Das bedeutendste Wort der Weltgeschichte (Teil 3)

Fr. 22. April 2022

Der Ruf unseres Herrn am Kreuz: «Es ist vollbracht!», ist das bedeutendste Wort der Weltgeschichte. Doch was bedeutet es überhaupt?

Christus erfüllte mit Seinem «Es ist vollbracht!» auch Seine Liebe bis ans Ende. In Johannes 13,1 lesen wir: «Vor dem Passahfest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen sei, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: wie er geliebt hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.» 

Auch die Liebe Jesu findet am Kreuz ihre Vollkommenheit. Schon davor kam kein liebloses Wort über Seine Lippen. Seinen Verräter sprach Er mit «Freund» an, Seinem Verleugner galt ein liebevoller, trauriger Blick. Den Soldaten, die Ihn ans Kreuz schlugen, vergab Er. Diese Liebe sieht man sogar noch in den letzten Minuten Seines Lebens. Obwohl Er unerträgliche leibliche, seelische, und vor allem geistliche Schmerzen litt, dachte Er doch noch an Seine Mutter, indem Er sie Seinem Jünger anbefahl und ihr diesen zur Seite stellte. Und ich bin überzeugt, dass Johannes, der sich selber hier nicht mit Namen nennt, diesen Auftrag in aller Liebe erfüllte, denn er war ja gerade Zeuge der grössten Liebestat der Weltgeschichte geworden. 

Nur derjenige, der die Liebe Christi persönlich erfahren hat, kann auch richtig lieben. Es ist ja auch Johannes, der die Worte Jesu niederschrieb: «Grössere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde» (Joh 15,13). Es ist auch Johannes, der voller Begeisterung ausrief: «Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder heissen sollen!» (1Joh 3,1). Und wie erweist sich Gottes Liebe am deutlichsten? Die Antwort finden wir ebenfalls bei Johannes: «Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben» (Joh 3,16). Wenn wir je von jemanden behaupten können, dass er geliebt hat, dann ist es der Herr. Und über Seiner Liebe steht das Wort: «Es ist vollbracht!» – Haben Sie diese Liebe schon erkannt und angenommen? Und wenn ja, lieben Sie die anderen mit dieser Liebe?

Am Kreuz wurde auch die Erlösung an sich erfüllt. Nach allem, was wir bis jetzt betrachtet haben, müssten wir dies gar nicht mehr gesondert erwähnen, aber natürlich ist auch die Erlösung vollbracht! Der Mensch ist von Natur aus verloren, Gott fern. Aber jeder, der an Jesus glaubt, Ihn um Vergebung für seine Sünden bittet und Ihn in sein Leben aufnimmt, wird und ist für immer von seiner Sündenlast erlöst. Es muss nichts mehr hinzugefügt werden. 

Es ist sehr aufschlussreich, was uns im Blick auf das Wort TETELESTAI – «Es ist vollbracht!» – durch einen archäologischen Fund bestätigt wird. Vor nicht allzu langer Zeit fand man bei Ausgrabungen eines Steuerbüros der damaligen Zeit einen Stapel uralter Rechnungen, über denen gross TETELESTAI geschrieben stand. Das bedeutete: «es ist vollständig bezahlt». Da verstehen wir noch etwas besser, was dieses Wort aus dem Mund Jesu bedeutet. Die Sündenschuld ist bezahlt, die Macht der Sünde ist gebrochen, und unsere Sünden sind für ewig vergeben, wenn wir Jesus angehören. Die Tausende von Opfern waren wie eine kleine und unvollständige Anzahlung. Aber dank Jesu Tod steht auf dem Schuldbrief unseres Lebens: «Es ist bezahlt.» Deshalb können wir mit dem Apostel Paulus sagen: «Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns» (Röm 8,33.34).

Der Schreiber des Briefes an die Hebräer bestätigt, dass Jesus ein für alle Mal gekommen ist, um «durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben» (Hebr 9,26). Wir müssen nichts mehr hinzutun. Wir müssen keine Werke mehr vollbringen, keiner Religion anhangen, und wir brauchen auch nicht mehr um unser ewiges Heil zu bangen. Wer Jesu Opfer in Anspruch nimmt, dem ist die Sünde für immer vergeben, die Schuld auf ewig gelöscht und die Erlösung absolut abgesichert, denn Jesus rief: «Es ist vollbracht!»

«Vollbracht» bedeutet auch Sieg über Sünde, Tod und Teufel. Paulus schreibt: «Gott aber sei Dank, der uns allezeit in Christus triumphieren lässt» (2Kor 2,14). Nun können auch wir diesen Sieg in unserem Alltag leben, und am Ende unseres Lebens getrost den Schritt in die Ewigkeit wagen, den wir gehen mit Dem, der gesagt hat: «Es ist vollbracht!», und der danach zum Vater ging.

Wie können wir dieses «Es ist vollbracht!» nun im Alltag anwenden? 

Indem wir als erstes, wenn wir dies noch nicht getan haben, die Errettung annehmen. Nach allem, was wir gesehen haben, bleibt mir nur noch, eine Einladung und Warnung auszusprechen: Die Einladung lautet: «Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie in der Verbitterung» (Hebr 3,15). – Wie lange hören Sie Gottes Stimme schon? Wie oft hat Er Sie schon eingeladen, zu Ihm zu kommen? Bitte, verstocken Sie Ihr Herz nicht länger! – Und die Warnung lautet: «Wie wollen wir entfliehen, so wir eine solche Seligkeit nicht achten?» (Hebr 2,3). 

Vor einiger Zeit geschah es, dass oberhalb der mächtigen Niagara-Fälle einem Fischerboot der Motor versagte. Das Boot wurde von der Strömung mitgerissen. Die zwei Fischer sprangen ins Wasser und schwammen um ihr Leben in Richtung Ufer. Aber die Strömung war so stark, dass sie es nie schaffen würden. Leute, die es sahen, riefen den Rettungsdienst an und diese erwartete die beiden kurz vor dem Wasserfall. Dort warfen die Retter den Ertrinkenden einen Rettungsring am Seil zu. Der Ring landete zwischen den beiden. Einer erfasste ihn sogleich, aber der andere sah einen riesigen Baumstamm vorbeischwimmen und hielt sich daran fest. Man kann sich das Ende der Geschichte gut ausmalen. Der eine wurde gerettet, der andere starb. 

Im geistlichen Bereich geschieht es leider ähnlich. So viele meinen, alleine zurecht zu kommen. Sie meinen, in guten Werken, Ideologien, Philosophien oder gar Religionen Sicherheit, Frieden und Hoffnung zu finden. Und sehr viele andere versuchen, in Festen, Urlaub, Freundschaften oder gar Alkohol und Drogen ihre Ausweglosigkeit zu vergessen. Es gibt aber nur einen Rettungsring: Jesus Christus.

Er sagt selbst klar und deutlich, dass es nur ein Entweder-oder gibt: «Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm» (Joh 3,36). Ergreifen Sie doch im Glauben die ausgestreckte, durchgrabene Hand des Heilands! Gott ruft voll Liebe: «Gib mir, mein Sohn, dein Herz» (Spr 23,26). Es ist so, als würde Christus dort am Kreuz mit Seinen ausgestreckten Armen zum Himmel zeigen, uns beim Namen nennen und einladen: «Komm zum Vater! Ich liebe dich, ich gab mein Leben für dich. Glaub an mich, und du wirst Gott als Vater haben!»

Wir Gläubige wenden das «Es ist vollbracht!» im Alltag an, indem wir uns an dieses Ereignis erinnern. Wer errettet worden ist, kann nicht anders, als sich voller Dankbarkeit an dieses Werk zu erinnern und dem Retter immer dankbar zu sein. 

Einst wurde die Feuerwehr zu einem Haus gerufen, das in Brand stand. Als die Feuerwehrleute ankamen, sahen sie, wie die Nachbarn ein Ehepaar zurückhalten mussten, damit es nicht in das brennende Haus zurückstürzte. Dort war das Baby in seinem Bett geblieben. Ein Feuerwehrmann setzte sein Leben aufs Spiel und rettete das Kleine, gerade bevor das Haus hinter ihm zusammenbrach. Die Kleine kam mit einigen Verbrennungen im Gesicht davon. Natürlich wurde der Feuerwehrmann zu jedem Geburtstag des Mädchens eingeladen. Als er schon in Rente war, bekam er die Einladung, an der Abschlussfeier des Studiums der nun jungen Frau teilzunehmen. Als sie das Diplom überreicht bekam, ging sie zum Mikrofon und bat ihren Retter auf die Bühne. Dort übergab sie ihm ihr Diplom. Tränen voller Dankbarkeit rannen über die Narben in ihrem Gesicht …

Es sollte auch bei uns Gläubigen nicht anders sein. Der Herr hat uns für alle Ewigkeit errettet. Wir sollten dem Herrn dafür immer wieder danken und Ihn loben und preisen. Dies tun wir unter anderem, indem wir am Mahl des Herrn teilnehmen. Da erinnern wir uns in besonderer Weise an das, was Er für uns getan hat. Der Befehl des Herrn lautet: «solches tut zu meinem Gedächtnis» (1Kor 11,24). Lasst uns den Herrn Jesus immer wieder anbeten für das, was Er getan hat!

Wir wenden das «Es ist vollbracht!» auch in der Praxis an, indem wir Seinem Wort gehorsam sind. So, wie Jesus in allem darauf bedacht war, den Willen des Vaters zu erfüllen, so sollte es auch bei uns sein. Das ist der beste Beweis, dass wir Ihn lieben, denn der Herr sagt selbst: «Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren» (Joh 14,21).

«Es ist vollbracht!» wenden wir auch an, indem wir in dem Sieg leben, den Jesus errungen hat. Der Sieg über Sünde, Tod und Teufel ist nun unser Sieg. Wir dürfen ihn für uns in Anspruch nehmen; so wie Paulus sagt: «Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesus Christus!» (1Kor 15,57). 

«Es ist vollbracht!» wenden wir auch an, indem wir die Liebe des Herrn Jesus ausleben. Jesu Liebe zu uns, die Ihm das Leben kostete, gibt uns selbst inmitten der schlimmsten Ereignisse eine tiefe Geborgenheit. Der Apostel Paulus schreibt voller Jubel, dass nichts und niemand uns von der Liebe Gottes scheiden kann, die in Christus Jesus ist (Röm 8,39). Weil wir so ein gewaltiges Beispiel von Liebe haben, sollte Jakobus 2,8 auch in uns Erfüllung finden: «Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach dem Schriftwort: ‹Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!› so tut ihr wohl.»

«Es ist vollbracht!» wenden wir auch an, indem wir den Auftrag des Herrn erfüllen. Der Apostel Paulus konnte am Ende seines Lebens sagen, er habe den guten Kampf gekämpft, Glauben gehalten und sein Lauf vollendet (2Tim 4,7). Werden auch wir das einmal sagen können? Sind wir darum besorgt, die Werke zu erfüllen, die Gott für uns vorbereitet hat, damit wir darin wandeln sollen (Eph 2,10)? Erst, wenn wir an dem Ort sind und das tun, was der Herr für uns geplant hat, werden wir ein erfülltes Leben haben.

«Es ist vollbracht!» wenden wir auch an, indem wir diese Botschaft verkündigen. Wenn wir wie Johannes und die anderen Jünger von Jesu Werk ergriffen sind, dann können wir nicht anders als mit ihnen zu sagen: «Wir können’s ja nicht lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehört haben» (Apg 4,20). Erzählen Sie Ihrer Familie, was Jesus Ihnen ist. Bekennen Sie vor Freunden, Bekannten und Nachbarn, dass Jesus Ihr Erlöser ist und dass Er auch sie erretten möchte. Machen Sie es wie Paulus und schämen Sie sich des Evangeliums von Jesus Christus nicht (Röm 1,16). Denn der Herr hat sich auch nicht geschämt, für Sie und mich zu leiden und zu sterben!

«Es ist vollbracht!» wenden wir auch an, indem wir auf den Herrn warten. Die Worte in Hebräer 9:28 rufen uns neben dem Erlösungswerk noch etwas anderes in Erinnerung. Es ist unsere selige Hoffnung und Erwartung: «so wird auch Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen, zum zweiten Mal ohne Sünde denen erscheinen, die auf ihn warten, zum Heil.» 

Der Herr ist gestorben, um unsere Erlösung zu vollbringen. Ich glaube aber, dass Er sich nach dem Moment sehnt, in dem Er Seine Kinder in die ewige Heimat, in die Wohnung des Vaters bringen kann. Denn dann ist die Erlösung in ihrer ganzen Tragweite vollkommen! Dann wird gewiss in alle Ewigkeit der Siegesruf von Golgatha erklingen: «Es ist vollbracht!» Wie wird es sein, wenn wir zum ersten Mal dem Herrn Jesus in die Augen schauen können? Wie wird es sein, wenn wir die Wundmale in Seinen Händen sehen? Dann werden wir in Ewigkeit den Herrn loben, so wie es in der Offenbarung geschrieben steht: «Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebührt das Lob und die Ehre und der Ruhm und die Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!» (Offb 5,13).

Der Herr rief: «Es ist vollbracht!»

Stephan Beitze ist Missionar des Mitternachtsruf in Buenos Aires, Argentinien. Als Bibellehrer widmet er sich überwiegend dem Bibelunterricht in Gemeinden, an Bibelschulen, Jugendfreizeiten, Konferenzen usw.
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