Vom überzeugten Nazi zum Zeugen Jesu Christi – Teil 1 Mo. 22. Oktober 2018

Mo. 22. Oktober 2018

Mario Scholl (Name von der Redaktion geändert) war vor seiner Bekehrung zu Jesus Christus Funktionär der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NPD). In einem Interview fragte Norbert Lieth ihn nach seinem früheren Leben.

Herr Scholl, würden Sie uns etwas über ihr Elternhaus sagen, zum Beispiel in welchen Verhältnissen Sie aufgewachsen sind?
Ich bin in einer mittelständischen Familie aufgewachsen und komme aus einem sehr gläubigen Elternhaus. Dementsprechend sind wir Kinder natürlich auch christlich erzogen worden. Meine Eltern sind wiedergeborene Christen, die zeitlebens für mich gebetet haben.

Wie kam es dazu, dass Sie, geprägt durch ein christliches Elternhaus, derart auf die schiefe Bahn gerieten, dass Sie in die NPD eingetreten sind?
Hier waren vor allem soziale Punkte ausschlaggebend. In unserem Wohngebiet war der Ausländeranteil sehr hoch, und es kam immer wieder zu Konfrontationen zwischen Deutschen und Ausländern.

Was hat Ihr Interesse für die NPD geweckt? Hat man Sie persönlich angesprochen oder wurde damals Werbung für diese Partei gemacht?
Ja, zu jener Zeit lief eine Werbekampagne der Partei. In unseren Briefkästen fanden sich Flyers und Info-Material, das mich damals sehr angesprochen hat, und so kam der Kontakt zur NPD zustande.

Wie haben Ihre Eltern und Geschwister reagiert, als Sie NPD-Mitglied wurden?
Meine Eltern waren natürlich entrüstet und überhaupt nicht erfreut, dass ich mich dieser Partei anschloss. Es gab sehr viele Auseinandersetzungen, aber in einem bestimmten Alter ist es heute ja wohl «normal», dass man eine gewisse Rebellion gegen seine Eltern und Geschwister an den Tag legt. Das war mir ein sehr willkommenes Sprungbrett dazu, in die Partei einzutreten.

Welche Aufgaben hatten Sie innerhalb der Partei?
Begonnen hat es mit einfachem Zeitungsaustragen. Hier habe ich mich ganz besonders engagiert und weil ich so aktiv war, bekam ich nach einiger Zeit verschiedene Posten angeboten. Später wurde ich, auf Vorschlag des Kreisvorsitzenden, zum Beisitzer in den Kreisvorstand gewählt. Nach kurzer Zeit kam ich in den Bezirksvorstand und wurde stellvertretender Bezirksvorsitzender, Landtags- und Bundestagskandidat. Ich war verantwortlich für die Organisation des Kreisverbandes und des Bezirks. Ich war Tagungspräsident von Parteitagen und Kreisvorstandssitzungen und in verschiedenen Ausschüssen tätig. Ausserdem begründete ich diverse Anträge auf Parteitagen bis hin zum Bundesparteitag, die der Kreisverband gestellt hatte.

Welche Richtlinien verfolgt die NPD bzw. was ist ihr Parteiprogramm?
Die NPD verfolgt auf jeden Fall eine antijüdische und antichristliche Politik, die sich in Hass- und Hetzparolen äussert. So nennt sie zum Beispiel Israel nicht Israel, um nicht dem Verfassungsschutz ins Gehege zu kommen, sondern ein «kleines ordinäres Wüstenvölkchen». Demzufolge schliesst sich natürlich auch eine aggressive Politik gegenüber Ausländern an.

Halten Sie es für richtig, wenn der deutsche Staatsschutz die Partei verbieten würde?
Im Prinzip ja, aber es gibt in der BRD fünf Rechtsparteien. Wollte man eine Partei wie die NPD verbieten, würde man nicht das Gedankengut auslöschen, sondern nur die Institution verbieten. Das heisst, es würde eine Sammlung in einer anderen Rechtspartei geben, die dadurch gestärkt würde und somit gute Chancen bekäme, in das Parlament einzuziehen.

Wie würden Sie Ihr persönliches Verhältnis zum Christentum in jener Zeit beschreiben?
Es war so, dass ich unter der Woche ganz hart gegen Christen vorging, aber jeden Sonntag die Gottesdienste in der Kirche besuchte und das Wort Gottes hörte. Jedoch sprach es mich in keiner Weise an und inspirierte mich überhaupt nicht, von meinem Tun abzulassen. Mein Verhältnis zum Christentum war sehr gestört und negativ.

Wie war Ihre Einstellung zum Judentum?
Das war in der Tat satanisch. Ich hasste die Juden bis aufs Blut, aufgrund von Material, das uns von der Partei zur Verfügung gestellt wurde. Es handelte sich um Broschüren, die in negativster Form darstellten, was die Juden angeblich mit der ganzen Welt vorhätten.

Wie hat sich denn Ihre negative Einstellung dem Judentum gegenüber praktisch geäussert?
Die Juden waren für mich an allem Elend Schuld. Ob es eine Glühbirne war, die im Haushalt kaputt ging, die dann natürlich eine Judenhand produziert hatte, oder ob es sich um eine Katastrophe handelte, alles wurde auf die Juden geschoben. Sie wurden für alles Schlechte, Negative und Verheerende in der Welt verantwortlich gemacht.

Kann man sagen, dass andere Mächte Sie in gewisser Weise gefangen genommen hatten, wodurch Sie okkult beeinflusst wurden?
In gewisser Weise schon, aber ich hatte das überaus grosse Glück, dass meine Eltern täglich für mich beteten und ich somit vor dem Schlimmsten bewahrt blieb.

Was bewog Sie, Herr Scholl, dazu umzudenken?
Es war in erster Linie die Trennung von der Partei wegen verschiedener innerparteilicher Differenzen, die aufgrund von schlechten Wahlergebnissen zustande kamen. Zum einen wurde die Schuld dafür aktiven Mitgliedern – so auch mir – in die Schuhe geschoben. Zum anderen waren sicherlich auch die zahlreichen und intensiven Gebete meiner Eltern dafür verantwortlich.

Was hat Sie schliesslich davon überzeugt, Jesus Christus in Ihr Leben aufzunehmen?
Eigentlich wäre es eine ganz kurze Antwort: «Mir ist Erbarmung widerfahren.» Dieses alte christliche Lied wurde mir irgendwann einmal so sehr wichtig. Ich hatte es zwar schon viele Jahre vorher gehört, aber eines Tages fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass mir Erbarmung widerfahren ist. Zum anderen hörte ich auch verschiedene Predigten auf Kassette vom Missionswerk Mitternachtsruf, die mir auf einmal verständlich und sehr wichtig wurden. Früher hatten sie mir nichts zu sagen, im Gegenteil, ich habe diese Botschaften gehasst.
Als sich für einen Karfreitag unerwünschter Besuch anmeldete, zog ich es lieber vor, in den Gottesdienst des Missionswerks Mitternachtsruf zu gehen. Dort hörte ich eine Botschaft, die mich sehr bewegte. In dieser Predigt wurde mir mein ganzes fehlerhaftes, sündiges Leben vor Augen geführt. Es war, als ob der Verkündiger nur von mir redete. Das bewog mich dazu umzudenken, und hier fing der Prozess, Christ zu werden, an. Ein anderes Mal erwähnte der Verkündiger unter anderem einen Nationalsozialisten des Dritten Reiches, der während der Woche in einem KZ arbeitete und seinem grausigen Tun nachging, aber jeden Sonntag brav die Kirche besuchte. In diesem Beispiel erkannte ich auch mich. Nach dem Gottesdienst sprach ich den Verkündiger auf seine Predigt hin an, und er lud mich zu einem persönlichen Gespräch ein. Einige Wochen später nahm ich diese Einladung an, tat Busse und nahm Jesus in mein Leben auf.

Hat man Ihnen den Austritt aus der Partei schwer gemacht?
Ich habe Vorsorge getroffen und den Kontakt zu allen Mitgliedern abgebrochen. Meine Telefonnummer liess ich ändern und die neue nicht ins Telefonbuch eintragen. Von der Partei kam denn auch keine Resonanz mehr.

Hat sich seitdem Ihr Verhältnis zum Judentum geändert?
Zu hundert Prozent hat sich alles geändert. Früher hasste ich das Judentum, verfolgte es, «knebelte» und beschimpfte es. Heute liebe ich es und habe ein ganz anderes, ein positives Bild von Israel und den Juden.

Welche Aufgaben und Ziele sind Ihnen heute wichtig?
Ein grosses Ziel von mir und meiner Familie ist es, das Evangelium auch anderen weiterzugeben in Form von Flyern, Botschaften und Einladungen zu den Versammlungen des Missionswerks oder auch zu regionalen christlichen Veranstaltungen. – Vor kurzer Zeit noch lebte der Geist Goebbels in mir, heute weiss ich mich vom Geist Jesu getragen.

Hat sich in Ihrer Familie etwas geändert, seitdem Sie aktiver Christ geworden sind?
Die Erziehung unserer Kinder ist christlich geworden und wir beten jetzt mit ihnen. Meine Frau hat sich aufgrund meiner Bekehrung auch für Jesus entschieden, und wir wurden vor kurzem in der Gemeinde des Missionswerks getauft.

Sehen Sie in der Politik der NPD eine Gefahr für die deutsche Demokratie?
Ich würde eine Gefahr sehen, wenn es sich bei den Mitgliedern um intellektuelle Leute handeln würde, so wie in der Parteiführung. Da das aber nicht der Fall ist, sehe ich keine Gefahr für die deutsche Demokratie.

Bitte sagen Sie uns doch noch etwas, was Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten.
Wichtig ist das Gebet für die Betroffenen sowie das Gebet der Eltern für ihre Kinder. Partei oder Politiker können weder an der deutschen noch an der weltweiten Situation etwas ändern. Das kann nur Jesus Christus. Gehen Sie niemals mit «christlicher Gewalt» gegen Parteimitglieder an, die von Christus nichts wissen wollen. Versuchen Sie vielmehr mit sanften Mitteln die zu gewinnen, die sich von der Partei trennen wollen.

Herr Scholl, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch und wünschen Ihnen Gottes Segen.