Herr, wie lange noch? (Teil 5)

Manch einer stellt sich die Frage angesichts von Not, Leid und Ungerechtigkeit, in Ehe, Familie, Verwandtschaft, in der Nachbarschaft, auf der Arbeit oder in der Gesellschaft: Wie soll das weitergehen? Psalm 94 gibt die Antwort, die wir heute alle brauchen.

Belebende Tröstungen

«Wer steht mir bei gegen die Bösen, wer tritt für mich ein gegen die Übeltäter?» (V. 16). Ja, wer hilft mir ganz persönlich? «Wäre der Herr nicht meine Hilfe gewesen – wenig fehlte, und meine Seele hätte in der Totenstille gewohnt!» (V. 17).

David berichtet hier von persönlich erlebten, lebensbedrohlichen Situationen, die beinahe fatal ausgegangen wären, hätte der Herr nicht eingegriffen. Aber Gott kommt spätestens rechtzeitig! Zudem litt er neben den körperlichen Nöten unter inneren, seelischen Nöten, die ebenfalls durch Gottes mächtiges Eingreifen abgewendet wurden: «So oft ich aber sprach: ‹Mein Fuss ist wankend geworden!›, hat deine Gnade, o Herr, mich gestützt» (V. 18). Darf ein Christ Angst haben? – Ja, klar. Aber David zeigt uns, wie wir damit umgehen sollen: «Bei den vielen Sorgen in meinem Herzen erquickten deine Tröstungen meine Seele» (V. 19). 

In den wenigsten Fällen bekommen wir eine Antwort auf die Frage: Warum greift der Herr nicht ein? Was wir hingegen bekommen, sind Tröstungen und die Gewissheit: Du bist nicht allein! Ja, «Gott lässt die Seinen wohl sinken, aber niemals ertrinken!» (Charles Spurgeon, Die Schatzkammer Davids, S.95). Deshalb gilt uns heute Hebräer 4,16: «So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!»

Der empfangene Herzensfrieden verändert aber nicht die anhaltend bedrückende Notlage. Deshalb kommt der Psalmist in der sechsten und letzten Strophe wieder auf das Eingangsthema zurück und verkündigt den Gottlosen:

Bedrohliche Vergeltungen

«Sollte der Thron des Verderbens mit dir Gemeinschaft haben, der Unheil schafft durch Gesetz?» (V. 20).

Mit diesem Vers werden Herrscher angesprochen, die das Recht verdrehen – die also rechtliche Mittel einsetzen, um Ungerechtigkeit zu legalisieren. Ein Abbild davon sehen wir heute, wo Mord an Ungeborenen gesetzlich geschützt ist. Und schliesslich wird die Rechtsgrundlage so verdreht, dass die Gerechten verurteilt werden können. Genau das wird der Antichrist tun.

Wer hat die ultimative gerichtliche Ungerechtigkeit über sich ergehen lassen? Der nächste Vers spricht prophetisch von Jesus: «Sie rotten sich zusammen gegen die Seele des Gerechten und verurteilen unschuldiges Blut» (V. 20).

Wie sehr musste Jesus, der einzig wahrhaft Gerechte, unter der damaligen Ungerechtigkeit leiden. Deshalb hat niemand mehr Verständnis für ungerecht Verurteilte als Jesus. Und deshalb ist Er der grösste Tröster und Schutz in aller Ungerechtigkeit. Davon spricht der nächste Vers: «Aber der Herr ist meine sichere Burg geworden, mein Gott der Fels, bei dem ich Zuflucht gefunden habe» (V. 20).

Wenn du dich bei Jesus verbirgst, dann lass dir von niemandem einreden, du drückest dich vor Verantwortung. Oh, nein! Bei Jesus findet dein Herz Ruhe und Sicherheit, um im Kampf verantwortlich zu handeln und gegen den Feind bestehen zu können.

Und schliesslich bekommen wir mit dem letzten Vers die Gewissheit: Gott hat dein Schreien gehört. Gott wird auch das Schreien des gläubigen Überrestes Israels erhören: «Und er lässt ihr Unrecht auf sie selber zurückfallen, und er wird sie durch ihre eigene Bosheit vertilgen; der Herr, unser Gott, wird sie vertilgen.» (V. 23). – So wird es letztendlich allen Nationen ergehen, die sich gegen Israel wenden. Denn sie tasten dadurch Gottes Augapfel an (vgl. Sach 2,12). Sie wenden sich direkt gegen den Gesalbten Israels.

Herr, wie lange noch? Wie lange noch werden die Gerechten unterdrückt und verfolgt? Warum greift der Herr nicht ein? Weil noch Gnadenzeit ist! Petrus erklärt es wie folgt: «Der Herr zögert nicht die Verheissung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Busse habe. Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen» (2Petr 3,9-10).

Und so beten wir mit David in Psalm 25,22: «O Gott, erlöse Israel aus allen seinen Nöten!»

Die Lösung wird die Wiederkunft Jesu sein. Nutzen wir die Zeit, wer weiss, wie bald der Herr kommt. Maranatha!

Fredy Peter ist Mitarbeiter und Verkündiger des Mitternachtsruf. Sein Aufgabenbereich ist die Öffentlichkeits- und Verlagsarbeit des Missionswerkes. Er absolvierte seine theologische Ausbildung in Deutschland und in der Schweiz.
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