umfassenderen Offenbarungen Allahs fanden ihren Höhepunkt im Koran, der Allahs letzte und vollständige Offenbarung ist.

Der Koran besteht aus 114 Suren (Kapitel), die ihrer Länge nach angeordnet sind, wobei die längeren Kapitel zuerst kommen und die kürzeren danach. Da die Suren von den längsten zu den kürzesten übergehen, sind nicht muslimische Leser oft verwirrt, weil sie bei Büchern eher eine thematische oder chronologische Anordnung gewohnt sind. Insgesamt enthält der Koran 6247 Verse und hat etwa vier Fünftel der Länge des Neuen Testaments.

Muslime halten den Koran für eine exakte und getreue Kopie des Originals, das sich im Himmel befindet – eine gravierte Tafel, die seit aller Ewigkeit in der Gegenwart Allahs existiert. Der Engel Gabriel brauchte mehr als 20 Jahre, Mohammed alle Offenbarungen des Korans zu überbringen. Jedes Mal übermittelte er nur einzelne Abschnitte, Stück für Stück, während sich Mohammed in einem prophetischen Trancezustand befand. Daher sieht man im Koran nicht die Worte Mohammeds, sondern die Worte Allahs.

Da Gabriel den Koran in seiner ursprünglichen arabischen Form vom Himmel auf die Erde brachte, wird die arabische Sprache als ein wesentlicher Bestandteil des Korans angesehen. Viele Muslime glauben, der Koran könnte nicht von der arabischen Sprache, in der er übermittelt wurde, getrennt werden. Im Gegensatz zu Christen, die seit Langem versuchen, die Bibel in so viele Sprachen wie möglich zu übersetzen, haben sich Muslime schon immer gesträubt, den Koran für nicht arabische Leser in anderen Sprachen zu veröffentlichen.

Muslime sagen, Ausserkraftsetzung sei ein Privileg des Korans, was die Aufhebung eines früheren Gesetzes durch ein neues Gesetz beinhaltet (Sure 16:101). Das bedeutet, Allah ist an seine Offenbarungen nicht gebunden. Wenn er will, hat er die Freiheit, neue Offenbarungen hervorzubringen, die den früheren vollkommen widersprechen. Wenn es die Umstände erfordern, kann Allah frühere Offenbarungen widerrufen und ganz neue und andersartige einsetzen.

So forderte Mohammed seine Nachfolger ursprünglich auf, Richtung Jerusalem zu beten (Suren 2:150; 2:142). Als die Juden Mohammed jedoch zurückwiesen und ihn einen Hochstapler nannten, empfing er neue Offenbarungen, die zur Folge hatten, dass die richtige Gebetsrichtung nun Mekka war (Sure 2:125). Dieser Wechsel stimmt mit dem überein, was wir in Sure 2:106 lesen: «Wenn Wir eine Āya aufheben oder der Vergessenheit anheimfallen lassen, so bringen Wir eine bessere als sie oder eine gleichwertige hervor.»

Der Respekt, den der Koran in islamischen Ländern geniesst, kann nicht übertrieben dargestellt werden. Es ist das am meisten verehrte Buch in jedem muslimischen Haushalt und wird als «Mutter aller Bücher» bezeichnet. Häufig werden in die Mauern muslimischer Häuser Verse aus dem Koran eingraviert. Für muslimische Kinder ist der Koran auch ein Lehrbuch über den Islam.

4. Propheten

Der Koran sagt, Allah hat jeder Nation einen Propheten gesandt, um den Menschen mitzuteilen, dass es nur einen wahren Gott gibt. Zu den im Koran erwähnten «Propheten» gehören: Adam, Saleh, Lut (Lot), Hud, Yüacub (Jakob), Ibrahim (Abraham), Yunus (Jona), Musa (Mose), Daud (David), Al-Yaüsa (Elisa), Zakara (Sacharja), Dhul-Kifl (Hesekiel), Isa (Jesus), Nuhu (Noah), Shuüaib, Ismaiüil (Ismael), Yusuf (Joseph), Ishaq (Isaak), Harun (Aaron), Sulaiman (Salomo), Yahya (Johannes der Täufer), Ayyub (Hiob), Ilyas (Elia), Idrees und Mohammed. Der islamischen Überlieferung zufolge wurden der Menschheit 124 000 Propheten gesandt, aber ihnen wurden nur 104 Bücher gegeben. Sogar Propheten wie Adam, Noah und Abraham schrieben prophetische Bücher, die aber nicht mehr existieren, heisst es.

Die Offenbarung eines jeden Propheten soll angeblich nur für das Zeitalter gegolten haben, in dem er lebte. Wenn Gott einem der Propheten ein neues Buch gibt, setzt er dadurch die vorangegangenen Bücher ausser Kraft. Das bedeutet, die Offenbarung, die durch Mohammed kam, hob alle bisherigen Offenbarungen auf, einschliesslich der Bibel. Jeder der grossen Propheten sagte angeblich das Kommen des ihm nachfolgenden Propheten vor- aus. Der letzte und grösste der Propheten, Mohammed, wird «der letzte aller Propheten» genannt (Sure 33:40). Während die vorangegangenen Propheten nur Offenbarungen für ihr Zeitalter präsentierten, gilt Mohammeds Offenbarung für alle Zeit, heisst es. Über ihn wird gesagt, dass er ein grösserer Prophet ist als Jesus.

Muslime glauben, dass alle von Allah berufenen Propheten dieselbe Grundbotschaft lehrten: Es gibt nur einen wahren Gott; die Menschen müssen sich seinen Gesetzen unterordnen; und sie müssen gute Werke tun, weil es zukünftig einmal einen Gerichtstag geben wird. Verschiedene Propheten haben scheinbar unterschiedliche Botschaften überbracht, aber das liegt daran, dass die Menschen die im Grunde identischen Lehren der Propheten verzerrt haben. Die Juden haben angeblich die alttestamentlichen Schriften verdreht und die Christen das Neue Testament. Die ursprünglichen Lehren Jesu sollen mit denen Mohammeds vollkommen übereingestimmt haben.

5. Ein zukünftiges Gericht

Muslime glauben, dass Allah eines Tages alle Toten auferwecken wird. Tag und Stunde sind sterblichen Menschen nicht bekannt. Am letzten Tag wird Allah eine Posaune erschallen lassen, die Erde wird sich auftun und die Körper und Seelen der Menschen werden wieder zusammenfinden. Allah wird den Körper eines jeden neu schaffen und mit seiner Seele verbinden (Sure 46:33). Obschon viele Muslime an eine körperliche Auferstehung glauben, halten es andere für eine geistliche.

Nach der Auferstehung kommen alle Menschen vor das Gericht. Sie werden Allah von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und Rechenschaft über alle ihre Taten ablegen müssen. Der Koran lehrt: «Euch wird euer Lohn am Tag der Auferstehung vollständig gegeben» (Sure 3:185).

Allah wird die Menschen aufgrund der Waage der absoluten Gerechtigkeit richten. Auf dieser Waage werden die guten Taten eines Menschen gegen die schlechten abgewogen. Die guten Taten werden auf die eine Waagschale gelegt und die bösen auf die andere. Wenn die guten Werke schwerer sind, kommt die Person ins Paradies. Sind aber die bösen Taten schwerer, wird sie in das Feuer der Hölle geworfen. Der Koran bestätigt: «Dann werden die, deren Waagschalen schwer sind, die Erfolgreichen sein. Jene aber, deren Waagschalen leicht sind, werden die sein, die ihrer selbst verlustig gegangen sind; in Ğahannam [Name für das Höllenfeuer im Koran] werden sie auf ewig bleiben» (Sure 23:102-103). Das bedeutet im Grunde, dass man mindestens 51 Prozent Gutes getan haben muss, um ins Paradies zu kommen. Dieses Gericht basiert auf den Aufzeichnungen der zwei Engel, die die guten und schlechten Taten eines Menschen in seinem Leben festhalten.

Für die Absicht dieses Buches ist es wichtig, drei der eben genannten Glaubensüberzeugungen in Erinnerung zu behalten:

  1. Allah ist der einzig wahre Gott.
  2. Mohammed ist der grösste aller Propheten.
  3. Der Koran ist das letzte und endgültige Wort Allahs.

Im nächsten Teil werden wir sehen, dass islamische Extremisten diese Lehren so auslegen, dass sie ihre terroristischen Aktivitäten unterstützen. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Allah: Islamische Fundamentalisten glauben, dass Allah der einzig wahre Gott ist. Sie sagen, er wäre auf ihrer Seite, wenn es darum geht, auf der ganzen Welt die islamische Vorherrschaft durch ein weltweites Kalifat zu erreichen. Er ist auf ihrer Seite, wenn es darum geht, das Gesetz der Scharia auf der ganzen Welt durchzusetzen. Wenn Fundamentalisten terroristische Gewalttaten gegen Nichtmuslime verüben, dann tun sie dies im Namen Allahs.

Mohammed: Islamische Fundamentalisten glauben, dem Weg Mohammeds zu folgen, da er der Prophet des Schwertes war. Wir müssen festhalten, dass der Islam erst zu wachsen begann, als Mohammed dem Einsatz des Schwertes unter seinen Nachfolgern zustimmte. Mohammeds Bewegung nahm schliesslich den Charakter eines religiösen Militarismus an. Er verwandelte seine Nachfolger in fanatische Kämpfer, indem er sie lehrte, sie würden unmittelbar ins Paradies kommen, wenn sie im Kampf für Allahs Sache sterben. Eine andere Motivation für den Kampf bestand darin, dass in der Anfangszeit die Beute all ihrer Karawanenüberfälle unter Mohammeds Männern geteilt wurde, wobei Mohammed ein Fünftel von allem bekam.

Koran: Islamische Fundamentalisten glauben, dass die Enthauptung von Ungläubigen ein Akt ist, dem der Koran zustimmt. Sie zitieren oft Verse, die angeblich ihre Sicht stützen, dass Waffen zur Verteidigung des Islam erlaubt und sogar vorgeschrieben sind. Wir lesen: «Zu kämpfen ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, dass euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist» (Sure 2:216). Sure 47:4 sagt: «Wenn ihr (im Kampf) auf die stosst, die ungläubig sind, so haut (ihnen) auf den Nacken; und wenn ihr sie schliesslich siegreich niedergekämpft habt, dann schnürt ihre Fesseln fest.» In Sure 9:5 lesen wir: «Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf.»

Chrislam verdreht Islam und Christentum

Heute unterstützen viele eine als Chrislam bekannte Sicht, der zufolge Christentum und Islam miteinander vereinbar sind. Unter anderem wird behauptet, die Bibel und der Koran würden übereinstimmen und Christen und Muslime denselben Gott verehren. Deshalb ist man der Auffassung, dass sich Christen und Muslime einigen sollten. In Wirklichkeit beruht Chrislam auf falschen Voraussetzungen.

Bibel und Koran sind nicht kompatibel

Das lässt sich leicht an der Tatsache erkennen, dass zwischen dem Koran und der Bibel zahlreiche Widersprüche bestehen – wenn z. B. eine Schrift von Gott stammt, kann nicht auch die andere von ihm sein.

Im Anschluss habe ich einige nennenswerte Widersprüche zwischen Koran und Bibel aufgelistet:

  • Mose 8,4 sagt, dass sich Noahs Arche auf dem Gebirge Ararat niederliess, während sie im Koran auf dem Berg Al-Ğūdyy zu ruhen kam (Sure 11:44).
  • Mose 11,27 nennt Terach als Abrahams Vater, der Koran sagt, Āzar war sein Vater (Sure 6:74).
  • Mose 2,5 sagt, die Tochter des Pharaos fand den Säugling Mose in einem Korb und nahm ihn als ihren eigenen Sohn an. Im Koran ist es aber die Frau des Pharaos, die Mose adoptierte (Sure 28:8-9).
  • Laut Matthäus 27,35 wurde Jesus gekreuzigt, aber der Koran sagt, dass er nicht gekreuzigt, nicht einmal getötet wurde (Sure 4:157).
  • Lukas 1,20 macht deutlich, dass Zacharias für seinen Zweifel mit Stummheit bestraft wurde, bis sein Sohn geboren werden sollte. Der Koran sagt, er würde drei Nächte lang nicht sprechen können (Sure 3:41).
  • Lukas 2,6-7 sagt, dass Maria Jesus in einem Stall zur Welt brachte, wohingegen der Koran behauptet, dass er unter einer Palme geboren wurde (Sure 19:23).
  • Hebräer 1,1-3 sagt, Jesus ist die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes und der Ausdruck seines Wesens. Im Koran lesen wir jedoch, dass Jesus nichts weiter als ein Bote war (Sure 5:75).
  • In Johannes 3,16 heisst es, dass Gott alle Menschen liebt, aber der Koran sagt, Allah liebt nur jene, die ihm folgen (Sure 3:32.57).
  • Römer 5,8 macht deutlich, dass Gott sogar Sünder liebt, während der Koran zu erkennen gibt, dass Allah Übertreter nicht liebt (Sure 2:190).
  • Epheser 5,25-28 sagt, dass Männer ihre Frauen so lieben sollen, wie Christus die Gemeinde liebt. Der Koran erlaubt es den Männern, ihre Frauen zu schlagen, wenn sie dazu Anlass geben (Sure 4:34).

Das ist nur eine Auswahl. Es gibt noch viele weitere Punkte, in denen Bibel und Koran deutlich auseinandergehen.

Der Gott des Christentums ist nicht der Gott des Islam

Obwohl Befürworter des Chrislam behaupten, Allah und der Gott der Bibel wären ein und derselbe, sind die Unterschiede so grundlegend, dass ein solcher Gedanke unmöglich ist:

  • Während der Gott des Korans eine Person ist, ist der Gott der Bibel eine Dreieinheit – ein Gott, der sich ewig in drei Personen manifestiert hat (Mt 28,19).
  • Während der Gott des Korans keinen Sohn haben kann, hat der Gott der Bibel einen ewigen Sohn namens Jesus Christus, die zweite Person der Dreieinheit (Joh 3,16).
  • Der Gott des Korans ist kein Geist, der Gott der Bibel ist ein Geist (Joh 4,24).
  • Während der Gott des Korans vollkommen transzendent ist, ist der Gott der Bibel sowohl transzendent als auch immanent – hoch über uns und gleichzeitig uns nahe (5Mo 4,39; Jes 57,15; Jer 23,23-24).
  • Während der Gott des Korans sowohl das Gute als auch das Böse bewirkt, hat der Gott der Bibel keinen Anteil am Bösen (1Jo 1,5).
  • Der Gott des Korans ist kein «Vater» (Sure 19:88-92; 112:3), der Gott der Bibel wird als Vater angesprochen (Mt 6,9).
  • Während der Gott des Korans nur diejenigen liebt, die ihn lieben und ihm gehorsam sind, liebt der Gott der Bibel alle Menschen, einschliesslich Sünder (Lk 15,11-24).
  • Der Gott des Korans offenbart nur seine Gesetze, nicht sich selbst, der Gott der Bibel hingegen hat sich von Anfang an selbst geoffenbart.
  • Während der Gott des Korans keine objektive Grundlage hat, auf der er Menschen vergeben kann, verfügt der Gott der Bibel über eine solche – den Kreuzestod Jesu Christi (Röm 5,8; 1Kor 15,3; 1Petr 3,18).

Zwischen dem Gott des Islam und dem Gott der Bibel bestehen noch viele weitere Unterschiede. Daher müssen wir zu dem Schluss kommen, dass der Chrislam falschliegt.

Die fünf Säulen des Glaubens

Muslime glauben nicht nur an fünf Hauptlehren, sie glauben auch, dass sich jeder Muslim an fünf religiöse Pflichten halten muss:

1. Das Vortragen des Glaubensbekenntnisses

Jeder Muslim ist verpflichtet, öffentlich das Schahada (wörtl. «Zeugnis geben») vorzutragen. Das Glaubensbekenntnis lautet: «Es gibt keinen Gott ausser Allah, und Mohammed ist sein Prophet.» Das Vortragen dieses Glaubensbekenntnisses macht eine Person angeblich zu einem Moslem. Natürlich reicht es nicht, die Worte bloss mechanisch aufzusagen. Sechs Bedingungen müssen erfüllt sein, damit das Glaubensbekenntnis jemanden zu einem Muslim macht: 1) Das Glaubensbekenntnis muss laut wiederholt werden; 2) es muss vollständig verstanden werden; 3) es muss von Herzen geglaubt werden; 4) es muss bis zum Tode bekannt werden; 5) es muss richtig vorgetragen werden; und 6) es muss ohne Zögern bekannt und verkündet werden.

Wenn ein radikaler Muslim bestätigt: «Es gibt keinen Gott ausser Allah», denkt er natürlich, dass Allah auf seiner Seite ist und ihm hilft, ein weltweites Kalifat aufzurichten und das Gesetz der Scharia durchzusetzen. Wenn er bestätigt: «Mohammed ist sein Prophet», denkt er daran, dass Mohammed der Prophet des Schwertes ist. So «lesen» radikale Muslime das Glaubensbekenntnis.

2. Fünf Mal am Tag beten

Von jedem Muslim wird salat erwartet, oder das Darbringen von Gebeten, fünf Mal am Tag: bei Tagesanbruch, am Mittag, Nachmittag, Abend und in der Nacht. Das Gebet ist verpflichtend für alle über zehn Jahre. Die Gebete beinhalten spezielle Worte und eine Reihe von Stellungen – stehend, kniend, Hände und Gesicht zum Boden gestreckt und so weiter –, während das Gesicht nach Mekka gerichtet ist, der heiligen Stadt der Muslime. Man darf zu Hause, bei der Arbeit und sogar im Freien beten, solange der Ort des Gebets sauber und frei von Ablenkungen ist. Ohne Zweifel bitten radikale Muslime Allah im Gebet darum, auf der ganzen Welt die islamische Vorherrschaft erfolgreich aufrichten zu können.

3. Almosen geben

Von jedem Muslim wird erwartet, dass er der muslimischen Gemeinschaft Almosen (zakat) in Höhe des 40. Teils des Einkommens gibt (oder 2 1⁄2 Prozent). Das Geben von Almosen wird im Islam als ein äusserst verdienstvoller Akt angesehen (s. Suren 24:56; 57:18). Die Opfergabe soll Witwen, Waisen und den Kranken helfen oder kann zur Förderung des Islam benutzt werden (z. B. durch den Bau von Moscheen und Religionsschulen). Es besteht kein Zweifel, dass einige Spenden an muslimische Wohltätigkeitsorganisationen zur Unterstützung von islamischen Terrorgruppen genutzt werden.

4. Fasten im Monat Ramadan

Von jedem Muslim wird erwartet, dass er im Monat Ramadan fastet, dem neunten Monat des muslimischen Mondjahres. In diesem Monat sind Muslime aufgefordert, sich am Tag von Speisen, Getränken, Rauchen und sexuellen Beziehungen zu enthalten. Sobald am Morgen genug Licht vorhanden ist, sagen Muslime, um einen weissen von einem schwarzen Faden zu unterscheiden, soll mit dem Fasten begonnen werden. Bei Sonnenuntergang – wenn das Licht zur Unterscheidung der Fäden nicht mehr ausreicht – ist es Muslimen erlaubt, an diesen Dingen erneut teilzuhaben, bis am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgeht. Das Fasten soll Körper und Seele reinigen und die Selbsterkenntnis steigern. Terrorgruppen wie der IS ermutigen islamische Sympathisanten auf der ganzen Welt, während des Ramadans vermehrt Gewalttaten zu verüben.

5. Pilgerfahrt nach Mekka

Von jedem Muslim wird erwartet, mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen (Hadsch). Man glaubt, dass diese Reise sehr verdienstvoll ist und die Chancen auf Errettung steigert. Ein Highlight dabei ist es, sieben Mal um die Kaaba (religiöser Schrein) zu laufen. Man geht davon aus, dass Abraham, Ismael und Mohammed das taten.

Es gibt noch eine sechste, «inoffizielle» religiöse Pflicht: die Teilnahme am gewalttätigen Dschihad im Namen Mohammeds und Allahs. Damit werden wir uns dann im nächsten Teil befassen, wenn ich unsere Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Glaubensinhalte von radikalen Islamisten lenken werde. Diese radikalen Fundamentalisten nehmen Allahs Anweisung im Koran ganz wörtlich: «Die da glauben, kämpfen für Allāhs Sache», und «darum kämpft gegen die Anhänger Satans» (Sure 4:76).

Aus: Israel in höchster Alarmbereitschaft, Ron Rhodes, S. 83–97, Artikel-Nr. 180151

Ron Rhodes ist Präsident des Missionswerkes Reasoning from the Scriptures Ministries, ein regelmässiger Redner im landesweiten Radio und Autor. Er lehrt am Dallas Theological Seminary und mehreren anderen Seminaren.
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