Ein historischer Märtyrer und Glaubenszeuge für unsere Zeit

Fr. 3. September 2021

Etwa 100 Jahre vor Martin Luthers öffentlichem Auftreten starb Jan Hus auf dem Scheiterhaufen in Konstanz. Hus galt als Vorreformator und stand auch bei Luther in hohem Ansehen. Sein Martyrium erinnert uns daran, was es einen Christen kosten kann, seinem Herrn um jeden Preis treu zu bleiben und nachzufolgen – und dabei sind es oft Seine vermeintlichen Anhänger, die Leid und Verfolgung über treue Gotteskinder bringen.

Jan Hus wurde 1369/70 im böhmischen Dorf Husinec geboren, das auch noch heute in Tschechien, nahe der bayerischen Grenze, liegt. Er kam aus sehr einfachen Verhältnissen, weshalb es umso bemerkenswerter war, dass Hus die Lateinschule im benachbarten Prachatitz besuchte. Sein Vater starb vermutlich schon vor dem Studienbeginn seines Sohnes. Etwa um 1390, im Alter von 20 Jahren, kam Hus dann zu seinem Studium nach Prag.

Jan Hus wollte Priester werden, wenn auch aus einer anderen Gesinnung und anderen Motiven, als er sie bei seiner späteren geistlichen Entwicklung und dem damit verbundenen Wirken hatte. Hus gestand später ein: «Als ich noch ein Schüler war, stand mein Sinn danach, bald Priester zu werden, um dann gute Wohnung und Kleidung zu haben und von den Menschen geschätzt zu werden; wie schlecht dieses Verlangen war, habe ich erkannt, als ich die Schrift verstand.»

In dieser Zeit gelangten die Schriften eines Engländers nach Prag und verbreiteten sich unter den Studenten. Dieser Engländer war bereits gestorben, als Hus etwa 14 Jahre alt gewesen war. Sein Name war John Wyclif.

Wyclif (1330–1384) hatte es als Professor in Oxford und Pfarrer in Lutherworth gewagt, die Kirche ins Licht der Bibel zu stellen und am «Gesetz Christi» zu messen. Für ihn war die Heilige Schrift die Urkunde der heiligen Mutter Kirche. Ein Satz von ihm zeigt seine Grundgesinnung auf: «Und wenn es hundert Päpste gäbe und alle Bettelmönche Kardinäle würden, man dürfte ihnen in Glaubenssachen doch nur insoweit beipflichten, als sie mit der Heiligen Schrift übereinstimmen.»

John Wyclif sah die wahre Kirche nicht als eine Institution an, sondern als die Gemeinde der zum Heil erwählten, die dem Gesetz Christi gehorchen. Jan Hus äusserte in seinem späteren Werk «De Ecclesia» (Über die Kirche) ganz ähnliche Gedanken.

Sowohl die Schriften von Wyclif, die unter den Prager Studenten diskutiert wurden und die auch Jan Hus eifrig studierte, als auch das Studium der Bibel selbst führten zur inneren Wende des Böhmen. Ihm wurden die Augen geöffnet für das Evangelium und den damit verbundenen Gehorsam gegenüber der Heiligen Schrift.

Im Jahr 1400 wurde Jan Hus zum Priester geweiht und 1401 zum Dekan der philosophischen Fakultät ernannt. Zwei Jahre nach seiner Priesterweihe wurde er als Prediger an die Bethlehemskapelle in Prag berufen.

Die Bethlehemskapelle fasste bis zu 3000 Zuhörer, war aber viel schlichter als viele andere Kirchen. Sie wurde von einer Stiftung getragen, die das Anliegen verfolgte, dass dort für das Volk auf Tschechisch und nicht etwa auf Latein gepredigt wurde. Hus hatte die Gabe, die Bibel einfach und für das Volk verständlich auszulegen, was einen grossen Zulauf der Prager Bevölkerung verursachte. Sowohl der Prager Erzbischof als auch König Wenzel waren ihm zunächst gut gesonnen. Sogar der König hörte sich die Predigten des Vorreformators an und vor allem seine Ehefrau, Sophie Euphemia von Bayern, Königin von Böhmen, stand unter dem guten Einfluss von Hus. Er wurde ihr Beichtvater. In seinen späteren Briefen aus der Gefangenschaft in Konstanz ermutigt Hus die Königin, im Glauben standhaft zu bleiben.

Jan Hus sah in Jesus Christus das alleinige Haupt der Kirche. Aus diesem Grund schreckte er nicht davor zurück, die Päpste mit ihrem Machtanspruch als Antichristen zu bezeichnen, genauso wie es gut hundert Jahre nach ihm Luther tun würde. Der Böhme hielt in der Bethlehmskirche etwa 200 Predigten pro Jahr! Da er auch die Missstände der Kirche wie den Amtsmissbrauch sowie die moralischen Ausschweifungen und die Bestechlichkeit der Geistlichen anprangerte, erwuchs ihm von Seiten des Klerus ein immer grösserer Widerstand. Hinzu kam, dass die Schriften von Wyclif von einem Teil der Prager Universität immer mehr als Bedrohung angesehen wurden. Dies führte dazu, dass die Universität im Jahr 1409 die 45 Thesen von Wyclif als Ketzerei ablehnte und verurteilte. Auch der ihm ursprünglich wohlgesinnte Erzbischof begann, sich von Hus zu distanzieren. Im Jahr 1411 kam es dann zu einer öffentlichen Verbrennung von Wyclifs Schriften in Prag. Damit sollte auch Hus getroffen werden.

Im Jahr 1409 wurde Alexander V. zum neuen und damit dritten amtierenden Papst gewählt (zu jener Zeit gab es sowohl in Avignon als auch in Rom einen gewählten Papst, die sich gegenseitig exkommuniziert hatten; und dieser dritte Papst sollte die Kirche wieder einigen, führte aber zur dritten Gegenpapstlinie von Pisa). Der Erzbischof von Prag wechselte mit der gesamten Geistlichkeit in Prag die Fronten und sprach ein Predigtverbot gegen Hus aus. Ausserdem liess der Erzbischof Hus verklagen und erwirkte damit von Alexander V. den Bann gegen den Böhmen. Jan Hus ignorierte dieses Predigtverbot. Zwei Jahre später wurde Hus auch noch von Johannes XXIII., dem neuen Gegenpapst von Pisa, gebannt. Dieser hatte einen Ablass ausrufen lassen, um seine Kriegskasse aufzubessern. Dazu konnte Hus auf Grundlage der Bibel natürlich nicht schweigen, was ihm den Bann einbrachte.

In der Zwischenzeit war Kaiser Karls jüngster Sohn Sigismund römisch-deutscher König geworden. König Sigismund rief nur drei Jahre später das Konstanzer Konzil ein, um die Kirchenspaltung mit den drei Päpsten zu überwinden.

Hus wurde unter den grossen Bann getan. Jeder, der ihm Unterschlupf oder Verpflegung gewährte, fiel ebenfalls unter den grossen Bann. Dem Papst musste klar gewesen sein, dass dies noch nicht ausreichen würde. Deshalb verhängte er zusätzlich eine kirchliche Strafmassnahme gegen Prag. Dieses «Interdikt» führte dazu, dass Hus von König Wenzel gebeten wurde, Prag für einige Zeit zu verlassen. Jan Hus war dazu bereit, wollte aber nicht einfach davonlaufen. Aus diesem Grund besprach er sich zuerst mit seiner Bethlehemsgemeinde, die aus Sorge um sein Leben zustimmte.

Jan Hus war damit ein vogelfreier Mann, der jeden irdischen Schutz verloren hatte. Gegen den grossen Bann konnte er auch keine Berufung mehr einlegen, da seine früheren Einsprüche abgelehnt worden waren.

Nachdem Hus Prag verlassen und aufs Land gegangen war, plagte ihn das Gewissen, dass er sich dem Willen des Königs gebeugt hatte. So begann er trotz Predigtverbot, unter den Landbewohnern das Wort Gottes zu verkündigen. Geistliche, die Hus wohlgesonnen waren, stellten ihm die Kirchen für seine Predigten zur Verfügung. Damit sprang sein Einfluss auf das böhmische Land über, und es geschah genau das Gegenteil dessen, was die Gegner mit seiner Verbannung aus der Stadt beabsichtigt hatten. In dieser Zeit entstanden auch verschieden Schriften. Dazu gehört eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses, der Zehn Gebote und des Herrengebetes. Unter anderem steht darin: «Darum, treuer Christ, suche die Wahrheit, höre die Wahrheit, lerne die Wahrheit, liebe die Wahrheit, sage die Wahrheit, halte die Wahrheit, verteidige die Wahrheit bis zum Tod; denn die Wahrheit wird dich frei machen von der Sünde, vom Teufel, vom Tode der Seele und endlich vom ewigen Tode, der die ewige Trennung ist von der Gnade Gottes und von aller seligen Freude, jener Freude, der jeder teilhaftig wird, der da glaubt an Gott und an Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist.»

Inzwischen begann sich König Sigismund aus politischen Erwägungen für Böhmen, den Bereich seines Bruders Wenzel, zu interessieren. Da Macht und Kirche eng verflochten waren, forderte Sigismund Hus auf, zum geplanten Konzil nach Konstanz zu kommen. Dort sollte Hus seine Sache darlegen und verhandeln lassen. Dafür versprach Sigismund ihm freies Geleit, sowohl für den Hin- und Rückweg als auch den Aufenthalt in Konstanz. Nach reichlichem Überlegen und Abwägen nahm Hus schliesslich die königliche Geleitzusage an, um seinen Glauben vor dem Konzil zu bezeugen. Seine grosse Hoffnung war, dass auch der kirchliche Klerus ins Nachdenken kommen würde.

Da König Sigismund Jan Hus freies Geleit zugesagt hatte, wurden dem Böhmen zu seinem Schutz unter anderem die beiden Ritter Jan von Chlum und Vaclav von Duba zur Seite gestellt. Beide nahmen ihren Auftrag sehr ernst und wurden gar selbst zu echten Verfechtern seines Anliegens. Besonders Jan von Chlum verteidigte schon auf der Reise nach Konstanz die Lehren von Jan Hus. Zwischen Hus und seinen «Schutzmännern» entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Zur Reisegruppe gehörten ca. 50 Personen. Am 3. November 1414 erreichten sie die Stadt. Je näher die Reisegruppe der Stadt kam, umso mehr wurde sie von Neugierigen umringt. Bei der Ankunft in Konstanz soll es zu einem regelrechten Volksauflauf gekommen sein.

Hus wohnte zunächst im Haus einer Witwe. Neben der freien Geleitzusage von König Sigismund hatte sich auch Papst Johannes XXIII. ähnlich geäussert. Aber schon am Tag nach seiner Ankunft musste Hus erleben, wie durch öffentliche Plakate gegen ihn gehetzt und er verleumdet wurde.

Hus bereitete sich auch schriftlich vor, seine Sache und die Wahrheit öffentlich zu verteidigen. Aber im Hintergrund wurden Strippen gegen ihn gezogen. Am 28. November erschien vor dem Wohnquartier von Hus eine Abordnung von geistlichen Würdenträgern und weltlichen Herren, einschliesslich des Bürgermeisters von Konstanz, die den Böhmen zu einem Gespräch einluden. Jan von Chlum muss damals sofort Gefahr gewittert haben. Der Bischof von Trient versuchte, die Bedenken zu zerstreuen und sprach nur von einer friedlichen Unterredung mit Hus. Diese Heuchelei und die Bereitwilligkeit von Hus bewogen Chlum dazu, doch nachzugeben.

So folgte Hus seinen Besuchern zum Ort der Unterredung. Jan von Chlum wich dabei nicht von seiner Seite. Trotz Protest wurde Jan Hus festgesetzt.

Nach einer Woche, in der Hus unter Bewachung beim Konstanzer Domherrn festgesetzt war, wurde er in einen Kerker des Dominikanerklosters am Ufer des Bodensees gebracht. Die Zelle von Hus befand sich direkt neben der Kloake. Im Hintergrund versuchte Jan von Chlum alles, um seine Freilassung zu erwirken. Ende des Jahres traf auch König Sigismund in Konstanz ein. Jan Hus hatte auf ihn Hoffnung gesetzt, da der König ihm sein Ehrenwort gegeben hatte. Obwohl Sigismund zunächst über die Gefangennahme erzürnt war, liess er doch den Dingen seinen Lauf. Für ihn stand ebenfalls viel auf dem Spiel. Schon vor dem Eintreffen des Königs war ein Anklageausschuss der Kirche gegen den Ketzer Hus zusammengetreten. Man wollte Jan Hus zunächst gar nicht öffentlich anhören, sondern veröffentlichte direkt Beschuldigungen gegen ihn. Die Aussagen des Vorreformators wurden aus dem Zusammenhang gerissen und teilweise verdreht. Jan Hus nahm dazu auch schriftlich Stellung.

Durch die widrigen Haftbedingungen wurde Jan Hus schwer krank. Er wurde von schmerzhaften Koliken und schwerem Erbrechen geplagt. Das Ganze war auch mit Fieber und Kopfschmerzen verbunden. Damit er nicht umkam, gewährte man ihm eine gewisse Hafterleichterung. Hus hatte auch die Zuneigung seiner Wächter gewonnen. Als ihn schwere Krankheit plagte, pflegten diese ihn sogar. Am 24. März wurde Hus in den Westturm der Burg Gottlieben verlegt. Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte er dann als Gefangener im Franziskanerkloster. Als er so schwer erkrankte, schrieb er aus seinem Verliess:
«Erst jetzt lerne ich den Psalter begreifen, recht beten, über die Schmach Christi und das Leiden der Märtyrer nachdenken […] Denn Jesaja spricht: Anfechtung gibt Erkenntnis. – Und weiter: Wer nicht geprüft wurde, was weiss er?»

Das Ziel der Kardinäle war, Hus zum Widerruf zu bewegen. Dieses Ziel wurde mit der berühmten «Zuckerbrot und Peitsche»-Taktik verfolgt. Auf der einen Seite versuchte man, Hus durch den furchtbaren Kerker und durch Drohungen «weich zu kochen». Auf der anderen Seite wurden ihm Angebote gemacht und Köder ausgelegt. Aber Jan Hus blieb standhaft. Er wollte sich trotz aller Schwachheit nicht nur schriftlich verteidigen, sondern versuchte auch alles, um eine öffentliche Anhörung zu erwirken. Schliesslich wurde er im Juni dreimal vor das Konzil geladen, wobei es im Prinzip nie um eine Anhörung ging. Die hohen Herren wollten Hus lediglich zu der Anerkennung der Anklage und dem damit verbundenen Widerruf bewegen.

Trotzdem konnte Hus nach dem ersten Verhör einige Anklagepunkte gegen ihn entkräften. Zu erwähnen bleibt, dass das Konzil schon einen Monat zuvor Wyclifs Lehren verdammt und den Engländer zum Ketzer erklärt hatte. Da Wyclif damals schon seit dreissig Jahren in der Ewigkeit war, konnte das Konzil ihm nichts mehr anhaben. Trotzdem beschloss man in Konstanz, seine Gebeine in England auszugraben und zu verbrennen.

Jan Hus hielt unbeirrt an seinen aus der Bibel gewonnenen Überzeugungen fest und stellte sich auch hinter Wyclifs Schriften. Der Böhme war bereit, sich aus der Bibel durch das Konzil eines Besseren belehren zu lassen, doch es geschah natürlich nichts dergleichen.

Nach dem zweiten Verhör wurde deutlich, dass König Sigismund nicht nur seine Zusage für freies Geleit gebrochen hatte, sondern selbst zum Gegner von Hus geworden war. Dem König waren seine Machtinteressen und sein Ansehen vor dem Klerus wichtiger als seine Zusage. Wie standhaft Hus trotz Anfechtung blieb, ist aus seinen Briefen ersichtlich.

Wenn man den Ablauf der Verhöre liest, erinnert dieser unmittelbar an Christus selbst und die falschen Zeugen, die im Prozess gegen Ihn auftraten. In der Verurteilung von Hus wurde sogar die Lüge aufgetischt, dass Hus sich selbst für die vierte Person Gottes hielte. Am Tag vor seiner Hinrichtung kam eine Abordnung zu Hus, die ihn nochmals zum Widerruf bewegen wollte.

Weil niemand ihn anhand der Heiligen Schrift widerlegen konnte, beharrte Hus auf der Wahrheit. Am 6. Juli 1415 trat dann das Konzil um 6 Uhr morgens zusammen, um Hus zu verurteilen. Auch König Sigismund, der Hus freies Geleit zugesagt hatte, war mit von der Partie. Nachdem der Schuldspruch verlesen wurde, betete Hus laut: «Herr Jesus Christus! Vergib allen meinen Feinden um deiner grossen Barmherzigkeit willen, so flehe ich dich an. Und du weisst, dass sie mich fälschlich angeklagt haben, falsche Zeugen vorgeführt und falsche Artikel gegen mich erfunden haben. Verzeih’ ihnen um deiner unermesslichen Barmherzigkeit willen.»

Im Rahmen einer Messe, inmitten des Konstanzer Münsters, bekleidete man Hus zunächst mit einem Messgewand und drückte ihm den Kelch in die Hand. Dann wurde ihm das Gewand Stück für Stück vom Köper gerissen, der Kelch aus der Hand genommen und seine Priesterfrisur, die Tonsur, zerschnitten. Schliesslich setzte man ihm einen Papierhut auf, der mit Teufelsfratzen bemalt war. Inmitten der Flüche und Beschimpfungen vertraute sich Hus seinem Herrn und Retter Jesus Christus an und betete laut, dass Gott nicht den Kelch des Heils von ihm wegnehmen würde. Joachim Dachsel schreibt: «Man ruft ihm zu: Jetzt übergeben wir deine Seele dem Teufel. Er antwortet: Ich aber befehle sie Christus, meinem Herrn.»

König Sigismund übergab Jan Hus an den Pfalzgrafen Ludwig zum Vollzug des Todesurteils. Der Weg zum Scheiterhaufen wurde von vielen Schaulustigen gesäumt. Peter von Mladoniowitz, ein weiterer treuer Freund und Glaubensgenosse von Hus, schilderte das Ende des Märtyrers: «Als der Magister zur Hinrichtungsstätte kam, beugte er die Knie, betete er, die Arme ausgebreitet und die Augen zum Himmel emporgerichtet, inbrünstig Psalmenverse, insbesondere ‹Gott sei mir gnädig› und ‹Herr, auf dich vertraue ich›. Bei der Wiederholung des Verses ‹in deine Hände, o Herr› hörten ihn die Seinen, die dabeistanden, wie er heiter und mit ruhigem Blick betete … Einige dabeistehende Laien sagten: ‹Wir wissen nicht, was er früher getan oder gesprochen hat. Jetzt aber sehen und hören wir, dass er heilige Worte betet und redet› … Dann wollte man, dass er an die Umstehenden überall reihum geführt werde. Er forderte sie auf und bat immer wieder, sie sollten nicht glauben, dass er die ihm durch falsche Zeugen zur Last gelegten Artikel bejaht, gepredigt oder gelehrt habe.»

Schliesslich wurde Hus auf dem vorbereiteten Scheiterhaufen an einen Pfahl gebunden. Noch einmal versuchte man, ihn zum Widerruf zu bewegen. Aber er blieb standhaft. Als der Scheiterhaufen angezündet wurde, betete Hus: «Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner.» Er wiederholte diesen Satz. Zum dritten Mal betete er: «Der du geboren bist aus Maria, der Jungfrau». Dann verstummte Hus. Der Wind hatte dem standhaften Glaubenszeugen den Rauch ins Gesicht geblasen. So war Hus wohl schon tot und bei seinem Herrn, bevor sein Leib verbrannte. Den Leichnam von Jan Hus liess man bis zur Asche verbrennen, die anschliessend im Rhein verstreut wurde. Nichts sollte an ihn erinnern.

Jan Hus stand zur zeitlosen Wahrheit und Autorität von Gottes Wort in einer Zeit, in der man sie nicht mehr hören wollte. Wenn auch äusserlich anders, so leben wir doch geistlich gesehen in einer ganz ähnlichen Zeit. Das Vorbild dieses Mannes sollte uns Verpflichtung sein, ungebrochen zu Christus und Seinem Wort zu stehen, auch wenn es einen hohen Preis kostet.

Johannes Pflaum erhielt eine fünfjährige Ausbildung am theologischen Seminar der Liebenzeller Mission. Er gehört zur «Christlichen Gemeinde Sennwald» und ist seit 2000 als Verkündiger und Bibellehrer im Rahmen des «Bibel-Lehr-Dienst» im In- und Ausland tätig.
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