Die Zukunft Babylons

Oft werden in der biblischen Prophetie zeitnahe und zeitferne Prophezeiungen miteinander verwoben, ohne dabei auf den Wechsel der Zeit hinzuweisen. Manchmal deutet eine zeitnahe Prophezeiung gleichzeitig auch auf eine weit entfernte hin. Hier den richtigen Schnitt zu finden, ist sehr wichtig.

In den Kapiteln 50 und 51 des Buches Jeremia finden wir diesen Fall vor: Einerseits geht es dort um die Naherfüllung der Eroberung Babylons durch die Meder und Perser 539 v.Chr., andererseits aber um eine noch in der Ferne liegende Erfüllung in der Endzeit.

Interessant dabei ist, dass sich Jeremia in diesen zwei Kapiteln eindringlich mit Babylon befasst, und dass auch in der Offenbarung Jesu Christi, im letzten Buch der Bibel, zwei Kapitel dem Thema Babylon gewidmet sind.

Die Fernerfüllung

Wenn wir die Weissagungen in den Kapiteln 50 und 51 des Buches Jeremia unter die Lupe nehmen, finden wir 12 Hauptpunkte, die nicht von einer Nah-, sondern ganz klar von einer Fernerfüllung sprechen.

Punkt 1

Beginnen wir mit Jeremia 50,1: «Dies ist das Wort, das der Herr über Babel, über das Land der Chaldäer, durch den Propheten Jeremia gesprochen hat.» In seiner Studienbibel schreibt John Mac­Arthur einleitend dazu: «Das Thema von Kapitel 50 und 51 … konzentriert sich auf die Eroberung Babylons 539 v.Chr. durch die Meder und Perser. Diese Vorhersagen mit Elementen einer gewaltsamen Niederlage, was bei Kores’ Eroberung nicht der Fall war, da nicht einmal eine Schlacht stattfand, deutet auf eine grössere Erfüllung hin, kurz bevor der Messias in Herrlichkeit kommt und die Ereignisse der Beschreibung genauer entsprechen (vgl. Offb 17/18).»

Ganz ähnlich schreibt William MacDonald in seinem Kommentar zum Alten Testament: «Dieses und das folgende Kapitel handeln von dem Gericht Gottes über Babel. Die Weissagungen haben teilweise Bezug auf die Eroberung Babels durch die Meder, doch liegt ihre gänzliche Erfüllung noch in der Zukunft.»

Punkt 2

«Denn von Norden zieht ein Volk gegen sie heran, das wird ihr Land zur Wüste machen, dass niemand mehr darin wohnen wird, weder Menschen noch Vieh, weil sie sich schnell davongemacht haben» (Jer 50,3).

a) Man ist allgemein der Meinung, dass die Meder und Perser Babylon nicht von Norden her eroberten, sondern von Osten ausgehend (vgl. Jes 46,11).

b) Babylon wurde bei der Eroberung der Meder und Perser nicht zu einer Wüste gemacht, ja nicht einmal zerstört. Im Gegenteil: Babylon blieb als eine wichtige Stadt der Meder erhalten. Ersichtlich wird das aus Daniel 5 und 6. Daniel lebte ja noch unter der Regierungszeit des Mederkönigs Darius in der Stadt. Und Babylon ist bis heute bewohnt geblieben.

c) Niemand floh bei der Eroberung durch die Meder und Perser aus der Stadt. Belsazar hatte sogar noch in der Nacht der Eroberung ein grosses Fest veranstaltet (Dan 5). Auch in Keilschriften wird die kampflose Kapitulation Babylons erwähnt. Und die Überlieferung sagt, dass Kores’ Truppen den Euphrat, der durch Babylon floss, umgeleitet haben und so durch das trockene Flussbett in die Stadt eingedrungen sind.1 Vielleicht wird das in Jeremia 50,38 angedeutet: «Dürre über ihre Gewässer, dass sie vertrocknen!»

Punkt 3

«In jenen Tagen und zu jener Zeit, spricht der Herr, werden die Kinder Israels kommen und die Kinder Judas mit ihnen; sie werden weinend hingehen, um den Herrn, ihren Gott, zu suchen. Sie werden den Weg nach Zion erfragen, dorthin ist ihr Angesicht gerichtet: ‹Kommt, lasst uns dem Herrn anhängen mit einem ewigen Bund, der nicht vergessen werden soll!›» (Jer 50,4-5).

Im Zusammenhang mit der in diesem Kapitel beschriebenen Zerstörung Babylons werden die Kinder Israels «in jenen Tagen und zu jener Zeit» zu ihrem Gott zurückkehren und in den neuen ewigen Bund eintreten. Diesen neuen Bund hat Jesus bei Seinem ersten Kommen aufgerichtet, worin die Gemeinde aus Juden und Heiden bereits integriert ist und in welchen der Überrest Israels bei der Wiederkunft Jesu eingegliedert wird. Bei der Einführung des Abendmahls sagte Jesus: «Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird» (Lk 22,20; vgl. Jer 31,31ff.; Hes 16,59-63; Röm 11,27).

Einige Zeit nach der Eroberung Babylons durch die Meder und Perser ist ein Teil der Juden zwar wieder zurückgekehrt: rund 50 000 (Esra 2,64-65) und der Tempel wurde wieder errichtet (Esra 3,10). So aber, wie es in Jeremia 50,4-5 beschrieben ist, fand die Rückkehr nicht statt.

Auch Jeremia 50,20 macht deutlich, dass die Bekehrung Israels mit der letztendlichen Zerstörung Babylons zusammenfällt, was damals nicht geschah: «In jenen Tagen und zu jener Zeit wird man die Schuld Israels suchen, spricht der Herr, aber sie wird nicht mehr vorhanden sein, und die Sünden Judas, aber man wird sie nicht finden; denn ich werde denen vergeben, die ich übrig lasse.» Dieser Vers findet seine Parallele in Römer 11,26-27: «… so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: ‹Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden, und das ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.›» Es geht also um eine eschatologische (endzeitliche) Zerstörung Babylons, die das Schicksal aller zwölf Stämme Israels und Judas wenden wird; deshalb reicht es weit über das damalige Geschehen hinaus und läuft auf einen Höhepunkt der Vernichtung Babylons hinaus, wie er in Offenbarung 18 beschrieben wird.

Punkt 4

Dreimal wird in den Kapiteln 50 und 51 des Buches Jeremia dem Volk zugerufen, aus Babylon zu fliehen:

«Flieht hinaus aus Babels Mitte und zieht hinweg aus dem Land der Chaldäer und seid wie Böcke vor der Herde her!» (Jer 50,8).

«Flieht hinaus aus Babel und rettet jeder seine Seele, damit ihr nicht umkommt in seiner Missetat! Denn dies ist die Zeit der Rache des Herrn; er bezahlt ihm, was es verdient hat» (Jer 51,6).

«Geht hinaus aus seiner Mitte, mein Volk, und jeder rette seine Seele vor dem grimmigen Zorn des Herrn!» (Jer 51,45).

Etwas ganz Ähnliches wird in der Offenbarung gesagt: «Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!» (Offb 18,4).

Damals flohen die Israeliten nicht vor der Zerstörung Babylons aus Babel. Erst nach der Eroberung wanderten sie aus. Das aber war keine Flucht. Daniel zum Beispiel lebte noch in der Stadt und floh keinesfalls aus ihr. Und gerade er hätte diesem Befehl des Höchsten eilends Folge geleistet!

Im endzeitlichen Babylon aber werden die Menschen aufgerufen, noch vor der Zerstörung daraus zu fliehen.

Punkt 5

In Jeremia 50,21 wird eine eigenartige Aussage gemacht, die vielleicht Aufschluss über eine Doppelerfüllung Babylons geben könnte: «Ziehe hi­nauf gegen das ‹Land des zweifachen Trotzes› und gegen die Bewohner der ‹Heimsuchung›! Mache sie nieder und vollstrecke den Bann hinter ihnen her, spricht der Herr, und mache es mit ihnen genauso, wie ich es dir befohlen habe!» Es kann auch «doppelte Widerspenstigkeit» bedeuten. Ob das eine Anspielung auf ein doppeltes Babylon ist, das Babylon damals und das Babylon der Zukunft? Auf dieses letzte Babylon könnte auch Vers 12 hindeuten: «Eure Mutter wird doch ganz zuschanden werden; die euch geboren hat, wird beschämt dastehen. Siehe, sie ist das letzte der Völker, eine dürre Wüste, eine öde Steppe!» (Jer 50,12)

a) Es gab ja noch andere Völker nach Babylon, zum Beispiel Medo-Persien, Griechenland, Rom, Grossbritanien, Nazi-Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika. Trotzdem wird Babel als «das letzte der Völker» Weist nicht auch das auf das letzte antichristliche Reich hin?

b) «Eure Mutter». Babylon wird in der Offenbarung so bezeichnet: «… und auf ihrer Stirn war ein Name geschrieben: Geheimnis, Babylon, die Grosse, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde» (Offb 17,5).

c) Und in Jeremia 51,1 heisst es über Babel: «So spricht der Herr: Siehe, ich erwecke einen Verderben bringenden Wind gegen Babel und gegen die, welche das ‹Herz meiner Widersacher› bewohnen.»

Das Herz ist der Ursprung des Bösen. Die Bibel lehrt: «Das Herz ist böse von Jugend auf» (1.Mo 8,21), und: «aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen» (Mt 15,19; vgl. Jer 17,9). In Jesaja 47,12 wird dieser Tatbestand gerade bezüglich Babels festgestellt, das schon von Jugend auf sündigte: «Tritt doch auf mit deinen Beschwörungen und mit der Menge deiner Zaubereien, mit denen du dich abgemüht hast von Jugend auf! Vielleicht vermagst du zu helfen; vielleicht kannst du Schrecken einflössen.»

Punkt 6

«Wie Gott Sodom und Gomorra samt ihrer Nachbarschaft umgekehrt hat, so soll auch dort niemand wohnen und kein Menschenkind sich dort aufhalten! spricht der Herr» (Jer 50,40). Das damalige Babylon wurde nicht wie Sodom und Gomorra plötzlich mit Feuer vom Himmel vernichtet (vgl. Jer 51,8), wohl aber wird das mit dem Babylon geschehen, das uns im letzten Buch der Bibel geschildert wird: «Darum werden an einem Tag ihre Plagen kommen, Tod und Leid und Hunger, und sie wird mit Feuer verbrannt werden; denn stark ist Gott, der Herr, der sie richtet» (Offb 18,8).

Punkt 7

«Die du an vielen Wassern wohnst und viele Schätze hast, dein Ende ist gekommen, das Mass deines Raubes ist voll!» (Jer 51,13). Diese Aussage findet ihre Parallele in Offenbarung 17,1: «… einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, kam und redete mit mir und sprach zu mir: Komm! ich will dir das Gericht über die grosse Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt.»

Es ist durchaus möglich, dass sich sowohl das antichristliche Reich als auch die antichristliche Kirche in den letzten Tagen Babylon als Hauptstadt erwählen. Die Erfüllung wird es zeigen. Jedenfalls ist die Rebellion gegen Gott von Babylon ausgegangen und könnte auch da enden. Babylon, die Wiege der Menschheit, könnte zum Sarg der Völker werden.

Punkt 8

«Siehe, ich komme über dich, spricht der Herr, du Berg des Verderbens, der du die ganze Erde verdirbst; und ich lege meine Hand an dich und wälze dich von den Felsen herunter und mache dich zu einem ausgebrannten Berg, sodass man weder Eckstein noch Grundstein von dir nehmen wird, sondern eine ewige Wüste sollst du werden! spricht der Herr» (Jer 51,25-26).

Babylon wird «Berg des Verderbens» genannt, der «du die ganze Erde verdirbst», der letztendlich «ausgebrannt» wird. Das steht in Einklang mit Offenbarung 17 und 18, wo es über das religiöse und politische Babylon heisst: «… mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben, und von deren Wein der Unzucht die, welche die Erde bewohnen, trunken geworden sind» (Offb 17,2). «Denn von dem Glutwein ihrer Unzucht haben alle Völker getrunken, und die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben, und die Kaufleute der Erde sind von ihrer gewaltigen Üppigkeit reich geworden. … Und es werden sie beweinen und sich ihretwegen an die Brust schlagen die Könige der Erde, die mit ihr Unzucht getrieben und üppig gelebt haben, wenn sie den Rauch ihrer Feuersbrunst sehen» (Offb 18,3.9). Erst danach wird Babylon zu einer ewigen Wüste werden (Jer 51,26).

Punkt 9

«Wie ist Scheschak erobert worden und eingenommen der Ruhm der ganzen Erde! Wie ist Babel zum Entsetzen geworden unter den Heidenvölkern!» (Jer 51,41).

Wer ist Scheschak? Er scheint in direkter Verbindung zu Babel zu stehen. Dieser Name kommt schon einmal vor, und zwar in Kapitel 25, wo es heisst: «Da nahm ich den Kelch aus der Hand des Herrn und liess alle Völker trinken, zu denen der Herr mich gesandt hatte … dazu alle Könige des Nordens, die nahen und die fernen, einen wie den anderen, und alle Königreiche der Erde, die auf dem Erdboden sind – und der König von Scheschak soll nach ihnen trinken!» (Jer 25,17.26).

Selbst das Biblische Namenlexikon von Abraham Meister legt diesen Namen nicht aus, sondern erklärt dazu lediglich: «Geheimname für Babel, nach der Buchstabenumstellung, die Athbasch genannt wird.»

Warum ist ein solcher Geheimname nötig, wenn doch sonst immer offen über Babylon gesprochen wird? Babel bzw. Babylon wird im Jeremiabuch 164-mal erwähnt, mehr als in der ganzen übrigen Bibel.

Weshalb wird im Zusammenhang mit Babel bzw. Babylon der geheimnisvolle Name Scheschak erwähnt? Die meisten Ausleger sind der Meinung, dass es sich dabei um ein verschlüsseltes Wort für Babylon handelt, um ein «Buchstabenrätsel, zu dem Weisheit und Verständnis gehört» (so John F. Walvoord). Aber es ist niemandem klar, warum Jeremia diesen Namen verschlüsselte, denn das Gericht über Babel war bereits bekannt, weil es von ihm selbst angekündigt worden war.

Vielleicht kommen wir der Sache etwas näher, wenn wir Parallelen dazu heranziehen:

  • Scheschak hat einen König: den «König von Scheschak» (Jer 25,26). Die Bibel verkündet, dass am Ende der Tage ein antichristlicher Herrscher («König») auftreten wird (Offb 13,1ff.; 17,3).
  • «Scheschak» bezeichnet Babylon als ein Gebiet, das der Ruhm der ganzen Erde geworden ist, danach aber zum Entsetzen für alle Heidenvölker werden wird (Jer 51,41). Das Reich des antichristlichen Weltherrschers wird zur Bewunderung, ja sogar zum Ruhm der ganzen Welt (Offb 13,4; 18,3), später aber zum Entsetzen aller Völker werden (Kap 18,15).
  • Scheschak bzw. Babylon war ein «Kelch», aus dem die Völker tranken, doch zuletzt musste er bzw. es selbst daraus trinken. Das letzte Babylon wird zu einem Gefäss, woraus zunächst alle Völker trinken werden, doch am Schluss muss es selbst daraus trinken (Offb 18,6).
  • Schliesslich ist «Scheschak» ein Geheimname. Und so wie Scheschak ein Geheimname war, so ist auch das letzte antichristliche Babylon ein Geheimnis (Offb 17,5.7). Die Zahl des letzten antichristlichen Herrschers bzw. die Zahl seines Namens (666) ist ebenfalls ein Geheimnis, zu dessen Berechnung Weisheit und Verstand gehören (Offb 13,18).

Ob «Scheschak» deshalb wohl ein Synonym für den letzten antichristlichen Herrscher und sein Reich ist? Wurde das damalige Babylon von Jeremia darum so geheimnisvoll «Scheschak» genannt, weil es auf das Geheimnis des letzten Babylon hinweisen soll? Es gibt viele Namen und Symbole für den Antichristen, vielleicht ist der Name «Scheschak» einer davon.

Der Prophet Habakuk, der ebenfalls den Untergang Babylons prophezeite, schrieb deshalb in Anlehnung an den kommenden Antichristen: «Der übermütige Mann wird nicht bleiben; er, der seinen Rachen weit aufgesperrt hat wie das Totenreich und unersättlich ist wie der Tod, dass er alle Völker zu sich sammeln und alle Nationen an sich ziehen will. Werden nicht diese alle einen Spruch über ihn anheben und ein Spottlied in Rätseln auf ihn anstimmen? Man wird sagen: Wehe dem, der sich bereichert mit dem, was ihm nicht gehört – wie lange noch? –, und der sich mit Pfandgut beschwert!» (Hab 2,5-6).

Punkt 10

Ich weiss nicht, ob man es so sagen kann, aber werden wir beim Lesen von Jeremia 51,45-46 nicht an die heutige Situation im Irak erinnert? Da steht: «Geht hinaus aus seiner Mitte, mein Volk, und jeder rette seine Seele vor dem grimmigen Zorn des Herrn! Dass nur euer Herz nicht verzage und ihr euch nicht fürchtet vor dem Gerücht, das man im Land hören wird, wenn in einem Jahr dieses und im anderen Jahr jenes Gerücht kommt und Gewalttätigkeit verübt wird im Land und ein Herrscher sich gegen den anderen erhebt!»

Nachdem es bereits zu verschiedenen Fluchtwellen aus dem Irak gekommen war, soll es im Herbst 1990, also kurz vor dem Beginn des Golfkrieges 1991, nur noch 150 Juden im Irak gegeben haben, die dann in den kommenden Jahren auch noch das Land verliessen. Dann kam der 1. und 2. Golfkrieg und heute haben wir die Verhältnisse im Irak, wie sie in Vers 46 beschrieben sind: Gerüchte, Gewalttätigkeiten, Terror und Herrschaftsstreitereien:

  • «… in einem Jahr dieses und im anderen Jahr jenes …» Die Auseinandersetzungen im Irak ziehen sich schon über Jahre hin.
  • Gerüchte = Medienübermittlung
  • Gewalttätigkeiten im Land = terroristische Selbstmordanschläge
  • «… und ein Herrscher sich gegen den anderen erhebt!» Die Schiiten erheben sich gegen die Sunniten. Im Irak herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände, das Land wird von einer Welle der Gewalt überrollt.

Es scheint, als wenn mit dem Sturm der Alliierten auf den Irak eine der letzten Phasen unserer Weltgeschichte eingeläutet worden wäre.

Punkt 11

«Himmel und Erde samt allem, was in ihnen ist, werden dann über Babel jubeln …» (Jer 51,48) – wenn es untergeht. Die neutestamentliche Pa­rallele dazu finden wir in Offenbarung 18,20: «Freut euch über sie, du Himmel und ihr heiligen Apostel und Propheten; denn Gott hat euch an ihr gerächt!»

Punkt 12

«Und es soll geschehen, wenn du dieses Buch zu Ende gelesen hast, so binde einen Stein daran und wirf es mitten in den Euphrat, und sprich: ‹So soll Babel versinken und nicht wieder hochkommen infolge des Unheils, das ich über es bringen werde; und sie werden erliegen!›» (Jer 51,63-64). Und in Offenbarung 18,21 heisst es: «Und ein starker Engel hob einen Stein auf, wie ein grosser Mühlstein, und warf ihn ins Meer und sprach: So wird Babylon, die grosse Stadt, mit Wucht hingeschleudert und nicht mehr gefunden werden!»

Meines Erachtens sind die Parallelen so stark, dass wir davon ausgehen können, dass es noch zu einem letzten endzeitlichen Babylon kommen wird.

Der Kampf Gottes für Sein Volk

Die Kapitel über Babylon zeigen uns deutlich, dass mit Gott nicht zu spassen ist. Mit aller Ernsthaftigkeit geht daraus hervor, dass der Herr der Gott Israels ist und bleibt und dass Er für Sein Volk streitet, und zwar durch alle Generationen hindurch. Das haben sowohl das assyrische und babylonische Reich erfahren müssen wie auch unzählige andere Völker und Reiche, das ist dem Nazireich widerfahren und auch das letzte antichristliche Reich wird das zu spüren bekommen.

Der Grund für den Fall Babylons wird unter anderem in Jeremia 50,24 angegeben: «… du bist ertappt und ergriffen worden; denn du hast dich gegen den Herrn aufgelehnt.» Andere Übersetzungen sagen: «… denn du hast den Herrn herausgefordert», «… denn mit dem Herrn hast du dich in Kampf eingelassen», «… weil du Krieg mit dem Herrn angefangen hast.»

Wieso «gegen den Herrn»? Weil Er der Gott Israels ist und bleibt! Hier wird das Prinzip deutlich: «Denn so spricht der Herr der Heerscharen … wer euch (Israel) antastet, tastet meinen Augapfel an» (Sach 2,12; vgl. auch Ps 83,3-4). Gott hat sich so sehr mit Seinem Volk identifiziert, dass wer dieses Volk schlägt, Gott schlägt.

Dann aber schlägt Gott zurück. In Jeremia 51,35-36 sagt es Gott durch den Propheten so: «‹Der Frevel, der an mir und meinem Fleisch begangen wurde, komme über Babel!› spreche die Bewohnerin von Zion, ‹und mein Blut komme über die Bewohner von Chaldäa!› spreche Jerusalem. Darum, so spricht der Herr: Siehe, ich will deine Rechtssache führen und die Rache für dich vollziehen …»

Immer wieder wird des Herrn Rache gegen Babel bzw. Babylon wegen Seines Volkes Israel erwähnt (vgl. z.B. Jer 50,11-13.15.17-18; 51,5-6.11.24.35-36.51-52.56).

Obwohl Israel dem Zustand nach nicht seiner Berufung entspricht, ist es der Erwählung nach doch das berufene Volk Gottes! Das sollten sich alle Völker und auch die Kirchen, bei aller Feindschaft gegenüber Israel, vor Augen halten! Denn nicht umsonst steht in Römer 11,28-29 geschrieben: «‹Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen. Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.» Darum wollen auch wir uns die Worte zu Herzen nehmen: «Gedenkt in der Ferne an den Herrn, und Jerusalem sei das Anliegen eures Herzens!» (Jer 51,50). Hier sehen wir wieder die Verbindung oder Identifizierung des Herrn mit Israel. Wer an den Herrn denkt, hat auch Jerusalem im Herzen.

Der Erlöser Israels ist stark

Wer gegen den Herrn streitet, wird immer unterliegen und den Kürzeren ziehen. Wer nicht auf Seiner Seite steht, befindet sich auf der falschen Seite. Wer aber auf der Seite Gottes steht, muss auch auf der Seite Israels stehen.

Der Prophet Jeremia sagt es so: «Aber ihr Erlöser ist stark, Herr der Heerscharen ist sein Name; er wird ihre Rechtssache gewisslich führen, damit er dem Land Ruhe verschaffe, den Bewohnern von Babel aber Unruhe» (Jer 50,34; vgl. Offb 18.8). Dieser Erlöser ist kein anderer als der Herr Jesus, der in Jesaja 9,5 so angekündigt und genannt wird: «Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben … und man nennt seinen Namen: … starker Gott …» Durch Seinen Propheten ruft Er: «… alles Fleisch soll erfahren, dass ich, der Herr, dein Heiland bin und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs» (Jes 49,26). Der Heiland, der in Bethlehem geboren ist, ist der Erlöser Israels. Und bei Seiner Wiederkunft wird Er das unter Beweis stellen: «… es wird ein Erlöser kommen für Zion und für die in Jakob, die sich von der Übertretung bekehren, spricht der Herr» (Jes 59,20). «… so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: ‹Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden›» (Röm 11,26; vgl. Jer 50,19-20; 51,5.10.19).

Eine erschreckende Feststellung

In Jeremia 51,58 heisst es: «… und daher arbeiten die Völker vergebens, und die Nationen mühen sich für das Feuer ab, und sie werden aufgeben!» Der Prophet Habakuk beschreibt den Untergang Babylons und die darauf folgende Wiederkunft des Herrn mit ähnlichen Worten: «Wehe dem, der Städte mit Blut baut und Ortschaften auf Ungerechtigkeit gründet! Siehe, kommt es nicht von dem Herrn der Heerscharen, dass Völker fürs Feuer arbeiten und Nationen für nichts sich abmühen? Denn die Erde wird erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken» (Hab 2,12-14). Alle Investitionen, welche die Völker ins letzte antichristliche Babylon steckten, alle politischen Kräfte, die sie dafür einsetzten, den ganzen Aufbau, den sie tätigten und alle Bemühungen, die sie angestrengt haben, all das wird umsonst gewesen sein. Am Ende bleibt nur ein jämmerliches Klagen übrig, denn es heisst: «… und sie wird mit Feuer verbrannt werden; denn stark ist Gott, der Herr, der sie richtet. Und es werden sie beweinen und sich ihretwegen an die Brust schlagen die Könige der Erde, die mit ihr Unzucht getrieben und üppig gelebt haben, wenn sie den Rauch ihrer Feuersbrunst sehen» (Offb 18,8-9).

Das charakterisiert ein Leben ohne Jesus. Wer meint, sich den Himmel durch eigene Anstrengungen verdienen zu können («Tue recht und scheue niemand!»), ohne Jesu stellvertretendes Sühnewerk am Kreuz von Golgatha im Glauben anzunehmen, dem bleibt schlichtweg nichts, als nur ein Klagen in Ewigkeit. Wahren und bleibenden Wert hat eben nur das, was man eine Minute nach dem Tod noch haben wird. Ist es Jesus, dann hat man alles; ist es nicht Jesus, dann hat man nichts!

Darum lassen Sie das Wort für Israel auch für Ihr Leben gelten: «In jenen Tagen und zu jener Zeit wird man die Schuld Israels suchen, spricht der Herr, aber sie wird nicht mehr vorhanden sein, und die Sünden Judas, aber man wird sie nicht finden; denn ich werde denen vergeben, die ich übriglasse» (Jer 50,20).

Noch leben Sie und sind nicht gestorben. Lassen Sie sich Ihre Sünden vergeben, dann wird man sie nie mehr finden, denn Ihr Erlöser ist stark!

1 Das grosse Handbuch zur Bibel, S. 480, Brockhaus-Verlag

Norbert Lieth absolvierte seine theologische Ausbildung an der Bibelschule des Mitternachtsruf in Südamerika und war dort auf verschiedenen Missionsbasen tätig. Ein zentraler Punkt seines weltweiten Verkündigungsdienstes ist das prophetische Wort Gottes.
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