Herr, wie lange noch? (Teil 3)

Manch einer stellt sich die Frage angesichts von Not, Leid und Ungerechtigkeit, in Ehe, Familie, Verwandtschaft, in der Nachbarschaft, auf der Arbeit oder in der Gesellschaft: Wie soll das weitergehen? Psalm 94 gibt die Antwort, die wir heute alle brauchen.

Bedrückende Situationen 

David wird nun ganz konkret und beschreibt den Charakter und die Taten der Gottlosen. «Sie halten viele und freche Reden; stolz überheben sich alle Übeltäter» (Ps 94,4).

Ist es nicht das, was wir in den Medien Tag für Tag hören und sehen? Insbesondere gegen Israel? Was sich die islamische Welt und die Medien an frechen Reden und arroganten Überheblichkeiten erlauben, ist grotesk. 

Vers 5 beweist – wie auch schon vorhin angesprochen –, dass es um Israel geht. David wusste genau, wovon er sprach, wenn er festhält: «Dein Volk, o Herr, zertreten sie und unterdrücken dein Erbteil.»

Auch wenn im Neuen Testament vom Erbteil der Christen gesprochen wird, wie zum Beispiel in Epheser 1,11, geht es hier nicht um die Gemeinde Jesu, sondern um Israel. Das verdeutlicht die hebräische Poesie. Deutschsprachige Poesie basiert vor allem auf Rhythmus, das heisst auf eine gleiche Anzahl betonter und unbetonter Silben: «Wenn ich auch gleich nichts fühle / von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele / auch durch die Nacht.»

Hebräische Poesie basiert auf Betonung und Akzentuierung wichtiger Worte, und vor allem auf den Parallelismus. Parallelismus bedeutet, dass ein Vers jeweils aus zwei oder mehreren parallelgestellten Zeilen besteht. – Leider ist das in den allermeisten deutschen Bibelübersetzungen nicht sichtbar.

Der Gedanke aus der ersten Verszeile wird in der zweiten Verszeile mit einem sinnverwandten Wort wiederholt oder ergänzt oder es wird einem gegensätzlichen Gedanken gegenübergestellt. Ganz praktisch sehen wir das in Vers 5. Hier wird die erste Verszeile: «Dein Volk, o Herr, zertreten sie», in der zweiten mit anderen Worten wiederholt: «und unterdrücken dein Erbteil». Eine Vergeistlichung ist ausgeschlossen.

David spricht hier prophetisch nicht nur von den äusseren Feinden Israels, sondern auch von gottlosen Menschen in Israel selbst. Eine bedrückende Situation: «Witwen und Fremdlinge erwürgen sie und ermorden Waisen» (V. 6).

Gottlose Menschen gehen immer gegen die Schwächsten und Schutzlosesten vor: ältere Frauen, Ausländer, Witwen und Waisen, das heisst, Kinder ohne Eltern. Den Grund für ihr abartige Bosheit nennt David in Vers 7: «Und dann sagen sie: ‹Der Herr sieht es nicht, und der Gott Jakobs achtet nicht darauf!›» 

Wenn die Gottesfurcht abnimmt und die Gotteserkenntnis nachlässt, entwickelt sich die Menschheit eben nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren. Denn: wenn es keinen Gott gibt, dann kann ich machen, was ich will. Ohne Gott bin ich niemandem mehr Rechenschaft schuldig. Auf diese Weise wird aller Verdorbenheit Tür und Tor geöffnet. Die Saat geht auf, die Früchte werden in der Gesellschaft immer mehr sichtbar.

Wer sind denn die Allerschwächsten in unserer Gesellschaft? Die Ungeborenen! Laut einer Meldung vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden wurden zum Beispiel im Jahr 2017 101 209 ungeborene Kinder im Mutterleib getötet (idea newsletter, 6.03.18). Das entspricht der Gesamtbevölkerung von Winterthur, Cottbus oder Hildesheim. Auf www.numberofabortions.com wird die Gesamtzahl der Abtreibungen seit 1980 gezählt. Bisher über 1,6 Milliarden Babys! «Und dann sagen sie: ‹Der Herr sieht es nicht, und der Gott Jakobs achtet nicht darauf!›» (V. 7).

Achtet Gott wirklich nicht darauf? Herr, wie lange noch?

Sehen wir beispielsweise in der zunehmenden Islamisierung nicht ein Handeln Gottes? Luther sagte vor über 500 Jahren mit Blick auf die damalige drohende Islamisierung: «Gott knallt mit dieser Peitsche über die Christenheit und die Christenheit ist durch die Bedrohung durch die Türken zu Busse gerufen und nicht dazu, sich militärisch gegen die von Gott verfügte, verhängte Strafe zu wehren» (Thomas Kaufmann, evang. Kirchenhistoriker, DLF, 03.01.2017).

Es ist, als ob Gott sagen will: «Ok, auf meinen geliebten Sohn wollt ihr nicht hören. Dann gebe Ich euch einen anderen Gott. Der wird dann über euch herrschen.»

So wie der Hass gegen das irdische Volk Gottes und gegen den Gott Jakobs immer fanatischer wird, wächst auch Verachtung und Verfolgung des himmlischen Volkes Gottes, Seiner Gemeinde. Vor allem in islamischen Ländern, aber auch zunehmend bei uns in Europa. Gemäss dem Weltverfolgungsindex von OpenDoors waren im Jahr 2021 über 300 Millionen Christen «einem sehr hohen bis extremen Mass der Verfolgung ausgesetzt» (www.opendoors.de, abgerufen am 1.12.21).

«Der Herr sieht es nicht …» Und deshalb geschieht, was Prediger 8,11 sagt: «Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun.»

Gerade in dieser Hinsicht äussert David nun in der 3. Strophe:

Beunruhigende Warnungen > Siehe Teil 4

Fredy Peter ist Mitarbeiter und Verkündiger des Mitternachtsruf. Sein Aufgabenbereich ist die Öffentlichkeits- und Verlagsarbeit des Missionswerkes. Er absolvierte seine theologische Ausbildung in Deutschland und in der Schweiz.
Zurück