Während Sie diese Worte lesen, nähern sich Israel und der Iran einem Todeskampf, der auf das hinweist, was die Bibel in der alten Prophezeiung in Hesekiel 38–39 für die Endzeit voraussagt. Alles, womit wir uns bis jetzt in diesem Buch beschäftigt haben, deutet auf diese Prophezeiung hin.
Diese vor fast 2600 Jahren verfassten Kapitel beschreiben ein grosses Staatenbündnis, dem auch der Iran angehören wird. Diese Koalition wird in den letzten Tagen, wenn Israel wieder in seinem Land gesammelt sein und in Frieden leben wird, in das Land Israel einmarschieren. Die Invasion ist als die Schlacht von Gog und Magog bekannt. Das ist der erste von zwei grossen Kriegen in der Endzeit. Bevor Sie mit diesem Artikel beginnen, wäre es sinnvoll, wenn Sie zuerst Hesekiel 38–39 lesen, um mit diesen Kapiteln vertraut zu werden.
Um diese grosse Prophezeiung und ihre Bedeutung für heute besser zu verstehen, möchte ich mich auf vier wichtige Punkte konzentrieren: die Verbündeten, Zeitpunkt und Gründe des Krieges, die vernichtende Niederlage der Angreifer und die Folgen.
Die Verbündeten
Hesekiel 38 beginnt mit einer Liste von Nationen, die die Invasionstruppen stellen, die Israel in der Endzeit angreifen werden:
«Und das Wort des HERRN erging an mich folgendermassen: Menschensohn, wende dein Angesicht gegen Gog im Land Magog, den Fürsten von Rosch, Mesech und Tubal, und weissage gegen ihn, und sprich: So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über dich, Gog, du Fürst von Rosch, Mesech und Tubal! Und ich will dich herumlenken und will dir Haken in deine Kinnbacken legen; ich will dich und deine ganze Kriegsmacht herausführen, Rosse und Reiter, alle prächtig gekleidet, eine grosse Menge, die alle Ganzschilde, Kleinschilde und Schwerter tragen: Perser, Kuschiten und Put mit ihnen, alle mit Kleinschild und Helm, Gomer samt allen seinen Truppen, das Haus Togarma vom äussersten Norden, auch mit allen seinen Truppen, viele Völker mit dir. So mache dich nun bereit und rüste dich mit all deiner Menge, die sich bei dir versammelt hat, und sei du ihr Aufseher!» (Hes 38,1-7).
Keiner der in Hesekiel 38,1-7 aufgeführten Ortsnamen findet sich auf einer modernen Landkarte. Hesekiel benutzte die alten Ortsnamen, die die Menschen zu seiner Zeit kannten. Obgleich sich die Bezeichnungen dieser geografischen Orte im Laufe der Geschichte häufig verändert haben und sich möglicherweise wieder verändern werden, bleibt das geografische Gebiet doch dasselbe. Unabhängig davon, welche Namen sie zur Zeit der Invasion tragen werden, werden doch diese bestimmten geografischen Gebiete daran beteiligt sein, wie Thomas Ice herausstellt:
«Es sieht so aus, als würde Hesekiel die Bezeichnungen von Völkern benutzen, in erster Linie von der Völkertafel, und wo sie lebten, als diese Prophezeiung im 6. Jahrhundert v. Chr. gegeben wurde. Wenn wir nun herausfinden, wo diese Völker und Orte im 6. Jahrhundert v. Chr. waren, dann können wir bestimmen, wer ihre heutigen Nachkommen sind.»
Schauen wir uns doch einmal die alten Namen der Reihe nach an, um herauszufinden, wer ihre heutigen Pendants sind, die in den letzten Tagen in Israel einfallen werden.
Gog
Der erste Name ist «Gog». Er kommt elf Mal in Hesekiel 38–39 vor. Aus dem Kontext von Hesekiel wird deutlich, dass Gog eine Person und der Anführer dieser Invasion ist. Er wird direkt von Gott angesprochen (38,14; 39,1) und als Fürst bezeichnet (38,2; 39,1). Das Wort «Gog» bedeutet «Höhe oder Berg» und bezieht sich wahrscheinlich auf den Stolz und die Arroganz dieses Führers.
Viele glauben, dass er mit dem Antichristen identisch ist. Ich bin nicht dieser Ansicht. Ich glaube, der Antichrist wird den westlichen Staatenbund in der Endzeit anführen und Gog die russischislamische Koalition. Gog und der Antichrist werden Feinde sein, die miteinander um die Macht konkurrieren.
Magog
Das Land Magog wurde von den alten Skythen bewohnt. Die Skythen waren wilde, nördliche Nomadenstämme, die auf dem Territorium Zentralasiens bis zu den südlichen Steppen des heutigen Russlands lebten. Heute wird Magog wahrscheinlich von den ehemaligen Sowjetrepubliken repräsentiert: Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan. Magog könnte Russland ebenso eingeschlossen haben wie Afghanistan. Ausser Russland werden all diese Nationen vom Islam beherrscht, zusammen haben sie eine Gesamtbevölkerung von mehr als 60 Millionen Einwohnern.
Rosch
Bibelgelehrte haben das Rosch in Hesekiel 38,2 oft als Russland identifiziert. Es gibt starke linguistische und historische Anhaltspunkte für diese Verbindung. Hesekiel prophezeit, dass sich der russische Bär in den letzten Tagen erheben und in Israel einmarschieren wird. Vor 2600 Jahren sagte der Prophet Hesekiel voraus, dass in den letzten Tagen ein Volk «vom äussersten Norden» (38,6.15; 39,2) in Israel einfallen wird. Die Nation, die von Israel aus gesehen im äussersten Norden liegt, ist Russland. Als die Sowjetunion auseinanderbrach, dachten viele, der grosse russische Bär würde nun endgültig in den Winterschlaf fallen. Aber heute ist der russische Bär gefährlicher als jemals zuvor. Die mächtige Sowjetunion löste sich auf und Russland blieb als eine Bärin übrig, die ihrer Jungen beraubt wurde.
Die Erfüllung der Prophezeiungen Gottes über Russland scheint heute näher zu sein als je zuvor. Wenn wir dem Bär in der Endzeit folgen, entdecken wir, dass seine Fussabdrücke geradewegs zum Land Israel führen. Die einleitenden Vorbereitungen für diese Invasion geschehen möglicherweise direkt vor unseren Augen. Die aktuellen Ereignisse stimmen auffallend mit den biblischen Prophezeiungen überein.
Denken Sie einmal darüber nach. Wenn Israel gezwungen wird, die iranischen Atomanlagen schon bald ausser Gefecht zu setzen, wird das im Iran einen gewaltigen Hass auf Israel hervorrufen, der die Invasion von Gog in naher Zukunft in Gang setzen könnte. Für die Nationen der Gog-Koalition könnte es als explosiver Auslöser dienen, sich zu einem Grossangriff zu verschwören – einem letzten Vergeltungsschlag gegen Israel. Ein solcher Angriff könnte sogar der «Haken in den Kinnbacken» sein, der Russland in die Auseinandersetzung hineinzieht. Russland hat Israel wiederholt vor einem Angriff auf den Iran gewarnt.
General Jerry Boykin, ehemaliger Dreisternegeneral und früherer Unterstaatssekretär des US-Verteidigungsministeriums für Nachrichtendienste, hat folgende Perspektive eröffnet:
«Wenn Israel den Iran angreift … würde sich die Beziehung zwischen Russland und dem Iran vertiefen. Ich glaube, Russland würde den Iranern … dann zur Hilfe kommen, und ich denke, diese Beziehung würde sich noch festigen durch zunehmende militärische Kooperation und militärische Unterstützung, den Verkauf von zusätzlicher militärischer Ausrüstung sowie durch militärische Beratung. Und das bereitet die Bühne für das, was in Hesekiel 38 und 39 beschrieben wird.»
Unzweifelhaft befinden sich die Dinge heute in ständigem Fluss, aber die Bibel macht deutlich, in welche Richtung es geht und was letzten Endes passieren wird.
Es ist gut vorstellbar, dass ein ähnliches Szenario wie das, das sich uns heute bietet, der «Haken in den Kinnbacken» sein könnte, den Gott benutzt, um ein widerstrebendes Russland in den letzten Tagen ins Land Israel hinabzuziehen. Russlands geo- politische Strategie, seine Beziehungen zum Iran und anderen muslimischen Staaten zu vertiefen, könnte dazu führen, dass Russland in der Endzeit nach Israel gezogen wird, so wie es Hesekiel vorhersagte.
Der Prophetieexperte Thomas Ice spielt mit folgendem zukünftigen Szenario:
«Ich könnte es mir so vorstellen: Die Muslime sagen zu den Russen, dass Amerika einen Präzedenzfall für eine von aussen kommende Macht geschaffen hat, die in den Nahen Osten eingreift, um offensichtliches Unrecht wiedergutzumachen. (Amerika hat das in den letzten Jahren wiederholt getan, als es nach Afghanistan und in den Irak ging.) Auf dieser Grundlage wird Russland seinen muslimischen Freunden helfen und sie nach Israel führen, um den Nahostkonflikt zu Gunsten der islamischen Nationen zu lösen. Wird das der «Haken in den Kinnbacken» von Gog sein? Nur die Zeit kann das beantworten. Aber etwas geht im Nahen Osten vor und Russland scheint seine Fingerabdrücke auf allem zu hinterlassen. Wir wissen, dass die Bibel eine solche Invasion für die ‹letzten Tage› vorhersagt.»
Russland spielt eine wichtige Rolle im Iran. Die russische Führung unter Wladimir Putin hat ihre Interessen im Iran gründlich gewahrt und den Iran permanent vor jeder ernsthaften Massnahme des UN-Sicherheitsrats geschützt:
«Um den Status als Supermacht für sein Land zurückzuerlangen, konzentrieren sich Herrn Putins Bemühungen auf den Iran. Syrien ist ein Mosaikstein. Ohne seine syrischen Verbündeten wäre der Iran nahezu völlig isoliert und entscheidend geschwächt. Das kann Moskau nicht zulassen. Warum ist der Iran für Herrn Putins globale Ambitionen von so zentraler Bedeutung? Wenn Sie sich das Gebiet um das Kaspische Meer ansehen, werden Sie die strategische Gleichung verstehen. Der Iran ist so etwas wie der südliche Engpass für die Geografie Zentralasiens. Er könnte dem Westen Zugang zu den Ressourcen der Region gewähren, die dann an Russland vorübergehen würden. Wenn der Iran zu einer prowestlichen Haltung zurückkehren würde, könnten die riesigen Erdöl- und Gasvorkommen in Kasachstan und Turkmenistan und anderen Staaten direkt in die Welt fliessen ohne ein Veto aus Moskau. […] Hier steht mehr auf dem Spiel als nur die Befreiung einer gewaltigen Landmasse vom Joch des Kremls. Es würde einen enormen Schaden für Russlands Einfluss bedeuten und die globalen Machtverhältnisse ebenso erschüttern wie seinerzeit die Auflösung des Warschauer Pakts. Der Einfluss, den Russland mit seinem Gas und Erdöl auf die Türkei, die Ukraine und einen Grossteil Europas ausübt, würde dann deutlich schwinden.»
Putin kann es nicht zulassen, dass der Zauber der russischen Macht vergeht. Der Iran ist das Kernstück dieses Bildes. In letzter Zeit haben die russischen Beziehungen zum Iran vertraute Züge angenommen. Massive gemeinsame militärische Übungen von Russland, dem Iran, China und Syrien weisen auf einen kommenden Krieg hin. Iran, Russland, China und Syrien haben im Nahen Osten eine gemeinsame militärische Übung durchgeführt. Eine etwa 90000 Mann starke Truppe der vier Staaten nahm an Land-, Luft- und Seemanövern vor der syrischen Küste teil, einschliesslich Luft- und Raketenabwehreinheiten. Ausserdem waren bei der Übung ca. 400 Kampfflugzeuge und 1000 Panzer im Einsatz. Ägypten gewährte zwölf chinesischen Kriegsschiffen die Erlaubnis, den Suezkanal zu passieren. Russische AtomU-Boote, Kriegsschiffe, Flugzeugträger und iranische Schlachtschiffe legten in syrischen Häfen an. Während der Übung testete Syrien seine Luftabwehrsysteme und Coasttosea-Raketen. Zwei russische Mehrzwecklandungsboote liefen im russischen Stützpunkt im syrischen Hafen Tartus ein. Die gegenwärtig engen Verbindungen zwischen Russland und dem Iran weisen auf die biblische Prophezeiung in Hesekiel 38–39 hin.
Mesech und Tubal
Mesech und Tubal werden in der Schrift normalerweise zusammen genannt. Sie werden in Hesekiel noch zwei weitere Male erwähnt (27,13; 32,26). Die bevorzugte Bestimmung von Mesech und Tubal sind die antiken Moscher (Moschoi) und Tibarener in griechischen Schriften oder Tabal und Musku in assyrischen Inschriften. Ihr antiker Standort befindet sich in der heutigen Türkei. Somit sind Mesech und Tubal am besten als Hinweis auf die heutige Türkei zu verstehen, ein islamisches Land, das sich momentan von Israel wegbewegt und mehr und mehr auf seine islamischen Nachbarn zugeht.
Persien
Aus dem alten Persien wurde im März 1935 der heutige Iran, und im Jahr 1979 wurde der Name in Islamische Republik Iran geändert. Irans aktuelle Bevölkerungszahl liegt bei etwa 80 Millionen. Das iranische Regime ist der weltweit grösste Förderer des Terrorismus. Der Iran strebt die Vormachtsstellung in der Region an und entwickelt gleichzeitig Atomwaffen.
Äthiopien (Kusch)
Das hebräische Wort Kusch in Hesekiel 38,5 wird in modernen Bibelversionen oft mit «Äthiopien» übersetzt. Das antike Kusch wurde von den Assyrern und Babyloniern Kusu, von den Ägyptern Kosch oder Kasch und von den Griechen Nubien genannt. Die säkulare Geschichtsschreibung siedelt Kusch direkt südlich des alten Ägyptens an, bis hin zur Stadt Khartum, der Hauptstadt des heutigen Sudan. Somit bewohnt der heutige Sudan das antike Land Kusch. Der Sudan hat sich vor kurzem geteilt. Der Nord-Sudan ist eine extrem islamische Nation, die im Golfkrieg den Irak unterstützte und Osama bin Laden von 1991 bis 1996 Unterschlupf gewährte. So überrascht es nicht, dass dieser Teil Afrikas dem Westen feindlich gesonnen ist und sich an einem Angriff auf Israel beteiligen könnte.
Der vorwiegend christliche Süd-Sudan wurde im Juli 2011 der 54. afrikanische Staat. In einem Volksentscheid vom Januar 2011 sprachen sich die Menschen nahezu einstimmig für die nationale Unabhängigkeit aus. Die Teilung der Nation in einen islamischen Norden und einen grösstenteils christlichen Süden ist ein weiterer Schritt, der die Erfüllung der Hesekiel-Prophezeiung noch wahrscheinlicher macht, da der islamische Norden nun eigenständig handeln kann.
Angesichts der Unabhängigkeit des Süd-Sudans erklärte der sudanesische Präsident Omar al-Baschir, dass der Nord-Sudan die Gesetze der Scharia verstärkt befolgen wird:
«Wenn der Süd-Sudan sich abspaltet, werden wir die Verfassung ändern und gleichzeitig wird es keinen Raum mehr geben, über kulturelle und ethische Vielfalt zu sprechen. Die Scharia (das islamische Recht) und der Islam werden die Hauptquellen der Verfassung sein, der Islam die offizielle Religion und Arabisch die offizielle Sprache.»
Der Nord-Sudan ist nahe daran, seinen Platz in dem kommenden Bündnis von Gog einzunehmen, so wie Hesekiel es prophezeit hat.
Libyen (Put)
Alte Quellen geben an, dass Put oder Phut in Nordafrika liegt.
Die Babylonian Chronicles, eine Reihe von Schrifttafeln, auf denen die altbabylonische Geschichte festgehalten wurde, erklären, dass Put das «ferne» Land westlich von Ägypten gewesen war, was dem heutigen Libyen entspricht, und möglicherweise andere, noch weiter westlich gelegene Nationen wie Algerien und Tunesien einschloss. Die Septuaginta, die erste griechische Übersetzung des Alten Testaments, gibt das Wort Put mit Libues wieder.
Der heutige islamische Staat Libyen litt von 1969 bis zur Revolution im Jahr 2011 unter der Herrschaft von Oberst Muammar al-Gaddhafi. Dieser grössenwahnsinnige Herrscher wurde schliesslich aus seinem Amt vertrieben, aber der Übergang zu einer neuen Regierung gestaltete sich mehr als schwierig.
Infolge der Revolution befürchten viele, dass ein zersplitterter Staat entstehen wird. Ost-Libyen, wo die Ölfelder des Landes liegen, hat damit gedroht, eine Teilautonomie anzustreben und schliesslich einen separaten östlichen Staat zu bilden. Die Zentralregierung hat sich ganz und gar als regierungsunfähig erwiesen. Die Hoffnung stirbt:
«Nach der Befreiung von der Herrschaft Gaddhafis träumten sechs Millionen Libyer, ihr Land könnte ein neues Dubai werden – ein Staat mit einer kleinen Bevölkerung und reichlich Petrodollars, der Investitionen nur so anzieht. Jetzt sorgen sie sich, dass es zu einem neuen Somalia wird, einer Nation ohne echte Regierung für mehr als 20 Jahre.»
Libyen scheint auf eine jahrelange Instabilität zuzusteuern. Islamische Dschihadisten, die wie eine Art Bürgerwehr handeln, griffen Heiligtümer und Denkmäler an, die als unislamisch erachtet wurden. Die Muslim-Bruderschaft, die unter Gaddhafis Herrschaft verboten war, hat in Libyen die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung gegründet. Wenn sich der Staub in Libyen erst einmal gelegt hat, könnte sich die Nation in den Fängen von radikalislamistischen Führern wiederfinden, die die Chance ergreifen, als Teil einer Koalition in Israel einzufallen.
Gomer
Gomer bezieht sich auf die alten Kimmerier oder Kimmerioi. Die Geschichte der Antike identifiziert das biblische Gomer mit dem akkadischen Gimirraa und dem armenischen Gamir. Anfangend im 8. Jahrhundert v. Chr. besetzten die Kimmerier Gebiete in Anatolien in der heutigen Türkei. Josephus bemerkte, dass die Gomerer mit den Galatern identifiziert wurden, die in der heutigen Zentraltürkei wohnten. Die Türkei ist ein islamisches Land, das seine Beziehungen zu Russland vertieft. Die Loyalität der Türkei gilt von Natur aus nicht der Europäischen Union, sondern seinen muslimischen Nachbarn.
Togarma
Togarma wird in Hesekiel 27,14 als eine Nation erwähnt, die mit Pferden und Maultieren mit dem antiken Tyrus Handel trieb. Das antike Togarma war auch bekannt als Tilgaramu (Assyrisch) oder Tegarma (Hetitisch), und sein Territorium liegt in der heutigen Türkei, nördlich von Israel. Auch hier wird die Türkei als Teil des Staatenbündnisses identifiziert, das Israel angreifen wird.
| Die Endzeit-Koalition von Gog (Alter Name – Heutiger Staat) | |
| Rosch (Raschu, Rasapu, Ros und Rus) | Russland |
| Magog (Skythen) | Zentralasien |
| Mesech (Muschki und Musku) | Türkei |
| Tubal (Tubalu) | Türkei |
| Persien | Iran |
| Äthiopien (Kusch) | Sudan |
| Put oder Phut | Libyen |
| Gomer (Kimmerier) | Türkei |
| Togarma (Tilgarimmu oder Tegarma) | Türkei |
Während ich dies hier schreibe, arbeiten viele dieser Staaten an den Beziehungen zueinander oder intensivieren diese noch. Diese Liste von Staaten liest sich wie das Who’s Who in den Tageszeitungen dieser Woche. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass diese Nationen, die bis auf Russland alle islamisch sind, sich verschwören, um in naher Zukunft in Israel ein- zumarschieren – insbesondere wenn Israel einen Erstschlag gegen den Iran unternimmt.
Natürlich erwähnt die Bibel den Islam nicht, da er erst im 7. Jahrhundert n. Chr. gegründet und das Neue Testament 95 n. Chr. fertiggestellt wurde. Interessant ist aber, dass alle in Hesekiel 38,1-7 aufgeführten Nationen, die Israel in der Endzeit angreifen werden, zurzeit islamisch sind, ausgenommen Russland. Und die meisten von ihnen sind gegenwärtig erklärte Feinde Israels (Iran, Libyen und der Sudan). Nichts würden diese Staaten lieber tun, als in Israel einzufallen und es von der Oberfläche der Erde auszuradieren. Gott wusste das natürlich, als Hesekiel seine Prophezeiung um 570 v. Chr. aufschrieb. Das ist eine weitere Bestätigung der göttlichen Inspiration der Bibel.
Die Gegner
Alles, was wir heute sehen, legt nahe, dass der Iran und andere Staaten in Hesekiel 39 sich auf Kollisionskurs mit Israel befinden und sich gerne der Koalition von Gog aus Hesekiel 38 anschliessen würden. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass zwischen dem Iran und den sunnitischen Nationen wie Saudi-Arabien und den Golfstaaten eine beachtliche Kluft besteht. Auch das stimmt mit dem Bild in Hesekiel 38–39 überein. Wenn Russland, Zentralasien, Iran, Türkei, Nord-Sudan und Libyen (und eventuell noch andere Nationen) sich zu einem Angriff auf Israel zusammenschliessen, wird eine andere Gruppe von Staaten untätig zusehen und dagegen protestieren. Davon lesen wir in Hesekiel 38,10-13.
«So spricht GOTT, der Herr: Ja, es wird geschehen zu jener Zeit, da wird dir allerlei in den Sinn kommen, und du wirst böse Pläne schmieden. Du wirst sagen: ‹Ich will hinaufziehen in das offene Land; ich will über die kommen, die ruhig und sicher wohnen; sie wohnen ja alle ohne Mauern; sie haben weder Riegel noch Tore!› Um Beute zu machen und Raub zu raffen, wirst du deine Hand an die wieder bewohnten Ruinen zu legen suchen, und an das Volk, das aus den Heidenvölkern gesammelt worden ist, das Vieh und Güter bekommen hat und das den Mittelpunkt der Erde bewohnt. Dann werden Saba und Dedan und die Kaufleute von Tarsis und alle ihre jungen Löwen zu dir sagen: Bist du gekommen, um Beute zu machen? Hast du deine Menge gesammelt, um zu plündern, um Silber und Gold zu nehmen, um Vieh und Güter wegzuführen und grossen Raub an dich zu reissen?»
Die Staaten, die dagegen Einspruch erheben, sind «Saba und Dedan und die Kaufleute von Tarsis und alle ihre jungen Löwen». Saba und Dedan sind Nationen, die wir heute unter dem Namen Saudi-Arabiens und anderer gemässigter Golfstaaten kennen. Diese sunnitischen Muslime sind gegen den Iran und sein Atomprogramm. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie sie zusehen und diese zukünftige Invasion verurteilen. Das Handeln von Saba und Dedan passt zu dem, was wir heute beobachten können.
Der Ausdruck «die Kaufleute von Tarsis und alle ihre jungen Löwen» ist nicht so leicht zu verstehen. Es gibt drei Orte in der Antike, die als «Tarsis» bekannt waren. Erstens gab es einen Ort mit diesem Namen an der Ostküste Afrikas, wobei die genaue Lage unbekannt ist. Zweitens gab es ein Tarsis in England. Drittens lag ein Ort namens Tartessus im heutigen Spanien. Die meisten Experten scheinen die dritte Möglichkeit zu bevorzugen – so auch der Gelehrte für Hebräisch, Heinrich Friedrich Wilhelm Gesenius. Zu biblischen Zeiten war Tarsis eine reiche, blühende phönizische Kolonie im heutigen Spanien, die Silber, Eisen, Zinn und Blei exportierte (Jer 10,9; Hes 27,12.25).
Obwohl es andere Übersetzungen gibt, ist die in der Schlachter 2000 verwendete wahrscheinlich die Beste: «Tarsis und alle ihre jungen Löwen» (Hes 38,13). Junge Löwen werden in der Schrift häufig für starke, resolute Herrscher benutzt. Die jungen Löwen, die sich zusammen mit Tarsis verbal gegen die Invasion von Gog stellen, könnten somit starke militärische und politische Führer sein, die mit Tarsis kooperieren.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich der Ausdruck «alle ihre jungen Löwen» auf die Staaten bezieht, die aus Tarsis hervorgegangen sind. Wenn das stimmt, stellt sich wieder die Frage: Wo lag Tarsis zur Zeit Hesekiels? Offensichtlich in den am weitesten westlich gelegenen Regionen der damals bekannten Welt, was wiederum Spanien war.
Gott hatte Jona damit beauftragt, nach Ninive (etwa 800 Kilometer nordöstlich von Israel) zu gehen und dort zu predigen. Aber Jona ging so weit in die entgegengesetzte Richtung, wie er konnte, und kam so nach Tarsis (Jon 1,1-3). Spanien liegt im heutigen Europa. Genauer gesagt, in Westeuropa. Möglicherweise benutzte Hesekiel Tarsis, oder das heutige Spanien, für die Staaten Westeuropas, die sich den gemässigten arabischen Staaten anschliessen und diese Invasion verurteilen. Tarsis wird in der Schrift oft mit dem weit entfernten Westen assoziiert: «Die westlichen Könige von Tarsis und von den Inseln werden Gaben bringen» (Ps 72,10, übersetzt aus der englischen NLT).
Die jungen Löwen von Tarsis könnten ein Hinweis auf die Kolonien sein, die aus Europa hervorgingen, einschliesslich der Vereinigten Staaten. Wenn das stimmt, dann bedeuten die jungen Löwen von Tarsis, dass sich die Vereinigten Staaten mit Europa, Saudi-Arabien und den Golfstaaten zu einem formalen Protest gegen die russischislamischen Aggressoren verbünden. Wenn das Tarsis in England gemeint ist, könnten sich «alle ihre jungen Löwen» auf «die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland und andere moderne westliche Demokratien» beziehen, die aus England hervorgingen. Das wäre ein klarer biblischer Hinweis auf die Rolle Amerikas in der Endzeit. Das allein scheint mir jedoch zu dürftig, um diesen Standpunkt zu übernehmen.
Ob sich die jungen Löwen nun auf die Vereinigten Staaten oder auf die westlichen Mächte in den letzten Tagen beziehen, das in Hesekiel 38 beschriebene Szenario passt auf jeden Fall zu der gegenwärtigen weltpolitischen Lage. Russland spielt mit den Muskeln im Nahen Osten und schmiedet Allianzen mit dem Iran und arabischen Staaten. Die islamischen Nationen des alten Magog (Zentralasien) entwickeln und vertiefen ihre Beziehungen zum Iran, Russland und der Türkei. Der Israel-Hass der muslimischen Staaten im Nahen Osten schwillt weiter an. Es ist gut vorstellbar, wie die in Hesekiel 38,1-7 erwähnten Nationen unter der Führung Russlands zusammenfinden, um Israel anzugreifen. Ebenso leicht kann man sich ausmalen, wie die westlichen Mächte in den letzten Tagen gegen diesen Angriff protestieren.
Die nahen Feinde
Die in Hesekiel 38 aufgeführten Feinde werden oft als die «entfernten Feinde» bezeichnet. Wenn Sie eine Landkarte zur Hand nehmen, werden Sie feststellen, dass diese Feinde in jeder Richtung am weitesten von Israel entfernt liegen: Russland im Norden, der Iran im Osten, der Sudan im Süden und Libyen im Westen. Das wirft eine wichtige Frage auf: Was ist mit den nahen Feinden Israels wie Jordanien, Ägypten, Gaza, Syrien und Libanon? Sie werden in Hesekiel 38 nicht erwähnt. Sagt die Bibel etwas über das Schicksal dieser Nationen?
Manche Ausleger haben diese Frage mit Psalm 83 beantwortet, der die wichtigsten nahen Feinde Israels aufführt. Ihrer Ansicht nach ist dies ein gesonderter Krieg, der dem in Hesekiel 38–39 vorangehen und Israels nahe Feinde beseitigen wird. Sie glauben, die Vernichtung der nahen Feinde Israels, was sie oft als den Krieg aus Psalm 83 bezeichnen, wird den Weg für Israels Ruhe und Sicherheit ebnen (Hes 38,8.11). Obwohl dieses Szenario stimmen könnte, ziehe ich es vor, Psalm 83 ähnlich wie Psalm 2 zu sehen und nicht als einen gesonderten Endzeitkrieg.
Psalm 2 beschreibt den uralten Hass und die Verschwörung der Nationen gegen Gott und seinen Gesalbten, den Messias. Die Parallelen zu Psalm 83 sind offensichtlich. Die Nationen verschwören sich gegen den Herrn und den davidtischen König.
Der Herr spottet über sie und sagt eine Zeit voraus, wo (1) die Feinde vernichtet werden, (2) sein König über die Erde herrschen wird und (3) die Menschen sich ihm unterwerfen werden. Das ist eine Vorschau auf das Messianische Reich oder die tausendjährige Herrschaft Christi, die auf die Endzeit folgen wird. Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Stellen ist, dass Psalm 2 die Nationen nicht gesondert aufführt, Psalm 83 aber zehn klare Feinde nennt.
Dennoch läuft es auf dasselbe hinaus. Die Feinde Gottes und seines gesalbten Königs werden eines Tages vernichtet werden und sich ihm unterwerfen. In Psalm 2 sieht man keinen gesonderten Krieg. Es ist vielmehr eine allgemeine Prophezeiung, dass die Feinde des Herrn in der Endzeit vernichtet werden. Ich glaube, dasselbe kann man auch über Psalm 83 sagen.
Wir dürfen nicht vergessen: Die Psalmen waren schon lange fertig, bevor die Propheten anfingen, spezielle Prophezeiungen über die Nationen aufzuschreiben. Bei den Propheten finden wir konkrete Prophezeiungen über die Nationen und die Ereignisse der Endzeit. Die Psalmen enthalten zwar messianische Prophezeiungen, aber detaillierte Prophezeiungen über die Nationen in der Endzeit sind mir nicht bekannt.
Wenn man aus Psalm 83 einen gesonderten Endzeitkrieg herauslesen will, legt man meiner Meinung nach zu viel in einen Text hinein, der einfach nur sagt, dass Israel schon immer von Feinden umgeben war und immer sein wird, und dass der Herr eines Tages mit ihnen fertig wird. In Psalm 83 macht Gott dem Volk und seinem König am Anfang der davidtischen Herrschaft Mut und verheisst ihnen, dass er letzten Endes über ihre Feinde siegen und sein Volk vor der Ausrottung beschützen wird.
Was wird nun mit Israels nahen Feinden passieren? Es könnte sein, dass die Bibel uns nichts über ihr unmittelbares Schicksal verrät. Oder vielleicht sind sie auch an der Schlacht von Gog und Magog beteiligt. Dass die weiter entfernten Feinde Israels aufgeführt werden, könnte bedeuten, dass die benachbarten Nationen mit eingeschlossen sind. Immerhin endet Hesekiel 38,6 mit den Worten «viele Völker mit dir». Das könnte auch andere, in Hesekiel 38,6 nicht speziell erwähnte Nationen meinen und einige von Israels nahen Feinden einschliessen.
Der Islam und Hesekiel 38–39
Ironischerweise hat der Islam seine eigene Version von der Schlacht von Gog und Magog, die er den Krieg von Yajuj und Majuj nennt. Dieser unterscheidet sich aber erheblich von dem, was die Bibel berichtet. An zwei Stellen erwähnt der Koran «Gog und Magog» (Yajuj und Majuj) mit Namen (18,96; 21,96). Die islamische Eschatologie lehrt, dass es zehn grosse Zeichen gibt, die das nahende Ende und den Tag der Auferstehung signalisieren. Über die Reihenfolge dieser Zeichen kursieren die verschiedensten Meinungen, aber zumindest eine Liste führt Gog und Magog als viertes Zeichen an.
Laut der islamischen Lehre sind Gog und Magog zwei Gruppen von Türken, die zur Zeit von Abraham Verderben über die Erde brachten. Um sie unter Kontrolle zu halten, wurden sie schliesslich hinter einer grossen Absperrung eingeschlossen. Jahrhundertelang versuchten sie vergeblich, über sie zu klettern und sich unter ihr durchzugraben. Aber sie werden nicht entkommen, bis Allah beschliesst, dass sie freigelassen werden können. Dann wird die Absperrung zusammenbrechen und Gog und Magog werden sich in alle Richtungen verteilen und auch in das Land Israel stürmen, um die Muslime dort anzugreifen. Wenn Jesus ein Gebet gegen Gog und Magog spricht, wird Allah ihnen eine Krankheit oder Seuche schicken und sie dadurch auslöschen. Die Krankheit wird entweder als ansteckende, tödliche Furunkel beschrieben oder als eine Krankheit, die das Fleisch von den Knochen frisst.
Das sollte uns vertraut klingen. Mohammed hat es offensichtlich direkt aus Hesekiel 38 entnommen, mit ein paar zweckmässigen Änderungen, die seinen eigenen Absichten entgegenkamen. Hesekiel 38,22 sagt ausdrücklich, dass Gott die Angreifer mit Pest und Blut vernichten wird. Obwohl Muslime an die Prophezeiung von Gog und Magog glauben, scheinen sie völlig zu übersehen, dass all die Nationen, die Gott in Hesekiel 38 vernichten wird, heutige muslimische Staaten sind, ausgenommen Russland. Eines ihrer zehn grossen Zeichen der Endzeit wird von ihnen selbst erfüllt, wenn sie Israel in den letzten Tagen angreifen.
Zeitpunkt und Gründe des Krieges
Hesekiel sagt, dass diese Nationen von Russland angeführt werden und der Iran eine wichtige Rolle spielen wird. «Nach vielen Tagen» werden sie in das Land einfallen, wenn das Volk Israel in Frieden («in Sicherheit», «ruhig und sicher») und Wohlstand lebt (Hes 38,8-12). Über den Zeitpunkt der Invasion gibt es die meisten Diskussionen. Nahezu jeder Zeitpunkt in der Endzeit wurde genannt. Viele ausgezeichnete Prophetielehrer glauben, die Schlacht von Gog und Magog könnte noch vor der Entrückung stattfinden oder zumindest vor Beginn der Drangsalszeit. Befürworter dieser Sicht meinen, dieser Krieg könnte sich jederzeit ereignen, was dem aktuellen Geschehen sicher eine gewisse Dringlichkeit verleiht. Obschon diese Sicht nicht unmöglich erscheint, sagt Hesekiel, dass die Invasion in der «letzten Zeit» stattfindet, die meiner Meinung nach mit der Drangsalszeit beginnt. Aus diesem Grund glaube ich nicht, dass er vor dieser Zeit stattfinden kann.
Andere setzen diese Invasion mit Harmageddon gleich, was sich aber erst am Ende der Drangsalszeit ereignen wird. Die grösste Unterstützung erfährt diese Sicht durch die Tatsache, dass sich bei beiden Ereignissen die Vögel um die Leichen scharen werden (Hes 39,4-5.17-20; Offb 19,17-18). Obwohl dies eine beachtenswerte Par- allele ist, ist es nicht ungewöhnlich, dass zwei unterschiedliche Kriege ein Festessen für die Vögel sind. Das Hauptproblem dieser Sicht ist, dass Israel am Ende der Drangsalszeit nicht in Ruhe und Sicherheit leben wird. Zu diesem Zeitpunkt wird Israel bereits dreieinhalb Jahre unter der Verfolgung des Antichristen leiden und nicht in Frieden leben, was eine Grundvoraussetzung für die Invasion ist.
Wenn man all das in Betracht zieht, glaube ich, dass diese Invasion während der ersten Hälfte der kommenden 7-jährigen Drangsalszeit stattfinden wird, wenn Israel unter dem Friedensvertrag mit dem Antichristen lebt. Wiederholt betont Hesekiel, dass Israel bei Beginn der Invasion «in Sicherheit» (38,8.11.14) und «ruhig und sicher» (38,11) leben wird. Auch wenn manche behaupten, Israel würde heute «in Sicherheit» wohnen und «ruhig und sicher» leben, meine ich, dass das ziemlich weit hergeholt ist, schaut man sich die aktuelle Situation in Israel an.
Die Sprache in Hesekiel 38 scheint am besten zu der ersten Hälfte der kommenden 7-jährigen Drangsalszeit zu passen. Man sollte jedoch nicht dogmatisch hinsichtlich des Zeitpunkts der Invasion sein, denn: Selbst hervorragende Prophetielehrer sind sich über diesen Aspekt der Prophezeiung nicht einig. Mit Sicherheit können wir nur sagen, dass sie noch zukünftig ist. Kein bisheriges Ereignis kommt der Erfüllung des in Hesekiel 38–39 beschriebenen Geschehens auch nur nahe.
Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass diese Invasion irgend- wann in der Zukunft stattfinden wird. Bei diesem gewaltigen militärischen Feldzug werden Russland und seine islamischen Verbündeten über Israel kommen «wie ein Unwetter» und «wie eine finstere Wolke, die das Land bedecken will» (38,9). Dem Text in Hesekiel und parallelen alttestamentlichen Stellen sind vier Gründe zu entnehmen, warum Russland und seine Verbündeten nach Israel einmarschieren werden:
Um sich Israels Reichtum anzueignen (Hes 38,11–12). Worin genau dieser Reichtum besteht, wird nicht angegeben, aber manche haben spekuliert, dass damit unter anderem die riesigen Erdöl- und Gasvorkommen gemeint sein könnten, die momentan in Israel erschlossen und angezapft werden. Im Dezember 2010 wurde vor Israels Mittelmeerküste ein gewaltiges Erdgasvorkommen entdeckt, und in der Nähe von Jerusalem wurde sogar ein noch grösseres Gebiet mit Schieferöl gefunden. Man nimmt an, dass das Israel zu einem Nettoexporteur von Öl und Gas machen wird. Die arabischen Nahoststaaten haben nicht länger ein Energiemonopol.
Um den Nahen Osten zu kontrollieren. Auch wenn der Text das nicht ausdrücklich behauptet, kann man davon ausgehen, dass das Teil jeder Invasion dieser Grössenordnung sein wird.
Um Israel zu vernichten. Die in der Schrift erwähnten islamischen Staaten hassen Israel und würden nichts lieber tun, als über Israel zu kommen «wie ein Unwetter» und «wie eine finstere Wolke, die das Land» bedeckt. Diese Invasion wird so aussehen, als wäre sie die lang erwartete Erfüllung des muslimischen Traums, die Juden ins Meer zu treiben.
Um die Autorität des Antichristen herauszufordern. Wenn ich mit dem Zeitpunkt der Invasion während der ersten Hälfte der Drangsalszeit richtig liege, wird Israel zu Beginn des Angriffs unter dem Friedensvertrag mit dem Antichristen leben.
Mit ihrem Angriff auf Israel (der Schlacht von Gog und Magog) werden Russland und seine islamischen Verbündeten den Antichristen und den Westen direkt herausfordern. Nachdem die Armeen in Hesekiel 38 von Gott vernichtet wurden, wird der Antichrist seinen Bund mit Israel brechen und selbst in das Land einmarschieren (Dan 11,41-44). Die Zerstörung der russischislamischen Armee wird ein erhebliches Machtvakuum hinterlassen, das der Antichrist schnell füllen wird. Möglicherweise wird er seine Eine-Welt-Regierung und seine monopolisierte Wirtschaftsordnung zur Mitte der 7-jährigen Drangsalszeit errichten. In den letzten dreieinhalb Jahren dieses Zeitalters wird er über die Welt herrschen.
Die vernichtende Niederlage der Angreifer
Der Angriff dieser Nationen auf Israel wird wie das grösste militärische Ungleichgewicht in der Geschichte aussehen. Die arabischen Militärschläge gegen Israel in den Jahren 1967 und 1973 werden daneben verblassen. Dieses Einsatzkommando der letzten Tage wird in das Land einfallen und den Eindruck erwecken, dass Israel für immer verloren ist. Aber Gott hat die ganze Situation unter Kontrolle. In seinem Zorn wird er diese gottlosen Eindringlinge vernichten: «Es soll aber zu jener Zeit geschehen, zu der Zeit, wenn Gog gegen das Land Israel heranzieht, spricht Gott, der Herr, dass mir das Zornesfeuer in mein Angesicht steigen wird. Und ich sage es in meinem Eifer, im Feuer meines Zornes …» (Hes 38,18-19).
Gott wird sein hilfloses Volk retten und es zum Anlass nehmen, Russland und seine Verbündeten zu vernichten:
Er wird ein grosses Erdbeben senden (38,19-20).
Die Truppen der verschiedenen Staaten bekämpfen sich gegenseitig (38,21). In dem Chaos nach dem starken Erdbeben werden sich die Armeen der beteiligten Nationen gegeneinander richten. Das wird der grösste Fall von Beschuss aus den eigenen Reihen in der Geschichte der Menschheit sein.
Über die Angreifer wird zudem eine schreckliche Krankheit kommen (38,22).
Gott wird ihnen sintflutartige Regenfälle, Hagelkörner, Feuer und brennenden Schwefel senden (38,22).
Im Juni 1967 fand in Israel der berühmte Sechstagekrieg statt. Dies wird der «Ein-Tages-Krieg» (oder sogar der «Ein-Stunden-Krieg») sein, wenn Gott die russischislamischen Angreifer durch übernatürliche Mittel vernichten wird.
Die Folgen des Krieges
Auf die Invasion werden vier wichtige Dinge folgen:
Vögel und wilde Tiere (Hes 39,4-5.17-20; Offb 19,17-18). Das Blutbad wird ein grosses Festessen für Vögel und die wilden Tiere des Feldes darstellen. Gott bezeichnet es als «mein Schlachtopfer» und «mein Tisch», zu dem er die Vögel und wilden Tiere als Gäste einlädt.
Ein sieben Monate dauerndes Begräbnis der Toten (Hes 39,11-12.14-16). Aufräumkommandos werden gebildet, die durchs Land ziehen. Sie werden die Stellen, an denen sie menschliche Knochen finden, kennzeichnen. Die ihnen nachfolgenden Totengräber begraben die Überreste dann im Tal des Heerhaufens von Gog. Die Reinigung wird so umfangreich sein, dass dort eine Stadt entsteht und die Menschen, die das Land reinigen, versorgt werden können. Der Name der Stadt wird Hamona (Haufen) lauten.
Die Waffen werden sieben Jahre lang verbrannt (Hes 39,9-10). Da die Schlacht von Gog und Magog in der ersten Hälfte der Drangsalszeit stattfindet, werden die Israelis die Waffen auch noch in den ersten dreieinhalb Jahren des Tausendjährigen Reichs verbrennen.
Der Segen der Errettung (Hes 39,25-29). Inmitten seines Zorns wird Gott auch seine Gnade und sein Erbarmen ausschütten. Er wird die Demonstration seiner Macht gegen die einmarschierenden Armeen auch zur Errettung vieler Juden und Nichtjuden nutzen.
Gott macht deutlich, dass er das letzte Wort hat:
«Zur letzten Zeit wird es geschehen, dass ich dich gegen mein Land heraufkommen lasse, damit mich die Heidenvölker erkennen sollen, wenn ich mich an dir, Gog, vor ihren Augen heilig erweisen werde! … So will ich mich gross und heilig erweisen und mich zu erkennen geben vor den Augen vieler Völker; und sie sollen erkennen, dass ich der HERR bin! … Sie sollen erkennen, dass ich der HERR bin. Und ich werde meinen heiligen Namen offenbar machen unter meinem Volk Israel, und ich werde meinen heiligen Namen künftig nicht mehr entweihen lassen; sondern die Heidenvölker sollen erkennen, dass ich, der HERR, der Heilige in Israel bin! … Und ich will meine Herrlichkeit unter den Heidenvölkern erweisen. … Und das Haus Israel soll erkennen, dass ich, der HERR, ihr Gott bin, von diesem Tag an und künftig» (Hes 38,16.23; 39,6-7.21.22).
Viele Menschen, die sich aufgrund dieser Machtdemonstration zu dem wahren Gott hinwenden, werden zweifelsohne zu der riesigen Gruppe von Erlösten in Offenbarung 7,9-14 gehören.
Schlussgedanken
Gott macht in Hesekiel 38–39 immer wieder deutlich, dass alles in seinen Händen ist. Wenn wir eines aus Hesekiel 38–39 lernen, dann ist es, dass Gott die Kontrolle behält. Er sagt zu den zukünftigen Angreifern: «Und ich will dich herumlenken und will dir Haken in deine Kinnbacken legen; ich will dich und deine ganze Kriegsmacht herausführen» (38,4). Gott stellt diese einmarschierenden Staaten als ein riesiges Krokodil dar, das er aus dem Wasser zieht.
In Hesekiel 38–39 lesen wir sieben Mal: «So spricht GOTT, der Herr» (38,3.10.14.17; 39,1.17.25). Ausserdem heisst es acht Mal: «Spricht GOTT, der Herr» (38,18.21; 39,5.8.10.13.20.29). Offensichtlich ist es Gottes Anliegen, dass wir das Entscheidende nicht übersehen: Es ist sein Wort. Die Prophezeiung in Hesekiel 38–39 kommt direkt von ihm. Er ist der Urheber der Schrift.
Auch an anderen Stellen betont Gott sein souveränes Handeln:
«Du sollst aufgeboten werden» (38,8).
«Ich [werde] dich gegen mein Land heraufkommen lasse[n]» (38,16).
«Und ich will dich herumlenken und dich gängeln und dich heraufführen … und dich auf die Berge Israels bringen» (39,2).
Offensichtlich zwingt Gott diese Angreifer nicht, nach Israel zu kommen. Es ist ihr eigener Wille. Sie «schmieden böse Pläne» und Gott macht sie dafür verantwortlich (38,10). Diese Aussage soll in keiner Hinsicht die Verantwortung des Menschen verringern. Gemeint ist lediglich, dass Gott letzten Endes alles unter Kontrolle hat. Er ist derjenige, der dafür sorgt, dass die Bühne für die Erfüllung seiner grossen Prophezeiung bereitet ist.
Gott hat viele Ereignisse und die daran Beteiligten aufschreiben lassen, die bestimmte Rollen einnehmen, und wie wir gesehen haben, gehört die Schlacht von Gog und Magog in der Endzeit dazu. Es ist die erste grosse militärische Offensive in den letzten Tagen.
Das Aufkommen eines militanten Islam hat die meisten Leute schockiert und überrascht. Aber vor 2600 Jahren hat Gott durch den Propheten Hesekiel das exakte Szenario vorausgesagt, das sich heute jeden Tag in den Abendnachrichten vor unseren Augen entfaltet.
Hesekiel 36–39 ist «Geschichte, die im Voraus geschrieben wurde». Hesekiel 36–37 beschreibt, wie die Juden in der Endzeit wieder in ihrem Land gesammelt werden. Darauf folgt in Hesekiel 38–39 die Grossinvasion einer riesigen Armee. Am 14. Mai 1948 wurde Israel entgegen aller Erwartungen wieder zu einer Nation. Das ebnete den Weg für die Erfüllung des ersten Teils von Hesekiels Prophezeiung. Schauen wir uns heute in der Welt um, dann scheint es so, als würde die Bühne für den Rest seiner Prophezeiung bereitet, damit sie sich so erfüllen kann, wie Gott es vorausgesagt hat.
Alle in Hesekiel 38 beschriebenen Nationen sind klar erkennbare Länder, die den Wunsch haben, Israel zu eliminieren. Viele dieser Staaten schliessen Bündnisse miteinander. Die Krise zwischen dem Iran und Israel hat sich immer mehr aufgeheizt und könnte sich auf den ganzen Nahen Osten ausdehnen wie umstürzende Dominosteine, die den Weg für diesen prophezeiten Krieg weiter ebnen. Die Welt sehnt sich nach Frieden im Nahen Osten, und dieser Frieden wird Israel die Ruhe und Sicherheit bringen, die vor der Invasion vorhanden sein muss.
Bei all dem ist der Iran das Land, das es zu beobachten gilt. Jeden Tag erfahren wir durch das Fernsehen und die Nachrichten, was im Iran und an anderen Orten im Nahen Osten passiert, und diese Ereignisse sind wie die Lichter auf einer Landebahn, die aufblinken, während das Kommen Christi naht.
Aus: Israel & Iran, Mark Hitchcock, S. 99–121, Artikel-Nr. 180014