Die Erkenntnis eines Philosophen

Da ist ein Philosoph zeit seines Lebens damit beschäftigt, in der Erkenntnis des Seins weiterzukommen und die Anfangsgründe, das Unvergängliche und Ewige gedanklich zu ergründen, nur um am Ende den traurigsten aller Schlüsse zu ziehen: «Das Leben hat keinen Sinn.»

Die Zürcher Landzeitung veröffentlichte im Juli einige Aussagen des französischen Philosophen Claude Lévi-Strauss, der im November letzten Jahres 100 Jahre alt wurde:

«‹Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leben keinen Sinn hat, dass nichts irgendeinen Sinn hat›, sagte Lévi-Strauss im ‹Cicero›. Von allen Religionen fühle er einzig zum Buddhismus eine Affinität. ‹Zum einen, weil er keinen persönlichen Gott kennt, zum andern, weil er zulässt, dass es keinen Sinn gibt, dass in der Abwesenheit des Sinns, im Nicht-Sinn, die letzte Wahrheit liegt. Diese Art von Glauben kann ich ohne Weiteres akzeptieren› … ‹Ich gestehe, dass der Gedanke, ins Nichts überzugehen, mir zwar nicht behagt, mich aber auch nicht beunruhigt›…»

In der Abwesenheit des Sinns (Nicht­Sinn) soll also der Sinn liegen? Dass dann alles sinnentleert und somit sinnlos wird, ist begreiflich. So kann man zu keinem anderen Resultat kommen, als zu diesem. Das Ziel des Buddhismus liegt im Nirwana, in der totalen Nichtexistenz. Das ist keine Hoffnung, dafür ist uns unser Leben nicht gegeben.

Die Philosophie wird auch als «Liebe zur Weisheit» beschrieben. Bereits über 900 Jahre vor Christus gab es einen königlichen «Philosophen», der erfüllt war mit der Weisheit Gottes. Er machte sich Gedanken über das Leben und den Sinn desselben und schrieb seine Gedanken darüber nieder. Die Rede ist von Salomo. Seine schriftlichen Aufzeichnungen finden sich im Predigerbuch. Er kommt zum Resultat, dass alles im Leben sinnentleert ist, wenn der Sinngeber – das ist Gott – darin nicht vorkommt.

«Ich, der Prediger, war König über Israel in Jerusalem. Ich richtete mein Herz darauf, mit Weisheit alles zu erforschen und zu ergründen, was unter dem Himmel getan wird. Das ist ein mühseliges Geschäft, das Gott den Menschenkindern gegeben hat, damit sie sich mit ihm plagen sollen» (Pred 1,12-13).

Tatsächlich scheint alle Philosophie, die Gott ausklammert, nichts weiter als ein mühseliges Geschäft zu sein, das nie wirklich zu einem sinnvollen Resultat führt. Darum schreibt der Prediger auch: «Alle Worte sind unzulänglich, der Mensch kann es nicht in Worten ausdrücken» (Pred 1,8). Die Philosophie vermag das, was Gott geschaffen hat, die Anfangsgründe, die Ursachen und Elemente aller Dinge, das Vergängliche und Unvergängliche, mit Worten nicht völlig zu erschöpfen. Den Sinn des Lebens findet man nur in Dem, der der Sinn des Lebens ist, in Jesus Christus. Nur in Ihm findet man die Antwort zu Herkunft, Zweck und Ziel des Daseins.

König Salomo besass Macht und war unendlich reich, sein Einfluss durchzog die damalige Welt, seine Intelligenz und Weisheit waren unerreicht und sein Erfolg war grenzenlos. Alles, was er sich wünschte, konnte er sich leisten. Andere Machthaber bewunderten ihn und waren fasziniert von seiner Weisheit und der Ausdehnung seines Reichs. Die Welt lag ihm zu Füssen und alle Türen standen ihm offen. Doch eines hatte er verloren, seine Beziehung zu Gott, der ihm all dies geschenkt hatte. Salomo kam zu dem Punkt, wo er erkannte, dass alle erreichten Ziele keinen Sinn ergeben, wenn der Gott des Lebens darin nicht mehr vorkommt: «Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne?» (Pred 1,3).

Salomo selbst wird zum Paradebeispiel für ein Leben, in dem alles im Überfluss vorhanden ist und alles ausprobiert wird, und das sich doch nicht lohnt, weil es nicht mit dem Herrn des Lebens erfüllt ist. Beim Lesen seines Predigerbuchs kann man zusammentragen, was er alles versuchte und ausprobierte, um dann doch immer wieder zu bezeugen, dass alles nur eitel und ein Haschen nach Wind ist, dass alle Mühe sinnlos ist und nichts bleibt. Über alle Taten, die er gesehen hatte, stellte er diese Behauptung auf (1,14).

Salomo hatte seine eigene Weisheit und Erkenntnis bewusst vergrössert und darüber hinaus auch eine Fülle von beidem bei anderen gesehen (1,16-18). Er versuchte es mit Freude und Genuss und mit grossartigen Werken. Er verstand es, das Gute zu geniessen, baute Häuser und pflanzte Weinberge, Gärten und Parkanlagen. Es fehlte ihm nicht an Dienern, an Besitz von Rinderherden und Kleinvieh oder an Silber und Gold. Es gab genügend Zeitvertreib und genügend Ruhe. Salomo hatte viele Frauen; er wurde mächtiger und mächtiger und er versagte seinem Herzen keine Freude. Doch wieder stellte er fest: «Als ich mich aber umsah nach all meinen Werken, die meine Hände gemacht hatten, und nach der Mühe, die ich mir gegeben hatte, um sie zu vollbringen, siehe, da war alles nichtig und ein Haschen nach Wind, und nichts Bleibendes unter der Sonne!» (Pred 2,11).

Die Enttäuschungen nach den Genüssen des Lebens machten Salomo lebensmüde. Es kam zur Resignation, zur Verzweiflung, zum Kummer und zur Schlaflosigkeit: «Da hasste ich das Leben …» (2,17). «Ich hasste alle meine Mühen …» (2,18). «Da wandte ich mich ab und überliess mein Herz der Verzweiflung …» (2,20). «Denn alle seine Tage sind Kummer, und seine Geschäftigkeit ist Verdruss; sogar bei Nacht ruht sein Herz nicht. Auch das ist Eitelkeit» (2,23).

Doch Salomo blieb hierbei nicht stehen. Er besann sich von Neuem auf den Herrn: «Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne dass der Mensch das Werk, welches Gott gewirkt hat, von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag» (Pred 3,11).

Da ist etwas im Herzen, das manche Menschen unterdrücken wollen, indem sie es mit anderen Dingen überhäufen. Es ist das Bewusstsein der Ewigkeit! Nicht die Evolutionstheorie, nicht die Angebote der Welt, keine Philosophie, auch nicht der Atheismus kann dieses Bewusstsein vollkommen auslöschen. Gerade diese «Unsicherheit», das Nachdenken über die Ewigkeit, ist ein Beweis für die Ewigkeit und damit für die Existenz Gottes, also auch dafür, dass es einen tieferen Sinn des Lebens gibt. Diesen Gott der Ewigkeit braucht der Mensch. Warum sonst bleibt ohne Ihn alles sinnlos? Weil Er die Antwort und die Fülle und die vollkommene Liebe ist. Salomo kommt daher am Ende seines Buches zu dem Schluss: «Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus. Denn Gott wird jedes Werk vor ein Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse» (Pred 12,13-14).

Der «ganze Mensch», das bedeutet, dass das Leben erst dann sinnerfüllt ist, wenn man zu Gott findet. Ohne Ihn fehlt immer etwas. Dieser wahre Gott, der Seine Ewigkeit in unsere Herzen eingraviert hat, offenbart sich in und durch Jesus Christus. Jesus hat alle Gebote Gottes vollkommen erfüllt. Darum wird jeder, der sich diesem Herrn zuwendet, vollkommen gerecht. Der Mensch kann kein besseres Werk tun, kein grösseres Gebot erfüllen, als an Jesus Christus zu glauben.

«Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, um die Werke Gottes zu wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat» (Joh 6,28-29).

Wer sich diesem Herrn des Lebens glaubensvoll anvertraut, der hat sein Leben mit Sinn und Wert gefüllt, der wird nicht mehr ruhelos auf der Suche bleiben oder enttäuscht und lebensmüde resignieren müssen. Er wird den Sinn seines Daseins gefunden haben und in Ewigkeit bleiben. Jeder Mensch lebt ohnmächtig unter der Sonne, ein wahrer Mensch und wahrer Gott aber lebt allmächtig über der Sonne: Jesus Christus.

Norbert Lieth absolvierte seine theologische Ausbildung an der Bibelschule des Mitternachtsruf in Südamerika und war dort auf verschiedenen Missionsbasen tätig. Ein zentraler Punkt seines weltweiten Verkündigungsdienstes ist das prophetische Wort Gottes.
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