Die Corona-Impfung in Israel

Mi. 21. April 2021

Von verschiedenen Seiten gelangten Bitten an uns um eine Stellungnahme, nachdem in Berichten aus Israel die Situation rund um die Corona-Impfung im Land als «diktatorisch» dargestellt wurde. – Zuerst einmal müssen wir festhalten, dass derartige Anschuldigungen nicht nur in Israel laut werden, sondern praktisch weltweit gegen die jeweiligen Regierungen. Denn die Corona-Beschränkungen sind einfach nicht populär. Israel ist aber zum «Weltmeister» im Impfen gegen Corona geworden. Wie ist es dazu gekommen?

Der Widerstand und das Misstrauen gegen die Impfung bestehen eigentlich weltweit. Dafür gibt es viele Gründe, die wir an dieser Stelle nicht erörtern können. Die Herstellerfirmen dagegen, allen voran Pfizer, waren überzeugt, dass die Impfung sicher ist. Doch niemand vertraute der Sache. Ein Paradebeispiel war nötig. Jemand, der die Wand des Misstrauens durchbrechen würde. Israel unter Benjamin Netanjahu erklärte sich dazu bereit, um auf diese Weise möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren.

Israel war für Pfizer das ideale Land. Nicht zu gross, überschaubar, mit einem bestens organisierten Krankenkassensystem und innovativ denkend. Israel wurde durch das schnelle Impfen, das übrigens freiwillig geschah, für Pfizer, und in der Folge auch für die anderen Herstellerfirmen, zum Zugpferd und zum Paradebeispiel vor der Welt, um den Widerstand gegen die Impfung zu überwinden. Und das ist ihnen auch tatsächlich gelungen. Mit Verzug von einigen Monaten folgen jetzt so ziemlich alle anderen Länder der Welt.

Die allgemein positive Reaktion in der israelischen Bevölkerung und die grosse Bereitschaft zum Impfen hat natürlich einen gewissen Druck auf die Impfgegner gebracht. Doch auch ohne sie hat Israel wohl die sogenannte «Herdenimmunität» erreicht. Für diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, werden unweigerlich gewisse Einschränkungen kommen, besonders für solche mit engem Personenkontakt.

In den sozialen Medien erscheinen viele Beiträge für und gegen die Impfung. Für den Nichtfachmann ist es schwer zu erkennen, was wahr und was falsch ist. Der Widerstand gegen die Impfung wurde allerdings bewusst geschürt. Eine Meldung sagte zum Beispiel: Innerhalb eines Monats nach der Impfung würden viele sterben, und spätestens in einem Jahr würden sie alle tot sein. Die Tatsache ist jedoch, dass niemand in Israel infolge der Impfung gestorben ist, aber über 6200 an den Folgen von Corona.

Da kommt natürlich immer wieder der Einwand, dass wegen des Zeitdrucks die Langzeitfolgen der Impfung nicht wirklich erforscht werden konnten. Doch es gibt genügend angesehene Fachkundige, die die Bedenken in der Öffentlichkeit auf wissenschaftlicher Grundlage widerlegt und vor allem die Impfung von Pfizer und Moderna als sicher und bedenkenlos eingestuft haben, was mögliche Spätfolgen angeht.

Es bleibt weiterhin dem Einzelnen überlassen, wofür er sich entscheidet. Ein Nein zur Impfung hat verständlicherweise Folgen, die leichter oder schwerer sein werden, je nach Beruf, den jemand ausübt.

Was die Einschränkungen des Versammlungsrechts anbelangt, so sind die Verhältnisse in Israel nicht viel anders, sondern ähnlich wie in den meisten Ländern der westlichen Welt. In gewisser Weise ist Israel allerdings der übrigen Welt etwas voraus und sozusagen zum «Labor» der Welt geworden.

Welcher Unterschied wird nun innerhalb der Gemeinden gemacht zwischen den Geimpften und denen, die nicht geimpft sind? Angeblich gibt es schon Gemeinden, wo sich die Geimpften wieder freier versammeln und die Nichtgeimpften strengeren Regeln unterstellt bleiben. Doch auch in dieser Hinsicht wird Israel keine Ausnahme bleiben, sondern so handeln, wie die übrige Welt in der Folge auch vorgehen wird. Und mit dem Rückgang der Ansteckungen werden sicher die Verordnungen allgemein gelockert werden.

Wir müssen vorsichtig sein und das Corona-Geschehen nicht vergleichen wollen mit den Zuständen beim Aufkommen der Nazizeit. Die Regierungen der Welt mit ihren Corona-Massnahmen in Generalverdacht zu stellen, ist bestimmt nicht das, was wir als Christen tun sollen.

Fredi Winkler absolvierte seine Ausbildung zum dipl. Reiseleiter in Israel. Fachkundig führt er die mehrheitlich deutschsprachigen Reisegruppen durchs Land. Immer wieder ist er auch an verschiedenen Konferenzen des Missionswerkes Mitternachtsruf als Gastredner anzutreffen.
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