Zwei Flugzeuge werden ins World Trade Center gesteuert. Die Bilder vom 11. September 2001 haben sich tief in das Gedächtnis einer ganzen Generation eingebrannt. Damals titelte ein Magazin: «Die Minute, in der die Welt zusammenbrach.» Immer wieder hörte man den Satz: «Nach dem 11. September wird die Welt nie mehr so sein, wie sie war.»
Tatsächlich haben diese Terroranschläge vieles verändert: die Verteidigungspolitik, den globalen Antiterrorkampf, die Sicherheitsmassnahmen an Flughäfen und in öffentlichen Räumen. In diesem Jahr jährt sich dieses schreckliche Ereignis zum 25. Mal. Und noch immer stellt sich die Frage: Worauf müssen wir uns einstellen? Was bringt die Zukunft – besonders für die vielen jungen Menschen?
Ich bin überzeugt: Der Terror wird zunehmen. Wir müssen uns auch auf eine Zunahme des Terrors durch den Islam einstellen. Doch was mich noch stärker beschäftigt, ist nicht in erster Linie die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums. Die Gottlosigkeit wird zunehmen.
Dem französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry wird ein Wortspiel zugeschrieben, das erschreckend aktuell klingt: Wenn Menschen gottlos werden, werden Regierungen ratlos, Lügen grenzenlos, Schulden zahllos, Besprechungen ergebnislos, Aufklärung hirnlos, Politiker charakterlos, Christen gebetslos, Kirchen kraftlos, Völker friedlos, Sitten zügellos, Mode schamlos, Verbrechen masslos, Konferenzen endlos – und die Aussichten trostlos.
Diese Abkehr vom christlichen Welt- und Menschenbild wird besonders in ethischen Fragen sichtbar. Im Februar dieses Jahres weigerte sich das EU-Parlament, den Satz anzunehmen: «Nur biologische Frauen können schwanger werden.» Stattdessen wurde eine Formulierung bevorzugt, die offenhält, dass auch Menschen mit männlichen Geschlechtsteilen, die sich für Frauen halten, Frauen seien. Der Schriftsteller Leon de Winter kommentierte in der Tageszeitung Die Welt: Männer können nicht schwanger werden. Das Parlament Europas wolle aber die Vorstellung offenhalten, dass unerwartet ein Mann schwanger werden könne. Das sei eine Form geistiger Trägheit und Dummheit.
Wie kann es so weit kommen, dass eine ganze Kultur Wirklichkeit zur Ansichtssache macht? Wie kann es geschehen, dass die Leugnung von Tatsachen in Gesetze gefasst wird, sodass die Nennung der richtigen Aussage eines Tages zur Straftat erklärt werden könnte? Leider erleben wir bis hinein in christliche Gemeinden, dass es nicht mehr um objektive Fakten geht, sondern um Gefühle. Dann heisst es: «Deine Fakten, meine Fakten.» Tatsachen werden zu Meinungen erklärt. Damit verlieren wir die Grundlage unserer Zivilisation.
Lüge wird zur Wahrheit, Licht zur Dunkelheit und Liebe zum Hass. Ohne Gott geht ein Land bankrott. Ich erinnere mich an Vorträge, die ich Anfang der 1980er-Jahre in der ehemaligen DDR hielt. Mein Gastgeber fuhr mit mir durch einen Ort in der Oberlausitz. Dort sah ich ein riesiges Plakat mit der Aufschrift: «Ohne Gott und Sonnenschein holen wir die Ernte ein.» Kurze Zeit später hätte man darunter schreiben müssen: «Ohne Gott geht die DDR bankrott.»
Das gilt auch für unser Land. Das gilt auch für Europa. Ohne Gott geht ein Land bankrott.
Doch ich bin nicht hier, um Weltuntergangsstimmung zu verbreiten. Eines steht fest: Je dunkler es in dieser Welt wird, desto heller leuchtet das Licht des Evangeliums. Das sehen wir weltweit. Die verfolgte Gemeinde wächst, die verwöhnte Gemeinde schrumpft. Wo Christen unter Druck geraten, kommen Menschen zum Glauben – besonders in islamischen und kommunistischen Ländern.
Hier liegt unsere Chance. Unsere Chance ist keine neue Partei und kein Wahlprogramm. Unsere Chance ist eine Person: Jesus Christus. Obwohl wir die Zukunft nicht kennen, kennen wir den, der unsere Zukunft ist.
Drei Fragen für die Zukunft
Was bedeutet es, fit für die Zukunft zu sein? Es bedeutet, drei Fragen beantworten zu können.
Erstens: Wie bewältige ich, was auf mich zukommt? Dafür brauchen wir Flexibilität.
Zweitens: Was hält mich, wenn alles ins Wanken gerät? Dafür brauchen wir Stabilität.
Drittens: Wer bin ich überhaupt als Christ? Dafür brauchen wir Identität.
Diese drei Punkte wurden mir neu bewusst, als ich in Dübendorf an den Hochhäusern vorbeifuhr. Man fragt sich: Warum kippen solche Gebäude bei Sturm nicht einfach um? Zwei Dinge sind entscheidend: Dehnungsfugen und ein tiefes, festes Fundament. Dehnungsfugen ermöglichen Beweglichkeit. Das Fundament gibt Halt.
Genau das brauchen wir im übertragenen Sinn auch für unser Leben: Flexibilität, damit wir auf rasante Veränderungen reagieren können; Stabilität, damit wir nicht zusammenbrechen; und Identität, damit wir wissen, wer wir sind.
Wir müssen auch die Wahrheitsfrage neu durchdenken: Worauf kann ich mich wirklich verlassen? Und wir müssen fragen: Wie schaffen wir eine friedliche Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Religionen, ohne unsere eigene Identität als Christen aufzugeben? Wie nehmen wir Menschen auf, die wirklich in Not sind, ohne das zu verlieren, was uns prägt?
Die Antwort finden wir in der Bibel. In Johannes 13 bis 17 bereitet Jesus seine Jünger auf eine ungewisse Zukunft vor. Er ist mit ihnen allein und macht ihnen klar, worauf es wirklich ankommt.
Dieses «Fitnessprogramm Jesu» hat drei Schwerpunkte: Liebe, Glaube und Gemeinschaft mit Christus.
In Johannes 13 geht es um das Gebot der Liebe. Liebe schenkt uns Flexibilität.
In Johannes 14 spricht Jesus über den Glauben. Glaube, gegründet auf Gottes Wort und seine Zusagen, gibt Stabilität.
In Johannes 15 sagt Jesus: «Bleibt in mir, und ich bleibe in euch!» Diese enge Gemeinschaft mit Christus gibt Identität.
Alles mündet schliesslich im Gebet, besonders im hohepriesterlichen Gebet in Johannes 17. In Johannes 16,33 sagt Jesus: «Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!»
Was für eine mutmachende Aussage.
Liebe, die dient
Das Fitnessprogramm Jesu beginnt mit Liebe. Johannes 13 eröffnet mit dem Hinweis, dass Jesus die Seinen liebte, «bis ans Ende». Am Ende dieses Abschnitts sagt er: «Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt» (Joh 13,34-35).
Dienen aus Liebe verändert die Welt. Nicht unbedingt die grosse Weltpolitik. Aber deine Ehe, deine Familie, deine Arbeitswelt, deine Gemeinde – dein unmittelbares Umfeld – wird sich verändern, wenn du bereit bist, aus Liebe zu dienen.
In Johannes 13 steht die eindrückliche Szene der Fusswaschung. Die Jünger lagen zu Tisch. Vorne war der Mund, hinten ragten die Füsse über die Polster hinaus. Was tut Jesus? Er steht auf, legt sein Obergewand ab, bindet sich eine Schürze um, nimmt eine Schüssel mit Wasser und wäscht einem nach dem anderen die Füsse. Danach legt er sich wieder zu Tisch und sagt: «Denn ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe» (Joh 13,15).
Wir müssen bedenken, wer hier wem die Füsse wäscht: der Schöpfer, der Herr, der König aller Könige. Von ihm können wir nie gross genug denken. Und doch wird er, der Grösste, im Kleinsten am grössten.
Jesus dient zuerst. Er macht den Anfang. Er kommt uns entgegen. Er macht den Anfang, um uns bis ans Ende zu bringen.
Das gilt für uns alle. Wir werden die Zukunft in unserem engsten Umfeld positiv beeinflussen, wenn wir bereit sind, einander in Liebe zu dienen. Das gilt für Chefs und Angestellte, für Mitarbeitende, für Familien und Gemeinden. Viele wollen mitreden und bestimmen. Aber wenige sind bereit, wirklich zu arbeiten.
Jesus hat die Prinzipien dieser Welt auf den Kopf gestellt. In dieser Welt will man herrschen. Jesus aber sagt: Ich bin gekommen, um zu dienen und mein Leben zu geben. Darum gilt auch in der Gemeinde: Wer dient, führt. Wer dient, verdient Anerkennung. Wer dient, hinterlässt Spuren. Wer dient, wird anderen zum Vorbild.
Paulus schreibt: Erkennt die an, die unter euch arbeiten. Es geht in der Gemeinde nicht zuerst um Diskussionen über Leitung und Mehrheiten. Es geht um Dienst.
Vielleicht fällt es uns leichter, einander die Köpfe zu waschen, als einander die Füsse zu waschen. Doch fit für die Zukunft wird, wer gelernt hat, Füsse zu waschen. Fusswäscher sind glücklicher als Kopfwäscher. Jesus sagt: «Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut!» (Joh 13,17).
Fitness bekommt man nicht aus dem Lehrbuch. Man muss trainieren. Auch geistliche Fitness entsteht nicht durch Theorie, sondern durch Gehorsam.
Glaube, der hält
Der zweite Abschnitt des Fitnessprogramms beginnt mit Bestürzung. Jesus sagt: «Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!» (Joh 14,1).
Was war geschehen? Jesus hatte sein Leiden und Sterben angekündigt. Er hatte den Verrat durch Judas offenbart. Dann kam auch noch die Ankündigung, dass Petrus ihn verleugnen würde. Die Jünger spürten: Schwere Stunden stehen bevor. Wenn schon Petrus, ihr Wortführer, Jesus verleugnen würde – wie konnten sie sich dann selbst noch trauen?
Doch Jesus lässt sie in ihrer Angst nicht allein. Er greift ihre Bestürzung auf. Das ist tröstlich: Unser Herr kennt die Not der Menschen. Er sieht auch in dein und mein Herz. Er weiss um unsere Unsicherheit, unsere Anspannung, unsere Angst vor der Zukunft.
Seine Antwort lautet: Glaubt.
Verwirrung, Bestürzung, Angst und Zweifel stehen im Gegensatz zum Glauben. Glaube ist tiefes Vertrauen. Er gibt Sicherheit in stürmischen Zeiten.
«Ihr glaubt an Gott», sagt Jesus. Natürlich glaubten fromme Juden an Gott. Doch dann sagt Jesus: «Glaubt auch an mich.» Das war eine gewaltige Aussage. Jesus stellt sich damit auf die gleiche Stufe wie Gott. Zugleich fordert er die Jünger auf, gerade in einem Moment an ihn zu glauben, in dem er ihnen gesagt hat, dass er sterben wird.
Dann spricht er von der Zukunft: «Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin» (Joh 14,2-3).
Für Jesus ist der Himmel ein realer Ort. Kinder haben mich manchmal gefragt: «Wie ist es im Himmel?» Dann sage ich: Stell dir den schönsten Ort vor, den du kennst. Ein kleiner Junge rief einmal: «Hawaii!» Er war zwar noch nie dort, aber für ihn war es der schönste Ort. Dann sagte ich: Der Himmel ist tausendmal tausendmal schöner als der schönste Ort, den du dir auf dieser Erde vorstellen kannst.
Jesus spricht von Wohnungen. Das griechische Wort meint Zimmer oder Wohnstätten. Es geht nicht um ein Herrenhaus für besonders Fromme und eine einfache Hütte für andere. Für alle, die zu Christus gehören, wird es gut sein. Wunderschön. Herrlich.
Der Hinweis auf die himmlische Wohnung hat eine tiefe seelsorgerliche Dimension. Er schenkt Trost und Ermutigung. Himmelfahrt ist für Jesus wirklich Vatertag: Er geht zurück ins Vaterhaus. Und Himmelfahrt ist zugleich Baubeginn. Seit mehr als 2000 Jahren bereitet er die Wohnungen der Seinen vor.
Doch es geht nicht nur um einen Ort. Es geht vor allem um ihn. Der Ort ist das Haus des Vaters. Die Person im Zentrum ist Christus. Seine Gegenwart macht diesen Ort herrlich. Das Ziel ist ewige Gemeinschaft mit ihm.
Jesus bereitet nicht nur die Wohnungen vor. Er garantiert auch unseren Umzug, indem er wiederkommt, um uns zu sich zu holen.
Das gibt Halt. In der Bibel ist Glaube nicht Ungewissheit. Im Alltag sagen wir manchmal: «Ich glaube, das Wetter hält noch.» Gemeint ist: Wir wissen es nicht sicher. Biblischer Glaube ist etwas anderes. Er ist Gewissheit und Überzeugung. Glaube ist ein Beziehungsbegriff. Der Glaubende kennt Jesus Christus. Er weiss, dass Jesus zu seinem Wort steht.
Was ist die Grundlage unseres Glaubens? Nicht dein und mein gutes Gefühl. Gefühle tragen nicht durch. Sie können uns an einem Sonntagmorgen in Hochstimmung versetzen, aber im Alltag reichen sie nicht. Die Grundlage des Glaubens ist Gottes Wort.
Darum brauchen wir die Bibel. Wenn wir selbst bestürzt sind und Angst vor einer ungewissen Zukunft haben, dürfen wir in Gottes Wort hineinschauen und sagen: Herr, danke für deine Zusagen. Darauf ist Verlass.
Wir brauchen die Bibel und ihre Auslegung in einem wörtlichen Sinn. Wir dürfen uns nicht durch menschliche Überlegungen von ihr abbringen lassen. Die alte Frage der Schlange greift immer mehr um sich: «Sollte Gott gesagt haben?» Sollte das wirklich noch wahr sein?
Dazu passt eine Begebenheit. Ein Student bekehrt sich und beginnt, die Bibel von vorne zu lesen. Sein Vater, ein von der historisch-kritischen Methode geprägter Theologieprofessor, stellt vieles in Frage. Als der Student zur Geschichte vom Auszug Israels kommt, liest er, wie das Volk, verfolgt vom ägyptischen Heer, trockenen Fusses durch das Meer zieht. Er ruft begeistert: «Halleluja! Was habe ich für einen grossen Gott!»
Der Vater holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück: Man wisse doch längst, dass das Wasser damals nur knöcheltief gewesen sei. Da hätten alle hindurchlaufen können. Der Student ist zunächst ernüchtert, liest aber weiter. Kurz darauf ruft er wieder: «Halleluja! Was habe ich für einen grossen Gott!» Der Vater fragt: «Was ist denn jetzt passiert?» Der Sohn antwortet: «Stell dir vor: In diesem knöcheltiefen Wasser hat Gott das ganze Heer der Ägypter ertrinken lassen!»
Wir müssen die Bibel nur wörtlich nehmen. Wenn wir sie an einer Stelle in Frage stellen, wird sie uns in Frage stellen. Nicht das beunruhigt mich, was ich an der Bibel nicht verstehe, sondern das, was ich verstehe. Denn das ist klar genug, um mir den Weg zum Leben, den Weg in den Himmel und eine lebendige Hoffnung zu zeigen.
Menschen brauchen Gottes Wort. Sie brauchen gesunde Lehre als Grundlage ihres Lebens. Alle menschlichen Weisheiten verblassen angesichts der göttlichen Wahrheit.
Jesus sagt in Johannes 14,12: «Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue.» Diese untergehende Welt braucht fitte Christen, die ihren Glauben offensiv leben. Wir sollen nicht hinter dem Berg halten, sondern auf natürliche Weise von Christus sprechen – so selbstverständlich, wie andere vom Fussball, von einem neuen Auto oder vom Urlaub schwärmen.
Wir brauchen uns unseres Herrn nicht zu schämen. Niemand hat die Weltgeschichte so positiv beeinflusst wie Jesus Christus. Niemand ist mit ihm zu vergleichen. Er ist unser Heiland. Von ihm wollen wir Zeugnis geben.
Gerade Schwierigkeiten können neue Möglichkeiten eröffnen. Ich erlebte das bei einer Beerdigung in unserem Dorf. Dort wurde weder der Name Jesus noch der Name Gottes erwähnt. Es gab kein Gebet, nichts Christliches. Viele Menschen, auch Nichtchristen, waren entsetzt. Am nächsten Tag stand ich in der Angelhütte an der Theke, trank ein Bier, und mehrere Männer sprachen mich darauf an: «Was hältst du davon? Keine Rede von Jesus, kein Vaterunser, nichts?»
Ich sagte: Vielleicht war das seit Jahren einmal wieder die erste ehrliche Beerdigung in unserem Ort. Denn wer nicht mit Gott leben will, muss auch nicht christlich beerdigt werden. Und ich lasse bei Beerdigungen das Vaterunser nicht automatisch beten, denn ich will Menschen nicht zum Plappern verführen. Wer kann Gott wirklich Vater nennen? Nur der, der Gott zum Vater hat.
Solche Situationen öffnen Türen. In jeder Not steckt eine neue Chance. Wir beklagen die Zunahme der Gottlosigkeit – und wir nutzen sie, um christliche Werte und Hoffnung in diese Welt hineinzuleben.
Gemeinschaft, die Frucht bringt
Der dritte Punkt im Fitnessprogramm Jesu steht in Johannes 15: «Bleibt in mir, und ich bleibe in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt» (Joh 15,4).
Christen haben eine enge, organische Beziehung zu Christus. Eine Rebe bringt Frucht nicht aus sich selbst. Frucht kann man nicht machen. Der Apfelbaum in unserem Garten steht im Frühjahr nicht da und zittert: Hoffentlich bringe ich bald Frucht! Frucht entsteht, wenn die Nährstoffe fliessen und die Sonne scheint.
So ist es auch im Christenleben. Frucht entsteht aus der Gemeinschaft mit Christus. Christsein ist kein Krampf. Manche leben verkrampft, weil sie meinen, sie müssten nun unbedingt Frucht hervorbringen. Doch das Entscheidende ist: Suche die Gemeinschaft mit Christus. Betrachte ihn.
Paulus schreibt in 2. Korinther 3,18: «Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.»
Hier steht die Passivform: Wir werden verwandelt. Nicht wir verwandeln uns selbst durch religiöse Anstrengung. In der Beschäftigung mit Christus geschieht Veränderung. Das ist das Geheimnis eines dankbaren, zufriedenen Christseins: Frucht entsteht aus Beziehung.
Wer fit für die Zukunft sein will, muss Gemeinschaft pflegen – vor allem mit Christus. Der jüdische Philosoph Martin Buber sagte: «Wir werden am Du.» Wir brauchen ein Gegenüber. Das wichtigste Du, das uns niemals durch Tod oder Verlust genommen werden kann, ist die lebendige Beziehung zu Gott.
Wenn wir über Zukunft nachdenken, müssen wir auch über Beziehungen sprechen. Beziehungskrisen nehmen zu. Die Bildungskrise, die wir erleben, ist im Kern auch eine Beziehungskrise. Wo gibt es noch intakte Ehen und Familien – selbst in christlichen Kreisen?
Ehe und Familie sind herrliche Stiftungen Gottes. Sie sorgen für den Fortbestand von Gemeinde und Gesellschaft. Wir brauchen gesunde Ehen und Familien. Genau hier liegt ein grosses Kampffeld des Feindes. Er weiss, dass eine gesunde Familie Voraussetzung für eine intakte Gesellschaft ist.
Heute wird Familie oft sehr weit definiert: als soziale Einheit, die mindestens zwei Generationen umfasst und Raum für Entfaltung, Entwicklung und Sicherheit bietet; sie könne aus einem Elternteil oder Elternpaar mit Kind bestehen und verschiedene Lebensgemeinschaften einschliessen, auch nicht eheliche und gleichgeschlechtliche Partnerschaften.
Doch nach Gottes Ordnung ist die Grundlage der Familie die Ehe. Die Ehe ist eine lebenslange Gemeinschaft von einem Mann und einer Frau, die sich vor Gott und der Obrigkeit versprochen haben, zusammenzubleiben, bis der Tod sie scheidet. So sieht Gott die Ehe.
Und wenn etwas schiefgelaufen ist? Dann leben wir aus Vergebung und Bekenntnis. Es gibt die Chance zum Neuanfang.
Was hat das mit dem Fitnessprogramm Jesu zu tun? Sehr viel. Die gute Beziehung nach oben hilft zu guten Beziehungen untereinander. Wenn ein Ehepaar in einer Krise zu mir kam, fragte ich oft zuerst: «Ihr seid doch Christen. Wann habt ihr das letzte Mal zusammen gebetet?» Häufig merkten sie dann: Wir haben seit Jahren nicht mehr gemeinsam gebetet. Und genau dort begann es zu bröckeln.
In erster Linie geht es um die Beziehung nach oben. Wenn diese Beziehung neu gepflegt und in Ordnung gebracht wird, ist das die beste Grundlage dafür, dass auch horizontale Beziehungen wieder heil werden. In der gelebten Beziehung mit Christus finden Kinder Gottes zu ihrer eigentlichen Identität: zur Wesenseinheit mit ihm.
Darum sind intakte Beziehungen so wichtig. Sie machen fit für die Zukunft. Wer in Christus bleibt und in wem Christus bleibt, wird seine Identität als Christ nicht aufgeben.
Jesus kündigt in seinen Abschiedsreden auch den Geist der Wahrheit an, den er senden wird. Nach der Himmelfahrt kommt Pfingsten. Der Heilige Geist hat ein Ziel: Er zeugt von Jesus, verherrlicht Jesus, überführt die Welt, leitet in die Wahrheit und verkündigt das Kommende. Auch das macht fit für die Zukunft.
Wir dürfen dankbar sein, dass Jesus uns sein ganzes Fitnessprogramm gegeben hat: sein Wort und seinen Geist, der uns dieses Wort aufschliesst.
Gebet, das zuversichtlich macht
Das Fitnessprogramm Jesu endet mit dem Hinweis auf das Gebet. Jesus sagt: Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben, damit eure Freude völlig sei.
Darum wollen wir zuversichtlich beten. Konkret beten. Mit Erwartung beten. Gott hört jedes Gebet, und er erhört, was seinem Willen entspricht. Es ist gut, dass Gott nicht jede Bitte erfüllt, die wir vor ihn bringen. Es ist gut, dass wir beten: Herr, dein Wille geschehe.
Lasst uns besonders für die junge Generation beten. Ich wünsche, dass sie auch hier im Umfeld des Mitternachtsrufes und der Gemeinde-Bibelschule fit gemacht wird für die Zukunft.
Lasst uns beten, dass wir in einer immer gottloser werdenden Welt ein Zeugnis sind. Lasst uns als Lichter in der Dunkelheit leuchten. Johannes schreibt am Anfang seines Evangeliums: «Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen» (Joh 1,5). Man kann auch sagen: Die Finsternis hat es nicht auslöschen können.
Dieses Licht kann keine Macht der Welt auslöschen. Das gilt auch für Israel. Dieses kleine Volk, dieses Land, kleiner als manches Bundesland, können die Mächtigen dieser Welt nicht auslöschen, weil Gott dort Geschichte schreibt. Israel ist Gottes irdisches Volk. Gott beweist seine Treue jeden Tag.
Hoffnung in ausweglosen Situationen
Wenn wir an die Lage unserer Gesellschaft denken, erinnert mich vieles an die Titanic. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 sank eines der grössten Schiffe der Welt. Es galt als unsinkbar. An Bord waren über 2220 Menschen. 1514 starben.
Der Regisseur James Cameron sagte über das Geschehen an Bord: Es spiegle die menschliche Neigung wider, die Realität nicht wahrhaben zu wollen. Die Menschen sagten: «Dieses Schiff kann nicht sinken.» In Wahrheit meinten sie: «Wir werden niemals sterben.» Insofern sei die Titanic ein Beispiel für die Unabwendbarkeit des Todes. Wir alle fahren auf der Titanic, ohne es zu wissen.
Das ist die Situation des Menschen: feiern, obwohl das Wasser bis zum Hals steht.
Solange wir unterwegs sind zu dem herrlichen Ziel, zu den Wohnungen unseres Herrn, wollen wir nach seinem Fitnessprogramm leben. Wir haben als Menschen nichts im Griff. Aber er darf uns im Griff haben. Das gibt Halt.
Wie das in einer ausweglosen Situation konkret aussehen kann, sehen wir am 11. September 2001 an Todd Beamer. Etwa eine halbe Stunde nach den Anschlägen auf das World Trade Center erfuhren die Passagiere von United Airlines Flug 93 über ihre Handys, was geschehen war. Sie ahnten, dass auch ihre Entführung einem symbolträchtigen Ziel dienen sollte – vielleicht dem Kapitol oder dem Weissen Haus.
Die Lage war aussichtslos. Terroristen waren an Bord. Passagiere wurden angegriffen. Was macht ein Christ in einer solchen Situation?
Von Todd Beamer wissen wir es dank des Notfalltelefons im Sitz des Vordermannes. Der 31-jährige leitende Angestellte wählte gegen 9.45 Uhr den Notruf und schilderte die Situation. Er schrie nicht zu Gott: «Wo bist du?» Er blieb ruhig. Mit der Frau in der Telefonannahme sprach er das Vaterunser und Psalm 23: «Der HERR ist mein Hirte … Auch wenn ich wandern würde im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.»
Dann bat er darum, seine schwangere Frau Lisa und seine beiden Söhne zu grüssen. Anschliessend erhob er sich mit weiteren Passagieren, um den Terroristen entgegenzutreten und Schlimmeres zu verhindern. Das Flugzeug zerschellte kurz nach 10 Uhr auf einem Acker. Diese Männer haben Geschichte geschrieben. Die Tageszeitung Die Welt überschrieb einen Bericht über ihre Tat mit den Worten: «Licht inmitten der Finsternis.»
Todd Beamer hat alles richtig gemacht: ein mutiger Mann, ein fitter Christ, der in auswegloser Lage Hoffnung lebte.
Darum wollen wir in diesen Tagen weiter das tun, worum es im Christsein immer schon gegangen ist: Christus bekennen und ihm in ausweglosen Situationen vertrauen. Wir reden nicht nur von Hoffnung. Wir leben sie.
Hoffnung macht es möglich zu leben, auch wenn es keine sichtbare Lösung gibt. Man sagt: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Aus meiner Sicht ist dieser Satz falsch. Unsere Hoffnung stirbt nie, denn unsere Hoffnung ist eine Person: Jesus Christus.
Darum beschäftigen wir uns so gerne mit ihm. Darum wollen wir uns gegenseitig stärken, ermutigen und motivieren. Fit für die Zukunft werden wir, wenn wir geduldig beten, konsequent glauben, freudig erwarten und einander in Liebe dienen.
Das Fitnessprogramm Jesu endet im hohepriesterlichen Gebet. Jesus betet: «Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt erkennt dich nicht; ich aber erkenne dich, und diese erkennen, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen» (Joh 17,24-26).