SgM 06-23

SgM 06-23

Wie sehr versagen doch die Christen gerade in diesem Punkt.

Ist die Geschichte vom Axtdieb bekannt? Ein Mann fand seine Axt nicht mehr. Er vermutete, dass der Nachbarssohn sie gestohlen hatte. Er begann, den Nachbarsjungen ganz genau zu beobachten. Und je mehr er das tat, desto deutlicher spürte er, dass dieser der Dieb war. Sein Gang war der eines Axtdiebes, sein Blick ebenfalls. Er sprach wie ein Dieb. Er schaute um sich wie ein Dieb, seine Gesten waren die eines Diebes. Nach einiger Zeit fand der Mann seine Axt wieder. Er hatte sie selbst an einer ungewohnten Stelle verlegt. Plötzlich waren der Gang des Nachbarssohnes, sein Blick, seine Gesten und Bemerkungen nicht mehr die eines Axtdiebes, sondern die eines ganz normalen jungen Mannes.

Albert Einstein sagte: «Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.»

«Wie kommst du denn dazu, den Diener eines anderen zur Rechenschaft zu ziehen? Ob er mit seinem Tun bestehen kann oder nicht, geht nur seinen Herrn etwas an. Und er wird bestehen, denn sein Herr ist in der Lage, dafür zu sorgen» (Röm 14,4; NeÜ).

Wir verurteilen so schnell nach unseren Kriterien, nach unserem eigenen Bibelverständnis. Wir urteilen pauschal, ohne uns selbst zu hinterfragen, ohne mit dem Betreffenden darüber zu reden. Wir kennen seine Motive und sein Verhältnis zum Herrn nicht. Es passt uns einfach nicht, wie er lebt. Er ist uns zu engstirnig oder zu liberal. Und weil es uns nicht gefällt, wie jener die Sache sieht, ist klar, dass er daneben liegt. Darüber vergisst man ganz und gar, dass man selbst einmal vor dem Herrn stehen wird und Rechenschaft ablegen muss. Jemand sandte mir folgenden Spruch zu: «Wenn Du nach Fehlern suchst, benutze einen Spiegel und kein Fernglas.»

Ich las etwas sehr Passendes und Ergänzendes:

«Beschäme niemals einen Menschen, so töricht und unwissend er auch sein mag, und setze ihn nie in Verlegenheit, vor allem niemals ein Kind.»
Charles Kingsley

Wo etwas nicht wirklich unbiblisch ist, sollten wir uns hüten zu richten, denn gerade darüber könnten wir gerichtet werden. Darum heisst es in Römer 14,13: «Hören wir doch auf, uns gegenseitig zu verurteilen!» (NeÜ).