Gottes Hauptwaschgang

Sie kennen sicher diese schmucken Waschmaschinen, die dafür sorgen, dass unsere Kleider wieder sauber werden und nicht mehr stinken. Es gibt die Schonwäsche, die Vorwäsche, die Hauptwäsche und – wenn ich etwas falsch gemacht habe – auch noch eine Nachwäsche usw. Um Reinigung geht es auch in Hesekiel 36, nämlich die Reinigung des Volkes Israel.

Einleitend sei gesagt, dass der Gott Israels – der Herr aller Herren und einzig wahre Schöpfergott – das Volk der Israeliten für sich geschaffen hat. Und er hat verheissen, sein Volk, das immer wieder tief in Sünde gefallen ist, wiederherzustellen. Dazu bedarf es einer absoluten und vollständigen Reinigung (vgl. Jes 43,1-3.5-7).

Diese Reinigung geschieht nicht im Schonverfahren, sondern durchläuft bis zur endgültigen Wiederherstellung alle Stufen eines Reinigungsprozesses, einschliesslich des Schleudergangs, wie es uns die Geschichte Israels verdeutlicht.

1. Israels Heimholung

«Denn ich will euch aus den Heidenvölkern herausholen und aus allen Ländern sammeln und euch wieder in euer Land bringen. … Und ihr sollt in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein» (Hes 36,24.28).

Ich setze voraus, dass ich Ihnen nicht viel von der Geschichte Israels erzählen muss. Des Zusammenhangs wegen will ich kurz auf die Zerstreuung eingehen. Wenn hier davon die Rede ist, dass Israel aus den Heidenvölkern herausgeholt wird, setzt das voraus, dass dieses von Gott erwählte Volk zuvor unter die Nationen zerstreut wurde (Hes 36,19).

Für diese Zerstreuung gab es drei herausragende Ereignisse:

  1. die Zerstreuung des Nordreiches Israel unter die Assyrer im Jahr 722 v. Chr., bevor Hesekiel lebte;
  2. die babylonische Gefangenschaft Judas (Südreich), beginnend um 600 v. Chr., zu Hesekiels Lebzeiten;
  3. die Versklavung der Juden durch die Römer ab 70 n. Chr., lange nach Hesekiels Tod.

Spätestens seit dem 2. Jahrhundert nach Christus, mit dem letzten jüdischen Aufstand gegen die Römer, waren die Juden in aller Welt zerstreut. Als Hesekiel seine Prophezeiungen niederschrieb, war die Verbannung des Nordreichs bereits geschehen (Vergangenheit); die babylonische Gefangenschaft des Südreichs war Gegenwart; die römische Zerstreuung lag aus seiner Perspektive noch in der Zukunft (rund 600 Jahre später).

Betrachten wir unseren Text, so stellt sich die Frage, auf welches dieser drei Ereignisse sich Hesekiel 36,24 bezieht. Letztlich geht es um die Heimholung der Kinder Israels am Ende der Zeit. Zwar spielt die Rückkehr aus dem babylonischen Exil eine Rolle: sie war die Naherwartung der Juden und die Situation, aus der Hesekiel schrieb. Doch seine Visionen zielen darüber hinaus: nicht nur auf Juda, sondern auf ganz Israel, und sie blicken bis in das Ende der Zeit, sprich in das Tausendjährige Reich.

Das verdeutlicht: Die Geschichte Israels ist nicht zu Ende, und das Volk der Juden wird niemals – ich betone: niemals – ausgelöscht werden. Geht es um die «Endlösung» der Juden, spricht Gott das letzte Wort, ganz nach Jesaja 54,7-8: «Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen … aber mit grossem Erbarmen werde ich dich sammeln. Im aufwallenden Zorn habe ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade werde ich mich über dich erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.»

Bei allen Gerichtsandrohungen und Strafgerichten hat Gott immer wieder verheissen, dass Israel wiederhergestellt wird. Jedes Gericht bedeutete nie das Ende Israels, sondern Reinigung, Läuterung und Neuanfang. Der Schleudergang war und ist nötig, um vollständig gereinigt vor Gott stehen zu können. Gott hat sich immer einen Überrest bewahrt, um mit seinem Volk zum Ziel zu kommen. Ungehorsam und Sünde bleiben nie ohne Konsequenz; sie rufen zuweilen die ganze Härte des Zorns Gottes hervor. Dennoch kann Gott sich nicht selbst verleugnen; er wird seinen Heils- und Erlösungsplan, in dem Israel eine entscheidende Rolle spielt – auf jeden Fall vollenden. So heisst es in 5. Mose 30,4: «Wenn deine Verstossenen am Ende des Himmels wären, selbst von dort wird der HERR, dein Gott, dich sammeln, und von dort wird er dich holen.» Ist das nicht gewaltig? Überspitzt formuliert: Selbst wenn Juden den Mars besiedelten, würde Gott dafür sorgen, dass sie von antisemitischen «Marsmännchen» vertrieben und nach Israel zurückgebracht werden – ob sie wollen oder nicht.

Letztlich geht es bei dieser Heimholung nicht nur um die Rückführung ins verheissene Land, sondern um die Rückführung zu dem Gott ihrer Väter, untrennbar verbunden mit Land und der Stadt Jerusalem (vgl. Hes 36,28).

Israel wird in das Land seiner Väter zurückgeführt, um mit dem Gott seiner Väter versöhnt zu werden. Dieser Prozess ist in vollem Gange. Wir, die wir in diesen bewegenden Zeiten leben, dürfen diese gegenwärtig fortlaufende Prophetie mit eigenen Augen und Ohren wahrnehmen. Welch ein Vorrecht! Auch von dem, was in Amos 9 geschrieben steht, sind wir unmittelbare Zeugen:

«Und ich will das Geschick meines Volkes Israel wenden, und sie werden die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen, Weinberge pflanzen und deren Wein trinken, Gärten anlegen und deren Früchte geniessen. Und ich werde sie einpflanzen in ihr Land; und sie sollen aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, nicht mehr herausgerissen werden!, spricht der HERR, dein Gott» (Am 9,14-15).

Kanaan, das verheissene Land, wurde als Land beschrieben, in dem Milch und Honig fliessen. Durch Götzendienst und Ungehorsam kam es dennoch wiederholt zu Hungersnöten. Später, nach der römischen Versklavung, blieben nur wenige Juden im Land; es verkam zur Wüste und malariaverseuchten Sumpflandschaft. Mark Twain schrieb 1867 in seinem Reisebericht: «Von allen Ländern mit öder Landschaft muss dies der Gipfel sein.» Keine gute Werbung für eine Israelreise. Das damalige Palästina war ein unwirtliches Land, in dem mehr Ziegen als Menschen wohnten und für das sich kaum jemand interessierte. Jetzt aber, nachdem die Juden aus Gottes Gnaden in das Land ihrer Väter zurückgeführt wurden, sehen wir bereits etwas von dem, was sich noch vervollständigen wird: Das einst karge Land erblüht, gedeiht und wächst – und es wird noch herrlicher werden.

2. Israels Reinigung

«Und ich will reines Wasser über euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von aller eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut. … Und ich will euch befreien von allen euren Unreinheiten, und ich will dem Korn rufen und es vermehren und keine Hungersnot mehr über euch kommen lassen. Ich will auch die Früchte der Bäume und den Ertrag des Feldes vermehren, damit ihr künftig nicht mehr die Schmach des Hungers unter den Heidenvölkern tragen müsst. Dann werdet ihr an eure bösen Wege gedenken und an eure Taten, die nicht gut waren, und ihr werdet vor euch selbst Abscheu empfinden wegen eurer Sünden und wegen eurer Gräuel» (Hes 36,25-27.29-31).

Die Heimholung in das von Gott gegebene Land ist nicht das Ende von Gottes Heilshandeln an seinem Volk, sondern ein Schritt hin zum Ziel, gewissermassen die Vorwäsche. Letztlich geht es um den Hauptwaschgang: um Reinigung und geistliche Wiederherstellung.

Was hier ins Auge sticht, ist das allüberragende «Ich» Gottes: «Ich will reines Wasser über euch sprengen … und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.» Im Gesetz musste sich jeder, der sich verunreinigt hatte, den Reinigungsvorschriften unterziehen (vgl. 4Mo 19). Das ist das Prinzip des Gesetzes, der Weg von unten nach oben: Der Mensch bringt Gott etwas dar (Opfer, Gabe, Waschung). In unserem Text aber heisst es: Gott sprengt reines Wasser auf das Volk, Gott reinigt es von all seinen Unreinheiten. Das ist das Prinzip der Gnade, der Weg von oben nach unten. Der Hebräerbrief weist auf die alttestamentliche Reinigung hin und erklärt zugleich, dass der Herr Jesus diese Reinigung vollbracht hat (Hebr 10,19.22).

Alle Versuche des Menschen von unten nach oben sind zum Scheitern verurteilt: Sie können allenfalls vorübergehend lindern, aber nicht wirklich heilen. Um im Bild zu bleiben: Die menschliche Waschung nimmt den oberflächlichen Schmutz, aber die innere Verunreinigung bleibt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der äussere Schmutz wieder hervortritt und der frische Duft der Reinigung dem Gestank der Sünde weicht. Hier aber ist von «reinem Wasser» die Rede, das nicht nur Symptome und Äusseres betrifft, sondern Ursache, Inneres und Wurzel allen Übels. Eine solch vollständige, porentiefe Reinigung kann nur Gott vollziehen. Sie ist zwingend notwendig, damit Israel seinem Gott wieder begegnen kann und sich die Verheissungen erfüllen, die bereits Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua und David gegeben wurden. Ganz nach Jesaja 44,21-22: «Ihr Israeliten, ihr Nachkommen Jakobs, denkt immer daran: Ich habe euch geschaffen, ihr gehört zu mir und seid meine Diener! Niemals werde ich euch vergessen. Eure Schuld und alle eure Sünden habe ich euch vergeben. Sie sind verschwunden wie Wolken, wie Nebelschwaden in der Sonne. Kommt zurück zu mir, denn ich habe euch erlöst!»

Beachten wir, dass Gott nicht sagt: «Kommt zurück, und dann werde ich euch erlösen», sondern: «Ich habe euch erlöst; deshalb könnt ihr zurückkehren.» Das ist die Treue Gottes, das ist Gnade, der Weg von oben nach unten!

Die Vorwäsche – die Heimholung – ist praktisch vollzogen, wenn auch noch nicht abgeschlossen. Vollendet wird sie am Ende der Tage, zeitgleich mit der geistlichen Wiederherstellung Israels, wenn es gleichsam zu einer «vertikalen Entrückung» der letzten Juden ins verheissene Land kommt (vgl. Hes 39,28). Der Hauptwaschgang ist bereits programmiert und teilweise im Gange. Wir sehen es dort, wo immer mehr Juden an den Herrn Jesus glauben. Der Höhepunkt steht noch aus und wird ein beschwerlicher Weg: der Schleudergang, an dem Israel nicht vorbeikommt. «Die Angst Jakobs» aus Jeremia 30 – die «grosse Trübsal» – bildet den trüben Höhepunkt in Gottes Reinigungsprozess an seinem Volk; das, was Israel dann noch durchstehen muss, wird selbst die Schrecken des Holocaust übertreffen. Nur ein Überrest vom Überrest wird überleben und zur Busse geführt werden. So heisst es in Sacharja 13,8: «Und es soll geschehen, spricht der HERR, dass im ganzen Land zwei Drittel ausgerottet werden und umkommen, ein Drittel aber soll darin übrigbleiben.»

In Hesekiel 36,26 heisst es weiter: «Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen.»

Auch das ist ein Akt, der nur von oben nach unten, durch Gottes Gnade, geschehen kann. Es erinnert stark an den neuen Bund, der in Jeremia verheissen ist (Jer 31,31-33): Gott legt sein Gesetz in ihr Inneres und schreibt es auf ihr Herz. Das alte Herz, das «steinerne Herz», ist hart, unvernünftig, rebellisch und auf das eigene Ich bezogen. Das neue, «fleischerne Herz» ist gehorsam, verständig und begnadigt, auf Gott und den Erlöser fokussiert. Ein solches Herz sollte jeder von uns haben! Das beinhaltet ein Leben im Geist, weg von mir und meinem eigenen Selbst (in dem nichts Gutes wohnt) hin zu Gott, dem alle Ehre gebührt. «… und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut» (Hes 36,27). Das bedeutet: Ohne Gottes Geist, ohne das neue Herz und ohne seine Gnade ist das Volk Israel niemals imstande, gottwohlgefällig zu leben. Uns geht es nicht anders: Ohne den Geist Gottes entsprächen wir nie Gottes Wohlgefallen und seiner Gerechtigkeit.

Auch die Rückkehr ins Land wäre ohne Gott nicht zu bewerkstelligen gewesen; sie entsprang allein seiner Gnade und Führung (Ps 124,1-3).

Niemals wären die Juden in das von Gott versprochene Land zurückgekehrt, wenn Gott es nicht gewollt und geführt hätte. Selbst wenn sie aus eigener Kraft zurückgekehrt wären, wären sie ohne Gottes Schutz längst wieder vertrieben oder gar vernichtet worden. Ohne Gott gäbe es dieses Land und dieses Volk nicht mehr! Wie viel mehr gilt das für die geistliche Rückkehr und Wiederherstellung Israels. Würde Gott nicht selbst eingreifen, würde es nicht immer wieder heissen «Ich will …» (oder: «ich werde»), dann würde Israel den Messias nie annehmen, sondern im versteinerten Herzen verharren. Doch so spricht Gott: «Ich werde euch aus den Nationen holen. Ich werde euch aus allen Ländern sammeln. Ich werde euch in euer Land bringen. Ich werde reines Wasser auf euch sprengen. Ich werde euch ein neues Herz geben und das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen. Ich werde das Geschick meines Volkes Israel wenden. Ich werde machen, dass …» — alles zur Rettung und Erlösung
Israels und aller, die sich retten lassen wollen.

3. Gottes Verherrlichung

«Dann werdet ihr an eure bösen Wege gedenken und an eure Taten, die nicht gut waren, und ihr werdet vor euch selbst Abscheu empfinden wegen eurer Sünden und wegen eurer Gräuel. Nicht euretwegen werde ich dies tun, spricht GOTT, der Herr, das sollt ihr wissen! Schämt euch und errötet über eure Wege, ihr vom Haus Israel!» (Hes 36,31-32). Und: «Da tat es mir leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entweiht hatte unter den Heidenvölkern, zu denen es gekommen ist. Darum sprich zu dem Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht um euretwillen tue ich dies, Haus Israel, sondern wegen meines heiligen Namens, den ihr entweiht habt unter den Heidenvölkern, zu denen ihr gekommen seid. Darum will ich meinen grossen Namen wieder heilig machen, der vor den Heidenvölkern entheiligt worden ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt! Und die Heidenvölker sollen erkennen, dass ich der HERR bin, spricht GOTT, der Herr, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilig erweisen werde» (Hes 36,21-23).

Was für ein Triumph, was für ein Finale! Heimholung, Reinigung und geistliche Wiederherstellung münden in die Verherrlichung Gottes. Das ist ein Beweis für die Allmacht, Gnade, Souveränität, Erhabenheit, Macht und Einzigartigkeit des heiligen Schöpfergottes. Da kann man nur mit dem Propheten Micha sagen: «Wo ist ein Gott wie du?», und antworten: «Es gibt keinen anderen Gott.»

Man sollte meinen, dass Israel jubeln und frohlocken wird aufgrund der geistlichen Wiederherstellung und Errettung. Und davon spricht auch Jeremia 31,4-7. Welch eine Freude und ein Jubel wird das sein. Gleichwohl wird das Volk entsetzt sein, wenn es an die zurückliegenden Sünden denkt, wie Sacharja 12,10 schildert: «… und sie werden wehklagen, wenn sie auf den schauen, welchen sie durchbohrt haben, und sie werden bitter über ihn weinen …» Bei aller Freude wird man zugleich tiefe Abscheu empfinden, weil man die gnädige, rettende Hand Gottes so lange ausgeschlagen und geistliche Hurerei betrieben hat. Hurerei ist kein Ausrutscher, sondern eine bewusste, willentliche Abkehr; daher ist in Jeremia 30,12 von einer «unheilbaren Abtrünnigkeit» die Rede: «Denn so spricht der HERR: Unheilbar ist dein Bruch, bösartig ist deine Wunde!» Würden wir uns nur mit Israels Götzendienst befassen, verstünden wir nicht, dass Israel dennoch eine Zukunft hat und Gott sein Volk dennoch zurückführen wird. So heisst es etwa in Esra 9,13.15:

«Und nach alledem, was über uns gekommen ist wegen unserer bösen Taten und unserer grossen Schuld – und doch hast du, weil du unser Gott bist, uns mehr verschont, als es unsere Missetaten verdienten, und hast uns so viele Entkommene geschenkt! … O HERR, du Gott Israels, du bist gerecht; denn wir sind übrig geblieben und entkommen, wie es heute der Fall ist. Siehe, wir sind vor deinem Angesicht in unseren Schulden, denn darum können wir nicht vor dir bestehen!»

Gilt uns das nicht ebenso? Welch Gnade wurde auch uns zuteil! Das mag jeder für sich beurteilen. Ich jedenfalls kann nur sagen: «Danke, Herr! Nichts von dem, was du mir geschenkt hast, habe ich verdient.»

Zurück zu Gottes «Hauptwaschgang» an seinem Volk: Wenn Israel Busse tut und der Überrest Gottes Gnade annimmt, wird es Schmerz empfinden und Ekel vor sich selbst, wie jemand, der mit seiner Schuld konfrontiert wird, aufrichtig bereut. Das geschieht nicht ohne Tränen. Doch diese Abscheu ist ein Kennzeichen echter Reue, echter Busse und Bekehrung. Auf die Schrecken der Sündenerkenntnis folgt das aufrichtige Sündenbekenntnis und das Empfinden, Vergebung nicht verdient zu haben. Gnade ist unverdient. Niemand hat ein Anrecht auf Vergebung. Wenn vergeben wird, ist es ein Akt der Güte und Barmherzigkeit. So auch hier: Israel, und das lässt sich auf alle Menschen anwenden, hat kein Anrecht auf Vergebung.

Gott bekräftigt die grosse, eigentlich unvergebbare Schuld seines Volkes und betont, dass er um seiner Heiligkeit willen, um seines Namens, seines Wortes und seiner Verherrlichung willen das abtrünnige Volk reinigt, erneuert und wiederbelebt (Hes 36,21-23.32).

Merken wir: Mit Gott ist nicht zu spassen; jeder Mensch und jedes Volk wird sich einmal vor Gott rechtfertigen müssen. Wohl dem, dessen Rechtfertigung Jesus Christus ist; das ist das Einzige, was Gott akzeptieren wird! Gott steht zu seinem Wort und erfüllt die Verheissungen, die er den Erzvätern Israels gegeben hat. «Ich, der HERR, habe geredet, ich werde es auch tun» (Hes 36,36). Der Überrest wird seinen Gott wahrhaft erkennen, die begangenen Sünden hassen und seinen Heiland verherrlichen. Wenn das geschieht, wird der Ruf ertönen wie in Psalm 115,1, womit ich schliesse: «Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, wegen deiner Gnade, wegen deiner Treue!»

Dem Herrn sei von Herzen gedankt. Es sollte unser Bestreben sein, dass auch unser Leben dazu beiträgt, dass Gott verherrlicht wird.

Thomas Lieth ist Mitarbeiter und Verkündiger des Mitternachtsruf. Er absolvierte seine theologische Ausbildung an der Bibelschule Neues Leben in Wölmersen/Deutschland. Sein Aufgabenbereich ist die Verlagsarbeit des Missionswerkes.
Zurück