Die rettende Macht der Prophetie
«Und [Paulus] sprach zu ihnen: Männer, ich sehe, dass die Fahrt mit Ungemach und grossem Schaden, nicht nur für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unser Leben vor sich gehen wird. Der Hauptmann aber glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte» (Apg 27,10-11).
Genau das ist das Problem, das wir heute haben. Das feste prophetische Wort Gottes warnt uns und diese Welt. Es gibt uns Licht über die Ereignisse und weist auf das neue Land, das durch die Rückkehr Jesu kommt. Die Bibel bietet uns die zuverlässigsten Aussagen über die Zukunft. Und sie verkündigt uns, wo die Rettung zu finden ist, nämlich bei Jesus. Aber dem Wort Gottes wird immer weniger geglaubt. – «Der Hauptmann aber glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte.»
Der Steuermann und der Schiffsherr waren die, die den Kurs angaben. Sie stehen für die Regierenden (Steuermann) und die Wirtschaftsbosse (Schiffsherr) heute. Und wer war schon Paulus, dieser Gefangene? Sie besassen doch das Wissen, die Erfahrung und hatten ihre Pläne. Sie meinten es sicher nicht schlecht, hatten selbst Sorgen und wollten möglichst bald das Ziel erreichen. Aber sie stützten sich nicht auf das Wort Gottes. Und weil sie bei Ihm keine Orientierung suchten, hatten sie keine Orientierung. So steht jeder Mensch in Lebensgefahr, der sich nicht am Evangelium des Herrn Jesus orientiert. Unsere Zeit braucht das feste prophetische Wort, auch wenn man uns auslacht. Es benötigt Geistträger wie Paulus. Rufer, die in die Zeit hineinrufen: «Siehe, der Bräutigam kommt!»
Paulus spricht im weiteren Verlauf von Apostelgeschichte 27 Prophetie, Ermutigung und Tröstung aus. Und er lebt aus, was er predigt. Er vertraut, betet und isst. – Sind wir Christen, an die man sich anlehnen kann? Die was zu sagen haben? Die Wahrheit und Tröstung aussprechen? Die mutig sind und vorleben, was sie predigen?
Eine Menschheit ohne wahren Lebenssinn in Christus hat Angst. Wer jedoch Jesus angehört, ruht in der Gewissheit Seiner Zukunft. Wie es in einem Spruch heisst: «Schwere Zeiten der Gegenwart dürfen durch die berechtigte Erwartung zukünftiger Freuden erträglich werden.»
Man glaubte nicht, was Paulus sagte. Und dann?
Der Sturm bricht aus
«Aber nicht lange danach erhob sich von dorther ein Wirbelsturm, Eurakylon genannt» (Apg 27,14).
Schlachter schreibt: «Euroklydon». Das Wort ist zusammengesetzt aus: «Euros» = der Südostwind, und «Klydon» = das Wogen des Meeres. Das heisst, der wogentreibende Südostwind. Es handelte sich um einen regelrechten Wirbelsturm. Dabei kann es einen schon schmunzeln lassen, dass in diesem Wort ausgerechnet «Euro» vorkommt. Wer weiss, welch gewaltiger Sturm noch über unseren Kontinent hereinbricht? Erinnern wir uns an Stöhlkers Worte in der Weltwoche: «Unsere grosse Zeit liegt hinter uns. Lasst uns den bunten Sonnenuntergang geniessen […] Die Nacht Europas hat längst begonnen.»
Die Folge dieses Sturmes war, dass man die Kontrolle auf dem Schiff völlig verlor (Vv. 14-21). Es war keine Rettung in Aussicht. Die Seeleute suchten verzweifelt nach Hilfsmitteln und wollten das Schiff umgürten, zusammenhalten. Schliesslich warfen sie die Ladung über Bord. Sie sahen keine Sonne und Sterne mehr, keinen Hoffnungsschimmer, bis sie zuletzt die Hoffnung auf Rettung aufgaben.
Das wiederum lässt uns denken an die Weissagung unseres Herrn: «Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen, und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei dem Tosen und Wogen des Meeres; indem die Menschen vergehen vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden» (Lk 21,25-26). Eine etwas freiere Übersetzung sagt: «Die Menschen werden halbtot vor Angst darauf warten, was für Katastrophen die Erde noch heimsuchen werden. Denn die ganze Ordnung des Himmels wird zusammenbrechen.»
Wer in den Stürmen des Lebens keinen Halt hat, ist buchstäblich haltlos. Psychotherapeuten bezeugen, dass die Patienten ihnen in den letzten zwei Jahren die «Bude einrennen». Jesus aber gibt den Halt, den wir brauchen. Mit Ihm kommen wir durch die Stürme der Zeit.
Die Ermutigung
«O Männer! Man hätte freilich auf mich hören und nicht von Kreta abfahren sollen, um dieses Ungemach und den Schaden nicht zu ernten. Und jetzt ermahne ich euch, guten Mutes zu sein, denn kein Leben von euch wird verloren gehen, nur das Schiff. Denn ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, trat in dieser Nacht zu mir und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor dem Kaiser erscheinen; und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren. Deshalb seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue Gott, dass es so sein wird, wie zu mir geredet worden ist. Wir müssen aber auf eine gewisse Insel verschlagen werden. Als aber die vierzehnte Nacht gekommen war und wir in dem Adriatischen Meer umhertrieben, vermuteten die Matrosen gegen Mitternacht, dass sich ihnen ein Land nähere» (Apg 27,21-27).
Ja, man hätte doch besser auf die «biblische Prophetie» (Paulus’ Worte) achtgeben, auf die mahnende Botschaft des Herrn hören sollen. Aber man schloss sie kategorisch aus und begnügte sich mit der Botschaft des Steuermannes und des Schiffseigentümers. Am Ende jedoch wird immer Gottes Wort recht behalten. Aber auch in dieser Situation erwies sich der Herr als gnädig.
Gott hat alles unter Kontrolle. Sturm, Schiff und Besatzung. Gerade dort, wo der Mensch alle Kontrolle verloren hat, benutzt der Herr die Dinge für Sein Ziel. In der Geschichte des Paulus erscheint ein Engel. Im gegenwärtigen Gemeindezeitalter vermitteln keine Engel Botschaften an die Gemeinde. In der grossen Trübsal aber wird das wieder geschehen. Diesbezüglich ist es interessant, dass hier die Mitternacht erwähnt wird. Steuern wir auf Mitternacht zu? Ist konturenhaft neues Land in Sicht? Steht die Wiederkunft Jesu vor der Tür?