Das bedeutendste Wort der Weltgeschichte (Teil 2)

Fr. 15. April 2022

Der Ruf unseres Herrn am Kreuz: «Es ist vollbracht!», ist das bedeutendste Wort der Weltgeschichte. Doch was bedeutet es überhaupt?

Das Opfer Abels war ein Wohlgeruch vor Gott, so wie dasjenige des Herrn Jesus. 

Auf der Grundlage eines Opfers gab es einen ewigen Bund zwischen Gott und Abraham und dessen Nachkommen. Und Jesu Tod ist das ewige Versprechen für jeden, der den Bund mit Ihm eingeht, dass er für alle Ewigkeit Gottes Eigentum ist. 

Allein schon das Passalamm müsste uns reichen, um die Erlösung zu verstehen. Denn so wie damals bei den Israeliten nur diejenigen vor dem Todesgericht bewahrt wurden, die unter dem Schutz des Blutes des Lammes standen, so werden auch heute nur diejenigen, die sich mit Jesu Opfer identifizieren, tatsächlich vor dem Todesgericht bewahrt und ewig leben.

Seit der Zeit Moses sind ja Tausende und Abertausende unschuldige Tiere gestorben. Jeden Tag neu mussten die Priester alle möglichen Tiere schlachten. Stellen wir uns die Situation einmal vor: Da kommt ein Israelit niedergeschlagen in die Stiftshütte, oder später zum Tempel, und der Priester fragt: «Was ist los?» Der Israelit antwortet: «Ich habe gesündigt, und bringe dieses Lamm, damit Gott mir diese Sünde vergibt.» Während der Israelit seine Hände als Zeichen der Identifikation auf den Kopf des Tieres legt, zückt der Priester das Messer und das Blut fliesst … Der Israelit geht erleichtert seinen Weg. Ein unschuldiges Tier ist für seine Schuld gestorben. Aber es vergehen vielleicht nicht einmal ein paar Tage und derselbe Israelit steht wieder vor der Tür mit einem anderen Tier an der Leine. Er hat wieder gesündigt. Vielleicht fragt sich der Priester: «Wird dieses töten nie ein Ende nehmen?»

Diese Opfer waren aber von Gott selbst so angeordnet, denn die Sünde konnte nur mit Blut gesühnt werden. So sahen die Israeliten, wie ernst Gott die Sünde nimmt und wie nur durch das Sterben eines unschuldigen Wesens, dessen Blut vergossen wurde, die Schuld der Sünde aufgehoben werden konnte. Seitdem flossen Ströme von Blut. 

Etwas ganz Besonderes war der Versöhnungstag. An ihm musste der Hohepriester für die Sünde des ganzen Volkes einen Ziegenbock schächten und das Blut ins Allerheiligste vor Gott auf den Gnadenstuhl, den Deckel der Bundeslade, sprengen. So wurde das Volk mit Gott versöhnt. Aber dies musste immer wieder, Jahr für Jahr, wiederholt werden. Das Blutvergiessen nahm kein Ende. Es war ungeheuerlich. 

Der Prophet Jesaja weist auf Jesus als das Lamm Gottes hin. Die bekannte Stelle im Buch Jesaja lautet: «Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir [Sie und ich] gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn [auf Jesus]. Da er misshandelt ward, beugte er sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das vor seinem Scherer verstummt und seinen Mund nicht auftut» (Jes 53,4-7).

Als Johannes der Täufer Jahrhunderte später den Herrn Jesus sieht, ruft er voller Bewunderung zweimal aus: «Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!» (Joh 1,29.36).

Erkennen wir, wie ernst Gott die Sünde nimmt? Erkennen wir, wie notwendig es war, dass der Herr Sein Blut vergoss? Der Apostel Johannes schreibt: «Und er ist das Sühnopfer für unsre Sünden, aber nicht nur für die unsren, sondern auch für die der ganzen Welt» (1Joh 2,2).

Da verstehen wir den Schreiber des Hebräerbriefes, der voller Erleichterung die Worte «ein für alle Mal» wiederholt. Zum Beispiel in Hebräer 9,12-14: «Auch nicht durch das Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut [gemeint ist der Herr Jesus] ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zu leiblicher Reinigkeit, wieviel mehr wird das Blut Christi, der durch den ewigen Geist sich selbst als ein tadelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!» 

Angesichts dessen verstehen wir auch den Apostel Petrus viel besser, wenn er uns den grossen Wert des Blutes Jesu zeigt: «Und wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes» (1Petr 1,18.19). Dem Blutvergiessen ist ein Ende gesetzt, denn: «Es ist vollbracht!» Das Lamm Gottes hat unsere Schuld getragen. Jesus musste vom Vater getrennt werden, damit wir mit Ihm Gemeinschaft haben können. Er musste sterben, damit wir das ewige Leben haben können. Eindeutig bezeugt Johannes 19,30 Seinen Tod: «Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.» Durch Seinen Tod können wir das Leben, und zwar das Leben in Fülle, haben, denn: «Es ist vollbracht!» 

Aber der Herr Jesus hat nicht nur das Wort Gottes erfüllt, sondern Er ist selbst das Wort (Joh 1,1), und Er gab es uns. Er ist das menschgewordene Wort Gottes, durch das die Welt geschaffen und die Erlösung vollbracht wurde. Dieses Wort ist die letzte Offenbarung Gottes an die Menschen: «Nachdem Gott vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn» (Hebr 1,1). 

Man könnte nun meinen, dass dies doch nicht ganz stimme, da nach dem Leben, Reden und Werk Jesu auf dieser Erde ja noch die Apostel kamen, die uns das Neue Testament gaben. Aber auch sie empfingen das, was sie aufschrieben, vom Herrn. Jesus selbst sagte dies voraus: «Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbe wird mich verherrlichen; denn von dem Meinigen wird er es nehmen und euch verkündigen» (Joh 16,13.14). 

Da ist auch das Buch der Offenbarung miteinbegriffen. Oft meinen wir das Hauptthema der Offenbarung sei die Prophetie dessen, was in der Zukunft geschehen wird. Obwohl dies zum Teil zutrifft, so wird uns doch gleich am Anfang der Offenbarung gesagt: «Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt, welcher das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah.» 

Auch die Offenbarung kommt und handelt von Jesus, wie Er selbst bezeugt: «Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige» (Offb 1,8). Am Schluss der Offenbarung bezeugt der Herr uns dies noch einmal, indem Er sagt: «Es spricht, der dieses bezeugt: Ja, ich komme bald!» (Offb 22,20).

So können wir sagen, dass die ganze Heilige Schrift ihre Vollendung in Jesus selbst fand, denn: «Es ist vollbracht!»

Am Kreuz erfüllte Er auch den Auftrag des Vaters. Jesus betete in Johannes 17,4: «Ich habe dich verherrlicht auf Erden, indem ich das Werk vollendet habe, das du mir gegeben hast, dass ich es tun solle.» Am Kreuz erfüllte Er den Willen des Vaters in vollem Umfang. In Matthäus 20,28 hatte Er ja Seinen Auftrag beschrieben: «gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.» 

In Gethsemane bat Er unter Tränen, nicht durch diese Stunde gehen zu müssen, die Ihn zum ersten Mal von Seinem Vater trennen würde. Denn Er, der nie gesündigt hatte, wusste, dass Er als Opferlamm am Kreuz mit der Sünde der Welt beladen sein würde, und das bedeutete Gericht, bedeutete Trennung von Gott. Aber im gleichen Augenblick sprach Er bewusst: «Vater … nicht mein, sondern dein Wille geschehe!» (Lk 22,42). Er war bereit, diesen bitteren Kelch mit seinen Konsequenzen bis zum letzten Tropfen auszutrinken, bis Er ausrufen konnte: «Es ist vollbracht!» Als Er Sein Haupt neigte und Seinen Geist übergab, hatte Er Seinen Auftrag erledigt. Der Weg, der in Bethlehem angefangen hatte, wurde hier am Kreuz beendet. Er war am Ziel angekommen.

Stephan Beitze ist Missionar des Mitternachtsruf in Buenos Aires, Argentinien. Als Bibellehrer widmet er sich überwiegend dem Bibelunterricht in Gemeinden, an Bibelschulen, Jugendfreizeiten, Konferenzen usw.
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