Führung durch die Wirkung des Wortes Gottes
Ein Christ, der die Führung des Herrn erleben will, muss in erster Linie von einem tiefen, kindlichen Vertrauen zum geoffenbarten Wort Gottes erfüllt sein. Wenn Sie nach der absoluten Sicherheit suchen, dann nehmen Sie immer wieder Ihre Bibel zur Hand! Der Psalmist betet: «Lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis, denn ich glaube deinen Geboten» (Ps 119,66). Er möchte «Einsicht und Erkenntnis» bekommen, das heisst die göttliche Führung erleben. Aber wie soll das geschehen? Mittels des Wortes Gottes: «… ich glaube deinen Geboten.»
Warum ist das Wort Gottes imstande, uns die wunderbare Führung des Herrn erleben zu lassen? Weil es nicht nur das Wort des Ewigen, sondern weil Christus in Person das Wort ist! Doch gerade an diesem Punkt haben viele Christen ihre liebe Mühe. Nicht wenige von ihnen äussern sich nämlich oft so: «Ach, könnte ich den Herrn nur so hören, wie die Jünger und auch viele andere Menschen Ihn damals hören konnten – dann würde ich mehr glauben!» Doch dieses Argument stimmt nicht. Wenn solche Glaubensgeschwister doch nur erkennen würden, was es bedeutet, in das Wort Gottes hineinzuhören – dann würden sie merken, dass es beim Lesen der Bibel um nichts anderes als um das Reden Jesu geht! Von dieser Tatsache spricht das Johannes-Evangelium sehr klar: «Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. … Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit» (Joh 1,1-2.14). Hier wird über Jesus geredet; und wie wird Er genannt? «Das Wort»! Ja, wahrhaftig: Jesus Christus ist das Fleisch gewordene Wort Gottes! Und darum wird Er auch im letzten Buch der Bibel mit diesem sehr bedeutungsvollen Namen genannt: «Er (Jesus) war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war, und sein Name ist: Das Wort Gottes» (Offb 19,13).
Obwohl uns der Herr einen Verstand und denen, die an Jesus glauben, sogar Seinen Heiligen Geist geschenkt hat, gibt es beim Lesen der Heiligen Schrift manchmal Worte, Wahrheiten und Zusammenhänge, die wir nicht richtig oder überhaupt nicht verstehen. Nicht wenige haben selbst mit dem Ausdruck «das Fleisch gewordene Wort» ihre liebe Mühe. Aber gerade dann, wenn uns in der Bibel Worte und Passagen begegnen, die wir nicht verstehen, gibt es nur ein sicheres Rezept: Wir dürfen und müssen glauben, was geschrieben steht! Denn Gottes Wort ist die Wahrheit! Mit anderen Worten: Wenn Sie ein Schriftwort vor sich haben, das sie nicht verstehen, dann sollten Sie Ihren Verstand auf Null und Ihren Glauben auf Hundert setzen!
In Hiob 8,9 hören wir Bildad von Schuach sagen: «… wir sind von gestern her und wissen nichts …» Ist das nicht ein Bekenntnis, welches auch wir öfters über unsere Lippen bringen sollten? Wäre es nicht an der Zeit zuzugeben, dass wir vieles nicht wissen und verstehen? Sollten wir hier nicht mehr und ehrlicher Farbe bekennen? – Wenn wir es tun, werden wir eine innere Befreiung erleben; eine Befreiung, die uns zum kindlichen Glauben bringt! Wer sein Unverständnis eingesteht, wird erleben, dass sein Glauben, zu wachsen beginnt.
Übrigens: Ist es nicht so, dass wir auch in unseren Gebeten immer wieder mit Unwissenheit konfrontiert werden? Ja, so ist es tatsächlich; deshalb schrieb der Apostel Paulus: «Ebenso kommt aber auch der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unausgesprochenen Seufzern» (Röm 8,26). Wir verlassen uns beim Gebet also auf den Heiligen Geist, weil wir im Grunde genommen unfähig sind, so zu beten, wie es Gott gefällt. Das aber gilt es auch zu tun, wenn es um biblische Wahrheiten geht, die wir mit unserem Verstand nicht ergründen können. Schenken wir dem Wort Gottes doch volles Vertrauen, indem wir das Ganze dem Heiligen Geist überlassen!
Als wiedergeborene Christen glauben wir von ganzem Herzen, dass Jesus das Fleisch gewordene Wort Gottes ist. Deshalb dürfen wir durch die Worte sowohl im Alten als auch im Neuen Testament immer wieder göttliche Führungen erleben. Denn wenn das Wort des Ewigen zu uns spricht, dann spricht Christus zu uns. Das hat unser Herr selbst bestätigt, als Er sagte: «Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben» (Joh 5,39). Mit den «Schriften» meinte Er das ganze Alte Testament und meines Erachtens vorausblickend auch das Neue Testament, das rund hundert Jahre nach Seiner Geburt zur göttlichen Vollendung kommen sollte. Und weil die ganze Heilige Schrift von Christus zeugt, lesen wir in der Geschichte der Emmaus-Jünger: «Und er (Jesus) fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war» (Lk 24,27). Auch damit bezeugt Jesus ganz klar: In der Schrift findet ihr Mich. Und das bedeutet: Die Schrift redet Meine Worte; die Schrift bin Ich!
Wer in diesem Glauben in seiner Bibel liest, dem wird durch das Wort Gottes eine bleibende Kraft, eine unzerstörbare Quelle des Segens gegeben. Denn der Herr Jesus, der die Wahrheit in Person ist, hat in Bezug auf Seine Worte bezeugt: «Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen» (Mt 24,35). Sollten wir, die wir Jesus angehören, nicht vielmehr auf das Wort Gottes vertrauen und glauben, dass wir dadurch Seine Führung erleben dürfen und können? Denn das Wort in der Bibel ist nicht einfach «nur» geschriebenes Wort, sondern es ist Christus selbst! Wollen wir uns deshalb die Ermahnung des himmlischen Vaters zu Herzen nehmen, der aus dem Himmel den Befehl erlassen hat: «Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!» (Mk 9,7). Darum: Hören Sie auf Ihn, wenn Sie Gottes Führung erleben wollen. Ganz praktisch geht das so: Öffnen Sie mehr Ihre Bibel, lesen Sie betend darin. Das allein wird bewirken, dass Sie immer neu den Weg des Heils beschreiten, den schmalen Pfad erwählen, denn es steht geschrieben: «Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Wege» (Ps 119,105). Hier wird in wunderbaren Worten über göttliche Führung gesprochen, denn Christus, das Fleisch gewordene Wort, hat in Bezug auf sich selbst gesagt: «Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben» (Joh 8,12). Das ist göttliche Führung, die all jene erleben dürfen, die dem Wort Gottes – das heisst Jesus Christus – ungeteiltes Vertrauen entgegenbringen!
Einige Beispiele mögen erhellen, was es ganz praktisch bedeutet, Gottes Führung im Wort und durch das Wort zu erleben: Mein Vater erzählte uns vor Jahren, dass ihm von jemandem eine Zusammenarbeit angeboten worden sei, bei der es im Grunde genommen um das liebe Geld ging. Da er sehr unsicher war, ob er da mitmachen sollte, rief er in seiner Not zum Herrn, schlug seine Bibel auf, und durch Gottes Führung fiel sein Blick auf die Worte: «… wir wollen gemeinsame Kasse führen!» (Spr 1,14), woran sich die Warnung anschloss: «Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Wege, halte deinen Fuss zurück von ihrem Pfad!» (V 15). Diese Worte waren ihm in diesem Moment eine so klare Antwort von oben, dass er die geplante Zusammenarbeit ohne zu zögern platzen liess. Später zeigte sich, dass dies die einzig richtige Entscheidung war.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Kann man denn mit der Bibel auf diese Art umgehen, wie das Wim Malgo damals tat? Nun, mein Vater hat nicht krampfhaft nach jenem Wort gesucht, sondern es wurde ihm einfach so gegeben. Mit anderen Worten: Er erlebte eine klare göttliche Führung mittels des Wortes.
Eine andere Begebenheit aus dem Leben meines Vaters ist folgende: Mit meiner Mutter war er auf einer Dienstreise unterwegs. In einem ziemlich «betagten» Auto fuhren sie auf der Autobahn zum nächsten Verkündigungsort. Plötzlich sagte mein Vater zu meiner Mutter: «Du, mir wird es irgendwie komisch und schwindlig; wir müssen so schnell wie möglich anhalten.» Gott sei Dank sahen sie nach der nächsten Kurve eine Autobahnraststätte, auf die sie dann auch sofort zuhielten. Dies geschah unter immer heftiger werdenden «Schwindelgefühlen» meines Vaters. Kaum hatte er das Auto geparkt, brach auch schon eines der hinteren Räder von der Achse. Nun war es meinen Eltern sofort klar, woher der Schwindel meines Vaters stammte: Ein Rad war im Begriff, seinen angestammten Platz zu verlassen. Weil sie so nicht weiterfahren konnten, wurde ihr Auto abgeholt und in einer Werkstätte repariert. In der Zwischenzeit mussten sie notgedrungen in einem Hotel übernachten. In dem ihnen angewiesenen Zimmer angelangt, schlug mein Vater spontan seine Bibel auf und las das herrliche Wort: «Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führt» (Ps 4,4). Dadurch wurde meinen Eltern durch das Wort rückblickend bestätigt, wie sie unter der klaren Führung des Herrn gestanden hatten! Sonst hätte es ein böses Ende nehmen können.
Ich bin davon überzeugt, dass viele unserer Leser schon ähnliche Führungen und Bewahrungen erlebt haben.
Wir dürfen dem, was Gott uns in Seinem Wort sagt, kindlich vertrauen und werden auf diese Weise im Alltag immer aufs Neue Seine klare Führung erleben. Wenn Sie ein Wort vom Herrn erhalten haben, dann lassen Sie es nicht zu, dass der Feind Ihnen dieses Wort durch zweifelnde Überlegungen wieder raubt.
In einem Buch des begnadeten Gottesknechtes Oswald Chambers habe ich in diesem Zusammenhang einmal Folgendes gelesen, das ich hier frei wiedergebe: «Wenn du in deiner Bibellese ein Wort Gottes liest, oder es wird dir ein Wort Gottes gesagt, und dieses Wort fährt plötzlich wie ein Blitz in dein Herz, weil es in klarster Weise eine Antwort auf eine Frage ist, die du dem Herrn vorgelegt hast, dann zögere nicht, ganz fest zu glauben, dass der Herr soeben zu dir gesprochen hat. Wirf dann alle Zweifel hinter dich, steh auf und handle entsprechend dem, was dir gesagt wurde! Denn Gott hat zu dir gesprochen; und zwar so, als ob ein Engel vom Himmel gekommen wäre, um dir diese Worte zu sagen.»
Georg Müller hat in klarster Weise zum Ausdruck gebracht, dass Gott zu Seinem Wort steht. Denn er führte – nur aufgrund von Verheissungen der Heiligen Schrift – in Bristol ein Waisenhaus mit über 2000 Waisenkindern.
Aber es gibt auch Zeugnisse von Frauen, die sich ganz auf das Wort Gottes verlassen haben und nicht zuschanden geworden sind. So hatte ich einmal das Vorrecht, eine über achtzigjährige an Jesus gläubige jüdische Frau in Holland zu besuchen. Sie war schon als Kind zum Glauben an Jesus Christus gekommen und hatte den Holocaust überlebt. Im Blick auf die Bibel sagte sie mir: Ich habe 1. immer gelesen, was geschrieben steht, dann habe ich 2. das genommen, was geschrieben steht, und 3. das getan, was geschrieben steht. Diese Frau erlebte in schwerster Zeit auf wunderbare Weise die Führungen des Herrn mittels Seines Wortes. Gott stellt sich zu denen, die Seinem Wort in jeder Lage ihr ganzes Vertrauen schenken und lässt sie Seine wunderbaren Führungen erleben. Weshalb ist das so?
Die Heilige Schrift ist
- die alleinige Offenbarung Gottes
- das einzige direkte Reden Gottes
- die einzige unwandelbare Stütze
- die alleinige unfehlbare Autorität
Die Heilige Schrift allein ist
- glaubwürdig
- unveränderlich
- unbestechlich
Deshalb dürfen wir in unserem Leben die wunderbaren Führungen Gottes erfahren, wenn wir uns Worte bzw. Verheissungen der Heiligen Schrift zu eigen machen.
Führung unter den Augen Gottes
Ein Bibelwort, das in wunderbarer Weise über Gottes Führung in unserem Leben spricht und verdeutlicht, wie das geschieht, finden wir in Psalm 32,8, wo der Herr sagt: «Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich beraten, mein Auge auf dich richtend.» Hiermit verspricht der Herr den Seinen, dass Er sie führen will, indem Er Seine Augen über ihnen offenhält. Als ich darüber nachdachte, kam mir das liebevolle Verhältnis zwischen einem Vater und seinem Kind vor Augen. Der Vater führt das Kind an seiner Hand, wobei seine Augen immer unablässig und wachsam auf sein Kind gerichtet sind.
Als einmal ein junger Mann den Herrn Jesus nach dem ewigen Leben fragte (Mk 10,17) und Ihm bestätigte, alles von Ihm geforderte von seiner Jugend an gehalten zu haben (V 20), lesen wir: «Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb …» (V 21). Warum sah Jesus ihn an? Um ihn zu führen; um ihn an der Hand zu nehmen, damit er den richtigen Weg für sein Leben erkennen würde. Der reiche Jüngling bekam die Chance, durch Jesus selbst geführt zu werden. Die Augen des Herrn ruhten bereits in grosser Liebe auf ihm – aber der Mann ging nicht darauf ein. Welch eine Tragik! Es ist ein grenzenloser Beweis Seiner Liebe, wenn Sein Auge auf uns ruht, und Er uns auf diese Weise beraten und führen möchte.
Wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was für wunderbare Augen es sind, die auf uns ruhen, dann können wir nur anbetend sagen: Welch einen grossen Herrn haben wir! Denn über die Beschaffenheit Seiner auf uns gerichteten Augen, mit denen Er uns führen will, steht geschrieben: «Sein Haupt aber und sein Haar war weiss wie weisse Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme!» (Offb 1,14). Das bedeutet, dass Seine Augen durch die tiefste Dunkelheit hindurchsehen. Nichts ist vor Ihm verborgen. Das, worüber wir schon lange die Übersicht verloren haben, sieht Er immer noch. Was für uns völlig unverständlich ist, liegt offen und klar vor Ihm. Dieser Tatsache war sich der Psalmist völlig bewusst, als er betete: «Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äussersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten» (Ps 139,7-10). Ja, auch auf diese Weise will der Herr Seine Kinder Seine Führung erleben lassen: Er führt sie, indem Seine Augen Tag und Nacht, in allen Umständen ihres Lebens, wo sie sich auch befinden mögen, über ihnen geöffnet sind. Und wo Er die Möglichkeit bekommt, einen Menschen so zu leiten, zu führen und zu beraten, da wird auch in der tiefsten Dunkelheit immer wieder ein Licht scheinen. Seien Sie deshalb nicht verzagt, was auch auf Sie zukommen mag und in welcher Situation Sie sich gerade befinden mögen: Der Herr Jesus, der Sie mit Seinen Augen führt, sieht immer noch einen Ausweg!
Ein Mensch, über dessen Leben Gottes Augen offen sind, den Gott in dieser Weise führen kann, ist ein Geistesmensch. Anders gesagt: Im Leben eines solchen Menschen ist das Wirken des Heiligen Geistes der Grundpfeiler. Der Heilige Geist ist gleichsam der Motor, der ihn antreibt, das Richtige zu tun, den richtigen Weg zu wählen. Sehen wir uns noch einmal das Wort in Römer 8,26 an, wo über unsere Unfähigkeit im Gebet gesprochen wird und wo dann über die Hilfe des Heiligen Geistes die Rede ist: «Ebenso kommt aber auch der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unausgesprochenen Seufzern.» Warum tritt der Heilige Geist eigentlich für uns ein, damit wir richtig beten? Was für einen Beweggrund hat Er? Tut Er das vielleicht im Auftrag eines anderen? O ja, genau so ist es: Der Heilige Geist vertritt uns so im Gebet, wie Gott der Vater es will. Das ersehen wir aus dem nächsten Vers: «Der aber die Herzen erforscht, weiss, was des Geistes Sinn ist; denn er (der Heilige Geist) vertritt die Heiligen so, wie es Gott angemessen ist» (V 27). Gott der Vater will, dass wir so und so beten. Er will uns beraten, indem er Seine Augen auf uns gerichtet hält und uns nach Seinem Willen führen. Und nun ist es der Heilige Geist, der diesen Willen des Vaters in uns bewirkt.
Genauso verhält es sich zum Beispiel auch mit der Tatsache, dass der Heilige Geist uns in alle Wahrheit leiten will, wie es Jesus erklärt. Warum will und tut der Heilige Geist das? Weil der Herr selbst es will, weil Seine Augen auf uns ruhen und weil Er uns in alle Wahrheit leiten will. Der Herr Jesus sagt diesbezüglich: «Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.» Weshalb tut das der Heilige Geist? Die Antwort lautet: «Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden … denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen» (Joh 16,13-14). Wenn der Heilige Geist uns «in alle Wahrheit leiten» will, dann hat das mit dem zu tun, was der Herr Jesus in unserem Leben möchte: «… denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen.»
Es sind die Augen des Herrn, die unentwegt auf uns ruhen, um uns zu führen und zu leiten. Aber es ist der Heilige Geist, der uns – wie ein Dolmetscher – den Willen des Herrn erklärt und deutlich macht.
Jetzt bleibt uns natürlich noch folgende Frage: Wie bewirkt der Heilige Geist dies alles in uns? Wie geschieht das denn eigentlich, wenn der Heilige Geist uns «mit unaussprechlichen Seufzern» im Gebet vertritt? Wie macht Er uns die Anliegen bekannt, für die wir beten sollen? Nun, Er ruft keinen Engel vom Himmel herab, um uns eine Liste mit den Anliegen zu geben. Aber wie funktioniert das Ganze tatsächlich? Bestimmt nicht in wunderlicher oder spektakulärer Weise, wie sich das vielleicht schon so mancher Gläubige gewünscht hat. Nein, der Heilige Geist legt uns das Anliegen einfach aufs Herz. Oder anders ausgedrückt: In uns kommt der Gedanke auf, für dieses und jenes zu beten.
So verhält es sich auch mit dem wichtigsten Amt des Heiligen Geistes, nämlich der Verherrlichung Jesu in und durch uns. Jesus sagt: «Er (der Heilige Geist) wird mich verherrlichen» (Joh 16,14). Das bedeutet, dass Er nicht durch eine spektakuläre, aussergewöhnliche Erfahrung spricht. Nein, Er verdeutlicht damit, dass der Heilige Geist in uns die Person Jesu gross werden lässt. Er drängt uns, an Ihn zu denken. Er weckt in uns das Verlangen nach Gemeinschaft mit Jesus und nach Seinem Wort. Oder Er lässt uns zum Beispiel den inneren Drang verspüren, unserem Herrn eine Liebeserklärung zu machen, so wie David es tat: «Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!» (Ps 18,2). David betete diese Worte nicht, weil ihm dies in irgendeiner besonderen Weise offenbart wurde, sondern weil er das in seinem Herzen verspürte. Es war ihm einfach danach, den Herrn so zu loben. Und genauso geschieht es auch bei denen, die Jesu Eigentum geworden sind. Auf einmal werden uns Dinge aufs Herz gelegt, die wir tun oder eben nicht tun sollten.
Durch die auf uns gerichteten Augen des Herrn und das Wirken des Heiligen Geistes in uns verspüren wir manchmal den Wunsch, das eine zu tun und das andere zu lassen. Mit anderen Worten: Wir empfinden ganz stark oder wissen sogar: Dieser Weg ist richtig, der andere falsch.
Doch die Augen des Herrn ruhen nicht ausnahmslos auf jedem Menschen. Ebenso erfährt auch nicht jedermann das Wirken des Heiligen Geistes auf die oben beschriebene Art. Es gibt eine Einschränkung, die so lautet: «Denn des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind» (2.Chr 16,9). Gott will uns also unterweisen und uns den Weg zeigen, den wir wandeln sollen; Er will uns beraten, Er will Seine Augen auf uns richten (Ps 32,8) – aber eben nur dann, wenn wir das auch wollen, wenn wir «mit ganzem Herzen bei ihm sind». Nur wirklich hingegebene Kinder Gottes werden diese besondere Führung des Herrn erleben; nur sie werden es erfahren: Über ihnen die Augen des Herrn; in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes!
Sorgen Sie also jeden Tag wieder neu dafür, dass zwischen Ihnen und dem Herrn keine Blockade liegt; nur so werden Sie diese aussergewöhnliche Führung des Herrn erleben! Tun Sie es, und Sie werden die besondere Führung Gottes erleben, wie sie in Jesaja 30,21 beschrieben ist: «Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: Dies ist der Weg; den geht! Sonst weder zur Rechten noch zur Linken!»