Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun

Fr. 26. März 2021

Das erste Wort des Herrn am Kreuz.

Als Eva nach der verbotenen Frucht griff, kam die Sünde in die Welt. Als Jesu Hände ans Kreuz genagelt wurden, empfingen wir die Befreiung von der Sünde (Röm 5,17-18). Gott hat das grösste Problem der Welt – die Sünde – mit vergebender Liebe gelöst. «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Er vergab ihnen, obwohl sie Ihn gehasst, misshandelt, betrogen und verspottet haben.

Um jedem zu vergeben, musste Jesus Sein Leben lassen und Sein Blut vergiessen, wie geschrieben steht: «ohne Blutvergiessen geschieht keine Vergebung» (Hebr 9,22). Jesus hat alles getan, um uns zu retten.

Was auf Golgatha geschah, wurde von jemandem auf folgende Weise illustriert: In gewissen Gegenden Amerikas, in denen von hohem Gras bewachsene Steppen sind, kommt es zu Präriebränden, die sich mit so rasender Geschwindigkeit ausbreiten, dass Menschen und Tiere in wilder Flucht den Flammen zu entrinnen suchen. Da gibt es nur eine Rettung: man grenzt, solange das Feuer noch nicht zu nahe gekommen ist, schnell einen kreisrunden Platz ab, gräbt einen Graben um ihn herum und steckt dann alles in Brand, was auf diesem Platz gewachsen ist. Dorthin kann man sich retten, wenn die Flammen sich heranwälzen. Denn hier findet das Feuer keine Nahrung mehr; hier hat es ja schon gebrannt.

Und nun dürfen wir sagen: Hier auf dem Hügel Golgatha hat das Feuer des Zornes Gottes über unsere Sünden schon gebrannt. Dort sind wir gerettet.

Vergebung ist der Weg, um die grössten Probleme zu lösen. Jesus vergab bedingungslos. Er sagte nicht: «Ihr Ungerechten, Scharen von Elenden, voller Neid. Ich werde sterben, aber Gott wird euch immer noch bestrafen.» Auch den, der die Nägel durch Seine Hände und Füsse trieb, beleidigte Er nicht.

Welch grosse Liebe, welch vollkommenes Werk! Dieses Werk ist gegründet auf Liebe und Vergebung, nicht auf Forderungen oder Anklagen. Andere Wege, andere Mittel hätten das Problem zwischen Gott und dem gefallenen Menschen nicht gelöst. Vergebung löste das Problem, wie auch unsere Situation sein mag, gerade dann, wenn es scheint, dass es keinen Ausweg mehr gibt.

«Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fussstapfen nachfolgt» (1Petr 2,21).

Nur durch Vergebung können Beziehungen wiederhergestellt und verwundete Herzen geheilt werden. Wie viele Probleme in Familien und in der Gemeinde könnten gelöst werden, wenn wir vergeben würden, wie der Vater im Himmel uns vergibt.

Hasst du etwa jemanden? Dann lies den Text aus dem Buch Vermeidbare Krankheiten von S. I. McMillen.

Von dem Moment an, wo wir jemanden hassen, werden wir zu Sklaven des Hasses. Wir können unsere Arbeit nicht mehr mit Freude tun, denn die Person, die wir hassen, beherrscht unsere Gedanken. Unsere Bitterkeit erzeugt so viel Stress, dass wir uns nach einer Weile müde fühlen. Die Arbeit, die uns so viel Freude gebracht hat, wird zur Last. Selbst Ferien mit Luxusautos und an paradiesischen Orten entlasten uns nicht, noch bringen sie mehr Freude. Wenn wir aber glücklich sind, könnten wir auch mit Pferdekutschen auf Feldwegen fahren. Die Person, die ich hasse, verfolgt mich dagegen überall hin. Der Kellner serviert mir das beste Essen, aber es könnte genauso gut Brot und Wasser sein. Meine Zähne kauen das Essen und ich schlucke es. Die Person, die ich hasse, lässt mich nicht geniessen. Die Person, die ich hasse, kann meilenweit von meinem Bett entfernt sein, aber sie quält meine Gedanken und meinen Schlaf. Ich bin ein Sklave dieses Gefühls. Wir müssen zugeben, dass wir Sklaven der Menschen sind, die wir hassen.

Jesus hat es möglich gemacht, Gemeinschaft zu haben und in Frieden miteinander zu leben. Dies ist

der erste Segen, den uns der Tod Jesu brachte: Leben in Freiheit!

Es wird erzählt, dass die Armee von Kyrus, dem Perserkönig, in einer seiner Eroberungen einen Prinzen mit Frau und Kindern verhaftete. Als er sie Kyrus vorstellte, fragte dieser:

  • «Was gibst du mir als Gegenleistung für deine Freiheit?»
  • «Die Hälfte meines Königreichs», antwortete der Prinz.
  • «Was, wenn ich deine Kinder auch freilasse?» «Mein ganzes Königreich.»
  • «Aber was wirst du als Gegenleistung für die Freiheit deiner Frau geben?»
  • «Mich selbst.»

König Kyrus gefiel die Antwort so sehr, dass er die ganze Familie befreite, ohne etwas dafür zu verlangen. Auf dem Heimweg fragte der Prinz seine Frau, ob sie die Eleganz von König Kyrus bemerkt habe. Sie antwortete: «Ich sah nur den, der bereit war, sich selbst zu geben für meine Freiheit.»

Wäre es nicht grossartig, wenn alle Christen lernen würden, nur Christus zu sehen, der nicht nur willig war, sich zu geben, sondern es auch tat?

Ernst Kraft besuchte die Bibelschule in Porto Alegre, Brasilien, und arbeitet seit 1975 als Missionar des Mitternachtsruf in Brasilien, wo er eine umfangreiche evangelistische Literaturarbeit in Sao Paulo leitet.
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