Woher kommt der Teufel? Teil 2

Fr. 19. März 2021

Er geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge: der Teufel, die altböse Schlange, der grosse Feind des Menschen. Doch woher kommt er? Eine biblische Untersuchung.

Der Teufel begann eine Verleumdungskampagne, indem er von Engel zu Engel ging und Gott schlechtmachte. In Bezug auf den Versuch des Teufels, Gott zu besiegen und die Herrschaft im Himmel an sich zu reissen, sagte mal jemand: «Satan würfelte und hatte nur zwei Einsen.» Oder wie Erwin Lutzer bemerkt: «Er hat seine Zukunft an einem Spielautomaten verzockt, der keinen Gewinn ausschüttet.»

Vers 17 zeigt, dass die Sünde des Teufels, die erste jemals begangene Sünde, Stolz war. «Dein Herz hat sich überhoben wegen deiner Schönheit; du hast deine Weisheit um deines Glanzes willen verderbt.» Diese Sünde hat den Teufel verdorben, und er wurde gestürzt. Sein beängstigender Fall war vollständig.

Die zweite Stelle, die meines Erachtens den ursprünglichen Fall des Teufels schildert, ist Jesaja 14,12-19. Hier wird eine ähnliche Geschichte erzählt wie in Hesekiel: «Wie bist du vom Himmel herabgefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, du Überwältiger der Nationen! Und doch hattest du dir in deinem Herzen vorgenommen: Ich will zum Himmel emporsteigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen und mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äussersten Norden; ich will emporfahren auf Wolkenhöhen, dem Allerhöchsten mich gleichmachen! Doch ins Totenreich bist du hinabgestürzt, in die tiefste Grube! Die dich sehen, schauen dich verwundert an, sie betrachten dich und sagen: Ist das der Mann, der die Erde erzittern liess, der Königreiche erschütterte; der den Erdkreis zur Wüste machte und seine Städte niederriss; der seine Gefangenen nicht nach Hause entliess? Alle Könige der Völker, sie ruhen in Ehren, jeder in seinem Haus; du aber bist hingeworfen fern von deiner Grabstätte, wie ein verabscheuter Schössling, bedeckt mit Erschlagenen, vom Schwert Durchbohrten, die in eine mit Steinen bedeckte Grube hinabfahren, wie ein zertretenes Aas.»

Bibelkommentatoren sind sich einig, dass Jesaja 14,4-11 den historischen, irdischen König von Babylon beschreibt, doch wie in Hesekiel 28 herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Stelle danach weiter von einem menschlichen Führer spricht oder zu der Macht wechselt, die ihn antrieb. Ich glaube, der Begriff «Glanzstern» in Vers 12 bezieht sich auf den Teufel vor seinem gefallenen Zustand. Die Verse 12–14 führen seine Sünden an und in den Versen 15–19 wird sein Fall beschrieben.

Jesaja 14 ähnelt Hesekiel 28 in mindestens zwei Punkten. Erstens wird der Teufel in beiden Texten als die Macht hinter einem bösen menschlichen König dargestellt. In Jesaja 14 ist er die Macht hinter dem König von Babylon, und in Hesekiel 28 steht er hinter dem König von Tyrus. Zweitens zeigen beide Passagen, dass Stolz die ursprüngliche Sünde des Teufels war. Jesaja 14,13-14 wird oft als die fünf «Ich will» des Teufels bezeichnet. Unerklärlicherweise stellte er seinen Willen über den Willen Gottes.

  • «Ich will zum Himmel emporsteigen.» Der Teufel wollte seinem Schöpfer gleich sein.
  • Ich will «meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen». Die Sterne Gottes sind die anderen Engel. Der Teufel wollte über der ganzen Schöpfung stehen und ihre Anbetung empfangen.
  • Ich will «mich niederlassen auf dem Versammlungsberg im äussersten Norden». Der Versammlungsberg wird normalerweise gleichgesetzt mit dem Ort, an dem Gott herrscht. Der Teufel wollte den Gipfel der Autorität besetzen.
  • «Ich will emporfahren auf Wolkenhöhen.» Wolken symbolisieren in der Schrift häufig die Herrlichkeit Gottes. Der Teufel wollte die Herrlichkeit, die allein Gott zusteht.
  • Ich will «mich dem Allerhöchsten gleichmachen»! Der Teufel wollte Gott ersetzen.

Kurz gesagt, der Teufel wollte Besitz von Gottes Schöpfung ergreifen und alleinige Autorität über sie haben. Er versuchte, nach oben zu kommen, wurde aber hinabgestürzt.

Der Teufel verlor für immer seinen Platz im Himmel. Wie Erwin Lutzer festhält: «Kein Wunder, dass der Teufel wütend ist. … Denken Sie nur an all das, was er aufgegeben hat. Er kann nicht länger ein Prophet sein, der für Gott spricht. Er kann kein Priester mehr sein, der die Anbetung an Gott weitergibt. Er, der wie Gott sein wollte, ist ihm schliesslich am unähnlichsten geworden. Kurz gesagt, er hat alles verloren und nichts gewonnen.»

Das ist das Gegenteil von dem, was der Sohn Gottes tat. Er verliess den höchsten Platz im Universum zur Rechten Gottes, erniedrigte sich und ging den ganzen Weg bis zur Schande am Kreuz. Deshalb hat Gott Ihn über alle Massen erhöht (Phil 2,5-11). Für Jesus gab es nur Gewinn und keinen Verlust. Nach Gottes Gedanken führt der Weg nach oben nach unten und der nach unten nach oben. Es soll uns Mut machen, dass Gott die Demütigen erhöht (Jak 4,10; 1.Petr 5,6).

Wenn Jesaja 14 und Hesekiel 28 tatsächlich den Fall des Teufels beschreiben, wissen wir, dass er ein gefallener Engel ist, der von dieser hohen Stellung gefallen ist. Aber wann war das? Alle sind der Meinung, dass der Teufel irgendwann vor 1. Mose 3 fiel, als er Adam und Eva zum Ungehorsam gegenüber Gott verführte. Die Frage ist, wann genau sündigte und fiel er vor 1. Mose 3?

Zu diesem Thema gibt es zwei grundlegende Ansichten. Einige glauben, sein Fall fand vor 1. Mose 1,1 statt und Gott beabsichtigte die Schöpfung als Bühne, auf der bewiesen werden sollte, wer das Recht zu herrschen hat. Andere meinen, er fiel irgendwann nach der Erschaffung der Himmel und der Erde, aber noch vor 1. Mose 3. Das bedeutet, dass es zwischen 1. Mose 1,31 und 3,1 gewesen sein müsste.

In dieser Frage kann man sich unmöglich sicher sein. Allerdings können uns einige Hinweise helfen, den Zeitpunkt zu rekonstruieren. Wir beginnen mit der Tatsache, dass der Teufel ein erschaffener Engel war und wir in Hiob 38,7 erfahren, dass sich die Engel über Gottes überwältigendes Meisterwerk freuten, als er das Universum erschuf. Das bedeutet, dass Gott die Engel vor der Erschaffung des Universums gemacht hat. Es macht auch deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein Engel gefallen war und Harmonie herrschte, da sie sich zusammen freuten. Als Nächstes wissen wir, dass Gott sein Sechstagewerk für sehr gut befand (1.Mo 1,31). Auch das lässt erkennen, dass in Gottes neuem Universum alles in Ordnung war, was mit der Existenz von vielen gefallenen Geschöpfen unvereinbar sein dürfte.

Daher erscheint es am besten, wenn wir den Fall Satans und seiner Schar nach dem siebten Tag datieren, als Gott ruhte und alle Dinge für gut erklärte (1.Mo 1,31), aber noch bevor der Teufel in 1. Mose 3,1 als Versucher auftrat. Auch wenn wir uns nicht sicher sein können, ist es denkbar, dass der Teufel, als er seinen makellosen Zustand nach der Vollendung der Schöpfung sah, einschliesslich Adam und Eva und ihre Anbetung Gottes, eifersüchtig wurde und diese Anbetung für sich selbst begehrte. Als Pförtner der Herrlichkeit Gottes und Anbetungsleiter im Himmel sehnte er sich nach dieser Anbetung. In ihm wurde Sünde gefunden und sein Fall war endgültig.

Mark Hitchcock ist der Autor von nahezu 30 Büchern über biblische Prophetie und als ausserordentlicher Professor am Dallas Theological Seminary tätig. Der Faith Bible Church dient er als Senior Pastor.
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