Bald ist die Nacht vorüber, und der Tag bricht an (Teil 3)

Fr. 11. März 2022

«Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; so ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. Und dieses sollen wir tun als solche, die die Zeit verstehen, dass nämlich die Stunde schon da ist, dass wir vom Schlaf aufwachen sollten; denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber ist nahe. So lasst uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! Lasst uns anständig wandeln wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden!» (Röm 13,10-14).

In dem Landesteil Deutschlands, in dem ich aufwuchs, bestand die Tradition der Maibäume. Jedes Dorf hatte eine bestimmte Zeit lang seinen Maibaum, und es war Brauch, dass das eine Dorf versuchte, dem anderen den Maibaum zu stehlen. Wer am Ende die meisten Bäume hatte, war der Sieger. Tag und Nacht wurde gewacht. Man teilte die Stunden unter sich auf. Einige gingen, um den Baum eines anderen Dorfes zu stehlen, andere wachten darüber, dass einem der eigene nicht geraubt wurde. 

Einmal musste ich Wache schieben; ich fühlte mich hellwach. Dann wurde ich etwas müde. Ich dachte mir, ein bisschen die Augen zuzumachen, schadet nicht, da ich ja sofort, beim kleinsten Geräusch, wach werden würde. Ausserdem war es nicht einfach, einen tief eingegrabenen, grossen und schweren Baum lautlos zu stehlen. Plötzlich stiess mich ein Kollege an, ich schreckte auf und er fragte mich, wo denn der Baum wäre. Ich hatte keine Ahnung und ich war der festen Überzeugung, gewacht zu haben. Das war äusserst peinlich gegenüber allen anderen Freunden.

Was muss ein Wächter tun? Er muss seine Aufgabe ernst nehmen, seinen Auftrag. Er soll seinen Auftraggeber lieben und ihm gegenüber loyal sein. Er muss geübt sein – mit den Augen, den Ohren und den Waffen. Das heisst, auf uns angewandt: er muss die Bibel kennen. Er sollte mit seinem Vorgesetzten über Funk in ständiger Verbindung stehen und Kontakt halten. Das zeigt sich für uns im Gebet und in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Ein Wächter muss ausserdem schnell und richtig reagieren können. Er darf sich nicht ablenken lassen. 

Woran liegt es, wenn in der Gemeinde oder in uns persönlich der Missionseifer verlorengegangen ist? Oder der Drang, Jesus mit dem ganzen Leben und mit allem, was wir haben, zu verherrlichen? Woran liegt es, dass unser Herz mit wertlosem und vergänglichem gefüllt ist und dass das geistlich wertvolle in die hinterste Kammer verschoben ist? – Wir sind nicht mehr erweckt! Wir sind nicht mehr geisterfüllt. Der Geist Gottes erweckt, Er bringt Licht, Er setzt Prioritäten, Er verklärt und verherrlicht Jesus, Er eifert für Gottes Sache und Er überführt. Der katholische Radioprediger Peter Lippert sagte seinerzeit: «Nicht mit brennenden Kerzen entzündet man die Welt, sondern mit brennenden Herzen.» Und jemand anders meinte: «Nur Erweckte können erwecken.»

Ein Kleiderwechsel tut not: «So lasst uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!» (Röm 13,12). Nachdem der Wecker geklingelt hat, zieht man sich um. Das Nachthemd wird abgelegt und die Kleider des Tages angelegt.

Fritz Binde hat einmal gesagt: «Christen sind keine Maskenträger.» Christen müssen wahr sein. Es darf bei ihnen keine Unwahrheit vorhanden sein, keine Heuchelei, keine Zweideutigkeit, kein Schattendasein. Die Werke der Finsternis sollen abgelegt und die Waffen des Lichts angezogen werden. Die Werke der Finsternis sind die Werke, mit denen die Welt umgeht, die durch den Fürsten der Finsternis gesteuert werden: jede Art von Sünde, Egoismus, Übervorteilung, Habgier, Missbrauch, Hass, Lüge, Krieg, Heimlichkeiten, Betrug usw.

Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten (Röm 12,9). Von jeder Art des Bösen haltet euch fern (1Thess 5,22). Werdet rechtschaffen nüchtern und sündigt nicht (1Kor 15,34). Wandelt als Kinder des Lichts (Eph 5,8)

Die Waffen des Lichts sind das Wesen Jesu Christi, das Eingekleidet-sein im Wort Gottes, in der Liebe, im Glauben, in der Erwartung auf die Wiederkunft des Herrn, im Einsetzen der Gnadengaben, in derselben Gesinnung und Ausrichtung auf das Ziel. Wir können nur wahres Licht sein, wenn wir die Werke der Finsternis in unserem Leben bekämpfen. Und das geht einzig mit den Waffen des Lichts. Dieser Ausdruck ist vom Heiligen Geist bewusst gewählt. Die Werke der Finsternis sind wirklich nur mit den Waffen des Lichts zu besiegen. Wir stehen im Kampf.

Die Waffe der Liebe besiegt die Werke des Hasses. Ich las vor einiger Zeit die Biografie von Richard Wurmbrand und seiner Ehefrau Sabina, Ungebrochen: die Kraft der Hoffnung. Das hat mich nachhaltig berührt. Das Ehepaar hatte sich in einer Umgebung des Hasses vorgenommen, zu lieben, und mit dieser Waffe wurden die härtesten Menschen geschlagen, sodass sie zu überzeugten Christen wurden. 

Die Waffe des Heiligen Geistes (des Wortes Gottes) besiegt die Werke der Lüge, zerschlägt den Zweifel und die Hoffnungslosigkeit (vgl. die Waffenrüstung in Eph 6). – Als die Kommunisten in das Haus Wurmbrands eindrangen, suchten sie einen Vorwand zur Festnahme. So fragten sie Sabina nach versteckten Waffen. Sie antwortete: «Die einzige Waffe, die wir in diesem Haus haben, ist das hier», und sie zeigte ihnen ihre Bibel. Über Richard Wurmbrand heisst es: «Nachdem er jahrelang immer dieselben kommunistischen Parolen hatte anhören müssen, entdeckte er eine Waffe, die noch wirksamer war als die Gehirnwäsche: die ‹Herzwäsche›. Unser Kopf gehorcht immer unserem Herzen, und wenn Jesus Christus unser Herz gereinigt hat, wird der Kopf unweigerlich folgen. ‹Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über› (Lukas 6,45). […] Weil Christus ihm seine Sünden vergeben hatte, hatte er jetzt die königliche Freiheit, allen seinen Mitmenschen, ja selbst seinen Feinden ihre Sünden zu vergeben. Die Kommunisten hatten für Jesus keinen Raum im Herzen. Nun gut, dann würde Richard in seinem Herzen dem Satan keinen Raum geben.»

Wir sollten die Anweisungen für den Tag beachten: «Lasst uns anständig wandeln wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden!» (Röm 13,13-4). 

Nachdem man geweckt wurde, sich umgezogen hat, verlässt man das Haus. – «Anständig wandeln wie am Tag»: Ich las hierzu, dass man das auch übersetzen kann mit: «‹Geht als solche, die am Tag wandeln›. Das gr. Wort ‹eu-schema› bedeutet ‹gute Haltung›. Wandelt als solche, die in guter Haltung, in dem Christus-Schema einhergehen.» Ein Himmelsbürger lebt am Tag, im Licht der Sonne. Da ist alles sichtbar; er hat ein gutes und reines Zeugnis. Da ist nichts verstecktes, heimliches, was man verbergen müsste. Paulus führt sechs negative Dinge auf, die paarweise erwähnt werden: 

Nicht in Schlemmerei und Saufgelagen. – Das sind Zeichen mangelnder Selbstbeherrschung und Disziplinlosigkeit. Da sieht man alles verschwommen. Da fehlt der klare Blick, der feste und gewisse Schritt aufs Ziel zu. 

Nicht in Unzucht und Ausschweifung. – Es ist belastend zu sehen, dass sich in christlichen Kreisen Ehebruch und Scheidung mehren. Oft liegt das daran, dass man die Grenze zur Welt, zur Finsternis, überschritten hat und sich im Schattenbereich aufhält. Da ist der Schritt zum Schlimmeren leicht getan. 

Nicht in Streit und Neid. – Jakobus bezeichnet Streit und Neid als Weisheit, die von unten kommt, vom Teufel (Jak 3,14-17). Und jemand stellte fest, dass Eifersucht die Gelbsucht der Seele sei. Ein Bekannter von mir schrieb: «Die Atmosphäre einer Gemeinde wird zutiefst davon bestimmt, was der Einzelne über den anderen denkt und redet. Auch wenn wir kein einziges Wort über unsere Lippen bringen, ist unsere negative Einstellung und Gesinnung dem anderen gegenüber ein Tiefschlag der Verletzung, der, wenn es davon keine Reinigung gibt, eine ganze Gemeinde zerrütten und zerstören kann. Umgedreht ist wohlwollendes Denken und Reden über den anderen eine göttliche Ausstrahlung, die wiederum eine ganze Gemeinde durchdringend belebt. Wir haben hier eine Menge Energie in der Hand, die für das Leben oder für die Erstarrung in einer Gemeinde verwendet werden kann. […] Wir können doch dem anderen nicht ins Herz hineinschauen, dass kann allein der Herr. Er wird die verborgenen Beweggründe und Entschlüsse des Herzens offenbar machen, warum dieses und jenes geschah, und dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott.»

Und so sind wir aufgerufen, den Herrn Jesus anzuziehen. – Ja, aber Christus lebt doch schon in uns! Was meint der Apostel Paulus damit? Wir sollen das Wesen und die Gesinnung unseres Herrn anziehen. Gottes Ziel ist es, dass wir so gesinnt sind, wie es Christus Jesus war (Phil 2,5). Wir sollen uns dasjenige im Glauben aneignen, was Er für uns vollbracht hat. «Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung» (1Kor 1,30). «Daher kann er auch diejenigen vollkommen erretten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er für immer lebt, um für sie einzutreten» (Hebr 7,25). – Das lässt nichts zu wünschen übrig. – Und wir sollen die Verheissungen anziehen, die Gott uns in Christus anbietet. Wie jemand sagte: «Jesus hat die Bedingung erfüllt, dass Gott dich bedingungslos liebt.»

«Pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden!» Man kann auch übersetzen: «Tut nichts mehr von dem, was eure Begierden erweckt!» Die fleischliche Gesinnung ist der Feind alles Geistlichen. Hier stehen wir im Kampf zwischen Geist und Fleisch (Gal 5,17). Daher ist es wichtig, in der Gnade und der Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus zu wachsen (2Petr 3,18).

«Denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir gläubig wurden … Der Tag ist nahe.» Und so geht es letztendlich um die lebendige Hoffnung unserer zukünftigen Erlösung. Diese ist uns in einer göttlichen Garantie zugesichert.

Jesus kommt! Er holt uns in Sein Reich. Wir haben Teil an Seinem Reich. Wir sind Kinder Gottes, Miterben Christi, Sein Leib. Ein Leben bei Gott dem Vater und Seinem Sohn in unfassbarer und unbeschreiblicher Schönheit und Vollkommenheit erwartet uns. Jede noch so schöne Natur auf Erden verblasst dagegen in Bedeutungslosigkeit. Das ist ein grosser Ansporn, diesen Dingen in unserem Leben gerecht zu werden. Wegen Seiner Liebe zu uns und aufgrund unserer Liebe zu Ihm wollen wir die angebotene Hoffnung annehmen. Dafür dürfen wir uns erwecken lassen – jetzt! Ja, bleibe nicht nur am Ufer stehen …

Norbert Lieth absolvierte seine theologische Ausbildung an der Bibelschule des Mitternachtsruf in Südamerika und war dort auf verschiedenen Missionsbasen tätig. Ein zentraler Punkt seines weltweiten Verkündigungsdienstes ist das prophetische Wort Gottes.
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